28.01.2015

Warum echte Alltagstätigkeiten SO wichtig sind


Sie putzt ihren Spiegel und lächelt dabei. Ganz im Gegenteil zu mir macht ihr diese Arbeit eine immense Freude. So sehr, dass sie ihn immer wieder neu mit Wasser abwischt, damit sie dann mit dem Fensterwischer alles wieder abziehen kann. Eine Schürze, ein kleiner Schwamm, ein Eimer mit schaumigem Wasser und ein Fensterwischer reichen aus um sie glücklich und stolz zu machen. Sie fühlt sich groß und vor allem, zu echter Arbeit fähig.



"Die traditionelle Hausarbeit in der Familie wird bei Montessori als Übungen des praktischen Lebens bezeichnet. Es ist der wichtigste Bereich in der Lebenserziehung. 

Es ist das Erlernen von scheinbar banalen Tätigkeiten wie dem Anziehen, Staubwischen und Fegen, dem Zubereiten und Servieren von Speisen, handwerken und bauen, Arbeit welche das Kind den ganzen Tag um sich herum sieht, damit es lernt, seinen Körper und seinen Geist für einen Zweck zu nutzen, zu planen und sich zu konzentrieren, um seine Bewegungen unter Kontrolle zu haben. Aber auch um Arbeitszyklen zu verstehen und die Tätigkeit, die es mal angefangen hat, zu vervollständigen. Am allerwichtigsten bei dieser Arbeit ist aber, dass das Kind sich selbst als bedeutender Beitragender in der Gesellschaft sehen kann." - Susan Mayclin Stephenson, Child of the World: Montessori, Global Education for Age 3-12+


Sie schrubbt ihren Waschtisch bis jeder Quadratzentimeter nass ist und summt dabei eine Melodie. Sogar die Ecken und die Kanten schrubbt sie gründlich nach. Sie macht dabei ganz große und auch kleinere Kreisbewegungen, mal langsam, mal ganz schnell und ist richtig fasziniert vom vielen Schaum, der dabei entsteht. Sie ist bemüht, ihre kleinen Hände geschickt einzusetzen und ist dabei stets mit dem ganzen Körper in Bewegung.

"Diese Arbeiten erfüllen für sie einen ganz anderen Zweck als für uns Erwachsene: die Aufgabe des Kindes besteht darin, den Menschen zu schaffen, zu dem es werden muss. Während Erwachsene arbeiten, um ihre Umwelt zu verbessern, arbeiten Kinder, um sich selbst zu verbessern. Haushaltstätigkeiten sind genau das, womit sich Kinder in diesem Alter gerne beschäftigen wollen. Tätigkeiten, bei denen sie ihre Muskeln anstrengen können und die zu sichtbaren Ergebnissen führen, die sowohl den Kindern selbst als auch den Menschen in ihrer Umgebung nützlich sind."- Silvana Quattrocchi Montanaro, Das Kind verstehen - Entwicklung und Erziehung von 0-3 Jahren nach Maria Montessori


"Dem Kind zu erlauben, an der täglichen Arbeit welche es rund um sich sieht, teil zu haben, zeugt von großem Respekt und Vertrauen in das Kind. Es hilft ihm sich wichtig zu fühlen, es wird gebraucht. Wir können das nachempfinden, wenn wir einen Dinnergast, den wir bedienen, mit einem guten Freund, welcher mit uns in unserer Küche scherzt und lacht, während wir zusammen das Abendessen zubereiten, vergleichen. Kinder wollen keine 'Gäste' sein, sie wollen, dass wir ihnen helfen, es selbst zu tun." - Susan Mayclin Stephenson, Child of the World: Montessori, Global Education for Age 3-12+

Kommentare:

  1. Ich liiiiiiebe Deine Bilde r infach! Und ein wirklich zauberhafter Post wieder einmal, so inspirierend und er zaubert sofort ein Lächeln ins Gesicht. Wie wunderbar unsere Kinder doch einfach sind und wieviel sie uns lehren ist unglaublich nicht wahr? GLG, MamaMia

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  2. Oh ja, unsere Vierjährige übernimmt viele Aufgaben, die sie liebt (und ist nebenbei auch eine echte Hilfe). Wenn ich einmal das Waschbecken alleine putze oder die Böden wische ist sie enttäuscht, dass ich nicht auf sie gewartet habe. Auch räumt sie gerne ihre Kleidung selbst in die Kommode - inkl. Ihrer ganz eigenen Falttechnik ;-)
    Liebe Grüße und danke für die wunderschönen Bilder!
    Lena

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  3. Hallo, ich lese schon länger mit Begeisterung mit. Jetzt hab ich aber mal eine Frage! Leider hab ich bei meiner großen Tochter den Zug verpasst 😉 sie wird schon 8 und macht nichts zu Hause! Sie hat da auch null Bock drauf. Wie kann man so eine " große" noch dazu bewegen? Bei uns endet es immer in einer Diskussion und am Ende mache ich es wieder selbst! L.g. Martina

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    1. Hallo Martina,
      das muss nicht unbedingt damit zusammenhängen, dass du den "Zug verpasst" hast. Ich weiß jetzt leider auch keinen Rat, aber das Kind einer Freundin hat in den ersten Jahren ganz viel und gerne im Haushalt mitgeholfen, etwa wie auf den Bildern. Aber nun mit 8 Jahren hat es auch überhaupt gar keine Lust mehr mitzuhelfen. Ist ja auch klar, die Arbeiten sind ja nun keine "Übung" mehr.
      Aber deshalb interessiert mich deine Frage auch sehr. Was macht man denn dann? Warten, diskutieren, delegieren, neue Aufgaben anbieten...?

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