Manchmal läuft der Familienalltag so richtig unrund. An solchen Tagen hilft es mir immer wieder, wenn ich versuche, meinen Blickwinkel zu ändern und es aus den Augen meiner Tochter zu sehen. Was denkt sie? Was würde sie zu mir sagen, wenn sie ihre Bedürfnisse in Worte fassen könnte?

Lass mich Dein Verbündeter sein. Es verletzt mich, wenn Du mich mit Tricks, mit Bestechungen, mit Drohungen oder Bestrafungen zu etwas zwingen willst, was ich eigentlich gar nicht machen mag. Wenn Du gegen mich bist, wenn wir ständig streiten, ist es für mich sehr beängstigend. Ich brauche Dich ja doch so dringend an meiner Seite! Sage es mir doch stattdessen höflich oder zeige mir einfach, was Du von mir willst. Und hindere mich freundlich aber bestimmt, Sachen zu tun, die Du nicht willst, dass ich sie tue, noch bevor Du wütend auf mich wirst. Wenn Du geduldig und respektvoll bleibst und mich auch mal meine Sachen in Ruhe fertig machen lässt, wirst Du sehen, werde ich danach richtig strahlen. 

Habe keine Angst vor meinen Reaktionen und lass mich auch Grenzen spüren. Wenn Du unsicher wirst, Du, den ich am meisten brauche, wie soll ich mich dann sicher fühlen? Es ist ganz schlimm für mich, wenn Du ängstlich bist, wenn Du zögerst oder ausweichende Antworten gibst. Ich weiß, meine Wutanfälle sind auch nicht gerade angenehm, aber auch wenn ich tobe oder frustriert und verärgert bin, brauche ich Dich! Deine Liebe, Deine Klarheit und Deine Stärke. Diese weisen mir den Weg und geben mir auch in diesen unangenehmen Momenten Geborgenheit. Ich will nie das Sagen haben, auch wenn es den Anschein hat. Manchmal ist es auch für mich komisch, dass Du was ganz anderes willst, als ich, dass wir nicht dasselbe wollen oder denken. Ich will aber selbstständig werden, alleine entscheiden dürfen und dennoch liebe ich Dich unendlich! Und Du mich doch auch, oder?


Sage mir die Wahrheit. Mute mir Verstand zu. Wenn Du mir etwas mit einfachen Worten erklärst, so dass ich es "mitfühlen" kann, schenkst Du mir viel Vertrauen und Achtung. Das tut so gut! Glaub mir, ich verstehe mehr, als Du denkst. Du musst aber wissen, dass ich des öffteren an Sachen erinnert werden muss. Ich will nicht lästig sein, bitte glaub mir, ich will wirklich niemanden ärgern. Ich lerne aber in meinem eigenen Tempo und das, wozu ich gerade bereit bin. Daher bitte ich Dich, habe Geduld und vertraue mir!

Sei nicht wütend oder genervt wenn ich gerade selbst wütend und genervt bin. Denn wenn Du auch wütend wirst, wenn Du Dich meinem Chaos anschließt, fühle ich mich noch unsicherer. Lass mich lieber in deiner Ruhe und Klarheit das Gefühl von Sicherheit wiederfinden. Dann weiß ich, dass es okay ist, mal wütend oder frustriert zu sein, dass ich auch dann wertvoll bin, dass Du mich auch dann liebst.

Sieh die Welt auch aus meiner Sicht und bestätige meine Gefühle so oft Du nur kannst. Auch, wenn es Dir lächerlich, falsch oder verrückt erscheint. Es gibt keine falschen Wünsche und Gefühle, nur falsche Wege, auf diese zu reagieren. Ich will auch manchmal 'Nein' sagen und machmal auch 'Doch'. Bitte akzeptiere das. Ich muss wissen, dass es okay ist, Gefühle und Wünsche zu haben, dass Du diese wahrnimmst und verstehst und dass Du auch dann nicht aufhörst mich zu lieben. " 


