Wenn mich jemand fragen würde, was mich an Kindern am Allermeisten fasziniert, würde meine Antwort lauten: dass sie so unglaublich fähig sind! Egal ob 5 Monate, 1 oder 3 oder gar 8 Jahre alt, sie können schon so vieles alleine meistern! - Vorausgesetzt, sie dürfen.


Denn wenn ich meiner Tochter sofort alles in die Hände gedrückt hätte wonach sie zu greifen versuchte, wenn ich unter dem Klettergerüst ständig besorgt darauf gewartet hätte, wann sie fällt, wenn ich ihr schon vorweg ein Misslingen prophezeit hätte und sie vor allem zu beschützen versuchte, hätte ich nie wirklich gesehen, wozu sie fähig ist - und wie sehr sie danach strebt, ihren Alltag alleine zu meistern.


Ja, auch Julia ärgert sich manchmal, wenn ihr etwas nicht auf Anhieb gelingt. Auch ihr schwappt die Milch beim Gießen aus der Tüte, zerbrechen manchmal Teller oder Gläser auf dem Boden, kommen  immer neue blaue Flecken auf die Knie, kleine Schnittwunden an die Finger. Und auch ich wollte schon so manches Mal ohne zu überlegen hineilen um alles mit einer Handbewegung zu richten, ihr zu helfen und sie vor dem Frust schonen. Aber hätte ich ihr dann wirklich geholfen? Was, wenn ich ihr damit eher das Gefühl vermittelt hätte, dass ich das besser kann als sie?


Also lernte ich, lieber zuerst abzuwarten. Auf den richtigen Moment zu warten um ihr meine Hilfe anzubieten und zuerst einfach nur zu beobachten. Vielleicht findet sie ja einen Lösungsweg, vielleicht ist ihr Ziel ja auch etwas völlig anderes, als was ich denke und ich würde mich nur unnötig einmischen. Oder wenn sie mich um Hilfe bittet, will sie vielleicht nur ganz wenig Hilfe. Gerade mal so viel, dass sie den Rest weiter alleine versuchen kann.


Und vielleicht will sie ja gar keine Hilfe. Denn es ist so ein unglaublich schönes Gefühl etwas alleine bewältigen zu können, etwas ganz alleine zu meistern. Es macht jeden stolz und stark und gibt so viel Selbstvertrauen und das wollte ich ihr um keinen Preis nehmen! Also warte ich lieber noch ein wenig, beobachte sie und lasse mich immer wieder in Erstaunen versetzen, wie unglaublich fähig Kinder doch sind - wenn man ihnen vertraut und sie lässt!



Bereits ganz junge Kinder sind fasziniert von Scheren und ich denke, wenn sie schon selbstständig bei einem kleinen Tisch sitzen können, spricht nichts dagegen, ihnen eine passende Schere anzubieten. Der Umgang mit der Schere ist allerdings eine echte Herausforderung für so kleine Hände. Die Bewegung der Finger um die Scherenblätter auf und zu zu machen braucht Übung, Zeit, einen vertrauensvollen Erwachsenen an der Seite aber auch ein geeignetes Werkzeug:

  • Für ganz junge Kinder (unter 3 Jahren) würde ich eher Scheren empfehlen, die ungefähr 10 cm lang sind und an der Spitze abgerundet. Auch die Griffe sollten klein genug sein, so dass die winzigen Finger die Schere bequem halten können: Bild 1. (mit 9 cm Länge), Bild 2. und Bild 3. (mit 10 cm Länge), Bild 4. (mit 10,2 cm Länge) sowie Bild 5. (mit 10,8 cm Länge).
  • Für Kinder im Kindergartenalter gibt es größere Scheren, die aber an der Spitze ebenso abgerundet sind. Solche Scheren sind zum Beispiel: Bild 6. (mit 12,5 cm Länge), Bild 7. (mit 13 cm Länge und die auch Julia seit über 2 Jahren benutzt), dann Bild 8. (ebenso 13 cm lang) sowie die Kinderschere vom Möbelschweden (mit einer Länge von 11,5 cm)
  • Obwohl Julia vorwiegend ihre rechte Hand bevorzugt, benutzt sie auch ab und zu ihre linke Hand und ich mische mich in keinster Weise ein. Jetzt wo sie anfängt zu schreiben, ist ihre Rechtshändigkeit immer klarer, dennoch kaufte ich ihr nicht explizit eine Rechtshänderschere. Ich suchte lieber nach einer Kinderschere, die mit beiden Händen gut funktioniert. Auch vermied ich solche Scheren, die 4 Griffe haben, wo auch ich meine Finger während des Schneidens hineinstecken könnte. Ich wollte, dass sie von Anfang an ein eigenes Gespür für die Schere bekommt und wirklich selbstständig arbeiten konnte. Auch vermied ich selbstöffnende Scheren, die eher einer Zange ähneln, denn bei diesen geht genau diese Bewegung beim Öffnen verloren, die sie eigentlich so motiviert üben wollte.


Erste Schneideübungen

Für ihre allerersten Scheideübungen bot ich Julia damals dünne Papierstreifen an. Zuerst ohne Markierungen und mit einer Breite von 1 cm, die sie nur mit einer Scherenbewegung durchschneiden konnte, denn mir war nicht nur wichtig, ihren Interessen nachzugehen, sondern auch, dass sie dabei ein Erfolgserlebnis hatte. Die Schere legte ich ihr auf dem Tablett in die Mitte, so konnte sie jedes Mal selbst entscheiden, mit welcher Hand sie die Schere benutzen wollte.


Als sie schon etwas geübter war, stellte ich ihr Papierstreifen mit Markierungen bereit. Ich liebte es, ihr beim Schneiden zuzuschauen und die Konzentration zu beobachten, genau entlang der Markierungen  zu schneiden. Die Papierstreifen sind nicht zu lang, so dass die kleinen Hände diese gut halten können und auch die Breite ist dem Schwierigkeitsgrad angepasst. Die Papierstreifen mit waagerechten und schrägen Markierung sind die einfacheren Übungen, die Streifen mit den Bögen sind schon schwieriger, da dabei das Papier mitgedreht werden muss. So auch beim Zick-Zack-Muster und den größeren Wellen, die sogar schon mehrere Schneidebewegungen zum Abschnipseln benötigen.

Diese wunderbaren, selbstgemachten Vorlagen habe ich von Angelika, einer sehr guten Freundin und Montessori-Pädagogin (6-12 und 0-3) bekommen und sie war auch damit einverstanden, dass ich Euch diese Vorlagen zur Verfügung stelle. Hier könnt ihr die Vorlagen für die ersten Schneideübungen herunterladen.


Als Julia mit der Schere bereits geschickter umgehen konnte, bereitete ich ihr einige ausgedruckte Früchte vor, die sie nach belieben ausschneiden und anschließend auf ein Papier kleben konnte. Hier unsere Vorlage zum Herunterladen.

Ideen für geübtere Kinderhände


Eine wunderbare Arbeit für kleine Hände, die nach mehr Herausforderung suchen, ist diese Schlangen-Spirale. Sie pauste die Spirale auf Seidenpapier ab, schnitt sie aus und gemeinsam steckten wir diese mithilfe einer Pinnadel auf einen runden Bastelstab. Über dem Heizkörper haltend fing die Schlange an sich zu drehen, was Julia ungemein faszinierte. Hier unsere Vorlage zum Mitnehmen.


Solche Scherenschnitte machte sie unzählige und mit immer raffinierteren Mustern. Dazu bereitete ich ihr bunte Notizzettel vor und zeigte ihr auch, wie sie diese auf unterschiedlichste Arten falten konnte um dann beim Schneiden spannende Muster zu erhalten.


