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Als Montessori-Pädagogin gehört es zu meinen Aufgaben, die Umgebung der Kinder in den Einrichtungen für sie so vorzubereiten, dass sie sich möglichst unabhängig und in ihrem eigenen Tempo entfalten können. Um Montessori zuhause zu leben braucht es aber weder Montessori-Materialien, noch ist es nötig, die Wohnung in ein Kinderhaus oder eine Kleinkindgemeinschaft umzugestalten. Aber es gibt einige Grundsätze, die eine gut vorbereitete Umgebung ausmachen und die ich auch zuhause umzusetzen versuche.


Was also macht für mich eine vorbereitete Umgebung nach Montessori zuhause aus?

1 // Sie ermöglicht meinen Kindern am Familienalltag aktiv teilzunehmen. Ganz egal ob 6 Jahre oder 17 Monate alt,  und ganz egal ob Fenster putzen, Möbel abwischen, die Wäsche erledigen oder in der Küche die Jause zubereiten, beide meine Kinder lieben es, im Haushalt aktiv mitzumachen. Da Julia bereits alles erreichen kann und mittlerweile im Haushalt die Sachen benutzt, die auch wir Eltern benutzen, muss ich für sie die Umgebung unter einem anderen Aspekt vorbereiten. Aber für Jakob muss ich noch alles auf seiner Augenhöhe anbringen und mir Gedanken machen, wie ich ihm seine Utensilien vorbereite, so dass er sich zurechtfindet.

Sein kleiner Besen*, sein Handbesen und das Kehrblech* hängen auf einer einfachen Hakenleiste gleich neben der Küche. Dazu stellte ich ihm einen Eimer* und einen Korb mit einigen zugeschnittenen Scheuerlappen*, die er gerne nimmt, wenn etwas Wasser verschüttet wird. 


Gegenüber der Hakenleiste steht ein niedriges Regal, wo für ihn alles zum Fensterputzen und Staubwischen in gut greifbaren und tragbaren Boxen bereit steht. Diese Utensilien stehen ihm zwar jederezeit zur Verfügung, aber wir zeigen ihm immer wieder, wie er diese benutzen kann.

2 // Sie ermöglicht echte Arbeit. Wenn Jakob mit mir das Fenster putzt oder den Boden fegt, wird das Fenster zwar nicht wirklich sauber und auch der Boden nicht krümmelfrei, trotzdem sind seine Bemühungen nicht einfach ein netter Zeitvertreib, sondern wichtige Entwicklungsarbeit. Das bedeutet für mich aber auch, ihm handgerechte und echte Werkzeuge anzubieten, mit denen er wirklich gut arbeiten kann. Außerdem hat er mit Werkzeugen, die wirklich funktionieren, auch mehr Erfolgserlebnisse und so auch mehr Freude an seiner Arbeit.


3 // Sie ermöglicht Selbstständigkeit und das Gefühl, fähig zu sein. Denn auch wenn er noch sehr jung ist und noch nicht wirklich sprechen kann, gibt er uns jeden Tag ganz klar zu verstehen: er will es alleine meistern. In der Küche steht seit einigen Wochen ein niedriges Regal, wo neben den Sachen zum Tisch decken, auch immer ein Krug* mit Wasser und ein Glas bereit stehen, wo er sich jederzeit selbst etwas einschenken kann, wenn er durstig wird. Im Krug ist allerdings immer nur so viel Wasser, so viel in das Glas hineinpasst, so muss ich seinen Krug natürlich immer wieder nachfüllen.


Seitdem er stehen kann, wäscht er seine Hände nach dem Essen und unseren Spaziergängen hier bei seinem Waschtisch im Badezimmer. Der Tisch ist eigentlich ein Teil von diesem Tisch-Set vom Möbelschweden und hat eine perfekte Höhe, wie ich finde. Auch der kleine Krug, mit dem er seit ein paar Tagen das Wasser nun selbst in die Schüssel gießt, ist vom Möbelschweden.


Natürlich ist auch sein Zimmer so eingerichtet, dass es ihm viel Unabhängigkeit ermöglicht. Er hat nicht nur jederzeit Zugang zu seinen Büchern und Spielsachen, sondern auch zu seinem Kleiderschrank und wenn er von seinem Nickerchen erwacht, kann er ohne Hilfe das Zimmer verlassen oder sich entscheiden, doch noch zu bleiben und etwas vom Regal zu nehmen.

