Jeden Tag vor der Haustür angekommen bittet sie nach dem Schlüssel um selbst zu versuchen aufzusperren. Doch das Schloss ist zu hoch. Damit sie dennoch etwas aufsperren kann, besorgte ich ihr ein kleines Schloss vom Baumarkt und bastelte ihr dazu ein passendes Brett mit einer Tür drauf. Als ich ihr das Brettchen mit dem Schloss zeigte, war sie ganz aufgeregt und versuchte den winzigen Schlüssel, der zum winzigen Schloss gehört, in die Schlitze zu stecken. Sie bat nach einer Weile um meine Hilfe, also zeigte ich ihr ganz langsam und ganz ohne Worte, wie ich das mache: Schlüssel reinstecken, dabei mit der anderen Hand das Schloss halten, dann den Schlüssel drehen und den aufgesprungenen Schlossriegel runterfädeln.


Dazu muss eine winzige Hand ganz feine Bewegungen durchführen. Und nicht nur die Hand muss dabei arbeiten, auch das Gehirn: Bei einigen Schließsystemen muss man eben ziehen, schieben und drehen, bei anderen stecken und drehen und/oder fädeln.


Solche 'latch boards' und 'lock boxes' kann man aber ebensogut kaufen, zum Beispiel hier, hier oder hier.

Während ich in der Küche Kakao für sie kochte, zeigte sie ständig auf die Früchte im Obstkorb und fragte nach ihren Namen. Sie macht das auch, wenn sie bereits die Sachen um sich herum kennt, sie spielt einfach und wir spielen gerne dabei mit. Ich legte den Korb auf den Boden und setzte mich ebenso hin. 


Dabei wollte sie nicht nur mehr die Namen wissen, sie nahm die Früchte alle raus, schaute, ob sie auf dem Boden rollen können, wie sie sich anfühlen, wie sie riechen und sie versuchte auch in einige hineinzubeißen.

Ich fand das unglaublich spannend ihr dabei zuzuschauen und an ihrer Freude an den kleinen Details und an ihren Entdeckungen Teil zu haben.


Ein sonntägliches Foto voller Entdeckungen, Errungenschaften, Kreativität und Geschichten. 
Spuren von  großen Gedanken durch winzige Hände.


Wenn Du Lust hast mitzumachen, hinterlasse einen Link im Kommentarfeld wo wir Dein Foto finden und bewundern können.

Natürlich sind Montessori-Materialien ästhetisch und qualitativ, aber auch sehr teuer. Doch heißt das nicht, dass Kinder auf die Übungen und auf das Entdecken gänzlich verzichten müssen, man kann Montessori auch aus dem machen, was man zu Hause eben anfindet.

Meine Kleine bekam bereits vor einem Jahr dieses Angel-Magnet-Spiel. Damals konnte sie damit noch nichts anfangen, jetzt mag sie es aber sehr gerne. Magnete sind sowieso spannend für Kinder, also warum nicht adaptieren und statt der Pappfische, kleine Gegenstände aus unterschiedlichen Materialien zum Angeln anbieten? Mal sehen, welche vom Magnet überhaupt angezogen werden.


Sie liebt diese Karten aus meinem Portemonnaie, auf welchen man in diversen Geschäften beim Einkauf Punkte sammeln oder Rabatte bekommen kann. Sie versteckt sie immer in kleine Schlitze, zwischen Regalen und Büchern oder in kleinen Taschen. Im Abstellraum fand ich eine kleine Schachtel und schnitt eine extrem dünne Spalte mit dem Stanley-Messer in eine Seite. Sie steckte nicht nur die Karten voller Elan rein, auch die Schachtel zu öffnen um wieder an die Karten heranzukommen bereitete ihr viel Freude.


Solche Boxen kann man auch für Münzen machen. Dazu eignen sich auch Sparschweine gut, wobei ich bemerkte, je kleiner und Dünner etwas ist, umso größer die Herausforderung für die winzigen Hände diese irgendwo hineinzustecken. In dem Deckel einer leeren und ausgewaschenen Tablettendose schnitt ich eine, genau für ein 5 Centstück passende Öffnung, da diese die größte Münze in der Schale war. Auch der Schraubdeckel, um wieder an die Münzen heranzukommen, ist eine tolle Übungsmöglichkeit für die gar nicht so einfache Handbewegung.