Heute, mit fast 5 Jahren, schneidet sie immer noch unglaublich gerne und auch sehr genau. Sie zeichnet bereits selbst ihre Vorlagen und benutzt dazu Bausteine als Schablonen oder ihr Lineal. Neulich zeichnete sie einige Seerosen mithilfe ihrer Mosaiksteine die sie anschließend ausschnitt und die Blüten einzelnd faltete um diese dann auf Wasser wieder aufblühen zu lassen. Falls ihr keine solche oder ähnliche Schablonen habt, könnt ihr gerne unsere Vorlage hier herunterladen.


Ich liebe es, sie zu beobachten und ihr zuzuhören! Zu sehen, wie sie von Tag zu Tag heranwächst, darüber zu staunen, was sie bereits alles kann und weiß. Wenn ich mich daran zurückerinnere, wie sie vor 4 Jahren, oder vor einem Jahr oder gerade erst vor 4 Monaten war, bin ich jedes mal fasziniert, wie viel sie in dieser Zeit geschafft hat. Sie hat gelernt sich alleine auf den Bauch zu drehen, die ersten Schritte alleine zu bewältigen, ihre Weste zuzuknöpfen und wurde zu diesem Mädchen heute, das mit größter Sorgfalt Gurkenscheiben in kleine Stücke schneidet. Ich bin einfach überwältigt, wenn ich sie so anschaue und sehe, was sie alles bisher gemeistert hat, wozu sie fähig ist, obwohl sie doch noch so klein ist.


Sie legt wunderschöne Mandalas, bastelt geometrische Körper aus Knete, bereitet uns allen freudestrahlend das Frühstück vor, kocht alleine Tee und liest alle Schilder und Überschriften, die ihr über den Weg laufen. Sie stellt uns gefühlte 100 Fragen am Tag, erzählt uns begeistert von Bindis und Saris, schreibt und zeichnet Einkaufslisten, weint wenn ihr etwas misslungen ist und im nächsten Moment taucht sie total versunken in eine andere Aufgabe hinein. Sie kreiert, sie meistert, sie schafft, ohne jemals wirklich eine Pause zu machen.


Sie ärgert sich lauthals, wenn die Socken nicht genau auf ihre Füße passen, ruft verzweifelt nach uns, wenn es ihr bereits zum 4. mal nicht gelingt, den Endteil des Reißverschlusses in den Schieber zu stecken, vergisst, was ich ihr bereits gestern und vorgestern erzählt habe und auch, was ich ihr schon 3 mal gezeigt habe. Aber es stört mich nicht, ich erzähle und zeige ihr die Welt immer und immer wieder, denn dafür bin ich da: um ihr zu helfen. So wenig wie möglich und so viel wie notwendig, bis sie eines Tages ganz ohne meine Hilfe klar kommt. Und das tut sie stetig!


Auch wenn sie noch so klein ist, ist sie für mich bereits richtig groß! Weil ich nicht das sehe, was sie noch nicht kann, sondern darüber staune, was sie bereits geschafft hat, wozu sie fähig ist. Und sie arbeitet Tag für Tag daran, mehr zu können.

Vor allem aber bewundere ich sie, weil sie auch mich dazu bringt, ständig an mir selbst zu arbeiten. Sie erinnert mich immer wieder daran, warum es so wichtig ist, geduldig zu sein, warum es wichtig ist, sich immer und immer wieder zu bemühen und durchzuhalten und was es bedeutet, zu vertrauen. Sie zeigt mir, warum es so wichtig ist, einander zuzuhören, neue Lösungswege zu finden und lehrt mich, wie wichtig es ist, mich selbst immer wieder in Frage zu stellen - meine Erwartungen, meine Vorstellungen, meine manchmal zu engstirnige Denkweise.

