12 Monate alt

Das Geschirr, die Gläser und das Besteck in diesem Beitrag sind selbst erworben und ich zeige und empfehle sie aus Überzeugung, aber aufgrund der Datenschutzgrundverordnung kennzeichne ich diesen Beitrag mit
WERBUNG 
_________________________________________________________

Als Julia damals mit der Beikost startete, besorgte ich ihr einen Plastikteller, einen Plastiklöffel und einen Schnabelbecher um ja eine Überflutung zu vermeiden. Nicht im Traum kam ich auf die Idee, ihr echtes Geschirr anzubieten. So ungeschickte Hände würden das Geschirr ja nur zerbrechen, alles unter Wasser setzen und sich selbst mit der Gabel pieksen. Ich wusste damals noch nicht, dass es im Grunde anders herum ist.

Maria Montessori schreibt in Spontaneous Activity in Education (1917) folgendes: "Die Möbel für Kinder, ihre Tische und Stühle sollten leicht sein. Nicht nur, dass sie leicht von den kindlichen Armen getragen werden können, sondern weil ihre Zerbrechlichkeit von pädagogischem Wert ist. Die gleiche Überlegung führt uns dazu, dem Kind Porzellanteller und Trinkglas zu geben, denn diese Gegenstände werden ihm seine rauen, ungeordneten Bewegungen zeigen. So kann es sich üben, nicht an Gegenstände zu stoßen, diese umzuwerfen oder zu zerbrechen und seine Bewegungen werden freier und selbstbeherrschter."  (eigene Übersetzung)


Erst als Julia bereits über ein Jahr alt war, bot ich ihr echtes Geschirr an und war erstaunt, wie vorsichtig sie damit umging. Es zerbrach lediglich nur ein Teller und ein einziges Glas, aber genau das motivierte sie, noch vorsichtiger mit dem Geschirr umzugehen.

Jakob bot ich bereits von Anfang an "echtes" Geschirr an. Aber nicht nur, damit er seine Bewegungen besser spürt, sondern um ihm zu zeigen, dass ich ihm vertraue und ihn respektiere. Allerdings bekam er kein teures Porzellan, sondern das DUKTIG Geschirr-Set vom Möbelschweden. Es war leicht ersetzbar und wegen seiner Größe für den Beikoststart ideal, besonders die kleinen Schälchen. Heute isst er vorwiegend aus so einem Teller, der auch recht klein ist, aber eine größere Unterseite hat, wodurch er nicht kippen kann. Außerdem hat sein Teller einen leicht erhöhtem Rand, so rutscht sein Essen nicht ständig runter, während er dieses mit der Gabel aufzuspießen versucht.


Er bekommt auch echtes Besteck. Es geht mir dabei aber nicht darum, dass er damit essen muss. Er isst genauso gerne mit den Händen. Ich habe auch nicht die Illusion, dass so kein Chaos entsteht. Aber ich weiß, es bedeutet ihm eine Menge so essen zu können, wie auch alle andere am Esstisch. Ebenso aus echtem Geschirr und mit echtem Besteck und dabei das Gefühl zu haben "ich gehöre dazu", "mir wird es zugetraut" und "ich bin fähig".

Sein Besteck ist eigentlich ein Set für die Spielküche, allerdings aus Edelstahl und auch für echte Lebensmittel (sowie Spülmaschinen) geeignet und mit 10cm Länge perfekt für kleine Hände. Er liebt seine kleine Gabel und versucht damit voller Konzentration und Ausdauer seine Nudeln oder Obst- und Gemüsestücke aufzuspießen (siehe mein Instagram-Feed) und mit dem kleinen Löffel sein Müsli zu löffeln. Das Messer ist völlig stumpf und er benutzt es noch nicht. Es wird aber perfekt sein, um später Butterbrote zuzubereiten.


