Schon als Kleinkind liebte Julia Reime, Lieder und Gedichte und daran hat sich bis heute nichts geändert. Sie lernt Gedichte sogar auswendig und hat Gefallen daran, mit den Wörtern zu spielen. Sie ist unglaublich kreativ wenn es um Reime geht und hat richtig Freude an der Sprache. Der Grund, warum wir so gerne Kindergedichte und Reime sammeln.

Eines von unseren allerliebsten Gedichtbüchern für Kinder ist Lustig singt die Regentonne* von Vera Ferra-Mikura. Die Gedichte über Marmeladeflecken im Gesicht, einen Wasserball der verloren ging, blaue Plastilinzwerge die zur Mittag eine Suppe essen, sind voller Humor und laden Groß und Klein zum Philosophieren ein. Ich mag auch die einfachen Bilder dazu, die mal bunt, mal nur schwarz-weiß sind und somit Platz für die Vorstellungskraft lassen.


Die Such-Bücher von Britta Teckentrup, Manche sind anders...* und Wir gehören zusammen!* machen Julia bis heute Spaß, obwohl sie alle Rätsel bereits zig mal gelöst hat. Die Aufgaben werden von Seite zu Seite herausfordernder, bis sich auf der letzten Seite ein Tier versteckt, das bis dahin im Buch noch nicht vorgekommen ist. Julia liebt nicht nur die Rätsel, sondern auch die lustigen Reime und kann fast alle davon bereits auswendig.


Zu meinen allerliebsten österreichischen Kinderbuchautorinnen gehört, neben Vera Ferra-Mikura, auch Mira Lobe. Ihr Gedichtbuch Zwei Elefanten, die sich gut kannten* beinhaltet ihre schönsten Tiergedichte zum Vorlesen, Lauschen und zum Schmunzeln. Da die Gedichte in größeren Buchstaben geschrieben sind, ist das Buch auch für Erstlesekinder wunderbar geeignet. Eines unserer liebsten Gedichte aus dem Buch ist: "Deutsch ist schwer". Egal wie oft wir das lesen, bringt es uns immer zum Schmunzeln.


Die Geschichte von Alice Melvin über Emma, die ihren Einkauf tätigt* ist ebenso in Reimen verfasst. Emma hat 10 ausergewöhnliche Sachen auf ihrer Einkaufsliste, wie etwa ein Metallkazoo, einen Kakadu oder einen grünen Gartenschlauch, die sie sich nach und nach besorgt, bis sie merkt, dass doch nicht alles käuflich ist. Die Seiten des Buches sind jeweils als Leporello aufzuklappen, wodurch auch der Leser Einblick in die Läden bekommt. Eine sehr charmante Geschichte mit einfachen aber netten Wimmelbildern.


Dieses Buch habe ich aus Zufall entdeckt und es sofort lieb gewonnen. Majas kleiner Garten* von Lena Anderson ist nicht einfach ein Kinderbuch über Gartenpflanzen, sondern eine, die in Versen erzählt wird. Wie Maja durch ihren Garten führt, erzählt sie in pfiffigen Reimen alles wissenwertes über ihre Pflanzen, wie man diese anbaut und woher sie kommen.

Es gibt auch ein paar besondere Extras im Buch, wie etwa ein Rezept, eine kleine Kräuterkunde und eine kurze Aufstellung wichtiger Garten-Utensilien. Ein Kinderbuchklassiker über einen ganz besonderen Garten, mit wunderschönen Versen und lustigen, stimmungvollen Illustrationen.

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Seit Tagen stöbere ich nach Geschenkideen für Julia im Internet und kann mich wegen der großen Auswahl kaum entscheiden. Ich möchte ihr nicht allzu viele Geschenke unter den Christbaum legen, nur einige wenige, die sie sich wünscht und die wirklich was besonderes sind. Falls ihr auch Kinder in dem Alter zuhause habt und noch keine Ideen, hier 16 Geschenketipps, die nicht nur schön und interessant für Kinder in Julias Alter sein könnten, sondern auch wertvoll.