Unsere selbstgemachte Sensorikbox für noch kleinere Hände findet ihr hier.


Auch Sinnesmaterialien kann man mit einfachen Mitteln herstellen. Sie werden zwar nicht ganz so toll funktionieren, wie die Originale, aber doch können sie den Kleinen ganz schön viel bieten. Auch unsere Geräuschedosen sind "homemade" und klingen je nach Füllmaterial ganz unterschiedlich. Leider geht allerdings die Lautstärke bei diesen Salbendosen verloren, nicht so bei der Holzversion.


Ebenso kann man auch Geruchsdosen selbst basteln.


Man findet im Haushalt auch leere Nasentropfenfläschchen deren Pipetten sich, gut ausgespült, wunderbar für feine Arbeit eignen. Dazu zwei kleine identische Schalen und Wasser mit ein wenig Lebensmittelfarbe um genauer sehen zu können, was da passiert, wenn man die Pipette nach oben zieht.


Aus leeren Küchenrollen oder aus Kartonpapier sowie Papierkleber und kleinen Bällchen lässt sich auch im Handumdrehen eine spannende Kugelbahn an die Wand zaubern.


Auch einfache Puzzlespiele lassen sich aus Filzstift und Kartonpapier anfertigen, man braucht dazu nur noch ein paar Gegenstände aus Bad, Küche oder Wohnzimmer.


In der Küche und im Abstellraum fand ich diese Behälter mit diversen Verschlüssen: Zum Stecken, zum Schrauben, zum Aufklappen und zum Fädeln. Zu jedem Verschluss müssen die kleinen Finger ganz andere Bewegungen tätigen um diese auf und zu zu bekommen. Die Dosen und Gläser habe ich auf ein Tablett gestellt, die Deckel in einen Korb daneben. Ich habe ihr gar nicht gezeigt, welche Deckel wie funktionieren. Die Devise heißt hier: selbst entdecken durch Probieren und dann üben.

Foto: Bill Porter
Gestern hatte ich das große Glück und die Ehre in der Montessori-Kinderkrippe meiner Tochter einen wunderbaren Vortrag von Lilian Bryan anzuhören. Die Pädagogen dort luden sie in ihr Kinderhaus ein, sie sagte zu und hielt einen wunderbaren Vortrag für Eltern über das frühe "Trotzalter" der Kleinkinder. Der Raum war voll, der Vortrag unglaublich fesselnd und bereichernd.

Lilian Bryan, gebürtige Österreicherin, lebt nun seit 60 Jahren in den USA mit ihrem Ehemann, fünf bereits erwachsenen Kindern und vielen Enkelkindern. Sie ist seit Jahrzehnten als Montessori-Trainerin der Association Montessori International (AMI) auf der ganzen Welt tätig. In verschiedenen Ländern auf fast allen Kontinenten hat sie Montessori-Kurse gehalten und auch heute reist sie immer noch als Botschafterin in Montessoris Namen. Sie hat auf Wunsch Mario M. Montessoris  das Montessori-Institut in Atlanta (USA) gegründet und über viele Jahre geleitet und dabei den Grundstein für eine große Zahl von Montessori-Kinderhäusern gelegt.

Und gestern durfte ich bei einem ihrer Vorträge dabei sein und mir dabei so vieles mitnehmen! Sie sprach über die größte Aufgabe des Kindes: Selbstständigkeit zu erlangen und sich selbst aufzubauen, über die Wichtigkeit der ersten Lebensjahre, über die angepasste Umgebung und die angepassten Erwachsenen. Sie erzählte über ihre Erfahrung und ihr Wissen mit einer unglaublich großen Liebe zu den Kindern. Über die Bewegung, über die Sprache, über die hartnäckigen "Nein!"s und "Doch!"s, über die wahren Bedürfnisse der Kleinkinder und über die Hilfe, die wir ihnen bieten können und die wirklich eine Hilfe ist. Ich kann Euch leider nicht zitieren, was Frau Bryant alles gesagt hat, aber ich versuche einiges was ich gehört habe mit eigenen Worten weiter zu geben:

Die ersten 6 Lebensjahre

Die ersten Lebensjahre sind die bedeutendsten im Leben. Denn in dieser Zeit lernt das Kind die fundamentalsten Dinge, wie das Laufen, Sprechen, es entdeckt seinen eigenen Willen und das ICH  und auch seine eigenen Fähigkeiten einzuschätzen. Und wenn es viel selbstständig machen kann mit Ermutigung und Geduld unsererseits, wird es Vertrauen in sich selbst bekommen, mit Begeisterung die kleinen Hürden im Alltag zu bewältigen versuchen, es wird mutig und voller Tatendrang sein. In diesen Jahren wird sozusagen sein Charakter geschmiedet. Und einen guten Charackter wünschen wir ja alle für unsere Kinder! Wie viele von uns trauen sich als Erwachsene nicht, etwas  ganz alleine zu bewältigen.


Wir alle kennen diese "Will alleine!" Ausrufe der Kinder. Diese werden von einem inneren Impuls geleitet. Seit die Kinder in diese Welt geboren wurden streben sie nach Selbstständigkeit. Sie wollen dann alleine essen, sich unabhängig von uns bewegen, alleine ausprobieren, was sie auch bei den Erwachsenen sehen. Es liegt in unserer Natur nach Selbstständigkeit zu streben. Und was machen wir Eltern? Wir ziehen sie an, kämmen ihre Haare und füttern sie. Weil wir sie lieben. Weil wir ihnen einen Gefallen tun möchten, denn wer mag es nicht, verwöhnt zu werden? Doch Kinder haben eine andere Natur. Sie wollen fürs Leben lernen. Wenn wir ihnen also diese Aufgaben abnehmen, hindern wir sie beim Lernen. Denn es gibt eine Hilfe, die keine Hilfe ist. Denken wir daran, wie wir Snowboardfahren lernen oder von mir aus das Klavierspielen. Was wir hierbei in erster Linie brauchen ist jemand, der uns die Bewegungen zeigt. Langsam und ganz genau und mit viel Geduld. Jemanden, der uns danach aber auch selbst probieren lässt und nicht ungeduldig wird, wenn wir im Schnee einen Purzelbaum schlagen oder auf dem Klavier die falschen Tasten erwischen. Denn etwas zu erlernen braucht viel Übung!

Die Bewegung

Kinder haben also den inneren Impuls etwas ganz alleine zu meistern. Sie arbeiten hart und unermüdlich. Sie haben die größte Mühe zu stehen und dann zu gehen aber nutzen jede kleinste Gelegenheit dies zu üben. Und sie schaffen es auch! Wie groß dann die Freude auch der Eltern und der Großeltern ist. Warum stecken wir sie dann aber in den Kinderwagen? Um schneller zu sein. Weil das Kind nach jedem 2. Schritt stehen bleibt und im schlimmsten Fall sogar die Richtung wechselt. Weil es nicht so schnell gehen kann, wie wir es uns wünschen. Weil es für uns Erwachsene doch soviel leichter ist, wenn das Kind geschoben wird. Wir müssen ja pünktlich zu einem Termin, zur Arbeit oder eben ganz viel in wenig Zeit erledigen. 


Doch das Kind kann aus dem Kinderwagen die Welt nicht entdecken: Die Ameisen und die kleinen Risse auf dem Gehsteig nicht beobachten. Es kann nicht üben, wie man über die Straße geht, wie man Stufen hinauf oder runter steigt oder wie man in die U-Bahn und in die Straßenbahn ein- und aussteigt. Es ist langsam, ja, aber wir können uns dem Kind ja auch ein wenig anpassen. Wir gehen früher los, oder lassen es auf dem Nachhauseweg ganz alleine zu Fuß gehen. Es will und soll die Welt entdecken. Es hatte so viel Mühe, so viel Anstrengung das Gehen zu erlernen!

