13.07.2018

Was tut (m)ein 14 Monate altes Kind den ganzen Tag?

3 Kommentare

Für den Fall, dass ihr irgendwelche Produkte auf den Fotos wiedererkennt, kennzeichne ich diesen Beitrag aufgrund der neuen Datenschutzgrundverordnung mit
WERBUNG
___________________________________________________

Jakob beginnt den Tag, wie auch der Rest der Familie, mit einem Frühstück und genießt dabei die Freiheit, sich selbst etwas auf den Teller legen und dann auch selbstständig etwas vom Teller nehmen zu können. Am Ende sieht natürlich alles etwas verwüstet aus, der Tisch ist vielleicht überflutet und das Glas (und der Boden) voller Essenstücke. Aber was ist schon ein bisschen Chaos am Esstisch im Vergleich zu diesem Gefühl, sich selbst entscheiden, sich selbst nehmen und auch selbst essen zu können.


Nach dem Essen wäscht er, wie immer, seine Hände und erforscht dabei das Wasser. Noch gieße ich ihm das Wasser in die Schüssel und wirklich nur wenig, worin er dann seine Hände abwechselnd hineintauchen kann. Allerdings bleibe ich bei ihm und zeige ihm auch jedes mal, wozu der Waschtisch dient, wie er hier seine Hände waschen, die Schüssel später selbst ausleeren und seine Hände abtrocknen kann. Es ist nicht einfach nur Plantschen. Es ist ein Ritual.


Seit er stehen kann, will er auch beim Windelwechseln stehen und hält sich dabei am Rand der Badewanne fest. Nicht nur, um mehr zu sehen, sondern auch um mitmachen zu können. Es hat schließlich so viel Zeit und Anstrengung gekostet, endlich stehen zu können. Wer mag es dann schon, beim Wickeln wieder liegen zu müssen und dabei auch noch alles, was es da zu sehen gibt, zu verpassen?


Nach dem Windelwechseln laden wir gemeinsam die Waschmaschine ein wonach er dann noch lange der rotierenden, schaumigen Wäsche zuschaut.


Doch wenn er merkt, dass ich das Bett im Nebenzimmer mache, ist er blitzschnell bei mir. Dann klettert er aufs Bett und strengt sich dabei körperlich so richtig an. Doch nach nur einer kurzen Verschnaufpause, sucht er wieder den Weg nach unten. Um dann wieder raufklettern zu können. Und dann wieder runter....


Er sucht sich ein Material vom Regal und krabbelt damit zu seinem kleinen Tisch. Ja, das Krabbeln geht auch so, dabei stützt er sich, statt der Handfläche, auf seine Faust. Beim Tisch stellt er das Material ab, schiebt mit einer Hand den Sessel etwas weg und setzt sich hin. Damit er bequem arbeiten kann, rücke ich den Sessel dann noch etwas für ihn zurecht. Das liest sich vielleicht recht einfach, aber für ein junges Kind, das gerade mal 14 Monate alt ist, steckt dahinter jede Menge Arbeit.


Wenn er fertig ist, zeige ich ihm, wie das Material zusammengesteckt werden kann und lade ihn freundlich dazu ein, es wieder auf das Regal zu stellen.


Dann spaziert er entlang unserer Möbel, weil es sich gut anfühlt, die Beine auszustrecken und sich dabei zu spüren. Und um zu sehen, was es sonst noch alles zu entdecken gibt.


Seine Jause isst er an seinem kleinen Tisch und genießt es, die winzigen Happen mit 2 Fingern behutsam aufzupicken. Mal isst er beim Sitzen, mal im Stehen, Hauptsache, er kann es selbst entscheiden.


Wenn er von seinem Vormittagsschlaf erwacht, ruft er nicht nach uns, stattdessen krabbelt er selbst von seinem "Bett" runter und sucht nach uns in der Wohnung.


Am liebsten ist er nämlich dort, wo auch wir sind und noch lieber tut er das, was auch wir tun. Sei es, den Geschirrspüler ausräumen, ...


... Apfelspiralen schneiden (und naschen), ...


... oder die Schränke putzen. Einen nach dem anderen mit mir gemeinsam. Aber nicht, um mir zu helfen. Sondern um Teil zu haben. Produktiv zu sein.