Ich liebe es, dieses Mädchen dabei zu beobachten, wie sie wächst und darüber zu staunen, was sie bereits kann. Und vor allem staune ich darüber, was sie mit all dem, was sie tut, wie sie ist, bewirkt: Dass ich mich durch sie bemühe ein besserer Mensch zu werden.


Ich hoffe Ihr seid alle gut im neuen Jahr angekommen? Wir vermeiden den Stadtrummel und verbringen lieber ganz gemütliche Ferientage in unserem kuscheligen Zuhause. Dieses Jahr verspricht uns große Veränderungen die wir voller Freude erwarten. Da mein Bauch wächst, will auch Julia immer mehr über ihr Geschwisterchen wissen, also erzählte ich ihr heute, wie wir sie damals im Tragetuch getragen haben und dass wir auch ihr Geschwisterchen so tragen werden. Selbstverständlich wollte sie dann auch ihre Puppe tragen, also suchten wir im Schrank nach einem passenden Tuch dafür. So stolz trug sie ihre Puppe, sogar zum Supermarkt.


Ab morgen bin ich in der 24. Schwangerschaftswoche und genieße jeden Augenblick und jede Bewegung die ich im Bauch wahrnehmen kann. Gestern hatten wir wieder eine Routineuntersuchung und ließen uns bereits vom 3. Arzt das Geschlecht unseres Babys bestätigen. Wir sind uns also ganz sicher was es ist und haben sogar seit Wochen einen passenden Namen, den wir bereits jetzt ganz aktiv benutzen. Sehr ungewohnt, wie schnell wir uns einig waren. Damals ließen wir uns mit Julias Namen recht lange Zeit und konnten uns fast erst im Kreissaal einig werden.


Ich genieße diese Tage mit meiner kleinen Familie sehr. Jetzt habe ich nicht nur für die Schwangerschaft mehr Zeit, sondern auch um Julia zu beobachten und zu bewundern. Heute bekam sie wieder Lust und legte nach dem Frühstück unterschiedliche Zahlenmuster auf ihrem Hunderterbrett aus. Ich zeigte ihr darauf ein weiteres spannendes Muster.


Ihre größte Leidenschaft ist zurzeit allerdings pricken. Kein Tag vergeht ohne dass sie ein Bild prickt. Dazu habe ich ihr einige Vorlagen bereit gestellt und auch einige Techniken gezeigt. Mehr dazu dann in einem anderen Beitrag.


Wir wickelten auch einige traditionelle mexikanischen "Ojo de Dios". Die Technik ist recht simpel, das Ergenbis allerdings unglaublich schön. Sie schmückte ihre "Ojo de Dios" indem sie auch noch einige Perlen auf die Wolle fädelte.


Wir lieben Gedichte und sammeln auch schöne Gedichtebücher für Kinder. Vom Christkind bekam sie das Buch Lustig singt die Regentonne* von Vera Ferra-Mikura aus dem sie bereits fast alle Gedichte auswendig kennt und tagsüber zwischendurch fröhlich vor sich reimt. Die Bilder sind einfach gestaltet, mal bunt, mal schwarz-weiß und da die Gedichte recht kurz sind und auch groß genug geschrieben, kann Julia bereits mitlesen. Ein wunderschönes Gedichtebuch für Reimbegeisterte und für das erste Lesealter.


Am Anfang meiner Schwangerschaft zeigte die Waage 55 Kilogramm, die Zahlen steigen jedoch stetig. Ich habe einen recht großen Appetit, versuche jedoch mehr Gesundes in der Küche zu zubereiten. Auch Julia und meine bessere Hälfte lieben Tortillas mit Gemüse, so hatten wir diese Woche bereits drei Mal Wraps auf dem Tisch. Ob mit Curry-Hühnchen oder nur mit Gemüse, sie schmecken einfach köstlich! Ich zeigte Julia auch die Technik des Rollens, so übernahm heute sie diese Aufgabe und zauberte uns Curry-Wraps mit Gemüse und gebratenen Pfifferlingen zum Abendessen.


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