Kindern in einem Montessori-Haus beim Entdecken zu zuschauen und sie auf diesem Weg zu begleiten ist eine unglaubliche Bereicherung für mich. Ich weiß, nicht alle haben die Möglichkeit, Kinder in einem Kinderhaus oder in einer Schule zu erleben und ich denke, einige Fragen bezüglich des Alltags in einer Montessori-Einrichtung bleiben für manche daher auch offen. Es gibt allerdings einige Videos im Internet, die eine Menge Einblick in den  Montessori-Alltag gewähren und zeigen, wozu Kinder fähig sind, wenn sie nur dürfen.

Hier eine kleine Liste von 9 Videos, die zu meinen Favoriten gehören. Ich hoffe, sie lassen sich alle auch auf Eurem PC oder Smartphone öffnen:

1. "A Montessori Morning", fotografiert von Lindsay Palmer, zeigt einen Jungen in dem Alter, in welchem Julia jetzt ungefähr ist. Das Video besteht eigentlich aus vielen Fotos schnell hintereinander angezeigt, daher wirkt der Kurzfilm ziemlich hastig, ist aber ein herrlicher Einblick einer 3 Stunden-Arbeit in nur 4 Minuten zusammengefasst. Man beachte, wie oft, oder besser gesagt, wie selten ein Erwachsener zu sehen ist.

2. "Building The Pink Tower Fundraising Trailer" ist zwar auf Englisch und verlangt ein wenig Englischkenntnisse, allerdings ein wunderbares Video darüber, wie einzigartig und wunderbar die Montessori-Pädagogik ist.

3. "Montessori Kindergarten: Essential & Empowering" von The American Montessori Society ist ein wunderbarer Kurzfilm über den Alltag im Kinderhaus. Um den Film zu verstehen, benötigt man zwar Englischkenntnisse, aber ich denke, auch ohne diese kann man die Bilder genießen.

4. Das Video über eine Arbeit mit Tasttüchern von Filev Yuriy zeigt ein Kinderhauskind in voller Konzentration. Es hat eine Augenbinde (die Kinder entscheiden selbst, ob sie eine anziehen wollen oder nicht) und arbeitet ausschließlich mit seinem Tastsinn. Es ist so vertieft in sein Tun, dass es sich nicht einmal vom Lärm ringsherum ablenken lässt. Herrlich!

5. Ein anderes Video von Filev Yuriy zeigt ein Mädchen aus einem Kinderhaus (ich schätze es auf 4 oder 5 Jahre), wie es mit dem Maschenrahmen arbeitet. Um 0:13 kommt das Beste - der Grund, warum ich die Montessori-Pädagogik so schätze und liebe.

6. Ich liebe die Montessori-Materialien und es zu beobachten, wie Kinder mit ihnen arbeiten. Sie sind einfach genial, denn sie machen nicht nur Spaß, sie erlauben es Kindern auch, eigene Entdeckungen zu machen. Das Video "Control of Error" zeigt ein junges Mädchen, wie es mit dem 4. Zylinderblock arbeitet und wie es das Material eigene Fehler entdecken lässt, ohne den Spaß am Tun zu nehmen.

7. "A Day in the Life of Baan Dek" zeigt in Schnellaufnahme einen Tag in einem Kinderhaus. Es ist wunderbar zu erkennen, wie viel Bewegung Kinder an einem Tag im Raum in einer Montessori-Einrichtung wirklich haben. Nur eben: nie ziellos. 

8. Ein sehr netter Film ist "Inside the Montessori Classroom" von The American Montessori Society, der in jede Altersgruppe Einblicke gewähren lässt, wenn auch nur ganz kurz.

9. Ein Video über die Bedeutung der Freiheit der Counterpane Montessori School (in Zusammenarbeit mit Sara Moe), bei dem sich Kinder zu Wort melden und erzählen, was sie unter Freiheit verstehen. Ein großartiges Video!

Es gibt bestimmt eine Menge andere tolle Videos, die ich hier nicht aufgelistet habe. Wenn Du so ein Video kennst, hinterlasse den Link zum Video unter dem Beitrag im Kommentarfeld. Es würde mich sehr freuen!