Sein Trinkglas fand ich dort, wo ich auch seinen Teller entdeckt habe und war richtig froh über diesen Fund. Das Glas ist sehr klein, mit gerade mal 4cl Volumen, so dass Jakob es bequem halten und heben kann. Ich wasche sein Geschirr meistens mit der Hand ab, aber wenn ich es doch mal in den Geschirrspüler gebe, kontrolliere ich danach seine Gläser, ob sie keinen zersprungenen Rand haben. Das Gläschen ist zwar recht robust, aber sicher ist sicher.

Wie ich ihm das Trinkglas von Anfang an angeboten und worauf ich dabei geachtet habe:
  • Sobald Jakob Gegenstände mit beiden Händen greifen konnte, bot ich ihm ein Glas mit ganz wenig Wasser zum Trinken an. 
  • Er konnte das Trinkglas am Anfang zwar ergreifen und an seinen Mund heben, aber nicht kippen, daher half ich ihm von unten ein wenig nach. Diesen wertvollen Tipp bekam ich noch von der Leiterin von Julias ehemaliger Montessori-Kleinkindgemeinschaft.
  • Neben seinem Glas steht bis heute immer ein kleiner(!) Krug mit wenig Wasser, damit wir ihm nachfüllen können. Dabei achten wir darauf, den kleinen Krug mit beiden Händen zu heben und langsam zu kippen, immerhin beobachtet uns dabei Jakob und wird sich später aus diesem Krug selbst einschenken wollen. 
  • Wir schenken ihm immer nur ganz wenig Wasser in sein Trinkglas. Wirklich nur 1-1,5 cm hoch. So hat er beim Trinken mehr Erfolgserlebnisse und kann uns umso öfters beim Einschenken beobachten.
  • Viele haben mich gefragt, warum Jakob kein Lätzchen beim Trinken hat:  damit er spürt, wenn er nass wird. Und ja, danach braucht er oft trockenes Gewand, aber auch diese Gelegenheiten sind so wertvoll für ihn, denn er kann sich dabei beim An- und Ausziehen üben.

Gemäß der Datenschutzverordnung kennzeichne ich diesen Beitrag mit WERBUNG

Montessori-Materialien müssen nicht unbedingt teuer erworben werden, auch nicht für Kleinkinder und besonders nicht für Zuhause. Manches lässt sich auch aus ganz einfachen Mitteln recht schnell selbst herstellen, wie zum Beispiel diese Box mit einem gehäkelten Ball zum Hineinquetschen in die Box. So simpel und dennoch ein Material, das eine Menge zu bieten hat.


Jakob pickt mit Vorliebe winzige Steine und Krümmel auf, aber ebenso gerne liebt er es, durch Zusammenquetschen und Pressen sich so richtig anzustrengen, um seine eigene Kraft zu spüren. Bei diesem Material kann er seine Kraft nicht nur gezielt einsetzen, sondern auch erleben, dass Dinge auch dann weiterhin existieren, wenn diese außerhalb seiner Sichtweite sind.


Diese schöne Box fand ich beim Möbelschweden und ist eigentlich Teil eines Sets. Mit dem Bastelmesser schnitt ich eine Öffnung in den Deckel, wo der Ball hineingequetscht werden kann. Der Deckel lässt sich zwar ganz einfach auf- und wieder zuklappen, aber Jakob schaffte es nur, die Box zu öffnen und wollte den Ball immer wieder bei offenem Deckel durch das Loch quetschen. Quasi von unten. Das funktionierte aber nicht und er verlor das Interesse.


Daher klebte ich den Deckel zu und schnitt stattdessen noch eine, etwas größere Öffnung in die Seite der Schachtel. So kann er den Ball wieder herausnehmen und seine Arbeit ohne mein Eingreifen beliebig oft wiederholen. So ein kleiner Unterschied kann doch so bedeutend sein!


Falls ihr noch nie einen Ball selbst gehäkelt habt, möchte ich Euch unbedingt ermutigen, es dennoch zu probieren. Auch für mich war dies das erste mal und ich war sehr überrascht, wie schnell und einfach so ein Ball gehäkelt werden kann. Ihr findet im Netz eine Menge Anleitungen dazu. (Achtet aber darauf, dass der Ball einen größeren Durchmesser hat, als das Loch in der Box.)