Wenn ich ein Verhalten wiederhole, so ist es deswegen, weil ich nach Bestätigung suche. Weil ich es besser verstehen will! Wenn Du mir einen bösen Blick zuwirfst oder zu laut und barsch 'Nein!', 'Lass das endlich!' und 'Was machst Du schon wieder!?' schreist, werde ich in meiner Sache noch unsicherer. Dann habe ich das Gefühl, als würde etwas mit mir nicht stimmen. Gib mir doch lieber eine ruhige Antwort. Sag mir lieber, was Du möchtest. Ich muss wissen, dass mein Verhalten nicht erlaubt ist, aber ich brauche auch die Gewissheit, dass es kein Weltuntergang ist, dass man es ohne viel Aufwand ändern kann, ohne Gefahr zu laufen, aufeinander wütend zu werden. 

Zeige mir, wie die Sachen funktionieren. Zeige mir, wie man den Alltag meistert. Denk daran, ich bin neu hier und möchte doch so gerne dazugehören. Wie machst Du das, dass die Karotten so klein geschnitten werden? Wie schaffst Du es, immer alles wegzuräumen? Zeige mir doch, wie es geht! Ich merke oft, dass Du Bedenken hast, immerhin bin ich noch nicht so geschickt, wie Du. Aber vertraue mir, ich will das lernen und habe Mühe mein Bestes zu geben.


Mute mir Fehler zu. Denn ich lerne aus meinen Fehlern richtig viel. So habe ich auch das Gehen gelernt, auch das Greifen und Sprechen. Hast du es gar nicht bemerkt? Dabei bin ich ständig hingefallen, habe lange Zeit danebengegriffen und die Laute immer wieder durcheinandergebracht. Aber genau diese Fehler haben mich dazu bewegt, noch einen Anlauf zu nehmen, und dann noch einen und immer wieder zu probieren und zu üben, bis ich dann Erfolg hatte. Mute mir diese Fehler zu. Ich brauche diese um zu wachsen! 

Lass mir Zeit. Lass mir Freiraum. Lass mich die Welt selbst entdecken. Wenn ich Hilfe brauche, werde ich mich schon melden. Lass mich lernen mich selbst zurechtzufinden und habe dabei viel Geduld mit mir. Ich mag wohl für dich langsam sein, für dich vieles falsch machen, aber diese Erfahrungen brauche ich, um die Welt zu verstehen. Und wenn du mir diese Selbstständigkeit ermöglichst, mich beobachtest, einfach nur beim Entdecken zuschaust, glaube mir, werden wir einander viel besser verstehen.


Bildquellen: 1. Healthy Beginnings Montessori // 2. The Well Examined Life // 3. privates Foto von einer Montessori-Pädagogin (3-6) und guter Freundin von mir von dem Waschtisch, den sie ihrer damals 14 Monate alte Tochter eingerichtet hat. // 4. Eltern vom Mars // 5. Montessori Design by Nuccia // 6. My Own Montessori // 7. Patchwork Cactus // 8. Maitri Learning

Hände zu Waschen ist etwas alltägliches und etwas, was so gut wie alle Kleinkinder lieben! Daher ist so ein kleiner Waschtisch nach Montessori genau das, woran sie sich lange erfreuen können. Nicht nur, weil sie dadurch aktiv bei der eigenen Körperpflege teil haben dürfen, sondern auch, weil sie dabei dieses spannende Element, das Wasser erforschen und erleben können.

Als meine Tochter 15 Monate alt war, richtete ich ihr auch einen kleinen Waschtisch ein, den sie tagtäglich benutzte. Dort hat sie vor dem Essen ihre Hände, in der Früh und Abends ihr Gesicht gewaschen und ihre Zähne geputzt sowie auch ihre Haare gekämmt. Solange sie den Wasserhahn nicht alleine bedienen konnte, holte noch ich für sie Wasser für ihre kleine Kanne, später machte sie das aber schon selbst, ebenso wie auch das Ausleeren der Schüssel. Ich zeigte ihr auch, wie das Händewaschen geht, begleitete sie bei der Selbstpflege, so dass sie später all das selbstständig machen konnte. Und weil es manchmal richtig lange dauerte, wusste ich, sie liebte es!