1. // Das Wobbel kann ich wirklich wärmstens empfehlen. Bei uns ist es für Groß und Klein ein Riesenspaß, darauf zu balancieren ... oder einfach nur zum Chillen.

2. // Ich finde, passend zum Wobbel sind diese Yogakarten für Kinder*. Julia liebt es, bei meinen Yoga-Übungen mitzumachen, ich könnte mir vorstellen, dass sie auch Spaß daran hätte, einige dieser Übungen auf dem Wobbel-Board zu machen.

3. // Stellen euch eure 5 Jährigen auch Löcher in den Bauch? Also meine mir schon. Sie stellt mir alle möglichen Fragen, wie etwa, wer war der erste Mensch auf der Erde oder wo auf der Erdkugel oben und wo unten ist. Daher überlege ich mir, ihr so ein Planetarium Modell* von unserem Sonnensystem zu schenken, das sie selbst gestalten und dann bestaunen kann.

4. // Ihr gröster Wunsch zurzeit: die Musikschule besuchen zu können wo sie Gitarre lernen kann. Daher suche ich seit Wochen nach einer passenden Gitarre* für sie.


5. // Ein Stereo Mikroskop von Bresser* mit 20-facher Vergrößerung. Da Julia sich früher schwer tat, nur mit einem Auge zu blicken, war dieses Mikroskop mit 2 Okularen als Einstieg für sie perfekt.

6. // Passend zum Mikroskop eine hübsche Holzkiste mit Dauerpräparaten* wie etwa kleinen Insekten, Proben von diversen Teilen von Pflanzen wie etwa Blätter, Wurzeln sowie Samen.


7. // Diese simplen Bausteine* sind bei Julia sehr beliebt. Sie kann mit diesen nicht nur die spannendsten Konstruktionen bauen, sondern auch mit anderen Spielsachen, wie etwa mit ihrem Bauernhof kombinieren. Sie baut aus diesen Holzstäben Hühnerstall und Hundehütte aber auch bei ihrer Kugelbahn sind sie als zusätzliche Bauelemente oft im Einsatz.

8. // Diese Strickgabel aus Holz* haben wir auch. Als Julia 4 Jahre alt war, entdeckte sie das Stricken für sich und obwohl ich ihr gezeigt habe, wie das Fingerstricken geht, bevorzugte sie lieber diese Strickgabel. Ich denke, es ist auch irgendwie einfacher, damit zu stricken als mit der Hand, denn so bleiben beide Hände "frei".


9. // Den Stickrahmen* hat sie auch seit über einem Jahr und er wird immer wieder neu entdeckt. Ich finde, solche Handarbeiten sind wunderbar für so kleine Hände. Julia konnte nicht nur neue Techniken erlernen sondern diese auch kreativ einsetzen. Auch diese Holzvorlagen* für Kreuzstiche finde ich wunderbar.

10. // Auch der Webrahmen* war hier lange beliebt, da aber das "Web-Fieber" auch in Julias Kinderhaus ausgebrochen ist, legte ich unseren lieber beiseite, denn sie wollte lieber mit den Kinderhauskindern gemeinsam weben.

11. // Dieses Backset für Kinder habe ich neulich beim Möbelschweden entdeckt. Die Schüssel ist wirklich groß genug, allerdings aus Plastik, was nicht ganz so nach meinem Geschmack ist. Dennoch habe ich ein Set für die Kinder mitgenommen, denn der Rührbesen und der Rührlöffel sind aus Holz und genau in passender Größe.


12. // Wer so gerne näht und stickt, braucht auch das passende Mobiliar dazu. Dieser kleine Nähkasten* ist zwar nicht allzu groß, aber er bietet für Julias wichtigste Nähutensilien genug Platz. Durch diese roten Knöpfe und dem Griff wird er zu einem wahren Hingucker. Ich fand auch einen anderen* mit dem ich lange liebäugelte, allerdings ist dieser ohne diese hübschen roten Knöpfe.


