09.11.2013

Hasen tragen keine Hosen


Ich liebe Bücher. Viele schwören auf ihr Tablet oder ihren E-Book Reader, aber ich bleibe lieber der gedruckten Version treu. Nicht zuletzt auch deswegen, weil ich Julia den Wert von Büchern vermitteln möchte. In unserer Familie ist es auch Tradition, an den Feiertagen "echte" Bücher zu schenken. Also bin ich  bereits auf der Suche nach einem passendem Buch für Julia und das Angebot ist geradezu gigantisch. Mir fällt die Auswahl gar nicht so einfach. Es gibt Bücher mit kleinen Löchern für Fingerspiele, Bücher die auf Knopfdruck echte Tiergeräusche abspielen, Bücher mit Versen und Reimen und sogar Bücher mit kleinen Klappfenstern. Bei der Suche hilft mir allerdings enorm viel, wenn ich die Bücher sozusagen "montessorisch" betrachte. Es hilft mir wieder zum Einfachen, zum Bodenständigen zurück zu finden.

Im Geschäft schaue ich daher nach Büchern, die ansprechend aber schlicht gehalten sind und was mir ganz wichtig ist: Bücher mit echten Fotos oder eben realistische Illustrationen. Julia lernt gerade alles beim Namen zu nennen und wiederzuerkennen. Sie entdeckt gerade erst, was es alles auf dieser Welt gibt und mir ist wichtig, dass sie die Tiere so kennenlernt, wie sie in Wirklichkeit aussehen. Immerhin begegnen wir keinem Pandabären oder Eisbären und auch keinem Krokodil in der Natur beim Spazierengehen. Zum Glück.) Woher sollte sie diese dann sonst kennenlernen, wenn nicht aus Büchern?


Gestern fand sie in der Wohnung einen Möbelkatalog und blätterte eifrig darin herum. Sie sah auf einer Abbildung eine Decke auf welcher ein Krokodil aufgedruckt war. Ein Cartoon-Krokodil. Aber sie erkannte in dem Cartoon eine Raupe und beharrte darauf. Das machte mich nachdenklich. Sie weiß wie ein Krokodil aussieht, denn sie hat es oft im Tieralbum gesehen, auch die Raupe. Genau einen Tag vorher haben wir sogar eine im Gras zwischen den Laubblättern entdeckt und genau beobachtet, wie sie sich zusammenrollt. Aber dieses Cartoon hat sie irregeführt und ich fragte mich, was für ein Bild hätte sie von einem Krokodil, wenn sie es erst durch so ein Comic-Bild kennengelernt hätte? Wüsste sie dann überhaupt wie ein Krokodil aussieht?

Im Buch Montessori von Anfang an schreiben dazu Paula Polk Lillard und ihre Tochter Lynn Lillard Jessen folgendes: "Von Anfang an möchten wir das Kind auch an die Bedeutung von Büchern heranführen. Schaffen Sie für das Kind unter sechs Jahren Bücher an, die an die Realität anknüpfen, nicht solche, die auf Fantasie basieren. Das junge Kind muss die reale Welt erkunden, bevor es eine von Erwachsenen geschaffene Fantasiewelt würdigen kann - eine Welt, in der Kaninchen sprechen, Kleidung tragen und in die Schule gehen, in der verlorene Kinder nachts über den Himmel fliegen oder Piraten nach vergrabenen Schätze suchen."   

Was mir allerdings besonders schwer fällt wenn es um Bücher geht, ist, eine überschaubare Anzahl in Julias Bücherkorb bereit zu stellen. Es gibt einfach so viele schöne Bücher. "Die Anzahl der zur Verfügung stehenden Büchern sollte begrenzt sein. Vier Bücher sind das Maximum für ein zweijähriges Kind. Das Lieblingsbuch des Kindes kann beibehalten werden, aber tauschen Sie die anderen Bücher gelegentlich gegen andere aus dem Schrank aus."  Aber nachdem ich diese Zeilen gestern im Buch noch einmal durchgelesen habe, machte ich mich an den Bücherkorb ran und beherzigte diesen guten Rat. Immerhin kommt da bald wieder ein neues Buch hinein (apropos, für gute Büchertipps bin ich übrigens sehr dankbar ;)).