Aber so ein Waschtisch bot ihr mehr als Selbstständigkeit und sogar mehr, als das Wasser zu erforschen. Es hat natürlich einen bestimmten Grund, warum diese Waschtische genau so eingerichtet sind, wie man sie oft so in Montessori-Einrichtungen sieht:

  • Die Tische sind in passender Höhe, so dass Kleinkinder sie ohne Tritthocker bedienen können und somit viel Bewegungsfreiheit haben.
  • Alles was auf dem Tisch ist (möglichst wenig!) ist einfach aber schön sowie übersichtlich und praktisch hergerichtet: 
  • Die Kännchen sind nicht zu klein aber auch nicht zu groß, so dass sie von kleinen Kinderhänden leicht greifbar und tragbar sind. Ich weiß, dass viele lieber gleich einen Wasserhahn anschließen wollen, aber das Kännchen bietet so viel mehr, als es scheint: nicht nur, dass Kinder das Gießen lieben, so erfahren sie auch Volumen, Gewicht und ihre Kräfte passend einzusetzen, denn sie müssen gegebenenfalls den Wasserfluss im richtigen Moment stoppen können. Sie erleben auch den ganzen Vorgang von Anfang bis zum Ende, indem sie selbst Wasser holen und das Seifenwasser selbst ausleeren. Und nicht zuletzt wird so auch viel weniger Wasser verschwendet (denn Kleinkinder waschen seeeehr lange ihre Hände und das wiederholen sie auch immer und immer wieder).
  • Ich bevorzuge Schüsseln aus Emaille oder Keramik, weil sie beim Wasser einfüllen viel schöner klingen. Wir haben damals die Schüssel einfach auf dem Tisch stehen gehabt, eine andere Möglichkeit ist auch, diese in der Tischplatte zu versenken. Allerdings würde ich es auf jeden Fall ausprobieren, ob es dem Kind auch wirklich möglich ist, diese Schüssel aus der Vertiefung ohne Hilfe herauszuheben. Kleinkinder lieben es schwere Sachen zu tragen, sich körperlich maximal anzustrengen, daher finde ich Griffe an den Seiten sehr praktisch. Diese erleichtern das Tragen erheblich.
  • Eine kleine, handliche Seife und eine kleine Nagelbürste schön hergerichtet laden nicht nur zum Benutzen ein, sie erfordern auch eine Menge Geschicklichkeit. Ich konnte schon oft kleine Kinder beim Händewaschen beobachten und sah, wie konzentriert und bedacht sie die kleine Seife zwischen den kleinen Händen herumdrehten damit diese ja nicht rausrutscht.
  • Ein Eimer, wo das Wasser ausgeleert werden kann, macht auch Sinn. Wir hatten damals noch keinen Eimer, so dass Julia die Schüssel gleich in der neben stehenden Wanne ausgeleert hatte.
  • Eventuell ein Spiegel in passender Höhe fürs Zähneputzen, Haarekämmen und Gesicht waschen. 
  • Ein kleines Handtuch um Hände und Gesicht ab zu trocknen und zusätzlich ein kleines Trockentuch um den Boden auf- oder den nassen Tisch wieder trocken zu wischen.
  • Um eine Überschwemmung zu vermeiden ist es wirklich wichtig, besonders sehr junge Kinder bei der Selbstpflege noch zu begleiten. Ich war am Anfang immer dabei und beobachtete Julia bei ihrem Tun. Wenn sie versuchte das Wasser auf den Boden zu vergießen, begleitete ich sie indem ich ihr freundlich, geduldig aber bestimmt sagte: "Das Wasser bleibt in der Schüssel." oder "Wenn Du fertig bist, kannst Du das Wasser in die Badewanne kippen." Und sie trug die Schüssel so gerne zur Badewanne, das war wirklich ein Highlight für sie!