13. // Das Buch, Der Riesen-Weltatlas von Birgit Bock-Neumann und Stefan Lemke wird bei uns auf alle Fälle unter dem Christbaum stehen und ich sehe jetzt schon, was für große Augen Julia machen wird. Das Buch ist nämlich wirklich riesig! Es ist 40 mal 60 cm und aufgeklappt natürlich doppelt so breit. Es ist eine Art Wimmelbuch über die Kontinente der Erde, voll mit spannenden Details zum Staunen und um eine kleine "Weltreise" zu machen.


 Lange Zeit schon steht dieses Buch auf meiner Liste, doch es war nirgendwo zu finden. Dies ist eine Neuauflage vom Esslinger Verlag und seit Juli endlich wieder auf dem Markt. Ich versuche das Buch bis Weihnachten versteckt zu halten, aber es ist gar nicht so einfach, für so ein Riesenbuch ein gutes Versteck zu finden.

14. // Wunderwesen aus der Tiefe, ein Pop-Up Bilderbuch* von Ernst Haeckel. Das Buch steht auch schon lange auf meiner Liste und ich bin schon sehr gespannt, wie es Julia gefallen wird. Ich finde es nicht nur spannend, welche Lebewesen es in den Tiefen der Ozeane gibt, sondern wie spannend alles in 3D aus Papier dargestellt werden kann.

15. // Julia liebt ihren Bauernhof! Sie hat bei ihren Großeltern auch ein Puppenhaus aus Holz, aber mit dem Bauernhof spielt sie ähnlich und richtet ihn für die Tiere und auch für den Bauer und die Bäuerin kreativ ein. Unser Bauenhof ist von hier, aber ich finde auch diesen mit rotem Giebeldach entzückend.

16. // Wir haben zwar einige Ostheimer-Figuren, allerdings suchte ich auch eine andere Alternative für Holzfiguren, die ähnlich hübsch sind, aber etwas preisgünstiger. Davon sind auch bereits einige in meiner Weihnachts-Einkaufstasche gelandet.

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Während Jakob auf dem Teppich vor seinem Spielregal lag, saß ich in seiner Nähe auf dem Boden, schaute ihm einfach nur zu und dachte über dieses Magda Gerber Zitat nach. Wie viel in diesem kurzen Satz drinnen steckt. Und wie schwer ich mir dabei früher tat, diesen Satz zu verstehen.

Als Julia noch ein Baby war, hatte ich immer diesen Impuls, ihr sofort zur Hilfe zu eilen, wenn sie bei etwas nicht weiterkam und ihr etwas in die Hand zu drücken um sie zu beschäftigen. Auch sämtliche Spielsachen, die davon gerollt sind, gab ich ihr sofort zurück. Ich dachte, ich tue ihr damit was Gutes und dass sie noch bei so vielem meine Hilfe braucht. Ich habe zu viel getan und ihr weniger zugetraut - und dadurch eine Menge verpasst.


Ich habe verpasst zu sehen, wie spannend für ein Baby seine eigenen Hände sein können und mit welcher Konzentration es diese erforscht. Wie viel es sich bewegt, sich wendet, was nicht nur viel Arbeit für ihn ist, sondern auch wesentlich, denn dadurch erfährt es unglaublich viel über seinen eigenen Körper.


Mir war nicht bewusst, dass ich mein Kind nicht beschäftigen brauche, ihm lediglich nur eine passende Umgebung mit einigen wenigen spannenden Materialien vorzubereiten habe, die es mit seinen Händen, mit seinen Sinnen und mit seinem Körper erforschen kann.


Weil ich zu viel tat und weniger zuschaute, konnte ich damals nicht sehen, was der Unterschied ist, wenn es selbst nach seinen Spielsachen greifen kann. Dass es so nicht nur selbst entscheiden kann, was es erforschen möchte, sondern dies auch in seinem eigenen Tempo.


