"Erziehung ist Vorbild sein und sonst nichts als Liebe."
Maria Montessori

Sie ahmt alles nach, was wir tun oder sagen. Alles. Ob es ein für sie ganz neues Wort ist, eine neue Melodie die wir summen oder ein neues Lied, die Handhabung mit Gegenständen oder sei es eine kleine Handbewegung die wir gar nicht mehr wahrnehmen: sie macht uns nach. Sie beobachtet uns ganz genau und hört auch dann zu, wenn wir mit jemand anderen reden. Auch wenn wir das in dem Moment gar nicht merken.

Und dann plötzlich sagt und tut sie Dinge, wie aus heiterem Himmel. Sie sagt ganze Sätze. Wörter, deren Bedeutung sie womöglich noch gar nicht versteht. Sie macht Sachen, die uns einfach nur zum Staunen bringen. Sie hat uns zugeschaut. Sie hat uns belauscht. Alles in sich aufgesaugt und dabei einiges dazu gelernt. So einfach ist das.

Aber für uns ist das nicht ganz so einfach. Vorbild zu sein ist schwer. Es ist eine ungeheuer große Verantwortung. Vorzuleben, wie wir miteinander in Frieden zusammen leben können, wie wir mit Sachen umgehen, wie wir liebenswert, wertschätzend und selbst wertvoll sind. Dadurch, dass sie uns auf die Finger schaut, macht sie uns noch einmal bewusst, wie wichtig es ist, wie wir etwas machen. Ruhig, überlegt und ordentlich.


Auch die kleinsten Handbewegungen, die von uns schon unbewusst durchgeführt werden um aus einem Glas zu trinken, einen Teller zu halten oder in einen Pullover zu schlüpfen, müssen neu bedacht werden. Denn wenn wir den Teller mit einer Hand in die Küche tragen, macht sie das auch so. Wenn wir das Glas mit einer schlampigen Bewegung, mit nur einer Hand zum Mund führen, macht sie das genau so nach. Und wenn wir blitzschnell was über den Kopf ziehen, ärgert sie sich, wenn sie dies auch probieren möchte aber nicht nachmachen kann. Denn sie will es lernen. Sie will das unbedingt alleine machen.

Oder das Bedanken und Begrüßen! Sie fordert dies bereits regelrecht ein und schaut uns entsetzt an, wenn wir das nur ein einziges Mal vergessen sollten. So wie die Hand schütteln, Gesundheit! und Morgen! sagen. Da darf nichts fehlen. Niemals.

Ich ertappe mich selbst dabei, wie oft ich eigentlich telefoniere. Denn sie macht mich nach. Wie oft ich mit einem Happen im Mund oder noch schlimmer, in der Hand durch das Wohnzimmer sause. Denn sie will dann auch ein Stück haben. Dabei bemühen wir uns sehr, das Essen beim Tisch sitzend einzunehmen. Und ich merke, nicht einmal ich darf da eine Außnahme sein. Denn mit Recht fragt sie sich dann: mit welcher Berechtigung darf sie das da machen? Und warum ich nicht?


Kann man vorbildlich Meinungsunterschiede ausdiskutieren? Vorbildlich wütend sein? Vorbildlich nach etwas verlangen? Kann man vorbildlich miteinander leben ohne dabei auf seine eigenen Bedürfnissen zu verzichten? Vorbildlich sein beim Zuhören? Beim Trösten? Beim geduldig sein? Über all diese Fragen lässt sie mich immer und immer wieder nachdenken und ich versuche mein Bestes. Ich möchte ihr ein gutes Vorbild sein. Und das ist alles andere, als einfach. Es ist eine große Verantwortung.

"Mit Hilfe seines absorbierenden Geistes nimmt es (das Kleinkind) vielfältige Eindrücke seiner Umgebung auf und erfasst die engen Bezugspersonen als Vorbild für das, was Menschsein insgesamt bedeutet."
Ela Eckert
Montessori-Pädagogin, Forscherin und 
Vizepräsidentin der deutschen Montessori-Gesellschaft sowie
Editor des Montessori-Magazines DAS KIND

Ich liebe es, wenn ihr Lachen unser Zuhause durchschallt. Wenn sie herumrennt, herumtollt und erzählt. Wie sie beim Schaukeln vor lauter Freude quietscht und schreit, wie sie ihren Ikea-Tunnel hin- und herschleppt und das Rascheln dabei. Wie sie Hoppala! und Ui! sagt, wie sie die Schuhe im Vorraum nach ihrem eigenen System ordnet. Wie sie ihre Bücher auf die Couch hochschleppt und laut "vorliest". Wegen all dem lebt unser Zuhause.