Wenn Julia auch zu Hause ist, sucht er meist ihre Nähe. Egal wo sie ist, egal was sie tut, er beobachtet sie und versucht, mit ihr mitzumachen.


Aber oft findet er selbst eine Arbeit, in die er sich gänzlich vertiefen kann. Sei es das Erforschen vom Gemüse mit all seinen Sinnen, das wir vorher gemeinsam auf der Terrasse für das Mittagessen geerntet haben, ...


... oder ein Korb, den er mit Freude ausleert und (auf seine Art und Weise) wieder einräumt,...


... oder eine einfache Metalldose, die er immer und immer wieder auf und zu macht und ganz fasziniert ist, wie ein Messlöffel tief darin verschwinden kann. Den Deckel auf die Dose zu stecken klappt ihm zwar nicht immer auf Anhieb, worüber er sich auch mal laut ärgert. Aber er will nicht, dass ihm jemand diese Arbeit abnimmt (und das könnte auch niemand), denn sein Ziel ist es nicht nur einfach den Deckel auf die Dose zu kriegen sondern es selbst zu meistern.


Beim Mittagstisch beobachtet er uns ganz genau. Wie wir das Besteck benutzen, wozu und wie wir Gegenstände gebrauchen und wie wir miteinander sprechen. Er versteht wahrscheinlich noch nicht alles, was wir tun oder sagen, aber er saugt alles in sich auf wie ein Schwamm und macht uns nach. Wenn er um etwas bittet, so reicht er seine Handfläche hin und wenn wir ihm etwas geben, sagt er "Tanke".


Er beobachtet uns auch, wie wir nach dem Mittagessen den Tisch abwischen und macht unsere Bewegungen mit seinem eigenen kleinen Schwamm nach, ...


... und er beobachtet uns auch, wenn wir ihn an- und ausziehen und je langsamer und durchdachter unsere Bewegungen sind, umso aktiver wird auch er dabei. So streckt er uns seine Beine entgegen wenn wir ihm das Hosenbein hinhalten und zieht auch sein T-Shirt alleine über seinen Kopf.


Aber genau so gerne, wie in seiner vertrauten Umgebung zu Hause, ist er auch draußen in der Natur. Sandspielsachen interessieren ihn allerdings kaum, viel mehr die krabbelnden Ameisen, kleine Stöcke und bunte Steine. Wie es sich anfühlt, die Wärme der Sonne, der nasse Sand am Strand und der Wind auf seiner Haut.


Er ist den ganzen Tag in Bewegung und auch wenn er mal hinfällt, sich wehtut, sich einklemmt oder seine Knie blutig reibt, nimmt er erneut Anlauf und arbeitet an seiner Selbstentfaltung unermüdlich weiter. Alles was er dazu braucht, sind Menschen, die ihm dabei die Zeit geben, ihm vieles zutrauen und ihn achtsam begleiten sowie eine vorbereitete Umgebung und jede Menge Freiheit.

19.06.2018

Auf Jakobs Regal(en) mit 13 Monaten

2 Kommentare

Einige Spielsachen in diesem Beitrag sind selbst erworben und ich zeige und empfehle sie aus Überzeugung, aber aufgrund der Datenschutzgrundverordnung kennzeichne ich diesen Beitrag mit
WERBUNG 
_________________________________________________________

"Wozu ist die menschliche Hand da? Von welchem Nutzen ist sie für das Kind? Bei der Geburt ist die Hand ein unentwickeltes Werkzeug. Darum ist die erste Arbeit des Kindes, seine Hand zu einem Werkzeug zu machen, das es selbst lenken kann." - Paula Polk Lillard / Lynn Lillard Jessen, Montessori von Anfang an, S.69

Ich finde, es braucht weder die teuersten Spielsachen und schon gar nicht viele davon, um im Kinderzimmer das Spielregal spannend und sinnvoll zu gestalten. Oft sind das wirklich die einfachsten Spielsachen und manchmal sogar Gegenstände aus unserem Haushalt, oder etwas Selbstgebasteltes oder Selbstgenähtes, das ich auf Jakobs Regal stelle. Statt Quantität setze ich lieber auf Qualität und überlege mir: Ist das Material schlicht und schön? Was kann er mit dem Material machen? Ermöglicht es ihm eine sinnvolle Aktivität? Zu forschen, zu denken und zu hantieren? Bietet es ihm eine angemessene Herausforderung? Kreativ zu sein? Und ermöglicht ihm das Material, seine Arbeit so oft er will und ohne Hilfe zu wiederholen?