Ich liebe es, unsere Wohnung passend für unsere Tochter einzurichten und obwohl ich gerne an neue Ideen tüftele, habe ich selbst mal bei einem Montessori Online-Kurs teilgenommen und holte mir Tipps von der wunderbaren AMI-Pädagogin Simone Davies (von The Montessori Notebook). Und da ihr Online-Kurs für Eltern "Setting Up Your Home Montessori-Style" in wenigen Tagen, am Montag (den 27 März 2017) wieder startet, wollte ich Euch unbedingt darauf aufmerksam machen! Der Kurs ist wirklich empfehlenswert!

Er dauert 4 Wochen. Während dieser Wochen bekommt ihr regelmäßig Newsletters mit tollen Tipps, wie ihr Euer Zuhause "montessorisch" gestalten könnt, viele Bilder und spannende Arbeitsaufträge. Parallel gibt es dazu eine Facebook-Gruppe nur für Teilnehmer, bei der ihr Euch mit Simone und mit den anderen Kursteilnehmern aktiv austauschen könnt. Zurzeit verlost sie auch einen Gratis Kursplatz, also würde ich meinen: JA NICHT VERPASSEN!

Und falls ihr den gratis Kursplatz doch verpassen solltet, könnt ihr Euch HIER oder durch das gelbe Ikon (links oben oder hier unten) beim Kurs anmelden.

http://www.themontessorinotebook.com/?ref=12

Unbezahlte Werbung durch Nennung, Verlinkung und Abbildung

 
Da wir gerade dabei sind, für unseren Erdling Nr. 2 das Zimmer passend einzurichten, statten wir dem Möbelschweden öfters einen Besuch ab und ich muss gestehen, ich liebe es, dort zu bummeln! Das Sortiment wechselt zwar immer wieder, was einerseits Schade ist, aber es hat auch Vorteile, denn ich finde so auch immer neue Ideen, die ich in unserem Montessori-Zuhause umsetzen kann:


1.// Eigentlich sind diese quadratischen Körbchen in der Badezimmerabteilung anzufinden, aber sie passen auch wunderbar auf das Spielregal im Kinderzimmer und nehmen wegen ihrer quadratischen Form viel weniger Platz im Regal weg.

2.// Auch diese Holzboxen mag ich, weil sie in kleinere Fächer aufgeteilt sind, so sind sie für Zahnbürsten, Pinseln, Stifte, Kinderscheren und Stickers oder in der Küche um das Kinderbesteck zu sortieren wunderbar geeignet.


3.// In solchen ähnlichen Vorratsdosen bewahren wir Wikki Stix, Bügel- und Holzperlen auf Julias Kunstregal auf. Die Dosen sind nicht allzu groß, so dass sie von Kinderhänden leicht zu halten und zu tragen sind und auch der Deckel lässt sich einfach, ohne Schraubbewegung öffnen. Und nicht zuletzt sind sie ein echter Hingucker auf dem Regal.

4.// Kinder lieben es, sich zu bewegen um sich zu spüren, sich herauszufordern und um geschickter zu werden. Daher liebäugele ich schon lange mit dieser Balancebank, doch leider hat sie bei uns im Kinderzimmer keinen Platz mehr. 

5.// Ein "Bücherregal" ganz nach meinem Geschmack: Es passen zwar nicht allzu viele Bücher rein, dafür sind aber die Cover sichtbar und viel übersichtlicher für Kinder (und auch das Wegräumen fällt ihnen so viel leichter).

6.// Wir lieben die Malfarben vom Möbelschweden! Zum Set gehört auch eine praktische Halterung, um Farben zu portionieren oder gar zu mischen und wo die Tuben später wieder zurückgesteckt werden können. Zu den Malfarben gibt es auch eine kleine Anleitung zum Farben mischen, diese habe ich allerdings gleich am Anfang rausgenommen, damit Julia eigene Entdeckungen machen kann.