Und ich liebe diese Stillleben, die durch ihr Zutun entstehen. Spuren ihrer Ideen, ihrer Gedanken, ihres Erforschens und Entdeckens. Sie hinterlässt ihr Labor, ihre Kunstwerke und ihr Bemühen. Und wenn ich so einen Ort dann betrachte und ihm lausche, höre ich sogar noch das herzhafte Kinderlachen, das Quietschen der Schaukel, das Rufen nach mir, das Zischen der Buntstifte und das Klopfgeräusch der Bausteine. Ich liebe diese "flüsternde" Stille. Die "erzählende" Stille ihrer Spuren.


Die letzen Tage vergingen hier friedlich, fröhlich und festlich, genau, wie ich es mir gewunschen habe. Viel Zeit für einander, viel Freude miteinander teilen. Lachen. Genießen. Zusammen sein. Wir nahmen heute das Fotoalbum wieder in die Hand, das meine Kleine zu ihrer Taufe bekommen hat, und schauten alle Fotos an, ganz besonders die von Weihnachten voriges Jahr. Es war ganz lustig sie dabei zu beobachten. Ob sie sich an Bruchstücke davon erinnern kann?


Bei der Erinnerung an ihre Taufe wurde mir wieder einmal ganz warm ums Herz. Sie war einmalig schön!


Ich liebe diese kleinen Füße, die so enzückend unter den großen Büchern in ihrem Schoß herausschauen. Wärend sie das Buch, oder heute eben das Album studiert, bewundere ich fast schon heimlich diesen zuckersüßen Anblick. Zum Anbeißen.


Und wieder ein neues Wort gelernt: Krawatte.


Ich hoffe, Ihr verzeiht mir, aber das 24. Fenster wird hier im Blog nicht geöffnet. Ich möchte in den kommenden 2-3 Tagen jede Minute meiner Familie widmen. Allerdings möchte ich mich bei Euch allen bedanken. Für die unglaublich netten Kommentare sowohl hier im Blog sowie auf Facebook, für die lieben E-Mails und die vielen Likes. Danke Euch! Ich hoffe, mit unserem "Zeit-für-Dich-Adventskalender" konnte ich Euch ein paar Inspirationen und Montessori-Übungen schenken.

Ich wünsche Euch allen und auch Euren Familien eine gesegnete Zeit, inneren Frieden, Stille und unendlich viel Freude! Und das nicht nur zur Weihnachten!

... Heidi. Unsere Heidi. Es war nicht leicht, es war sogar richtig viel Arbeit, aber ich bin unendlich froh darüber, dass ich mir das zugetraut habe. Ich fühle mich nach dieser getanen Arbeit so richtig wohl. Und genau so, wie sie ist, mit einer Spur zu langen Armen, vielleicht einem Hauch zu weichem Bauch, mit den schiefen Nähten hier und da und mit der aus Stoffmangel improvisierten Latzhose - ich bin stolz darauf! :)
Hier die kleine Dame im Detail:


Die originalen Converseschuhe von meiner Kleinen aus ihren ersten Lebensmonaten. War ein unglaublich nettes Geschenk, das ich bis heute wohl behüte.

 

Die Haare waren richtig, richtig viel Arbeit. Die Stränchen sind nämlich gehäckelt, das ist das Geheimnis  von Heidis Haarfülle.

 

Schief und ungenau, dennoch genau mein Geschmack. Wer will schon was perfektes? Das ist eben MEIN Markenzeichen.


Der Rücken unter der Haarmähne.


Und die passende Verpackung für eine Puppe: Eine Wiege. :)

Wir bereiten uns voller Vorfreude auf das Wiedersehen mit der Familie vor und bastelten jedem ein kleines Geschenk: Einen Schneemann im Glas. Ich sah die Idee auf dem Blog The Connection We Share und war dermaßen enzückt, dass ich mich sofort auf die Suche nach leeren Gläschen, Watte und Textilbändern in der Wohnung machte.


Was ich dazu brauchte: Watte, kleine leere, saubere Gläschen, Alleskleber, Wackelaugen, Kreise aus Textil, schwarzen Stickgarn und Textilbänder für den Schal. Man kann die Schneemänner eigentlich ganz individuell gestalten, ich nahm dazu noch roten Filzstoff für die Karottennasen und Eddingstifte in Silber sowie kleine schwarze Pickerl für die Knöpfe.