Das neue Jahr starteten wir mit hohem Fieber und unzähligen kleinen juckenden Bläschen. Windpocken. Das Schlimmste haben wir bereits überstanden und Julia geht es auch viel besser, aber 12 Tagen unter Quarantäne sind eine sehr lange Zeit. Und sie ist noch nicht ganz zu Ende. Wir versuchen, diese Tage mit Büchern, Bausteinen, gemeinsamen Kochen, Papierbasteleien und mit einigen Handarbeiten zu überbrücken. 

1. In dieser Woche entdeckte sie das Stricken für sich. Auch die Kinder in der Montessori-Schule liebten diese Arbeit und strickten sich, vor allem die Buben, 15-20 Meter lange "Schläuche" um einen Rekord aufzustellen. Weil ich dachte, für den Anfang fällt es ihr leichter, zeigte ich Julia zuerst das Handstricken, aber sie bevorzugt dennoch lieber die Strickgabel. Ich denke, sie mag es, wenn sie beide Hände "frei" hat.


Zu ihrer Strickgabel habe ich ihr ein Körbchen mit kleinen bunten zugeschnittenen Wollbällchen vorbereitet und ihr auch gezeigt, wie sie eine Arbeit beginnen kann. Das einzige, wo sie meine Hilfe braucht, ist beim Knotenbinden, wenn sie ihre Arbeit mit neuer Wolle verlängern möchte. Hier eine Schritt für Schritt Anleitung wie die Strickgabel funktioniert, hier die Strickgabel die Julia zurzeit benutzt und hier eine Vorlage zum Herunterladen, um so eine Strickgabel selbst zu basteln.


2. Auch ein selbstgemachter Bommel ist für die meisten Kinder etwas ganz besonderes. Die Arbeit ist recht unkompliziert, da die Wolle größtenteils nur um die beiden Papier-Ringe gewickelt werden muss, es verlangt allerdings etwas Geduld und Ausdauer. Hier eine Anleitung und auch eine Vorlage für die Schablonen zum Herunterladen.


3. Perlen zu fädeln mochte sie schon mit 2 Jahren, damals bot ich ihr dazu eine große, abgerundete Wollnadel und große Holzperlen an, heute arbeitet sie mit einer kleineren Wollnadel und kleineren Perlen. Auch den Faden steckt sie ganz alleine in das Nadelöhr, dazu nähte ich ihr ein hübsches Nähkissen, besorgte eine Nadelhilfe und zeigte ihr, wie das geht. Seitdem macht sie das alleine, nur zum Schluss den Knoten auf den Faden mache nach wie vor ich.


4. Im Herbst kaufte ich ihr einen kleinen Webrahmen und fing an, Wolle in den verschiedensten Farben zu sammeln. Sie liebt es damit zu arbeiten und vor allem die Farben häufig zu wechseln. Was mir besonders gut an solchen Handarbeiten gefällt, ist, dass die Hände die Bewegungen ständig wiederholen. So auch hier: Das Schiffchen wird zwischen den Fäden rauf und runter gesteckt und dann mit der anderen Hand in die andere Richtung wieder zurück geführt. Eine wunderbare Herausforderung und Übung. Diesen kleinen Teppich begann sie übrigens noch im November. Er ist zwar noch nicht ganz fertig, aber schon jetzt eine Freude anzuschauen, finde ich. Hier noch eine kurze Anleitung für den kleinen Webrahmen.


5.Auch Sticken ist eine wunderbare Arbeit. Dazu besorgte ich ihr einen Stickrahmen und grobgewebten Stoff. Gestickt hat sie mit der großen, abgerundeten Wollnadel. Am Anfang hat sie die Nadel von hinten nicht zurückgestickt, sondern seitlich zurückgeführt. Mit der Zeit gelang es ihr mit ein wenig Übung aber immer besser.