4 // Sie bietet möglichst viel Freiheit, daher ist es mir auch wichtig, dass sie sicher ist. Um sich nach seinem inneren Bauplan entfalten zu können, braucht Jakob viel Bewegungsfreiheit. Je aktiver er wurde, umso mehr eroberte er seine Umgebung, so dass ich immer wieder dafür sorgen musste, ihm die Wohnung möglichst sicher zu gestalten. Steckdosen wurden mit Kinderschutz bestückt, einige Pflanzen auf einen Hocker gestellt und Julias scharfe Küchenwerkzeuge wanderten in die oberste Küchenschublade, an die Jakob noch nicht rankommt.


Da ich ihm für seine Arbeiten in der Küche alles genau vorbereite, sind seine restlichen Utensilien in den untersten Küchenschubladen verstaut. So sind sie zwar für ihn gut erreichbar, dennoch hat er sie nicht ständig vor Augen.


5 // Sie ist simpel, ordentlich aber dennoch schön und einladend. Da er noch sehr jung ist, ist es mir wichtig, ihm die Umgebung bis ins kleinste Detail gut überlegt vorzubereiten. Es dauert manchmal Tage oder gar 1-2 Wochen, bis dann alles seinen Platz gefunden hat. Ich stelle dabei mehrmals die Möbel um, ergänze oder reduziere die Inhalte der Fächer und Körbe und beobachte dann Jakob, ob er so damit dann besser zurechtkommt als zuvor.

Manchmal sind das wirklich nur kleine Veränderungen, die aber viel ausmachen, so dass Jakob selbst tätig werden kann. Vielleicht ein kleineres Tablett, das er besser tragen kann, eine einfach umgedrehte Bürste auf seinem Frisiertisch, so dass er sofort die Haare bürsten kann, wenn er diese ergreift.


6 // Sie passt sich dem Kind an. Und nie umgekehrt. Montessori zuhause bedeutet für mich nicht, aus unserer Wohnung eine Kleinkindgemeinschaft zu machen. Auch nicht, meine eigenen Bedürfnisse völlig außer Acht zu lassen. Aber wenn ich Jakob beobachte und dann die Bereiche zuhause entsprechend seinen Bedürfnissen, Interessen und Fähigkeiten anpasse, ermögliche ich es ihm, bereits jetzt an unserem Familienalltag teilzuhaben, dabei Vertrauen in seine eigenen Fähigkeiten zu gewinnen und so seine Unabhängigkeit Stück für Stück zu erobern.

Die Leiterin von Julias ehemaligen Kinderhaus und gleichzeitig eine gute Freundin von mir schrieb mir einmal während eines E-Mailverkehrs diese wunderbaren Zeilen, die mich sehr berührten: 

"Wir dürfen Kinder niemals an eine Methode anpassen, auch nicht an eine, vermeintlich perfekte vorbereitete Umgebung, sondern wir müssen unser Wissen über die kindliche Entwicklung FÜR die Kinder verwenden. Das heißt auch: wir müssen offen sein, kreativ und nach genauer Beobachtung und in Liebe eine vorbereitete Umgebung gestalten, in der Kinder, besser gesagt DIESES EINE KIND sich offenbaren kann." - Dagmar Wirl, Kinderhaus-Leiterin und AMI Pädagogin für 0-3 und 3-6


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Julia sammelt gerne Naturschätze, die sie dann auch mal mit nach Hause nimmt. In ihrem Zimmer steht ein kleiner Setzkasten, wo die gesammelten Federn, Samen, Schneckenhäuser und Steine aufbewahrt und so immer wieder bewundert werden können. Ich mag ihre kleine Sammlung und auch für sie sind diese Naturschätze etwas ganz besonderes. Aber unser allerliebster und schönster "Naturtisch" ist dennoch die Natur selbst.

"Wenn das Kind wandert, bietet sich ihm die Welt selbst dar. Veranlassen wir das Kind zu wandern, zeigen wir ihm die Dinge in ihrer Wirklichkeit, anstatt Gegenstände anzufertigen, die Begriffe darstellen, und sie in einen Schrank einzuschließen." - Maria Montessori


Obwohl wir in einer Großstadt leben, verbringen wir so gut wie jeden Tag Zeit, draußen in der Natur. Wir besuchen Wasserfälle, wandern durch Wälder am Stadtrand oder spazieren durch den Park gleich in unserer Nähe. Neulich fragte mich Julia gleich nach dem Aufstehen, ob wir wieder mal den Morgentau anschauen könnten. Also zogen wir um 7 Uhr in der Früh Schuhe und Jacken an und gingen zu dritt los in den Naturpark.