Den Schal habe ich um die Gläser gebunden, die Augen und die Filznasen klebten wir allerdings gemeinsam.


Reichlich Watte in die Gläser füllen, ...


die Knöpfe anmalen, ...


und einen süßen Hut als Deckel binden.

 

Fertig.

Gestern kamen wir nicht, wie geplant, zu unserem "Zeit-für-Dich-Advenstkalender" Nr. 17, da wir den ganzen Nachmittag unterwegs waren. Es ging um meine Anmeldung an der Montessori-Akademie, denn bald geht's ja los. :)

Heute war wieder so ein Weltuntergangstag. Graupel, eisige Kälte und Dauerfinsternis. Nicht einmal fotografieren kann man bei dem Wetter richtig. Ich plante für diesen Nachmittag Kekse zu backen, damit wir es wenigstens in den eignenen vier Wänden kuschelig und wohlig haben. Ich habe zwar meine Kleine eingeladen mit mir gemeinsam zu backen, aber diesmal hatte sie keine Lust dazu. Zumindest am Anfang nicht. Stattdessen nahm sie ihren Teppich und Korb mit den Zügen, schleppte und legte diese in der Küche neben mir hin und fing an zu bauen, zu singen und zu erzählen.

Die Formen stachen wir später dann doch noch gemeinsam aus. Sie sah nämlich wie ich den Teig ausrollte und ausstanzte und bekam sofort Lust auch ein paar Glöckchen zu "basteln".


Sonntag, Sonnenschein, Kind (und Ehemann) und die Natur. Die Zutaten für einen entspannten und wohltuenden Spaziergang am Nachmittag. Zeit für einander, Zeit für sich selbst. Ich liebe solche Spaziergänge in der Natur!


Wir nahmen auch einen Korb mit um wunderschöne Schätze zu sammeln. Man findet sie praktisch überall. Jeder durfte was in den Korb legen, je nachdem, wer was schön und interessant fand. Dabei sind wir natürlich immer wieder stehen geblieben und haben alles um uns herum bewundert. So schön ist die Natur.


Meine Kleine war von den gesammelten Kostbarkeiten dermaßen fasziniert, dass sie ständig nach ihren Namen fragte. Die Hagebutte war heute ihr neues Lieblingswort. Und natürlich musste der Korbinhalt mit nach Hause - mal sehen was wir mit dieser schönen Sammlung anstellen können. Aber bevor wir uns auf den Nachhauseweg machten, tranken wir noch eine schaumige heiße Schokolade beim Konditor. Das heutige "Zeit-für-Dich-Adventskalender-Türchen" gehört definitiv zu meinen Lieblingen.


Vor 3-4 Monaten hörte ich das erste mal von Claus-Dieter Kaul. Meine Kollegin hat mich auf ihn aufmerksam gemacht, er ist Leiter des Institutes für ganzheitliches Lernen - auf Basis der Montessori-Pädagogik und bietet international anerkannte Montessori-Ausbildungen in Berlin, am Tegernsee, Herzogenaurach, Freiburg, Wertingen, in Kärnten, in Wien und in der Schweiz an. Ich wurde neugierig und tippte seinen Namen in die Suchmaschine ein. Dabei fand ich nicht nur die Homepage des Institutes, sondern auch diese Bücherserie: Montessori konkret.

Die 4 Bände, die Kaul zusammen mit Christiane M. Wagner geschrieben hat, sind Montessori-orientierte Praxishandbücher für die Vorschule (und für den Kindergarten). In Bereichen: Mathematik, Kosmische Erziehung, Sprache und den Übungen des praktischen Lebens und Sinnesschulung werden nicht nur Montessori-Materialien vorgestellt und erklärt, die Bücher stecken voll mit interessanten Informationen und Experimenten. So erklären Kaul und Wagner auch, wie die Perlenstäbe (oder aber auch der Rosa Turm) zu ihren Farben gekommen sind (über Rosa habe ich bereits geschrieben, könnt ihr Euch noch erinnern?), wie man Kleinkinder in die Welt der Mathematik zum Begreifen der geraden und ungeraden Zahlen spielerisch und experimentierend einführen kann, wie und wann das Leben auf der Erde begonnen hat, oder über die Geschichte unserer Ziffern und unserer heutigen Schrift. Sie beschreiben die kindliche Sprachentwicklung nach Montessori, zeigen einige sprachfördernde Spielideen und Übungen zum Erlernen des Alphabets und tolle Praxisideen für die Sinnesschulung sowie zahlreiche Übungen des praktischen Lebens.