Auf sein Regal stellte ich unter anderem diese kleine Musikdrehdose mit Kurbel*, die eine Melodie spielt, wenn er die Kurbel in eine bestimmte Richtung dreht. Es ist eigentlich ein simples Spielzeug, aber seine Hand so bewegen zu können, dass er dabei der Box Töne entlocken kann, findet er faszinierend.


In einer schönen Holzschale liegt für ihn eine Holzschraube und dazu eine Holzmutter (die ich aus diesem Spielset entnommen habe*) bereit. Die zwei Teile zusammen zu stecken und sein Handgelenk so zu bewegen, dass die Gewinde ineinanderpassen, ist keine Kleinigkeit für ein so junges Kind.


Dieser Schälchensatz* besteht eigentlich aus 5 Teilen, aber damit er nicht gleich überfordert wird, stellte ich ihm erst mal nur die 3 kleinsten Teile auf sein Regal. Jakob steckt die Schalen gerne in- aber manchmal stapelt er diese auch aufeinander und probiert alle möglichen Varianten aus. Zu erforschen, wie die einzelnen Teile zueinanderpassen, erfordert ebenso Kreativität, wie "ergebnisoffene" Spielsachen, wie zum Beispiel Bausteine. Damit der Größenunterschied der Schalen für ihn klarer wird, habe ich mich für das schlichte, naturbelassene Set entschieden.


Diese schöne, handgeschnitzte Holzschatulle mit einem großen Knauf auf dem Deckel fand ich einst auf dem Flohmarkt. Jakob macht sie gerne auf und gibt dann den Deckel wieder auf die Schale, wie bei einem einfachen Puzzle. Um ihm das Material noch spannender zu machen, legte ich einen meiner Armreife in die Holzdose. Ähnliche schöne Schatullen fand ich hier, hier und auch hier.


Die selbstgebastelte Münzbox aus Karton (hier mehr dazu) findet er nach wie vor spannend, die andere Box mit dem Strickball tauschte ich jedoch auf ein Körbchen mit 3 Gegenständen um, die unterschiedlich geöffnet werden können. In dem Korb sind: ein kleines Gläschen mit Korkdeckel, eine selbstgenähte Tasche mit Klettverschluss und eine kleine metallene Dose mit Klappdeckel, die früher mal meiner Mama gehörte.


Ich finde, es macht Sinn, auch dort einige Materialien anzubieten, wo sich die Familie die meiste Zeit in der Wohnung aufhält. Auf dem unteren der zwei Regalböden unseres Bücherregals stellte ich Jakob auch einige wenige Sachen bereit, weiter höher kommen dann die Materialien fürs Homeschooling für Julia. Da ich in seinem Zimmer keinen passenden Platz dafür gefunden habe, steht sein Arbeitstisch und sein Sessel auch hier im Wohnzimmer und ist in regem Gebrauch.


Auf dem Regal hier im Wohnzimmer stehen eine handbemalte, originale Matroschka Puppe, womit bereits Julia damals so gerne gespielt hat, ein Korb mit einem Rasselei aus Holz* und einer Drehtrommel*, die unterschiedlich zum Erklingen gebracht werden, sowie ein Korb mit einigen unterschiedlichen Bällen sowie ein Steckspiel*, bei dem 3 Figuren in einen wippenden Holzblock eingesetzt werden.


 * mit Sternchen markierte Links sind Affiliate. Das bedeutet, dass ich eine kleine Provision erhalte, wenn Du das Produkt über diesen Link erwirbst, für Dich entstehen dabei jedoch keine höheren Kosten.

03.06.2018

"Echtes" Geschirr und Besteck für Babys und Kleinkinder?