Wir beobachteten kleine Tiere zwischen Blättern und unter Steinen, lauschten dem Ruf der Vögel, fanden unterwegs interessante Steine und kletterten zwischen dicken Wurzeln. Wir lieben es, Zeit im Freien zu verbringen und dabei mit allen Sinnen die Jahreszeiten zu erleben.


Wir fanden einige leere Nussschalen und überlegten uns, welches Tier wohl diese Nüsse gegessen hat und wie es sie aufbrechen konnte. Wir entdeckten interessante Pflanzen und beobachten deren Blätter, um später in unseren Büchern nachzusehen, wie sie heißen. Wir staunten über Blumen, die noch immer blühen und während wir reife Hagebutten naschten, stellten wir fest, aus welchen Teilen der Wildrose die saftigen  Früchte herangewachsen sind.


Wir entdeckten auch netzartig gelöcherte Blätter und stellten uns vor, wie wohl der Park aussehen würde, wenn es diese winzigen Lebewesen, die abgefallene Blätter abbauen, nicht geben würde. Und waren dann dankbar, dass es sie gibt.


Wir strichen mit unseren Händen über das vom Tau bedeckte Gras, kletterten auf große Steine und beobachteten, wie die aufgehende Sonne alles um uns herum in Morgengold verfärbte. Es war so schön diese Jahreszeit mit all unseren Sinnen zu erleben. Wo sonst könnte in Kindern die Liebe zur Natur geweckt werden wenn nicht durch viele Erlebnisse in der Natur selbst?


Auch ich fühle mich dann am wohlsten, wenn ich von viel Natur umgeben bin. Die Natur ist für mich ein Ort der Freiheit, der Ordnung, der Kraft und Harmonie des Lebens. Schon früher wanderte ich viel und interessierte mich für Tiere und Pflanzen, aber jetzt mit Kindern bekommen für mich diese Spaziergänge eine ganz andere Bedeutung. Als würde ich die Natur durch die Augen meiner Kinder neu entdecken und schätzen lernen. Es ist so schön zu sehen, mit welch Begeisterung die beiden die Welt entdecken und wie ihre Liebe zur Natur wächst, je mehr sie über sie erfahren.

"Es ist von Anfang an wesentlich, eine Verbindung zwischen dem Kind und der Natur zu pflegen. Dafür müssen wir uns zuerst über die Bedeutung der Natur in unserem eigenen Leben bewusst werden. Nur dann werden wir in der Lage sein, diese Welt voller Wunder mit unseren Kindern zu teilen." - Maria Teresa Vidales, AMI Trainerin bei Assistants to Infancy und ebenso auch AMI Pädagogin fürs Kinderhaus (3-6)


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Vor ca. 4 Wochen starteten wir mit dem Homeschooling und obwohl es mir viel Vorbereitung abverlangt, ist es unglaublich schön zu sehen, wie viel Freude Julia daran hat! Da ich versprochen habe, euch immer wieder Einblicke zu gewähren, wie wir das machen, gibt es heute ein kleines Update.

In der Montessori-Schule (elementary) werden Kindern ganz viele spannende Geschichten über die Welt und über die Menschheit erzählt. Auch wir begannen mit einer Geschichte darüber, wie die Erde entstehen konnte und machten auch einige Experimente dazu. Dabei ließen wir auch einen Vulkan ausbrechen (siehe meine Instagram-Stories) ...


... und Julia zeichnete die Erde so, wie sie noch zur Zeit der Vulkane war.


Öl, Wasser, Honig und die Faszination, wie alle Stoffe einfachen Gesetzen gehorchen, wodurch auch unsere Erde entstehen konnte. Was ich an der Montessori-Pädagogik so liebe, ist, wie sie Kinder die Welt selbst entdecken lässt. Mit Begeisterung in eine Richtung zu deuten, aber den Kindern nicht zu verraten, was es dort zu sehen gibt.


Letzte Woche sprachen wir über unser Sonnensystem und stellten dar, wie die Planeten um die Sonne bzw. um ihre eigene Achse kreisen. Wir bastelten auch aus Backpapier Kreise in bestimmten Größen um zu sehen, wie viel größer die Sonne im Vergleich zu unserer Erde ist. Julia war so fasziniert, als sie das sah!