7.// Die kleine durchsichtigen Dosen (Bild ganz oben) habe ich vor ein paar Monaten entdeckt und sie gleich im Kinderzimmer eingesetzt. Julia liebt ihren Knüpfstern, es fiel ihr aber recht schwer, 7 unterschiedliche Faden in der gleichen Länge zu zuschneiden. Die Dosen haben auf dem Deckel ein Loch, so dass sich die Faden alle zusammen durchfädeln und so einfach portionieren lassen. In der größeren Box bekamen kleine Papierreste zum Basteln ihren Platz und da sie durchsichtig ist, sieht Julia auch gleich, was sie sucht.

8.// Wir haben zwar ein Kindermesser von Opinel, aber auch dieses Kindermesser-Set vom Möbelschweden ist wunderbar und funktioniert einwandfrei. Allerdings würde ich das Messer wegen seiner Größe nicht für Kinder unter 3 Jahren empfehlen. Am besten gleich im Geschäft schauen, ob es gut in der Kinderhand liegt. Auch den Kugelausstecher kann ich wärmstens empfehlen. Er ist nicht nur ein tolles Werkzeug um das Handgelenk zu lockern, Melonen oder Avocados damit auszuschaben macht den Kindern auch garantiert Spaß!

9.// Ich finde, auch ins Kinderzimmer gehören Pflanzen, am besten ungiftige und solche, die nicht beleidigt sind, wenn sie nicht allzu oft gegossen werden. Auch Julia hat einige auf ihrem Regal und sie werden von ihr liebevoll gepflegt. Früher hatte sie eine Aloe Vera, später, wo ich schon wusste, dass sie die Blätter nicht in den Mund stecken würde, auch Kakteen, Orchideen und viele weitere. Ich achte darauf, ihr vielseitige Pflanzen in Augenhöhe zu stellen, so dass sie sie gut beobachten und pflegen kann.


10.// Neulich entdeckte ich diese hübschen kleinen Vasen und konnte einfach nicht widerstehen. Sie sind genau richtig für kleine Hände und zum Blumen arrangieren.

11.// Diese kleine Bank fand ich nicht nur unglaublich hübsch, sondern auch recht vielseitig. Sie ist 53 cm hoch und somit auch als Waschtisch geeignet, aber auch als Gartentisch für junge Gärtner oder als Ablagetisch in der Küche für junge Köche.


12.// Als ich eine Freundin (4 fache Mama und Montessori-Pädagogin) zu Hause besuchte, fiel mir sofort auf, dass in keinem der Kinderzimmer "Krimskrams" herumlag. Meine Freundin verriet mir ihr Geheimnis und erzählte mir, dass jedes Kind 2 Boxen hat, wo sie ihre kleinen Schätze, die sonst keinen Platz hätten, sammeln können. Ich besorgte für Julia auch 2 solche Boxen. Eine für kleine Schätze und die andere für ihre Kunstwerke und Selbstgebasteltes und ich muss gestehen, es funktioniert wunderbar! Sie liebt es, darin herumzuwühlen und wenn die Deckel nicht mehr auf die Schachtel passen, sortiert sie ihre Sachen noch einmal auf das für sie Allerwichtigste aus.

13.// Ein kleines, praktisches Regal, das für Spielsachen aber auch als Kleiderschrank für die ganz jungen Kinder umgebaut werden kann.


14.// Diese kleine Boxen sind wunderbar! Sie sind klein genug für kleine Hände und die praktischen Griffe erleichtern das Tragen erheblich. Julia bewahrt in ihrer Box ihr Geschirrspül-Set auf.

15.// Ganz neu beim Möbelschweden sind dieser Übertopf und diese Gießkanne. Der Übertopf ist ideal als kleiner Eimer für Kinder geeignet und die Gießkanne, weil sie einen praktischen Henkel hat, auch für kleine Gärtner leicht zum Tragen und zum Kippen.


"Angenommen, eine närrische Froschmutter würde ihren kleinen Kaulquappen im Teich sagen: 'Kommt heraus aus dem Wasser, atmet die frische Luft ein, vergnügt Euch im grünen Gras, dann werdet ihr alle zu starken, gesunden kleinen Fröschen heranwachsen. Kommt schon mit, Mutter weiß es am besten!' - Wenn dann die kleinen Kaulquappen versuchten zu gehorchen, würde es gewiss ihr Ende bedeuten.