Ich verpasste vor allem zu sehen, dass es gar nicht so oft meine Hilfe braucht, wie ich es angenommen habe. Dass es zwar auch mal frustriert ist, damit dennoch sehr oft alleine klar kommt und für seine Probleme selbst eine Lösung findet. Sei es eine Hand, die unter seinem Bauch fest klemmt, ein Spielzeug was es zu ergreifen versucht oder eine Bewegung, die es gerade dann entdeckt. Wenn ich ihm nicht sofort zur Hilfe eile sondern weiter beobachte, auch wenn ich ihm nur mit einer Handbewegung helfen könnte und dann doch lieber abwarte, gebe ich ihm die Möglichkeit, manche Hürden selbst zu meistern und so Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten zu gewinnen. Und daran wächst es unglaublich viel.


Ich sah damals auch nicht, wie spannend für ein Baby so ein rollender Gegenstand sein kann. Dieses Staunen in seinen Augen zu sehen, wenn es entdeckt, dass manches davon ... aber nicht wieder zurück rollt. Und welch ein Ansporn es ist, diesen Gegenstand wieder selbst zu erobern zu versuchen. Ich habe schlichtweg verpasst, die Welt durch seine Augen zu sehen.

Aber heute verstehe ich dieses Zitat und schaue Jakob oft einfach nur zu während er die Welt entdeckt. Und ich sehe so viel mehr als damals. Wie er mit seinen Augen meinen Blick sucht um sich zu vergewissern, dass ich bei ihm bin. Dass er bereits jetzt eine Persönlichkeit ist und sich zwar kurz über sein Misslingen ärgert, sich von seinem Ärger aber kein bisschen aufhalten lässt. Ich sehe seine Interessen, seine Bemühungen und Errungenschaften - aber was ich ganz besonders dabei lerne, ist, über seine Entwicklung zu staunen.


Als Julia zum ersten mal Interesse an Buchstaben zeigte, war sie noch nicht ganz 3 Jahre alt. Wir spielten damals oft 'Ich sehe was, was Du nicht siehst' mit Anlauten statt mit Farben und sangen jeden Tag ihre Lieblingslieder. Ich bot ihr jedoch keine Sandpapierbuchstaben an, sondern Körbchen mit einigen kleinen Gegenständen zum Lautieren.


Solche Lautier-Spiele vorzubereiten ist nicht wirklich aufwändig, es reichen dazu eine Hand voll kleine Dinge, deren Namen paarweise mit denselben Anlauten beginnen. Damit Kinder auch wirklich selbstständig arbeiten können, ist es sinnvoll, am Anfang die Gegenstände aus dem Korb einzeln zu benennen. Als ich das Spiel damals Julia zum ersten mal zeigte, nahm ich eine dieser Miniaturen, benannte es und betonte dabei den Anlaut (H...H...Hund). Ich sagte Julia, dass ich nun einen weiteren Gegenstand suche, der ebenso mit "h" beginnt. Bei der nächste Paarsuche lud ich sie dann ein, mit zu machen und da sie schon wusste, wie das Spiel geht, ließ ich sie die restlichen Paare finden.


Es müssen aber nicht unbedingt Paare sein, auch mehrere Gegenstände die entweder mit diesem oder jenem Laut beginnen, können sortiert werden. Aber auch hier macht es Sinn, zuerst alle Gegenstände dem Kind zu benennen und dabei den Anlaut zu betonen ("KKKatze. Die Katze lege ich hier hin. AAAnanas. Ananas lege ich unterhalb hin. KKKirsche. Kirsche kommt zu der KKKatze..."). Mein Tipp ist allerdings solche Gegenstände zu nehmen, deren Anlaute nicht allzu ähnlich klingen (wie "b" und "p"). Julia liebte solche Lautier-Spiele. Sie konnte mit diesen Miniaturen nicht nur etwas spannendes machen, sondern auch lauschen wo die Laute genau zu hören sind und dann unter diesen Gegenständen Ordnung schaffen.


Ich finde, auch Schleichfiguren eignen sich wunderbar für solche Anlautkörbchen, zudem die Auswahl an diesen Tierfiguren wirklich groß ist. Solche Figuren können aber nicht nur nach ihrem Anlaut sortiert werden, sondern auch nach dem, ob der Laut im Wort überhaupt zu hören ist. ("Schlange. Bei Schlange höre ich ein sch. Katze. Bei Katze höre ich kein sch.")