11 Kommentare

Das Geschirr, die Gläser und das Besteck in diesem Beitrag sind selbst erworben und ich zeige und empfehle sie aus Überzeugung, aber aufgrund der Datenschutzgrundverordnung kennzeichne ich diesen Beitrag mit
WERBUNG 
_________________________________________________________

Als Julia damals mit der Beikost startete, besorgte ich ihr einen Plastikteller, einen Plastiklöffel und einen Schnabelbecher um ja eine Überflutung zu vermeiden. Nicht im Traum kam ich auf die Idee, ihr echtes Geschirr anzubieten. So ungeschickte Hände würden das Geschirr ja nur zerbrechen, alles unter Wasser setzen und sich selbst mit der Gabel pieksen. Ich wusste damals noch nicht, dass es im Grunde anders herum ist.

Maria Montessori schreibt in Spontaneous Activity in Education (1917) folgendes: "Die Möbel für Kinder, ihre Tische und Stühle sollten leicht sein. Nicht nur, dass sie leicht von den kindlichen Armen getragen werden können, sondern weil ihre Zerbrechlichkeit von pädagogischem Wert ist. Die gleiche Überlegung führt uns dazu, dem Kind Porzellanteller und Trinkglas zu geben, denn diese Gegenstände werden ihm seine rauen, ungeordneten Bewegungen zeigen. So kann es sich üben, nicht an Gegenstände zu stoßen, diese umzuwerfen oder zu zerbrechen und seine Bewegungen werden freier und selbstbeherrschter."  (eigene Übersetzung)


Erst als Julia bereits über ein Jahr alt war, bot ich ihr echtes Geschirr an und war erstaunt, wie vorsichtig sie damit umging. Es zerbrach lediglich nur ein Teller und ein einziges Glas, aber genau das motivierte sie, noch vorsichtiger mit dem Geschirr umzugehen.

Jakob bot ich bereits von Anfang an "echtes" Geschirr an. Aber nicht nur, damit er seine Bewegungen besser spürt, sondern um ihm zu zeigen, dass ich ihm vertraue und ihn respektiere. Allerdings bekam er kein teures Porzellan, sondern das DUKTIG Geschirr-Set vom Möbelschweden. Es war leicht ersetzbar und wegen seiner Größe für den Beikoststart ideal, besonders die kleinen Schälchen. Heute isst er vorwiegend aus so einem Teller, der auch recht klein ist, aber eine größere Unterseite hat, wodurch er nicht kippen kann. Außerdem hat sein Teller einen leicht erhöhtem Rand, so rutscht sein Essen nicht ständig runter, während er dieses mit der Gabel aufzuspießen versucht.


Er bekommt auch echtes Besteck. Es geht mir dabei aber nicht darum, dass er damit essen muss. Er isst genauso gerne mit den Händen. Ich habe auch nicht die Illusion, dass so kein Chaos entsteht. Aber ich weiß, es bedeutet ihm eine Menge so essen zu können, wie auch alle andere am Esstisch. Ebenso aus echtem Geschirr und mit echtem Besteck und dabei das Gefühl zu haben "ich gehöre dazu", "mir wird es zugetraut" und "ich bin fähig".

Sein Besteck ist eigentlich ein Set für die Spielküche, allerdings aus Edelstahl und auch für echte Lebensmittel (sowie Spülmaschinen) geeignet und mit 10cm Länge perfekt für kleine Hände. Er liebt seine kleine Gabel und versucht damit voller Konzentration und Ausdauer seine Nudeln oder Obst- und Gemüsestücke aufzuspießen (siehe mein Instagram-Feed) und mit dem kleinen Löffel sein Müsli zu löffeln. Das Messer ist völlig stumpf und er benutzt es noch nicht. Es wird aber perfekt sein, um später Butterbrote zuzubereiten.


Sein Trinkglas fand ich dort, wo ich auch seinen Teller entdeckt habe und war richtig froh über diesen Fund. Das Glas ist sehr klein, mit gerade mal 4cl Volumen, so dass Jakob es bequem halten und heben kann. Ich wasche sein Geschirr meistens mit der Hand ab, aber wenn ich es doch mal in den Geschirrspüler gebe, kontrolliere ich danach seine Gläser, ob sie keinen zersprungenen Rand haben. Das Gläschen ist zwar recht robust, aber sicher ist sicher.