Und doch ist dies die Art, in welcher so viele von uns versuchen, die Kinder zu erziehen. Wir sind darauf bedacht, sie zu intelligenten und nützlichen Bürgern zu machen, die einen guten Charakter haben sollen und die gute Manieren an den Tag legen sollen. Und so verwenden wir viel Zeit und Geduld darauf, sie zu korrigieren.


Dieses kleine Leben, das wir zu modellieren bemüht sind, braucht kein Drängen und Quetschen, kein Verbessern und Bemäkeln, um seine Intelligenz und seinen Charakter zu entwickeln. Die Schöpfung achtet auf die Kinder ebenso, wie sie dafür sorgt, dass die Kaulquappe zu einem Frosch wird, wenn die Zeit dazu da ist.


'Aber', höre ich Sie sagen, 'sollen wir die Kinder tun lassen, was sie wollen? Wie können sie wissen, was das Beste für sie ist, wenn sie keine Erfahrung haben? Und denken Sie, was für kleine Wilde sie würden, wenn wir sie nicht Manieren lehrten.'


Haben Sie jemals Ihren Kindern auch nur an einem Tag die Chance gegeben zu tun, was sie möchten, ohne dass Sie sich einmischten? Versuchen Sie es, und Sie werden erstaunt sein. Warten Sie und beobachten Sie, wie etwas ihr Interesse einfängt. Vielleicht sehen die Kinder Sie einen Schlüssel im Schloss drehen und wollen das auch tun. Oder sie wollen Ihnen fegen helfen. Oder sie möchten eben ein paar niedliche kleine Muster  mit Steinchen auf Ihren sauberen Flur legen. [...] Geben Sie ihnen den Schlüssel, suchen Sie ihnen einen kleinen Besen zum Fegen, lassen Sie sie das Muster auf den Flur legen und sehen, wie sie davon gefesselt werden.


Es ist oft nicht genug für Kinder, etwas ein- oder zweimal zu tun, sondern sie wollen die gleiche einfache Handlung wieder und wieder ausführen, bis sie einen inneren Drang gesättigt zu haben scheinen. Sie werden überrascht sein, wie sie vor Unfug bewahrt sind, wenn sie sich mit etwas beschäftigen dürfen, was sie wirklich interessiert. Aber wenn Sie ungeduldig eingreifen und irgendeine fesselnde Beschäftigung unterbrechen, zerstören Sie die Konzentration und Ausdauer Ihres Kindes. Und sehr wahrscheinlich wird sich das Kind mit bewusstem Unfug Luft verschaffen.


[...] Wir sind alle so eifrig mit unserem erwachsenen Froschwerk beschäftigt, dass wir vergessen, dass die kleinen Kaulquappen ihr eigenes Werk zu verrichten haben.

Aber wenn wir unsere ganze Haltung ändern und uns selbst sagen: 'Das Kleinkind weiß, was das beste für es ist. Lasst uns selbstverständlich darüber wachen, dass es keinen Schaden erleidet. Aber statt es unsere Wege zu lehren, lasst uns ihm Freiheit geben, sein eigenes kleines Leben nach seiner eigenen Weise zu leben.' Dann werden wir, wenn wir gut beobachten, vielleicht etwas über die Wege der Kindheit lernen."
  
Auszug aus dem Artikel: "When Your Child Knows Better Than You" von Dr. Maria Montessori 
an Eltern gerichtet,
aus der Zeitschrift: Daily Dispatch, 1932, 3. Februar

Bereits als ganz junges Kind liebte es Julia im Haushalt mitzuhelfen, am allerliebsten jedoch beim Kochen und Backen. Damals war ich noch recht unsicher, was ich einem Kleinkind, das gerade mal 14-17 Monate alt war, zutrauen könnte und machte mir Sorgen, dass es sich selbst verletzen könnte, dass ich dann mit dem Kochen kaum vorankommen würde oder dass ich danach die ganze Küche putzen müsste.