Bei manchen Wörtern hörten wir die Laute am Anfang ("Elefant"), bei manchen innerhalb des Wortes ("MuschEl") und wiederum bei manchen ganz zum Schluss ("BlumE"). Zu erkennen, welche Laute wo im Wort zu hören sind, machte Julia nicht nur Spaß, sie konnte die Laute so viel bewusster wahrnehmen, was ihr jetzt beim Schreiben und Lesen einen unglaublich großen Vorteil bringt.


Kinder, die Sprache spannend finden, könnten auch mit diesen Reimkarten eine Menge Freude haben. Diese habe ich letztes Jahr für Julia gemacht und ihr zuerst nur die Hälfte, später dann aber auch die restlichen Paare angeboten. Da damals das  "Mascherl" (Fliege) für Verwirrung sorgte, machte ich eine neue Version, die ihr gerne hier herunterladen könnt.

Was die Miniaturen betrifft, so lassen sich solche so gut wie in jedem Geschäft finden. Schlüssel, Löffel, Knöpfe, kleine Strickhauben von den Deckeln von Smoothies oder kleine Plastik und Keramik-Figuren. Manche Miniaturen aus unserer Sammlung habe sogar ich selbst aus weißem Ton* gemacht und mit Wasserfarben angemalt. Aber auch Shops wie dieser, dieser oder dieser verkaufen jede Art von Miniaturen.

 
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Eine der häufigsten Fragen in unserer FB-Gruppe handelt über das erste Schreiben (und Lesen). Was können Eltern tun, wenn Kinder bereits im Kindergartenalter oder gar noch früher Interesse an Buchstaben zeigen? Schon seit langem ist es mir ein Anliegen, etwas zu diesem Thema zu schreiben, daher diesmal ein kleiner Einblick, wie Kinder im Kinderhaus Schreiben und Lesen lernen - und warum Eltern dabei eine unglaublich wichtige Rolle spielen.

Das Konzept, wie Kinder das Schreiben und Lesen bei Montessori spontan erlernen ist genial. Weil es Kindern ermöglicht, sich diese recht komplexen Prozesse im eigenen Tempo und aus eigenen Willen anzueignen, ohne dass sie jemand dazu drängen würde. Doch es ist ein Missverständnis, dass Schreiben lernen bei den Sandpapierbuchstaben beginnt.


Bevor Kinder im Kinderhaus mit Sandpapierbuchstaben arbeiten, machen sie etwas ganz anderes und wirklich wichtiges: sie lautieren. Und sie lieben es! Dazu gibt es auf den Regalen Körbchen und hübsche Schachteln mit lauter spannenden Dingen darin, die junge Kinder magisch anziehen. Und wenn dann den Kindern auch noch gezeigt wird, was sie mit diesen Gegenständen machen können, ist die Begeisterung perfekt. So wird genau gelauscht, welcher Laut wo im Wort zu hören ist und die Gegenstände dementsprechend gepaart und angeordnet. Diese Arbeit ist wirklich wesentlich, denn sie ermöglicht es Kindern, die Laute, aus denen Wörter bestehen, ganz bewusst wahrzunehmen.


Was ich auch häufig im Internet sehe, sind Sandpapierbuchstaben fürs erste Schreiben in großen Blockbuchstaben. Aber auch das ist ein Missverständnis, denn Maria Montessori postulierte genau das Gegenteil: Kleinbuchstaben und noch dazu in Kursiv! Diese großen Blockbuchstaben sind zwar optisch schlichter, aber zum Schreiben lernen nicht wirklich sinnvoll, denn, wie auch Maria Montessori schrieb: "... muss sich das Kind danach nicht die Mühe machen, die Blockschrift wieder zu vergessen, um Kursivschrift zu lernen? Wäre es nicht einfacher gewesen, mit letzterer zu beginnen?" (Die Entdeckung des Kindes. Freiburg im Breisgau 1969)

Es klingt vielleicht zuerst etwas ungewöhnlich, immerhin haben die meisten Menschen aus der Regelschule andere Erfahrungen mitgebracht, aber mit den schwungvollen Kleinbuchstaben zu beginnen macht wirklich Sinn. Nicht nur, weil unsere geschriebene Sprache zu 90% aus Kleinbuchstaben besteht, sondern auch, weil diese zu schreiben Kindern wesentlich leichter fällt - und sie so auch viel mehr Freude am Schreiben haben.