Aus der kleineren Schachtel machte ich Jakob eine Box mit einem Schlitz im Deckel und besorgte dazu runde Holzscheiben mit 5 cm Durchmesser*. Die sind groß genug, so dass Jakob diese ohne Gefahr auch mit dem Mund erkunden kann.


Für den Anfang stellte ich ihn jedoch nur eine einzige Holzscheibe bereit, damit er nicht gleich überfordert ist.


In der gleichen Abteilung, wo ich auch die Pappschachteln gefunden habe, sah ich diesen Bilderrahmen mit Schiebedeckel aus Plexiglas. Auf dem Deckel montierte ich einen größeren Holzknauf, den Jakob mit seinen Fingern gut ergreifen und den Deckel so aufziehen und zuschieben kann, was für ihn eine spannende Herausforderung ist.


Um zu verhindern, dass der Deckel beim Öffnen jedes Mal gänzlich herausgeschoben wird, klebte ich auf dessen Unterseite kleine Bodengleiter als Stopper. Um die Box noch interessanter zu machen, legte ich auch einige kleine Gegenstände hinein, wie Muscheln und Schneckenhäuser oder kleine Tierfiguren, die er dann gerne erforscht. Es muss aber nicht unbedingt diese Box vom Möbelschweden sein, eine einfache Schachtel mit Schiebedeckel, wie auch diese hier*, ist, wie ich finde, genauso wunderbar geeignet.


*Affiliate-Link. Was bedeutet das? Dass elternvommars.com eine kleine Provision erhält, wenn Du das Produkt über diesen Link erwirbst. Für Dich entstehen dabei jedoch keine höheren Kosten. Ich empfehle nur das, was ich selbst getestet, gelesen und/oder für gut und sinnvoll halte.

Es gibt die Schübe, das Zahnen, das Fremdeln, diverse durch Viren und Bakterien verursachte Krankheiten, die "Ich-bin-Müde" und "Ich-habe-Hunger" Zustände, welche mein Kind dazu veranlassen, keinen Millimeter von meiner Seite zu weichen und dann gibt es auch die, die ich einfach nirgendwo zuordnen kann. Nicht, dass ich unbedingt klare Vorstellungen brauche um ihr Verhalten in die richtige Schublade stecken zu können, aber wenn ich nur für einen Moment in ihre Seele und ihren Kopf blicken könnte, um sie zu verstehen, würde ich mir wahrscheinlich leichter tun. Es wäre für uns beide leichter.

Wahrscheinlich ist das für viele von Euch bekannt, dieses Non-Stop-Verlangen nach Liebe. Und natürlich möchte man dieser Forderung, so gut wie möglich gerecht werden. Man nimmt es in den Arm, liebkost es, beruhigt es, gibt Zärtlichkeit und Aufmerksamkeit, so oft wie möglich. Non-Stop geht es allerdings kaum.

Doch habe ich meine Zweifel ob das langfristig der richtige Weg ist. Ich frage mich, wann diese Non-Stop-Liebe schon einer "Erdrückung" gleicht? Beiderseitig? Das Gegenteil von Erdrücken, die große Kunst einen anderen Menschen wirklich zu lieben, ist ihn loslassen zu können und ihm zu helfen, sich selbst zu entfalten. Dabei aber doch das Gefühl zu geben, immer für ihn da zu sein. Oder etwa nicht? Oder kann das wirklich sein, dass sie gerade das zu überwinden versucht? Mich loszulassen?

Was meint Ihr dazu? Habt Ihr ähnliche Erfahrungen gemacht?

Ich hoffe, ihr Non-Stop-Verlangen hat bald ein Ende. Es ist für uns beide nicht gut. Zum Glück hat sich der Winter endlich verabschiedet und wir können draußen viel mehr unternehmen. Vielleicht kommen wir so beide auf andere Gedanken.