Wie ich ihm das Trinkglas von Anfang an angeboten und worauf ich dabei geachtet habe:
  • Sobald Jakob Gegenstände mit beiden Händen greifen konnte, bot ich ihm ein Glas mit ganz wenig Wasser zum Trinken an. 
  • Er konnte das Trinkglas am Anfang zwar ergreifen und an seinen Mund heben, aber nicht kippen, daher half ich ihm von unten ein wenig nach. Diesen wertvollen Tipp bekam ich noch von der Leiterin von Julias ehemaliger Montessori-Kleinkindgemeinschaft.
  • Neben seinem Glas steht bis heute immer ein kleiner(!) Krug mit wenig Wasser, damit wir ihm nachfüllen können. Dabei achten wir darauf, den kleinen Krug mit beiden Händen zu heben und langsam zu kippen, immerhin beobachtet uns dabei Jakob und wird sich später aus diesem Krug selbst einschenken wollen. 
  • Wir schenken ihm immer nur ganz wenig Wasser in sein Trinkglas. Wirklich nur 1-1,5 cm hoch. So hat er beim Trinken mehr Erfolgserlebnisse und kann uns umso öfters beim Einschenken beobachten.
  • Viele haben mich gefragt, warum Jakob kein Lätzchen beim Trinken hat:  damit er spürt, wenn er nass wird. Und ja, danach braucht er oft trockenes Gewand, aber auch diese Gelegenheiten sind so wertvoll für ihn, denn er kann sich dabei beim An- und Ausziehen üben.

27.05.2018

3 einfache DIY Montessori-Materialien für Kleinkinder

2 Kommentare

Montessori-Materialien müssen nicht unbedingt teuer erworben werden, auch nicht für Kleinkinder und besonders nicht für Zuhause. Manches lässt sich auch aus ganz einfachen Mitteln recht schnell selbst herstellen, wie zum Beispiel diese Box mit einem gehäkelten Ball zum Hineinquetschen in die Box. So simpel und dennoch ein Material, das eine Menge zu bieten hat.


Jakob pickt mit Vorliebe winzige Steine und Krümmel auf, aber ebenso gerne liebt er es, durch Zusammenquetschen und Pressen sich so richtig anzustrengen, um seine eigene Kraft zu spüren. Bei diesem Material kann er seine Kraft nicht nur gezielt einsetzen, sondern auch erleben, dass Dinge auch dann weiterhin existieren, wenn diese außerhalb seiner Sichtweite sind.


Diese schöne Box fand ich beim Möbelschweden und ist eigentlich Teil eines Sets. Mit dem Bastelmesser schnitt ich eine Öffnung in den Deckel, wo der Ball hineingequetscht werden kann. Der Deckel lässt sich zwar ganz einfach auf- und wieder zuklappen, aber Jakob schaffte es nur, die Box zu öffnen und wollte den Ball immer wieder bei offenem Deckel durch das Loch quetschen. Quasi von unten. Das funktionierte aber nicht und er verlor das Interesse.


Daher klebte ich den Deckel zu und schnitt stattdessen noch eine, etwas größere Öffnung in die Seite der Schachtel. So kann er den Ball wieder herausnehmen und seine Arbeit ohne mein Eingreifen beliebig oft wiederholen. So ein kleiner Unterschied kann doch so bedeutend sein!


Falls ihr noch nie einen Ball selbst gehäkelt habt, möchte ich Euch unbedingt ermutigen, es dennoch zu probieren. Auch für mich war dies das erste mal und ich war sehr überrascht, wie schnell und einfach so ein Ball gehäkelt werden kann. Ihr findet im Netz eine Menge Anleitungen dazu oder aber ihr nehmt diese hier, wie auch ich. (Achtet aber darauf, dass der Ball einen größeren Durchmesser hat, als das Loch in der Box.)


Aus der kleineren Schachtel machte ich Jakob eine Box mit einem Schlitz im Deckel und besorgte dazu runde Holzscheiben mit 5 cm Durchmesser*. Die sind groß genug, so dass Jakob diese ohne Gefahr auch mit dem Mund erkunden kann.