Dr. Montessori beobachtete Kinder, die ihre Hefte mit Großbuchstaben in Blockschrift vollgeschrieben hatten, also reihenweise K-s oder L-s, doch am Ende jeder Seite diese Buchstaben eher an C-s erinnerten. Ganz einfach, weil unsere Hände geschwungene Linien viel einfacher zeichnen können als Geraden.

Als Mathelehrerin in der Regelschule gelang es mir in all den Jahren nie, ein schönes Quadrat oder Dreieck ohne Hilfsmittel auf die Tafel zu zeichnen. Ich brauchte immer eines dieser großen Lehrer-Lineale dazu. Bis heute schaffe ich es nicht, ein perfektes Quadrat oder eine exakte Gerade auf ein Blatt Papier zu zeichnen, nicht einmal wenn dieses kariert ist. Eine gerade Linie ist wortwörtlich einmalig und für die Hand fast unmöglich zu zeichnen. "Beobachten wir die spontanen Zeichnungen von Kindern, wenn sie zum Beispiel auf dem Sand von Gartenwegen mit einem vom Baum gefallenen kleinen Ast Linien zeichnen: Wir sehen niemals kleine Geraden, sondern lange gebogene Linien, die auf verschiedene Weise miteinander verflochten sind. Die Mühe, die wir zum Erlernen des Alphabetes für notwendig erachten, ist ganz und gar unnatürlich und hängt nicht mit dem Schreiben, sondern mit den Methoden, es zu lehren, zusammen." (Maria Montessori: Die Entdeckung des Kindes. Freiburg im Breisgau 1969)


Allerdings gibt es neben den Lautierungsarbeiten und Sandpapierbuchstaben eine Fülle von anderen Materialien und noch mehr Darbietungen, die es Kindern im Kinderhaus ermöglichen, sich das Schreiben anzueignen. Was die Großbuchstaben betrifft, so werden diese den Kindern natürlich im Kinderhaus auch gezeigt, allerdings erst bei anderen Arbeiten, wenn Großbuchstaben auch wirklich Sinn machen.

Was das spontane Lesen lernen betrifft, so beobachtete Dr. Montessori, dass die meisten Kinder lange schreiben, bevor sie überhaupt lesen können. Aber geht das überhaupt? Schreiben vor dem Lesen? Als ich das zum ersten mal gehört habe, konnte ich mir das nicht wirklich vorstellen, wie das gehen könnte, doch jetzt nach meiner Ausbildung und besonders durch Julia wurde ich eines Besseren belehrt. Denn sie ist gerade dabei für sich das Lesen zu entdecken, obwohl sie bereits schreiben kann. Lesen ist komplexer als Schreiben, denn hier werden nicht nur die einzelnen Buchstaben nach Gehör hintereinander angereiht, sondern wiedererkannt und zu einem Wort zusammengesetzt (was lesen ja schlichtweg bedeutet). Der Schritt vom Schreiben zum Lesen ist jedoch nur noch klein und auch zum spontanen Lesen lernen gibt es im Kinderhaus zahlreiche Materialien und Darbietungen - und Pädagogen, die ganz genau wissen, wie sie Kinder bei diesen Prozessen begleiten können.


Aber können Eltern denn zuhause überhaupt was tun? Oh ja! Eine Menge! Und das, was wir als Eltern tun können, ist wesentlich!