Auch wenn es Tage gibt, wo ich doch lieber alleine in der Küche sein möchte, konnte ich all die Jahre erleben, dass mit ein paar Veränderungen in der Umgebung und mit einer gewissen inneren Haltung, auch Kochen und Backen mit (Klein)Kindern ganz entspannt sein kann und auch jede Menge Spaß machen kann.


Ein passender Arbeitsbereich für mehr Unabhängigkeit

Ganz am Anfang bauten wir ihr einen Küchenturm, doch wir waren damit nicht wirklich zufrieden. Einerseits, weil dieser Küchenturm ständig im Weg war, so dass wir nur mühevoll zu den Küchenschubladen heran kamen, wenn Julia gerade drinnen stand. Andererseits merkten wir, dass sie immer weniger achtsamer kletterte, immerhin war ja ein Schutzgelände dran, wozu also die Mühe, achtsam zu sein? Was mich aber am allermeisten störte war, dass einer von uns immer bei ihr sein musste, wenn sie hinaufkletterte. Wir wollten aber, dass sie wirklich selbstständig sein konnte, unabhängig davon, ob wir in der Küche waren oder nicht - und suchten lieber nach einer anderen Lösung.

Wir ließen es mit dem Küchenturm und richteten ihr einen eigenen Küchenbereich ein. Seitdem sie ihren eigenen Arbeitsbereich hat, ist das gemeinsame Kochen so viel entspannter geworden! Sie kann wirklich ganz unabhängig von uns arbeiten. In der alten Wohnug gab es für ihren eigenen Arbeitsbereich keinen Platz in der Küche, so dass wir ihr 2 kleine Tische direkt vor der offenen Küche hinstellten. Da sie aber seither gewachsen ist, besorgten wir ihr für die neue Wohnung einen etwas größeren HEMNES Beistelltisch mit praktischem Regalboden als Ablage. Jetzt, wo wir unseren Erdling Nr. 2 erwarten, bin ich besonders froh darüber, dass sie ihren eigenen Arbeitsbereich hat, denn 2 Kinder hätten niemals bequem beim Küchenpult arbeiten können - geschweige denn, wäre ich jemals dabei entspannt geblieben.


Mit echtem Werkzeug echte Arbeit verrichten

Es macht wirklich einen Unterschied, ob Kinder echtes Werkzeug zum Arbeiten haben - ob sie echte Arbeit verrichten dürfen. Schon in der Kleinkindgruppe konnte ich beobachten, wie achtsam junge Kinder mit echten Küchenutensilien umgehen konnten, wodurch sie auch viel konzentrierter arbeiteten. Als Julia noch so jung war, habe ich ihr natürlich kein scharfes Messer angeboten, denn dazu wären ihre ungeübte Hände noch nicht bereit gewesen. Aber es gibt auch andere praktische Küchenutensilien, die nützlich sind und auch die passende Größe für kleine Hände haben. Sei es eine kleine Gemüsebürste*, ein Nussknacker zum Schrauben*, eine kleine Teigrolle* oder ein Buttermesser*.


Es kommt auch auf die passende Arbeit an

Damals tat ich mir recht schwer damit, einzuschätzen, welche Arbeiten ein 15-17 Monate altes Kind denn in der Küche durchführen könnte. Ich beobachtete sie zwar und versuchte sie beim Kochen in ganz simple Aufgaben einzubinden, holte aber auch Anregungen aus ihrer damaligen Kleinkindgemeinschaft. Auch wenn ich mir heute wesentlich leichter tue, lasse ich mich auch von Julia's Kinderhaus gerne inspirieren. Gemeinsam mit anderen Montessori Pädagogen (0-3 und 3-6) habe ich für Euch einige dieser Ideen zusammengeschrieben und auch versucht, diese in Altersgruppen einzuordnen. Hier eine kleine Ideensammlung zum Ausdrucken, welche Aufgaben Kinder in der Küche verrichten können.