Für den Anfang stellte ich ihn jedoch nur eine einzige Holzscheibe bereit, damit er nicht gleich überfordert ist.


In der gleichen Abteilung, wo ich auch die Pappschachteln gefunden habe, sah ich diesen Bilderrahmen mit Schiebedeckel aus Plexiglas. Auf dem Deckel montierte ich einen größeren Holzknauf, den Jakob mit seinen Fingern gut ergreifen und den Deckel so aufziehen und zuschieben kann, was für ihn eine spannende Herausforderung ist.


Um zu verhindern, dass der Deckel beim Öffnen jedes Mal gänzlich herausgeschoben wird, klebte ich auf dessen Unterseite kleine Bodengleiter als Stopper. Um die Box noch interessanter zu machen, legte ich auch einige kleine Gegenstände hinein, wie Muscheln und Schneckenhäuser oder kleine Tierfiguren, die er dann gerne erforscht. Es muss aber nicht unbedingt diese Box vom Möbelschweden sein, eine einfache Schachtel mit Schiebedeckel, wie auch diese hier*, ist, wie ich finde, genauso wunderbar geeignet.


*Affiliate-Link. Was bedeutet das? Dass elternvommars.com eine kleine Provision erhält, wenn Du das Produkt über diesen Link erwirbst. Für Dich entstehen dabei jedoch keine höheren Kosten. Ich empfehle nur das, was ich selbst getestet, gelesen und/oder für gut und sinnvoll halte.

24.04.2018

Unser Montessori Zuhause heute - Julias Zimmer mit 6 Jahren

5 Kommentare

Dass Julia bereits in der 2. Entwicklungsperiode ist, lässt sie uns jeden Tag spüren. Nicht nur, weil sie gerne philosophiert, erfindet und erforscht, sondern auch, weil sie gerne diskutiert, auf Gerechtigkeit besteht und weil sie so sehr mit der Ordnung der Welt beschäftigt ist und es ihr zunehmend schwer fällt, bei ihren eigenen Sachen Ordnung zu halten. Damit sie sich dabei leichter tut, aber auch weil Jakob gerne in diesem Raum auf Entdeckungstouren geht, haben wir Julias Zimmer etwas umstrukturiert.


Sie liebt ihr Mikroskop, daher bekam dieses einen eigenen kleinen Tisch. Der Tisch ist nicht besonders groß, aber die wichtigsten Werkzeuge, Julias Experimente und ihre Sammlungen finden hier Platz.


Wie schon seit vielen Jahren, sammelt und sortiert sie ihre Fundstücke und Schätze in einem Setzkasten*, nur dass dieser in den letzten Jahren in einen etwas größeren umgetauscht werden musste. Was sie neuerdings auch leidenschaftlich sammelt, sind Mineralien, die wir größtenteils im Naturhistorischen Museum erworben haben.


Passend zu ihrer Sammlung gestaltete ich ihr ein Poster über einige Mineralien und besorgte dazu auch einen schönen Bilderrahmen. Unser Poster in A3 Größe könnt ihr gerne hier herunterladen. In ihrem Zimmer hängt auch seit einiger Zeit eine einfache Wanduhr vom Möbelschweden, damit sich Julia auch zeitlich besser orientieren kann.


Ich gestaltete auch die Leseecke übersichtlicher, so dass sich ihre Bücher einander nicht verdecken. Da sie aber mehr Bücher in ihrem Zimmer haben wollte, besorgte ich ihr auch noch einen schönen großen Korb, so wie sie ihn auch schon früher hatte, in welchem wesentlich mehr Lieblingsbücher verstaut werden können. Dem Korb verpasste ich zusätzlich noch ein hübsches Textilband, damit er nicht so kahl wirkt.