  • Kinder von Anfang mit Sprache(n) umhüllen! Ihnen über ihre direkte Umwelt erzählen, ihnen vorsingen, Reime und Gedichte vortragen sowie vorlesen, vorlesen und vorlesen. Ich achte zudem auch sehr darauf, zu meinen Kindern deutlich, schön und in ganzen Sätzen zu sprechen.
  • Die Dinge beim Namen benennen. Ich habe mir bereits, als Julia noch ein Baby war angewöhnt, nicht "Wau-Wau" und nicht einmal nur "Hund", sondern "Dalmatiner" zu sagen, wenn wir einen sahen. Kinder absorbieren die Sprache mit so einer Leichtigkeit und wenn sie die wirklichen Namen der Dinge erfahren können, bereichert sie dies enorm!
  • Kinder nicht direkt korrigieren. Wenn Julia etwas grammatikalisch nicht ganz richtig sagt, korrigiere ich sie nicht direkt, sondern wiederhole einfach das Wort korrekt. (Ich habe schon geesst, Mama. - Ach, Du hast schon gegessen? Wunderbar!) So hat sie die Möglichkeit, das Wort grammatikalisch richtig zu hören, fühlt sich aber nicht von mir überfahren und hat weiterhin Freude an der Sprache.
  • Kindern Aufgaben zutrauen, die die Hände sinnvoll beschäftigen. Kinder lieben Aufgaben, bei welchen sie ihre Hände und Bewegungen perfektionieren können. Aufgaben im Haushalt (und im Garten) sind nicht nur wunderbar um die Hände für das Schreiben vorzubereiten, sondern genau das, wonach bereits junge Kinder suchen. 
  • Auch bei den Spielsachen achte ich auf Einzelheiten. So bevorzugte ich damals, Julia Puzzles mit großen Griffknöpfen zu kaufen oder bot ihr Materialien an, wo sie die Hände sinnvoll einsetzen konnte.
  • Einkaufszettel oder gar meine Notizen schreibe ich immer mit der Hand. Mir ist wichtig, dass meine Kinder mich auch mit der Hand schreiben sehen und erleben, dass Gedanken mit der Hand auf Papier gebracht werden können. Ist das nicht eine unglaubliche Errungenschaft?
  • Wir spielen bis heute gerne "Ich sehe was"-Spiele, besonders in der U-Bahn um die langen Fahrten erträglicher zu machen. Wir spielen das Spiel dann etwas anders und lassen einander nach Gegenständen oder Farben raten, die einen bestimmten Laut am Anfang oder in der Mitte oder am Ende des Wortes haben (Ich sehe was - und es beginnt mit "k"...). Das macht wirklich Spaß!
  • Auch spielen wir gerne auf dem Rücken zeichnen, wobei wir einander auch Buchstaben oder Zahlen erraten lassen.
  • Erstlesebücher für Leseanfänger. Als Julia anfing zu lesen, besorgte ich ihr passende Bücher mit weniger Text, dafür aber mit größeren Buchstaben, so war sie nicht überfordert.
  • Boxen und Haken in der Wohnung beschriften, wie etwa die Kiste mit den Hauben und Schals oder den Haken, wo der kleine Besen hängt. 
  • Ich zeigte Julia immer wieder Handarbeiten, wie Stricken mit einer Strickgabel oder Weben am Webrahmen. Solche Handarbeiten sind nicht nur sinnvolle Aufgaben für die Hände, sondern auch meditativ und kreativ.
  • Das Schreiben und Lesen als spannend und als unglaubliche Errungenschaften vermitteln. Daher schreibe ich Julia kleine, liebevolle Botschaften auf Zettel, die ich ihr irgendwo verstecke. Mal in ihrer Jackentasche, mal auf ihrem Sitz beim Esstisch oder auf ihrem Kissen im Bett. Nicht nur, damit sie Lesen und Schreiben als etwas nützliches erlebt, sondern auch als etwas schönes, als ein Geschenk.
  • Einige Lautier- und andere Spiele sind auch zuhause umsetzbar und machen Kindern, die Interesse an Buchstaben haben, garantiert eine Freude. Diese Ideen möchte ich euch in einem der nächsten Beiträge unbedingt zeigen.