Addieren. Das Material und die Arbeit kannte sie bereits aus dem Kinderhaus, dennoch war sie mit Begeisterung dabei. Von einer Freundin, die ebenso Montessori-Pädagogin ist und zwei ihrer Kinder zuhause unterrichtete, bekam ich jede Menge Materialien, wofür ich ihr unendlich dankbar bin. 


Was ich am Homeschooling mag, ist, dass wir keinen Zeitdruck haben und uns den Tag so einrichten können, wie es an dem Tag am besten für uns passt (und wie es eben neben einem Kleinkind möglich ist). Das ist so angenehm!  Es gibt Tage, wo Julia den ganzen Vormittag mit Materialien arbeitet und auch solche, wo sie bis Mittag im Pyjama ist und stundenlang nur liest. Aber was ich am Homeschooling am meisten mag, dass wir als Familie ganz stark zusammenwachsen. 

Darüber, ob Julia so ausreichend Kontakt zu anderen Kindern hat, mache ich mir auch keine Sorgen mehr. Es ist natürlich nicht das Gleiche, wie das Gruppenleben in der Schule, aber sie besucht nun wöchentlich eine Pfadfindergruppe, nimmt an einem Zeichenkurs teil und hat auch noch jede Woche Ballettunterricht, ganz nach ihrer Wahl, und dadurch bereits einige neue Freunde gefunden.


Was Jakob betrifft, so bekam er ein kleines Regal in der Küche, wo seine Teller, sein Besteck und alles, was er tagsüber oft braucht, für ihn zur Verfügung stehen. Früher stand hier Julias Küchentisch, da sie aber mittlerweile ausschließlich an der Küchenzeile arbeitet, richteten wir hier nun für Jakob einen Arbeitsbereich ein. So kann ich ihn auch besser beobachten, während ich koche und er an seinem kleinen Tisch in aller Ruhe sein Obst schält oder das Gemüse schrubbt.


Es ist so schön zu sehen, wie viel Freude er daran hat, sich selbst bedienen zu können.


Ich wollte, dass das Regal übersichtlich bleibt und wirklich nur die Gegenstände darauf Platz bekommen, die Jakob tagtäglich benutzt. Alles andere kam in eine der Küchenschubladen.


Ich stellte ihm einige alte aber auch neue Materialien auf sein Regal, unter anderem ein neues Sprachmaterial mit Fahrzeugen, die er bereits wirklich schon gesehen hat. Es gibt kaum einen Tag, wo er nicht zu diesem Korb greift, er ist fasziniert von allem was rollen kann oder Räder hat.


Ich stellte ihm auch eine neue Fädelarbeit bereit, die etwas schwieriger ist, als die zuvor. Die Perlen auf einen Stab zu fädeln schien ihm schon zu leicht zu sein, also bot ich ihm zunächst einen Schnürsenkel an, doch damit fand er sich nicht wirklich zurecht. Ich machte mich auf die Suche nach einer Zwischenlösung und fand dieses fertige Material*, das ich jedoch nur auf den Fädelstab und die 4 größten Perlen aus der Packung reduzierte.


Die Wochenenden nutzen wir meistens für Ausflüge. Es gibt so viele interessante und schöne Orte in und um Wien herum. Im letzten Monat wurde ich wieder ein Jahr älter und diesmal wünschte ich mir, meinen Geburtstag mit meiner Familie irgendwo an einem schönen Ort in der Natur zu verbringen. Das war einer der schönsten Geburtstage, den ich bisher hatte...


... den Julia dann auch noch einmal mit ihren selbstgemachten Geburtstags-Bananenmuffins toppte, mit welchen sie mich überraschte!


Letzte Woche kam auch das Buch endlich an, auf das wir schon so lange gewartet haben: Wanderungen* von Jenni Desmond und Mike Unwin. Ein wunderschönes Buch!

Von Seite zu Seite werden 20 verschiedene Tierarten gezeigt, die ihr Leben größtenteils damit verbringen, Gebirge, Wüsten, Gewässer oder Kontinente zu überqueren um Nahrung zu finden und um ihren Nachwuchs sicher auf die Welt bringen zu können. Die Texte sind etwas länger und sehr informativ, warum ich persönlich das Buch für Kinder ab ca. 5 Jahren empfehlen würde, dennoch ist es eines der schönsten und interessantesten Sachbücher für Kinder, das ich je gesehen habe.


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