19.10.2014

Das Bedürfnis nach Ordnung (oder: Wie bei uns das Aufräumen klappt)


Das Bedürfnis nach Ordnung entdecke ich bei ihr sehr oft während sie spielt. Sie baut aus Bausteinen leidenschaftlich hohe Türme und legt andere mit größter Sorgfalt nebeneinander hin.


Sie baut Treppen, ordnet die Bausteine zu Mustern und die Dominosteine zu einer Art Rechteck (und singt dabei ihre Lieblingslieder).


Aber auch im Alltag hat sie das Bedürfnis nach Ordnung. Wenn sie Sachen nicht auf ihrem Platz vorfindet oder wenn ich einen Gegenstand zweckentfremde, runzelt sie ihre Stirn und murrt. Sie hält sich an genaue Handlungsabläufe (wie zum Beispiel beim Händewaschen) und Rituale (etwa beim Baden und Zubettgehen) und ich merke, wie ungeheuer wichtig Beständigkeit für sie ist. Zu wissen, dass alles seinen Platz und seine Ordnung hat, gibt ihr so viel Sicherheit. Eine äußere Ordnung lässt sie sich stärker, größer und unabhängiger fühlen. Und tatsächlich ist sie es dadurch auch.


"Die Ordnungsliebe des Erwachsenen ist völlig anderer Art und entspringt auch anderen Motiven. WIR wollen unsere Umgebung ordentlich haben, weil das angenehm und nützlich ist. Das Kind aber BRAUCHT die Ordnung, weil es mit Hilfe der Elemente seiner Umwelt sich selbst aufbaut. Der Ordnungssinn ist von allem Anfang an da. Dieser innere Ordnungssinn aber verlangt als eine Art Unterstützung die stabile Ordnung der Dinge außerhalb." - Edwin Mortimer Standing, Maria Montessori: Leben und Werk


Seit gut 4-5 Wochen holt sie sich, nachdem sie sich für ein Material entschieden hat, automatisch auch einen kleinen Teppich zum Spielen. Wenn sie genug vom Material hat, räumt sie es samt Teppich auch wieder zurück. Früher hätte ich mir nie gedacht, dass so ein kleines Kind zu so etwas fähig wäre. Und das sogar so selbstverständlich.


Den Montessori-Pädagogen aus ihrer Kinderkrippe habe ich wirklich viel zu verdanken. Sie sorgen für eine übersichtliche und hübsche Umgebung und begleiten meine Tochter jeden Tag mit viel Geduld, Respekt und Vertrauen. Es ist kaum zu übersehen, wie viel es bei ihr bewirkt, so dass wir drauf achten, dies auch zu Hause ähnlich zu handhaben:

  • Um ihr einen besseren Überblick zu verschaffen, reduzierten wir ihre Spielsachen erheblich.
  • Diese sortierten wir in Körbchen, Schälchen und Tabletts und stellten sie übersichtlich auf ein niedriges Regal. So konnte sie sofort sehen, welche Spielzeuge dort stehen und diese einzeln vom Regal nehmen (und zurücklegen).
  • Spieleteppiche sind unglaublich praktisch! Ich möchte sie wirklich jedem wärmstens empfehlen! Sie schaffen eine klare Abgrenzung des Spielbereiches, so dass ich sehe, wo meine Tochter gerade spielt und ausweichen kann um sie nicht zu stören. Abgesehen davon liegen, dank dieser Teppiche, selten Spielzeugteile in der Wohnung herum.
  • Wie sie die Teppiche aufrollen kann, wurde ihr in der Kinderkrippe gezeigt. Auch die 2 kleinen Löcher an den Seiten, die beim Aufrollen entstehen. Das hat sie fasziniert! Seitdem achtet sie ganz genau beim Aufrollen auf diese Löcher und so gelingt es ihr auch um einiges besser.
  • Als sie noch viel jünger war, aber auch jetzt, wenn sie keine Lust hat aufzuräumen, nehme ich sie sanft an der Hand, führe sie zum Material und räume mit ihr gemeinsam alles weg. Manchmal machen wir sogar ein kleines Spiel daraus: dann legen wir die Bausteine abwechselnd in den Korb zurück.

Ich bin unendlich froh, Montessori für mich entdeckt und unser Zuhause auf diese Art eingerichtet zu haben. Sonst hätte ich wohl kaum erfahren, wie bedeutend bereits kleine Änderungen in der Umwelt eines Kindes sein können!

Kommentare:

  1. Hallo ihr Lieben! Wo habt ihr denn die Teppiche gekauft? Könnt ihr welche empfehlen? Passende habe ich noch nicht gefunden.. aber unsere ist auch noch nichtmal 2, also vom "selbst aufräumen" noch etwas entfernt ;) Danke!

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    1. Hallo! Die Teppiche sind vom Möbelschweden. Sie sind rutschfest und flach gewebt, außerdem recht handlich zum Aufrollen. In diversen Montessori-Shops gibt es ganz tolle, es lohnt, sich auch dort umzuschauen! ;) LG, Anna

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  2. danke für diesen kleinen einblick in eure aktuelle aufräumsituation. vor allem bei haushaltsgegenständen ist es unserer tochter sehr wichtig, dass die dinge an ihrem richtigen platz sind. die spielsachen werden am liebsten gesammelt und anschließend einfach in tüten und kisten verstaut. es ist okay für mich, sie fühlt sich so wohl.
    lieb, ann-ka

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