Sprechen

Wie Kinder zu Sprechen lernen ist ein einzigartges Phänomen. Und sie brauchen dazu nichts anderes als uns beim Sprechen zuzuhören. Sprachen sind manchmal kompliziert, manchmal einfach, manche Kinder hören mehrere Sprachen zuhause, manche nur eine, aber alle lernen diese in den ersten Lebensjahren mit Leichtigkeit. Und nur durchs Zuhören. Sprechen wir auch mit Kindern, die noch nicht sprechen können. Ja, man führt dann einen Monolog, das Kind jedoch absorbiert die Sprache und eines Tages (einige früher, andere später) sagt es ein Wort (oder gleich einen ganzen Satz!). Sprechen wir mit ihnen, wie mit kleinen Wissenschaftlern. Muten wir ihnen die Fähigkeit zu, sogar für uns schwer erscheinende Wörter zu erlernen. Denn für Kinder sind Wörter alle gleich: Ob Karotte oder Weimaraner, sie werden nicht wählerisch sein. Ein Hund muss ja auch nicht nur ein Hund bleiben, er darf ruhig ein Dalmatiner oder ein Schäferhund sein. Erzählen wir ihm beim Spazieren gehen, dass der Vogel da auf dem Baum ein Rotkehlchen ist, oder der da eine Krähe. Dass die Sträucher da Wildrose genannt werden und der Baum dort eine Fichte ist. Gut, man kennt vielleicht auch als Erwachsener nicht alles so genau, aber man kann ja nachlesen und mit dem Kind mitlernen. Es ist doch schön, wenn man einander bereichern kann, nicht wahr?



Der eigene Wille

Die hartnäckigen "Nein!"s unserer süßen kleinen Kinder kennen wir ja so gut wie alle. Sie können uns zwar ganz schön auf die Probe stellen, jedoch können wir diese auch mit anderen Augen sehen. Denn wenn ein Kind "Nein!" sagt, hat es verstanden, dass es mit seinem eigenen Kopf denkt. Es sagt zwar noch seinen Namen, wenn es über sich selbst spricht, denn die Entdeckung des ICHs kommt erst etwa mit 3 Jahren. Aber es entdeckt schon viel früher, dass es selbst entscheiden kann. Dass es sehr wohl anderer Meinung sein kann, als seine Eltern. Das ist doch ein Meilenstein und wunderbar! Statt es also davon abzuhalten, geben wir ihm so oft es nur geht die Möglichkeit selbst zu denken. Bieten wir dem Kleinkind überall wo es nur geht, 2 Möglichkeiten an, woraus es dann eine wählen kann: "Magst Du meine rechte oder meine linke Hand halten?" oder "Möchtest Du die rote oder die gelbe Socke anziehen?". Denn in dem Moment, wo das Kind entscheiden darf, fühlt es sich bemächtigt und willensstark, all dies von uns unsichtbar geleitet. Ist doch ein perfekter Kompromiss.

Lassen wir doch unsere Kinder in Ruhe lernen. Mit den Sinnen und auch mit dem Verstand. Aus Erfolgen und auch aus Fehlern lernt man. Wenn sie etwas geschafft haben, lassen wir sie dies in vollen Zügen auskosten. Muten wir ihnen das zu! Natürlich sind sie am Anfang noch ungeschickt und fordern auch viel Geduld von uns Erwachsenen. Aber nur durch Tun kann man lernen, nur durch Üben festigen. Nicht das Kind soll sich uns anpassen, sondern wir sollen ihm helfen sich alleine zurecht zu finden. Machen wir ihm dieses Geschenk, geben wir ihm die Möglichkeit fürs Leben zu lernen.

Ein sonntägliches Foto voller Entdeckungen, Errungenschaften, Kreativität und Geschichten. 
Spuren von  großen Gedanken durch winzige Hände.


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Es reicht, wenn sie mit einem kleinen Besen den Boden aufkehrt, wenn sie ihren kleinen Tisch abwäscht oder in der Küche echte Arbeit durchführen kann. Dann kann man sehen, wie fröhlich sie dies macht, ihre Hände für nützliche Sachen zu gebrauchen. Aber sie fühlt sich dadurch nicht nur nützlich, sondern auch fähig und stolz.
Wir alle wissen, wie sich das anfühlt, etwas wirklich sinnvolles, nützliches fertig zu bringen. Es fühlt sich verdammt gut an! Es ist nicht nur das Gefühl, etwas Wichtiges zu schaffen, wir sehen plötzlich die Arbeit mit ganz anderen Augen. Wir schätzen das Ergebnis und auch die Arbeit von anderen viel mehr.