Kommentare:

  1. hallo,
    ich würde behaupten, dass ich vieles von dem, was maria montessori begründet hat, mit offenen armen begrüsse. und dass eine begrenzung von büchern (oder: medien. denn man kann genauso den wert von elektronischen medien vermitteln, oder von mündlicher erzählung als medium, sollte man sogar, finde ich (und einige pädagogen ;-)) sinnvoll ist, ist auch einleuchtend. mein kleiner begleiter hat das buch "klopf an" von Ana-Clara Tidholm geliebt; es ist auf eine raffiniert einfache art sehr vielfältig. Ole Könneke's "grosses buch der bilder und wörter" wird immer noch gerne aus dem regal gezogen. beide enthalten eigentlich nur grenzwertig realistische darstellungen. irgendwann habe ich festgestellt, dass ich ihm gerne ermöglichen möchte, auch andere arten "zu sehen" auszuprobieren - wenn ich das krokodil betrachte, fallen mir ganz grundlegende elemente eines "echten" krokodils auf: die schuppige haut, der gezackte rücken, der längliche kopf... und so sollte, meines erachtens, illustration arbeiten: erkennbare elemente bieten, um sich daran in richtung phantasie zu hangeln. wenn wir kinderzeichnungen betrachten, fallen uns vielleicht ganz andere "grundlegende elemente" auf, d.h. kinder legen eventuell ganz andere schwerpunkte in der betrachtung und im wiedererkennen. wichtig für mich war montessoris ordnungssinn, d.h. die dinge in beziehung zu sehen.... (also vielleicht besser: das krokodil im sumpf zeichnen, als im leeren blauen raum; die raupe auf dem blatt...) jedenfalls, auch wenn das jetzt schon ein furchtbar langer kommentar geworden ist, als bibliothekarin kann ich nicht anders, als ständig neue bücher anzuschleppen. manche kinderbücher entsprechen ganz klar meinem geschmack, aber ich finde es wunderschön, herauszufinden, welche bücher (und andere medien) eher dem geschmack des kleinen begleiters entsprechen. und dafür braucht es vielfalt.
    auf pinterest versuche ich, zumindest virtuell eine kinderbibliothek aufzubauen, vielleicht ist da ja noch das eine oder andere dabei. und manchmal schaff ichs auch, ein bisschen ausführlicher über neue bucherfahrungen zu schreiben: http://smorbrodsyltetoy.blogspot.de/search/label/bibliothek
    also, ich hoffe das war jetzt nicht zu viel des guten - aber ich freu mich auch einfach drüber, jemanden entdeckt zu haben, der montessori versucht in eine alltägliche erziehung miteinfliessen zu lassen, und darüber berichtet!
    ein schönes wochenende,
    lotte

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  2. Ein schöner Post von dir!
    Wie stehst du dann zu den vielen Tiergeräuschbüchern? Dort werden die Laute sehr realitätsnah wiedergegeben...und Bücher mit Klappen? Ich bin mir da auch unschlüssig... Alles Liebe!

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  3. Es gibt von Pixi eine Sammlung mit echten Tierfotos und Geschichten. Bei uns gibt es auch Tiergeräuschebücher. Sie liebt diese Bücher und kann viele Geräusche nachmachen. Es sind aber alles einheimische Tiere, die wir nebenan auf dem Bauernhof jeden Tag anschauen gehen. Wie heisst das Buch auf deinen Bildern?

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  4. Tolle Bücher! Kannst du auch die Titel posten? So einfach u schön, das suche ich schon lange.

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  5. Das wäre auch meine Frage gewesen: Wie heißt das Buch, das auf deinen Bildern zu erkennen ist? Wir lieben Bücher auch. So sehr!!! Und obwohl wir in einem reduzierten Haushalt leben wollen, um vieles auch übersichtlich zu halten, gelingt mir das bei manchem eben mehr oder weniger gut.
    Zu deinem Post sind mir ein paar Gedanken durch den Kopf gegangen.

