30.08.2013

Sensible Phasen von 0-3

"Ein Mensch ist ein Bildhauer seiner selbst, von einer rätselhaften inneren Kraft zum Erlangen einer idealen, bestimmten Form angetrieben."
-Maria Montessori 

Unter sensiblen Phasen versteht Montessori gewisse Empfänglichkeitsperioden, in denen innerhalb kürzester Zeit ein großes Lernvolumen ohne große Mühe bewältigt wird. Diese sensiblen Phasen, die Montessori beobachtet hat, melden sich zwar von Kind zu Kind zu in unterschiedlichen Zeiten, sind für das Alter dennoch typisch. Sie bemerkte, dass Kinder in bestimmten Lebensjahren die gleichen sensiblen Phasen durchleben. Sie unterteilt die Kindheit grob in Abschnitte von jeweils 6 Jahren, die jeweils noch einmal in Abschnitte von 3 Jahren gegliedert werden.

Die Aufnahmefähigkeit und Aufnahmebereitschaft sind in den ersten 3 Jahren besonders groß. Kinder selektieren nicht zwischen dem was sie mit allen Sinnen erleben, sie saugen einfach das Erlebte auf wie ein Schwamm ("absorbierender Geist"). Auch wenn sie passiv wirken, sind sie im hohen Maße aktiv, sie beobachten ihre Umgebung und nehmen alles auf. Das Lernen ist hier am intensivsten. Sie haben ein besonderes Interesse an kleinen Gegenständen, an Details und entwickeln eine Vorstellung von Zeit und Raum, Wahrheit und Wirklichkeit. In diesen Jahren bildet sich die wichtigste Grundlage für alles Lernen, aber auch für die Persönlichkeit eines Menschen.*

 

Sprache

Schon mit 5-6 Monaten lallte sie viel, hörte gerne ihre eigene Stimme. Im Krabbelalter übte sie besonders die Silben "ba" und "la", sowie laut und leise. Als sie zu gehen anfing, hörte das Sprechen kurz auf, da ihre volle Aufmerksamkeit auf das Gehen gerichtet wurde.
Vor gut 2 Monaten fing sie an andere Wörter zu sprechen, wie "Papa", "Mama" und "Hallo". Danach ging es rasant voran und mit jedem Tag lernt sie neue Wörter und Namen dazu. Sie zeigt auf Gegenstände, damit wir sie benennen, spricht alles nach, was sie hört und sie versteht so gut wie alles. Seit ein paar Tagen beobachte ich, wie sie meine Lippen genau beobachtet, wenn ich ihr ein neues Wort sage und versucht die eigenen Lippen genau so zu bewegen. Praktisch synchron. Sie bildet 2-Wort-Sätze, wie "Mama, da!" oder "Juja Haube." Sie hat konkrete Vorstellungen, die sie gekonnt vermitteln kann.


Ordnung 

Routine, eine geordnete Umgebung, Regelmäßigkeit und Überschaubarkeit helfen den Kleinen, sich in dieser für sie noch fremden Welt besser zu orientieren.  Diese Ordnung ist allerdings nicht ganz das, was wir meistens darunter verstehen. Es ist viel mehr eine Ordnung in der Welt. Für meine Kleine zum Beispiel MUSS eine Haube aufgesetzt werden, wenn wir die Wohnung verlassen. Ob sonnig oder windig, die Haube muss sein. Wenn ich ihr die Haube in der U-Bahn abnehme, fängt sie an lautstark zu protestieren, also wird die Haube wieder aufgesetzt. Eine Haube gehört schließlich auf den Kopf und soll nur Zuhause oder am Zielort abgelegt werden. Auch beim Händewaschen legt sie viel Wert auf die genauen Abläufe und Rituale, sowie beim Baden oder auch beim Anziehen und Essen.
Allerdings gilt auch: Eine äußere Ordnung schafft innere Ordnung. Ich bemühe mich daher sehr, unsere Tochter in einer sauberen, geordneten und schönen Umwelt aufwachsen zu lassen. Die wenigen Spielsachen sind in kleinen Körbchen sortiert, die Übungsmaterialien auf Tabletts oder ebenso in Körbchen, an der Wand in Augenhöhe hängende Bilder von Blumen und kleine Arbeits- und Leseecken sorgen für Bequemlichkeit und Entspannung. Als sie noch im Krabbelalter war, hat sie alles auseinandergenommen, nun probiert sie auseinandergenommene Sachen wieder zusammenzufügen, Ausgeräumtes wieder wegzuräumen.


Bewegung und Verfeinerung der Sinne

Gerade in den ersten Lebensjahren vollziehen Kinder Meilensteine was die Bewegung betrifft. Sie drehen sich auf den Bauch, sie robben und krabbeln, sie setzen sich auf, üben den sogenannten Bärengang, schaukeln ihren Körper hin und her in der Krabbelposition, ziehen sich an Möbelstücken hoch, balancieren und wagen schließlich den ersten Schritt. Und wenn sie erst laufen können, kann man sie gar nicht mehr stoppen. 
Julia braucht viel Bewegung und läuft unglaublich gerne herum. Wenn wir spazieren gehen, übt sie mit Vorliebe das schnelle Laufen, das Hinhocken und ihre neueste Entdeckung: das Rückwärtsgehen. Sie hebt und trägt gerne, auch wenn es viel zu schwer ist, möchte sie es unbedingt probieren zu bewegen und zu schleppen. Sie testet gerne ihre körperlichen Grenzen. Auch an Sinneserfahrungen jeglicher Art ist sie sehr interessiert. Sie will spüren, sehen, riechen, hören, schmecken wie die Dinge um sie herum sind. Welcher Ton höher ist; was salzig – was süß ist; wie Dinge riechen; wie Größenverhältnisse zueinander stehen und vieles mehr. Montessori nennt das auch ein intensives Bedürfnis nach täglichen Sinneseindrücken.

Linktipps:
* aus dem Buch von Claudia Schäfer: Montessori für Zuhause

1 Kommentar:

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