"Die Entwicklung der Fähigkeiten der Hand ist beim Menschen mit der Entwicklung der Intelligenz verbunden und - betrachten wir die Geschichte - auch mit der Entwicklung der Kultur. Man könnte sagen, dass, wenn der Mensch denkt, er mit den Händen denkt und handelt.

Wenn seine Hand zu arbeiten wünscht, müssen wir ihm die Möglichkeit geben eine intelligente Tätigkeit zu entfalten. Das selbständige Handeln führt das Kind auf den Weg der Unabhängigkeit."

- Maria Montessori: Das kreative Kind


Diese kleinen Hände hungern buchstäblich nach sinnvollen Tätigkeiten. Sie wollen lernen. Am Alltag teilhaben. Sie wollen sich erproben und etwas Produktives schaffen. Damit sie aber all diese Sachen wirklich machen kann, habe ich ihr zuerst langsam, manchmal sogar die ganze Zeit Seite an Seite vorgezeigt, wie ich das handhabe. Beim Fegen verschaffte ich ihr sogar eine kleine Hilfe und klebte aus Papierkleber ein kleines Viereck auf das Parkett, wo sie die Krümel und den Staub hineinsammeln konnte. 


Für den Gurkensalat zum Mittagessen schälte heute sie die Gurke. Ich blieb die ganze Zeit neben ihr und schälte auch eine Gurke mit, damit sie immer wieder einen Blick über meine Schulter werfen konnte  und damit ich eingreifen kann, falls sie ihre Finger mitschälen sollte. Das Ding ist ja nicht ganz ungefährlich.

Sie sucht ständig nach solchen Tätigkeiten, Aufgaben, die ihre Muskelkraft und Geschicklichkeit erfordern. Aufgaben, die ein sichtbares und nützliches Ergebnis bringen, solche, die sie mit uns teilen kann.

Schon auf den ersten Blick fallen diese sorgfältig angerichteten Tabletts auf den Regalen auch in der Montessori-Kinderkrippe meiner Tochter auf. Auf ihnen findet man manchmal nur ein paar Kärtchen, manchmal Gläser oder Schälchen, Dosen mit kleinen Öffnungen oder bunte Glöckchen. Aber wozu sind sie eigentlich gedacht? Was für eine Rolle spielen sie?

Wenn sich ein Kind für ein Material interessiert, nimmt es das entsprechende Tablett vom Regal, tragt es zu einem Tisch oder legt es auf den Boden und arbeitet damit. Wenn das Material, zum Beispiel eine Sortierübung, wo drei kleine Gefäße gefüllt werden müssen, einfach frei auf dem Regal stehen würde, müsste das Kind mindestens drei mal hingehen und drei mal die Sachen zum Tisch tragen um sich damit beschäftigen zu können. Das macht doch keinen Sinn. Auf einem Tablett angerichtet kann es aber alles auf einmal herunternehmen und ebenso auch später zurücktragen. Und dies ist sehr wichtig, denn die Kinder lernen dadurch eine Aufgabe von Anfang bis zu Ende durchzuführen.


Die Tabletts können aber mehr als das. Sie dienen auch als Arbeitsfläche, als eine Art "Arbeitsrahmen" wo das Material oben bleibt. Ich bin auch zu Hause jedes mal verblüfft, wie toll das funktioniert. Am Anfang, als ich ihr was auf dem Tablett angerichtet habe, hat dies natürlich noch nicht ganz funktioniert, auch das brauchte etwas Übung. Heute könnte ich das nicht mehr wegdenken: weder Bohnen noch geschnipseltes Papier werden in der Wohnung verteilt. Sogar wenn sie was anmalen oder zeichnen möchte, lege ich ein Tablett unter das Papier und so bleiben auch die Filzstiftspuren auf dieser Arbeitsfläche.


Es ist aber nicht ganz egal, was für ein Tablett verwendet wird, immerhin soll es für kleine Kinderhände leicht tragbar sein, also nicht zu breit und auch nicht zu schwer und wenn möglich, nicht unbedingt aus Glas. Und damit es nicht vom Wesentlichen, von der eigentlichen Arbeit ablenkt, eher schlicht und eifach.