    Zum einen kann ich das mit den echten Tierbildern oder Bildern überhaupt gut verstehen. Diese neuartigen Cartoons gefallen mir zum Beispiel gar nicht. Auch diese animierten Sachen... ich gebe zu, ich tue mir mit ihnen schwer. Allerdings finde ich die Begründung für reale Bilder im Gegensatz zu den gezeichneten nicht überzeugend. Es gibt wirklich viele tolle Illustratoren... Ich bin sehr wählerisch, was Kinderbücher angeht. Aber gezeichnetes finde ich wirklich toll. Viele dieser KlappenBücher von "Wieso?Weshalb?Warum?" haben ihren Weg recht früh ins Regal gefunden. Nicht alle! Das muss ich dazu sagen. Aber das vom Traktor und dem Schaf! Sie sind toll! Und auch an diese Zeichnungen kann man Tiere erkennen. Auch der Kleinste bei uns.
    Dann noch die Sache mit dem Tablet und dem Buch. Bücher haben etwas an sich, das kein noch so gutes Tablet bieten kann. Die Haptik ist eine ganz andere und ich mag es, wenn etwas einen Anfang und ein Ende hat. Das geht beim Lesen auf den Readern irgendwie verloren. Wir haben es mit einem Buch probiert und dann aber auch sein lassen. Ich weiß schon gar nicht mehr, wie das Buch hieß.
    Was auch für Bücher spricht ist der Gang in die Bücherei. Wir lieben es in den Regalen zu schmökern. Dabei sind die Kerle noch wirklich klein.
    Ach ja, und das mit den vier Büchern. Wie willst du das machen, sobald du zwei, drei oder vier Kinder hast? Ich mache die Erfahrung, dass die Jüngsten eben auch ein sehr großes Interesse an den Spielsachen und Büchern zeigen, die dem Großen gehören. Natürlich kannst du ihnen die anbieten, die ihrem Alter entsprechen. Aber ihnen das BauernhofBuch des Sechsjährigen aus der Hand reißen? Ich habe den Gedanken schon ein paar Mal beim Lesen gehabt. Ich finde deine Umsetzung toll und denke oft, ja, das probieren wir aus. Aber häufig komme ich an den Punkt, dass das bei mehreren Kindern doch nochmal anders ist. Scheint mir jedenfalls so.

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    1. Illustrierte Bücher finde ich auch schön und wir haben auch einige davon. Ich zeichne ja selbst sehr gerne, jedoch aus Zeitmangel leider viel zu selten. Mit den "echten" Bildern ist eher gemeint, dass auch auf Illustrationen Bären keine Breie am Tisch essen sollten und keine Hosen anhaben sollten. Sowas existiert nur in unserer Phantasie. Und das ist ja auch gut so, allerdings sollten kleine Kinder erst die richtige Welt kennen lernen und daher ihre ersten "Begegnungen" und Erfahrungen mit "realen" Tieren, Pflanzen und Gegenständen - wie man sie in der Natur und Umwelt eben anfindet - haben. Nicht falsch verstehen, eine gute Illustration stört keineswegs. Auch solche nicht mit Klappdeckeln oder echten Tiergeräuschen. ;)

      Ich habe angefangen die Bücher die wir haben hier auf zu listen, aber ich werde lieber einen eigenen Post dazu schreiben. :D

      (Wenn ein Kind ein Buch in die Hand nimmt, auch wenn es dem großen Bruder gehört, würde ich persönlich das Buch nie wegnehmen. Wenn man eben mehr Kinder im Haus hat, ist sowas unvermeidbar und so genau solltest Du das Zitat auch nicht nehmen - finde ich zumindest. Vielleicht reicht es, wenn jedes Kind seine eigenen 4-6 Büchern hat, die natürlich bei Gelegenheit ausgewechselt werden und wenn sie nichts dagegen haben, dass die kleine Schwester oder Bruder mal diese Bücher anschauen möchten, dann finde ich das doch völlig okay. Es ist ja auch nicht so, dass man streng nach diesem Konzept leben sollte. Aber diese Zeilen machen nachdenklich. ;))

      Ganz liebe Grüße, Anna

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  6. Liebe Anna!