Ich war sofort begeistert und bestellte mir alle 4 Bände. In der Schule konnte ich schon einige Ideen umsetzen und die Kinder für den jeweiligen Stoff begeistern, wie zum Beispiel mit Experimenten zur Entstehung der Gebirge oder der Galaxien im Weltraum (auch schon gepostet). Auch zu einigen selbstgemachten Materialien und Übungen für zu Hause haben mich diese 4 Bücher bereits des öffteren inspiriert.

Für alle die gerne mit Montessori-Materialien arbeiten, sich für diese interessieren und mit Begeisterung welche selbst herstellen wollen, für alle, die Kindern Mathematik, Sprache und die Geschichte unserer Erde aufregend näherbringen und ebenso auch begreifbar machen möchten, sind diese 4 Bänder ein ganz heißer Tipp von mir!

Silben klatschen

"Das Singen schafft Übereinstimmung, schafft Partnerschaft. Wer mit anderen singt, ist geborgen und aufgehoben. Wer singt, gibt etwas von sich preis. Kinder spüren das genau."
Monika Klotz

Es gibt praktisch keinen Tag, und am Tag so gut wie keine Stunde, wo sie nicht irgendetwas singt. Oder wo sie nicht Musik hören möchte. Sie singt in der U-Bahn vor sich hin, sie singt etwas zu Hause beim Anziehen, und die Musikanlage im Wohnzimmer kann sie bereits selbstständig bedienen. Singen ist für sie ebenso faszinierend, wie sprechen. Wenn sie ein Lied hört, das ihr gefällt, lauscht sie diesem konzentriert und fängt an, alles, was sie sich aus dem Lied merken konnte, gleich wiederzugeben.
Wir haben zwar ein paar einfache Instrumente, wie zum Beispiel eine kleine Holzflöte, ein Tamburin, eine Schelle und ein paar Marakas, jedoch lassen sie diese völlig kalt. Sie benutzt lieber ihre Hände zum Klatschen und ihre Stimme zum Singen.

Ihre Vorliebe zum Singen begann gleichzeitig mit dem Sprechen. Weil sie zur Musik so gerne klatscht, habe ich ihr heute gezeigt, wie man auch zum Sprechen klatschen kann: und zwar zu jeder Silbe. So zählten wir alle Personen auf, die wir kennen und lieben und sie klatschte begeistert mit: O-ma, O-pa, Mi-cha-e-la.

"Der Rhythmus ist für mich der Grund aller Dinge. 
Mit dem Rhythmus beginnt das Leben, mit dem Herzschlag."
Herbert von Karajan



Weil sie so gerne mit Wasser experimentiert, stellte ich ihr gestern diese Wanne mit ein wenig Wasser und ein paar Nüssen, Ping-Pong Bällen, Muscheln und Korken bereit. Sie legte sofort ganz eifrig die kleinen Gegenstände in die Wanne. Einige schwammen, einige sanken sofort auf den Boden. Sie versuchte die Pink-Pong Bälle und Korken unter Wasser zu halten: vergeblich.


Was man so mit Muscheln alles machen kann, entdeckte sie dabei auch und schöpfte Wasser von der einen in die andere. Sie war so vertieft, so konzentriert, ich wollte sie nicht dabei stören und zog mich lieber ganz zurück. Aber vorher holte ich noch schnell meine Kamera. ;)


Für heute plante ich eine Aktivität im Freien, das Wetter spielte allerdings gar nicht mit. Starker Wind und gleichzeitig Regen verbannten uns in die eigenen vier Wände. Also nahm ich ein paar Pappbecher, die ich für den Biologieunterricht vorbereitet habe und lies sie diese erst einmal für sich entdecken. Später bauten wir aus ihnen gemeinsam einen Turm. Auch sie stapelte und baute, fügte die Becher ineinander und legte sogar als Krönung die Schildkröte oben drauf. Den Turm mit dem kleinen Jonglierball (und mit der Hand) immer und immer wieder umzuwerfen war natürlich ein Riesenspaß! 

Für solche einfachen Aktivitäten (die nebenbei auch sinnvoll sind), kann ich mich richtig begeistern. Eine kleine Plastikwanne, ein paar Nüsse und Korken, ein paar Pappbecher reichen aus um ganz interessante und wichtige Dinge zu entdecken, um zu forschen, um Spaß zu haben. Herrlich!

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