Ich liebe diese Tabletts, genau so wie die Körbchen und den Arbeitsteppich, der auch als Arbeitsfläche dient. Es ensteht nur selten Chaos wenn meine Kleine an etwas arbeitet und wenn doch, kann es eben so schnell wieder weggeräumt werden. In einer sorgfältig vorbereiteten Umgebung sorgen sie für leichten Zugang, für Überblick, Ordnung und Struktur.

Sie sind allerdings manchmal ganz schön teuer. Ich sah und kaufte welche aus Holz beim Möbelschweden für einen guten Preis und sogar im Doppelpack, auf der Homepage sind sie aber leider nicht verfügbar. Sonst bekommt man welche
Es ist doch so, dass jeder das Recht auf seine Meinung und zu seinen eigenen Gedanken hat. Es ist ja schön, dass wir Menschen unterschiedlich sind und auch unterschiedlich denken. Wenn ich einen Beitrag schreibe oder einen Kommentar beantworte, behalte ich es immer vor Augen und bemühe mich auch höflich und diplomatisch zu sein. Ich schreibe hier im Blog über meine Erfahrungen und Gedanken über meinen Beruf als Lehrerin und über meine Rolle als Mutter. Ich bastle und fotografiere gerne und schreibe auch gerne diesen Blog. 

Doch manchmal vergeht mir die Lust ihn weiterzuführen. Denn manchmal können Menschen grausam sein und einem ohne ihn jemals persönlich getroffen zu haben, ohne ihn wirklich zu kennen, zutiefst verletzen. Kommentare zu hinterlassen kann man auch so, dass man einander dabei respektiert. Höflich und diplomatisch und manchmal vielleicht am besten gar nicht. Ich bin traurig, weil dies gewiss nicht der Weg ist über etwas zu diskutieren, geschweige davon unseren Kindern als Vorbilder zu dienen. 

Als Lehrerin erlebe ich tagtäglich viele Kinder und somit auch viele Schicksale. Und mir liegt sehr viel daran, dass diese Kinder das bekommen, was sie wirklich brauchen. Und mir liegt auch viel daran, dass diese Kinder die Freude am Lernen wiederfinden. Denn die Welt ist unglaublich schön und spannend und das sollten sie auch entdecken können. Durch mein Studium habe ich unter anderem auch die Montessori-Pädagogik kennengelernt und fand in diesen Ansätzen genau das, was ich unter Lernen und Erziehen verstehe. Und seit ich Mutter geworden bin, interessiert mich diese Pädagogik natürlich mehr denn je. Und darum geht es hier in meinem Blog.

Ich bekomme auch Kommentare, die mir zwar nicht zustimmen, aber sehr diskret formuliert wurden. Solche Kommentare regen zum Nachdenken an und sind daher produktiv. Es ist ja auch nicht notwendig, jemanden zu verletzen, nur weil man über gewisse Dinge anders denkt.

Ich bitte Euch immens, überlegt gut, bevor ihr einen Kommentar hinterlasst. Egal wo. Beleidigen ist nie der richtige Weg.

Beim Basteln beobachtete sie mich mit weit aufgerissenen Augen als ich mit der großen Schere arbeitete. Ich besorgte ihr also eine kleine Kinderschere, schneidete dazu sorgfältig kleine Papierstreifen und richtete alles auf einem Tablett an. Ich zeigte ihr dann langsam und ohne Worte das Schneiden mit der Schere nochmals. Sie versuchte es immer und immer wieder, kam aber nicht drauf, wie das Ding funktioniert. Aber sie gab nicht auf und arbeitete konzentriert. Ich zog mich zurück und warf von Weitem immer wieder einen Blick auf ihr Tun. Und sie schaffte es schließlich.


Sie schnitt und schnitt und schnitt ... und lächelte dabei ganz stolz. Sie saß sicher 20 Minuten dort und schnipselte fleißig Papier. Dann, als sie sich ihrer sicher war, stand sie auf, zufrieden und fröhlich, und kam zu mir in die Küche um Kakao zu trinken.

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