    Ich lese deinen Blog sehr gerne und finde viele Anregungen, Ideen in deinen Postings.
    Meine Tochter ist jetzt 25 Monate alt, sehr flott in ihrer Entwicklung und beim Entdecken der Welt. Vielleicht liegt es daran ... Aber 4-6 Bücher sind bei uns VIEL zu wenig. Also pro Tag sind es bestimmt 10-15. Allein bei der Gute Nacht Geschichte lesen wir 4-6 Pixi Bücher. Sie entdeckt jeden Tag neue Details in den Bildern, kann viele Geschichten bereits auswendig und sogar das "kleine Ich-bin-ich" steht seit Monaten auf der mindestens "einmal pro Tag vorlesen Liste".
    Sie blättert selbst oft versonnen in ihren Wimmelbüchern und schaut sich Details an. Ich lege dir wärmstens die Wimmelbücher von Rotraud Susanne Berner ans Herz. Mit viel Liebe zum Detail und alle Möglichkeiten selbst Geschichten aus dem Alltag zu finden in 4 Jahreszeiten aufgeteilt. Ich kann gar nicht sagen, wie viele Bücher mittlerweile richtig "zerlesen" sind vom täglichen herumtragen und durchblättern. Sie erzählt anhand des Wimmelbuchs von Schönbrunn wo wir was erlebt haben. Kann viele Erlebnisse abspeichern und zuordnen. Spielt mit ihren Stofftieren und Dupolfiguren Situationen nach. Ich war selbst erstaunt.
    Hat sie zuviele Bücher? Ist sie zu flott in ihrer Entwicklung? Ich glaube nicht. Vielleicht muss man auch davon ausgehen, dass Maria Montessori nicht so viele gute Angebote bekommen hat wie es heutzutage gibt? Es gibt auch viele Bücher die ich überladen und unbrauchbar finde, aber sehr viele tolle und wirklich gut durchdachte schöne Bücher sind auch am Markt.
    Und in solchen Momentan frage ich mich dann, ob mir Montessori zusagt und ich meine Tochter in eine nach diesem Konzept geführte Betreuung geben kann.
    Unterscheidet sie zwischen "Vorlese-" und "Bilderbüchern?"
    Wie steht sie zu Reimen, Liedern etc.
    Wir haben allein 6 Bücher die wir ganz oft lesen und singen und die schaut sich meine Tochter aber auch alleine an. Für die Sprachentwicklung sind solche Reime ganz wichtig.

    Und das deine Tochter zu dem Bild sagt, es ist eine Raupe und kein Krokodil ... Das ist Fantasie, das ist doch etwas ganz wunderbares! Kinder sehen andere Details als wir und erfinden etwas ganz unverfängliches ... Ich finde das toll! Sogar mein Mann sieht in den Bilderbüchern andere Dinge und Details als ich und ich finde es total spannend wenn sie Bücher mit verschiedenen Personen liest. Denn manchmal ist ein Krokodil eine Raupe, dann ein Drache oder gar etwas ganz anderes.

    Mein Posting ist auch nicht als Kritik gedacht, nur hat dein Beitrag viele Rätsel in meinen Kopf gesetzt, die ich jetzt versuche zu lösen.

    Alles Liebe, Eva

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    1. Liebe Eva,
      ich finde deinen Kommentar sehr schön und gelungen. :)
      Mit 21 Monaten würde ich meine Tochter mit so vielen Büchern überfordern. Es geht ja darum, dass sie einen Überblick über ihre Sachen bewahren kann. Dass ist ähnlich wie bei den Spielsachen. Je mehr ein Kind hat, desto mehr wird es sich langweilen. Es verliert den Überblick. (Ähnlich geht es mir auch in einem zu großen Kaufhaus. Und letztendlich finde ich dann nichts passendes, weil die Auswahl zu groß ist.) Seitdem ich die Bücheranzahl erheblich reduziert habe, greift meine Kleine tagtäglich in ihren Bücherkorb und möchte gleich 3 Bücher hintereinander anschauen.

      Ich kaufte mir vor kurzem ein Montessoribuch über Musikerziehung. Wohlbemerkt, eigentlich für meinen Schulunterricht. Ich wollte aber auch wissen, ob und wie man bei Kleinkindern Musik fördern kann. Dort steht auch, in den ersten Jahren brauchen Kinder nichts als viel Singen, Rhythmen und Reime. Wir haben auch solche Bücher und vor allem schöne Kinder CD-s. Wir singen jeden Tag. Sie singt jeden Tag. In der U-Bahn, beim Anziehen in der Garderobe, beim Baden... überall! Und das sind für mich dann die lieblichsten Lieder der Welt, weil sie sie singt. :)

      Ich finde, die heutigen Kinder leben in einer Welt, wo sie von Informationen und Reizen regelrecht überschüttet werden. Sie werden unruhig und unkonzentriert. Ich hatte als Kind vielleicht 3-4 Bücher, diese habe ich aber heiß geliebt und geschätzt und bis heute stehen sie auf dem Regal im Elternhaus.