Julias Nähmaschine ist leider kaputt gegangen und ließ sich auch nicht mehr reparieren, so ist auch der kleine Tisch, worauf die Nähmaschine stand, überflüssig geworden. Die Stoffe und anderen Nähwerkzeuge blieben jedoch, da Julia öfters mit meiner Nähmaschine arbeitet. Nadeln, Knöpfe, Maßband und Co. befinden sich in dem kleinen Nähkasten* ganz oben auf dem Regal (wo Jakob diese nicht erreichen kann), diverse Stoffe wie Filz, Stickgrund und vorgeschnittene Stoffquadrate sind in einer kleinen Kommode* sortiert. Auch die Scheren hängen nach wie vor auf kleinen Haken und sind so nicht nur sofort zur Hand, sondern auch ebenso schnell wieder weggeräumt.


Perlen und Schmuckzubehör kamen in wiederverschließbare Einmachgläser, die wiederum in einem kleinen Korb aufbewahrt werden. So ist es nicht nur praktischer und schöner, sondern auch babyfreundlicher. Den Stickgarn wickelte ich auf Pappe, damit der Garn nicht durcheinanderkommt und sich verknotet, wenn sich Julia von dem Garn bedient.


Ich musste auch nach einer praktischeren Lösung suchen um ihre Washi-Tapes, Malutensilien und Stempel besser aufzubewahren und besorgte vom Möbelschweden einige Holzdosen aus der Badezimmerabteilung, die sich als unglaublich praktisch erwiesen. Die Schachteln sind eine Kombination aus 2 Sets (aus diesem und diesem) und perfekt zum Stapeln, so sind Julias Bastelutensilien viel platzsparender verstaut und dennoch leicht zugänglich.


Ihre Spielsachen sind auf einige Gesellschaftsspiele sowie Konstruktionsspiele reduziert, viel lieber zeichnet sie, malt, bastelt und werkt. Auf diesem Regal steht ihr auch Papier zur Verfügung aber auch ihre Aquarell Buntstifte, die in kleinen Gläschen sortiert sind. Ich mag diese Buntstifte*, weil ihre Miene nicht so leicht bricht, die Farben schön kräftig sind und auch mit Wasser und Pinsel verwischbar sind, was tolle Effekte ermöglicht.


Zu ihrem letzten Geburtstag bekam sie eine Ameisenfarn mit Ernteameisen* um die sie sich jeden Tag kümmerte. Wir konnten beobachten, wie sie ihre Gänge bauten, ihre Eier ablegten und wie sie untereinander die Arbeit aufteilten, allerdings haben wir die Ameisen, auf Wunsch von Julia, bereits im Park wieder freigelassen.


Was ich an ihrem Zimmer so liebe, sind die riesigen Fenster. Auch wenn Julia an ihrem Tisch arbeitet, sieht sie statt einer Wand, grüne Baumwipfel und einige Berge am Horizont. Ihr Tisch ist allerdings nicht mehr so optimal für sie, da sie viel gewachsen ist, daher bekommt sie bald einen neuen Arbeitstisch.


Julia sammelt gerne. Nicht nur schöne Steine, Muscheln oder andere Naturschätze, sondern auch Sticker, kleine Keramikfiguren und alles mögliche, was sie interessant findet. Doch mit der Zeit wurde ihr Sammelsurium recht groß und wir wussten nicht, wohin damit. Eine gute Freundin von mir gab mir den wertvollen Tipp, für solche kleine Schätze eine eigene Kiste anzulegen. So sind ihre Schätze schön und praktisch aufgewahrt, doch wenn die Kiste überquillt, reduziert sie ihr Sammelsurium auf die herzallerliebsten Sachen.

Sie verbringt sehr gerne Zeit in ihrem Zimmer und hört Musik, liest ihre Bücher und werkt, daher liegen ihre Materialien sowie Bücher oft verteilt im Raum herum (ganz besonders dann, wenn auch Jakob die unteren Regale ausleert). Doch sie findet sich viel besser zurecht und wenn sie hier aufräumt, braucht sie dafür auch nicht lang. Worauf sie allerdings gerne besteht, ist, dass sie auch ungestört arbeiten kann. Dann bleibt ihre Zimmertür einfach zu.


*Affiliate-Link: elternvommars.com erhält eine kleine Provision, wenn Du dieses Produkt über den Link kaufst, für Dich entstehen dabei keine höheren Kosten. Ich empfehle hier nur, was ich selbst getestet oder gelesen habe oder für gut und sinnvoll halte.