6. Nassfilzen macht großen Spaß! Ich denke, es gibt kaum Kinder, die nicht gerne mit Wasser arbeiten und die Hände in Schaum tauchen. Nassfilzen ist wirklich eine spannende Sinneserfahrung und mehr als ein Stück Seife, Wasser, Handtücher und Filz braucht man gar nicht dazu. Wir haben zu viel Schaum benutzt, aber die Bälle sind uns dennoch gelungen. Tolle Anleitungen zum Nassfilzen fand ich hier und auch hier.


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Da ich oft gebeten werde, auch für ganz junge Kinder Materialien und Körbchenideen zu zeigen, habe ich noch vor Weihnachten im Grashalm Montessori Kleinkinderhaus einige Fotos geknipst um dieser Bitte nachzukommen.

Ich habe mir vorwiegend solche Materialien aus den Regalen ausgesucht, die von den Kindern besonders oft genommen werden. So zum Beispiel auch dieses Entdeckungskörbchen. Es beinhaltet ganz einfache, bekannte Gegenstände aus dem Alltag: Ein Schneckenhaus, eine Muschel, ein Honiglöffel, eine Stilleinlage aus Wolle, eine Gesichtsbürste aber auch eine Nagelbürste aus Plastik, damit die Kinder ganz unterschiedlichste Texturen befühlen können.


Eine hübsche, stabile Pappbox mit einem kleinen Schlitz auf dem Deckel, dazu ein Korb mit dünnen Holzchips. So einfach und doch lieben es die Kinder! Sie verbringen damit oft lange Minuten in voller Konzentration.


Auch ein Favorit: der Korb mit wunderbar einfachen Musikinstrumenten zum Schütteln und mit ganz unterschiedlichen Klängen.


Im Korb sind: ein kleines Glöckchen auf einem Stiel1, ein kleine, handliche Maraca1, ein kleines Rassel-Ei1, ein Bambus Klapper (Tok Tok's) der durchs Schütteln klappende Töne erzeugt, ein wunderschönes Glockenbrettchen mit sanftem Klang und eine Holzrassel.


Selbstgenähte Sandsäcke zum Tragen, sich Drauflegen, auf den Körper legen, aber auch zum Bauen oder sich einfach einen Weg aus ihnen legen. Kinder tragen die unterschiedlich schweren Säckchen ganz begeistert durch den Raum. Je schwerer, umso spannender. Auch für Julia habe ich damals zu Hause solche Säckchen genäht und füllte statt Sand, Reis und Linsen hinein.


Der Holzkasten mit Ball und Schublade. So wie jedes Montessori-Material ist auch dieses einfache Kästchen ge-ni-al! Der hineingeworfene Ball rollt nur dann in die Schublade nach vorne, wenn diese zugeschoben ist. Wenn sie jedoch offen bleibt, bleibt der Ball ganz oben stecken. So wird die Schublade möglichst oft auf- und zugemacht und somit auch die kleinen Hände fleißig beschäftigt. Zu Erwerben zum Beispiel hier, hier oder hier.


Ein weiterer Entdeckungskorb mit unterschiedlichen Bürsten aus dem Alltag. Zum Ausräumen, Befühlen, Benennen und wieder Einräumen.


Ein Zuordnungsspiel mit Vogel Schleich-Figuren, dazu Bildkarten. Die Karten samt den Fotos habe ich gemacht und es war jede Menge Arbeit, dafür sind sie genau so geworden, wie ich sie mir vorgestellt habe. Zuerst boten wir im Kleinkinderhaus nur drei der Karten und Figuren an und wählten dazu einheimische Vogelarten aus, für ältere Kinder kamen dann weitere 4 Figuren sowie Karten dazu. Gerne könnt ihr die Karten für das Spielregal zu Hause hier herunterladen und nachbasteln.


Auf einem der Regale stehen auch A5 große Fotokarten als Sprachmaterial über Obst- und Gemüsesorten, Tiere, Möbelstücke oder Bekleidung, die nach einigen Wochen durch neue ausgetauscht werden. Solche Karten kann man aber auch ganz einfach mit Bildern aus dem Internet selbst basteln.


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