      Ganz liebe Grüße,
      Anna

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  7. Ich bin vor kurzem über dein Blog gestolpert und habe seither gern darin hin- und hergelesen und oft genickt: so habe ich das mit meinen Kindern auch gemacht (bzw. mache es), ganz ohne spezielles Konzept. ;-) Mit Maria Montessoris Ansichten kann ich mich gut identifizieren - vor allem damit, dem Kind, auch dem noch sehr kleinen Kind, etwas zuzutrauen.

    Deshalb wundere ich mich gerade sehr, dass man ihrer Ansicht nach Kinder unter SECHS nicht mit Fantasiewelten konfrontieren soll. Sechs Jahre? Das erscheint mir sehr spät. Ist es dann nicht schon ZU spät, um die kindliche Fantasie zu wecken? Wird ein Kind dann nicht erst recht sprechende Kaninchen seltsam finden, weil ein Kaninchen eben ein Säugetier ist, das auf Feldern lebt? Und verschenkt man damit nicht viel vom Zauber, den gerade solche Fantasiegeschichten verbreiten?

    (Wir haben hier z.B. eine jetzt Siebenjährige, die schon mit fünf erkannt hat, dass die Weihnachtsmänner auf den Weihnachtsmärkten nur als solche verkleidet sind, aber die immer noch mit kindlichem Ernst an den "echten" Weihnachtsmann und die Wichtel glaubt.)

    Viele Grüsse,
    Karen (diesmal auch mit Rätsel im Kopf) :-)

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    1. Ich muss gestehen, auch mir scheint diese Altersgrenze etwas zu übertrieben, obwohl ich mir auch sicher bin, dass die Autoren dieses Buches sich dabei was gedacht haben. Und mehr wissen, als ich. :)

      Wir versuchen unsere Tochter mit solchen Phantasie-Bildern nicht zu überfordern. Ich habe sie natürlich nocht nicht als Fünfjährige erlebt, denn sie ist erst 21 Monate alt, aber mir scheint es logisch, dass Kleinkinder erst die "reale" Welt kennenlernen sollten, also wo Tiere nicht angezogen sind, nicht in die Schule gehen und auch Kinder nicht fliegen können, bevor sie mit der Phantasiewelt was anfangen können. Denn ich glaube nicht, dass kleine Kinder Phantasiemärchen und Realität voneinander trennen können. Für ganz kleine Kinder ist dann die Welt so, wie sie sie das erste mal sehen. Ich bin der Meinung, dass man da sehr vorsichtig sein soll. Das merke ich sehr stark im Alltag, sie spricht mir ja alles nach und macht unsere Bewegungen nach.

      Allerdings glaube ich nicht, dass die kindliche Phantasie dadurch gehemmt wird. Aber eine Phantasiewelt kann man nur auf eine reale bauen, finde ich. Das merke ich auch bei meiner Tochter, dass sie noch lange nicht soweit ist und mit Märchen einfach nichts anfangen kann. Sie mag Geschichten sehr, aber eher solche, zu denen sie selbst einen Bezug hat. Wir haben da auch ein Buch über ein Mädchen, das den Tag mit seinem Papa verbringt und alles mögliche macht. In den Park gehen, Kuchen essen, gemeinsam backen und Zähneputzen. Das alles hat sie auch schon erlebt, damit kann sie eben was anfangen.

      Ich habe ein wenig nachrecherchiert und fand zu diesem Thema DIESE interessante Unterhaltung im Forum der Österreichischen Montessori-Gesellschaft.