Den Arbeitsbereich vorbereiten und zeigen, wie es geht

Bevor sie mit einer Arbeit anfängt, wie etwa Karotten zu schälen oder etwas zu schneiden, überlege ich mir ganz genau, was ich ihr dazu alles vorbereiten soll. Wie viele Schüsseln wird sie benötigen? Braucht sie ein Schneidebrett? Wohin kommen die Schalen und wohin die geschälten/aufgeschnittenen Gemüsestücke? Wie kann das Gemüse sicher liegen bleiben, ohne beim Schneiden wegzurollen? Hat sie auch ausreichend Kraft diese Gemüse-/Obstsorten durchzuschneiden? Ist das Werkzeug wirklich passend für sie und für ihre Arbeit? Es ist nicht wirklich viel Aufwand, ihr den Arbeitsbereich passend vorzubereiten, bewirkt jedoch eine Menge! Sie kann nicht nur viel selbstständiger und konzentrierter arbeiten, es entsteht dabei auch viel weniger Chaos. Hier ein älterer Beitrag über einige vorbereitete Arbeitsbereiche.


Wie bei der Vorbereitung überlege ich mir schon im vorhinein, wie ich ihr den Umgang mit einem neuen Werkzeug zeigen kann, wie es für sie am sinnvollsten und am sichersten ist, dieses zu benutzen. Ich probiere es auch selbst aus und mache mir Gedanken darüber, worauf es genau ankommt, damit eine Arbeit mit geringer Verletzungsgefahr umgesetzt werden kann.

Je jünger sie war, umso mehr achtete ich auf meine Bewegungen. Ich zeigte ihr alles ganz langsam und hielt mit meinen Bewegungen auch immer wieder inne, damit sie mir folgen konnte. Wenn sie dann die Arbeit weitermachte, versuchte ich mich zurückzuhalten und sie einfach probieren zu lassen. Nichts nimmt von einer Tätigkeit mehr die Freude, als wenn sich jemand ständig einmischt und einem sagt, was er alles falsch macht.


Wie mit einem guten Freund...

Manchmal hole ich mir einen kleinen Schemel und setze mich an ihren Küchentisch um mit ihr gemeinsam zu arbeiten. So kann sie mich und auch ich ihre Bewegungen besser beobachten. Aber auch sie schiebt gerne ihren kleinen Tritthocker zu mir zum Herd oder zum Küchenpult und übernimmt das Würzen oder das Rühren und ich genieße dieses gemeinsame Tun sehr und dabei zuzuschauen, wie viel Freude sie an all dem hat.


Nnatürlich landet so viel mehr Mehl auf dem Boden, als wenn ich alleine backen würde. Auch die Pizza wird nicht gleichmäßig belegt und weder Kekse, noch Kuchen oder Gebäck werden perfekt geformt, dennoch sind für uns diese Momente, die wir gemeinsam in der Küche erleben, Beziehungsmomente, bei denen wir viel gemeinsam lachen, einander viel erzählen und unsere Gedanken und Gefühle miteinander teilen. So, als würde ich mit einem guten Freund gemeinsam das Essen zubereiten.

Und wenn es mal nicht gemeinam geht, ist es auch okay!

Nichts desto Trotz gibt es auch Tage, wo wir keine Zeit haben, gemeinsam zu kochen oder ich sie nicht in alles, was ich mache, miteinbeziehen kann. Manchmal übernimmt sie eben nur das Tischdecken, manchmal schaut sie nur zu während ich schnell was zubereite und wir unterhalten uns einfach dabei oder sie holt mir Sachen aus dem Kühlschrank. Und es gibt auch Tage, wo sie selber keine Lust hat, in der Küche mit zu helfen.

Viel lieber plane ich diese gemeinsamen Zeiten in der Küche, wenn ich weiß, ich werde es ebenso genießen können, wie sie es tut. Denn eines habe ich von ihr bereits gelernt: wie wesentlich es ist, mit meiner ganzen Aufmerksamkeit bei jemanden zu sein und die gemeinsamen Momente einfach nur zu genießen.


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