      Es bleibt natürlich jedem selbst überlassen, ob er den eigenen Kindern unter 6 Jahren Märchen erzählen möchte, oder nicht. Ich muss aber sagen, es ist unglaublich schön, dass es so vielen nicht egal ist, was Kinder lesen, OB Kinder lesen und dass wir hier darüber wirklich interessante Gedanken und Sichtweisen austauschen. :)

      Ganz liebe Grüße,
      Anna

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  8. Ein toller Beitrag Anna und eine gelungene Diskussion hier...auch ich stutzte erstmal über die geringe Anzahl an Büchern und es fällt mir wirklich schwer unsere Anzahl an Büchern zu dezimieren, aber je mehr ich darüber nachdachte, desto mehr leuchtete mir ein, das meine Tochter tatsächlich einige bestimmte favorisiert zB Meine kleine Katze
    Wenn du noch nach Büchern mit Fotos ausschau hältst, (Weihnachten ist ja nicht mehr weit) dann kann ich dir "Der kleine Enterich" von Judy Dunn empfehlen...von ihr gibt es auch "Das kleine Lamm" und "Der kleine Ziegenbock"...die habe ich schon als Kind geliebt!
    Liebe Grüße, Judith

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  9. So sehr ich die Montessori-Pädagogik in vielen Punkten interessant finde, finde ich sie an diesem Punkt überzogen. Aus beruflichen Gründen habe ich viel mit Büchern zu tun. Seit der Geburt meiner Tochter hat sich mein Spektrum auf Kinderbücher erweitert, ich beschäftige mich mit der Thematik nun doch recht intensiv, u. a. weil die Kleine Kinderbücher testen darf.
    Kindern bis 6 Jahren ausschließlich Kinderbücher mit realen Abbildungen zu geben, übersieht, daß die Kinder ab ca. 3 Jahre eine reiche Fantasiewelt entwickeln, die ganz fest in der realen Welt verankert ist. Kinder machen keinen Unterschied zwischen Real und Fantasie wie Erwachsene. Und was hat es mit Kinderbüchern zu tun?
    Also bei guten Kinderbüchern ist der Inhalt (Gestaltung und Text sollen eine Symbiose bilden) auf die Zielgruppe gut angepaßt. Vor allem bis 6 Jahre gibt es da große Unterschiede. Kinder bis ca. 1 Jahr brauchen vor allem Fühlbücher zum Anfassen, Quitschen, unterschiedliche Materialien. Abbildungen können maximal ein Motiv aus dem Alltag oder aus der Tierwelt sein. Also ein Frosch, ein Schaf, ein Schuh, ruhiger Hintergrund, gerne kräftige Farben. Hier geht es um das Haptische (passend zu Montessori ;-)):
    Bücher von ca 1-3 sind Bilderbücher aus fester Pappe, erste einfache Geschichten, die im Aufbau einfach sind, klare Gestaltung von Vorder-, Mittel- und Hintergrund, spannende Details, aber nicht zu detailreich. Übrigens ist bei diesen Büchern egal, ob es Fotos oder Illustrationen sind. Denn in der Regel erkennen Kinder sehr genau, ob es sich um ein Krokodil oder Hase handelt, auch wenn er gemalt ist. Es sollte natürlich die Grundformen des Tieres oder Gegenstandes haben und nicht zu sehr verfremdet sein. Wenn letzteres der Fall ist, ignorieren Kinder den Gegenstand einfach.
    Ab 3 Jahre werden die Bücher komplexer in der Geschichte, phantasiereicher, übertriebener, der Text nimmt gegenüber den Bildern zu. Das ist die Zeit der Märchen. Hier nur reale Abbildungen anzubieten, wäre für Kinder langweilig.
    Kleinkinder probieren übrigens beim Benennen gerne auch mal andere Namen aus, um mal zu gucken, wie darauf reagiert wird. Also so eine Art von Test. Man sollte einfach dann den richtigen Begriff nennen und sich nicht zu viele Gedanken machen.
    Interessant ist auch zu sehen, wie Kinder Bücher sehen, denn sie haben einen völlig anderen Blick. Manches Buch, das ich passend fand, hat meine Tochter überhaupt nicht interessiert. Andere, die für die Altersgruppe ungeeignet fand, waren ihre Lieblingsbücher. Einfach auch an dieser Stelle dem Kinde vetrauen ;-). Übrigens ist in dieser Hinsicht die Webseite buecherkinder.de spannend, denn dort testen Kinder die Bücher und geben ihre Meinung kund.

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