Sie hat das wirklich schnell gelernt aus einem Glas zu trinken. Es ist so schön dabei zuzusehen. Sie genießt das so sehr! Hätte sie keine Ohren, würde ihr Lächeln, nachdem sie getrunken hat, bis zum Hinterkopf reichen!

Dennoch habe ich ein Dilemma. Sie kann zwar aus dem Glas trinken, aber wie kommt sie dann nun ans Glas heran, wenn sie gerade nicht beim Essen sitzt? Bisher habe ich ihr immer wieder was zum Trinken angeboten, aber ich möchte, dass sie sich selbst bedienen kann. Viele Mütter lösen das Problem mit einem Schnabelbecher, so gesehen ist der auch praktisch. Aber wie geht das mit dem Glas?

Sie ist noch ziemlich klein für einen Kindertisch, sowas haben wir auch noch nicht. Also nahm ich ihr Glas und stellte es auf die unterste Stufe vom Treppenhochstuhl.


Sie hat daraus getrunken, jedoch war die Verlockung zu groß und es wurde wieder mit dem Wasser herumexperimentiert. Auf Anhieb klappt das nicht, ist eh klar. Ich musste mit ihr ein wenig üben und wir werden es noch ein paar mal wiederholen. Mich würde das beruhigen, wenn sie sich selbst bedienen könnte, es wäre für sie doch viel einfacher.

P.S.:
Heute in der Früh (mit "frischem", "ausgeruhtem" Geist, haha) kam mir die Idee, ihr beim Trinken einen Spiegel hin zu halten. Der Spiegel war schon griffbereit, da sie ja gestern damit gespielt und liegen gelassen hat. Ich beobachtete, wie sie sich beim Trinken aufmerksam zusah. Die Kamera musste sofort her! Sie trank immer wieder, nur um zu sehen, wie das aussieht. Dann nahm sie ihr Butterbrot und beobachtete, wie sie hineinbeißt. Sie zeigte auf den Löffel, der in ihrem Haferbrei steckte, also gab ich ihn ihr und statt dabei, wie üblich, mich anzusehen, schaute sie im Spiegel nach, wie der Löffel samt Haferbrei in ihrem Mund verschwindet.


Am liebsten arbeite ich auf meinem Schreibtisch. Da kann ich Ordnung halten, da habe ich einen Überblick über meine Sachen. Daher finde ich die Idee von Montessori mit den Arbeitsinseln für Kinder besonders toll! Diese Arbeitsinseln, sprich kleine Fleckerlteppiche werden zwecks Arbeitsfläche einfach auf den Boden gelegt. Unsere liegen für Julia in einem Korb bereit, sodass sie jederzeit einen nehmen kann. Es gibt allerdings zwei Regeln: 1. die Arbeit bleibt auf dem Teppich, 2. nach der Arbeit wird der Teppich wieder weggeräumt. (Wir üben noch beides).


Sie probiert alles, was verschließbar ist zu öffnen und dann wieder zu schließen. Auf die Schraubbewegung beim Öffnen und Schließen ist sie noch nicht draufgekommen, also nahm ich ein paar Utensilien die ich so finden konnte und bereitete sie in einem Korb zum Üben vor.


Die Behälter wurden sofort in Beschlag genommen. Sie hat sie mit Freude geöffnet und wieder zugemacht, sogar erforscht, ob die Deckel auf andere Dosen passen und die Behälter ineinander gesteckt werden können. Wie bei der Matroschka.

Hätte gar nie gedacht, dass es so gut funktionieren würde. Sie hat das Auf- und Zumachen wirklich ganz konzentriert geübt. Ich finde das so entzückend, wenn sie sich in eine Tätigkeit so vertieft. Und wenn was nicht aufgehen wollte, hat sie es einfach hinter ihre Schulter geworfen. Wortwörtlich.


Sie liebt das Werfen. Ganz besonders mit Bällen. Und leider auch mit Kugeln, die aber ziemlich unsanft, mit einem großen Knall auf dem Parkett landen. Oft nicht ganz spurlos.
Um ihr das Werfen "wohnungstauglicher" zu machen und das Parkett und die Einrichtung zu schonen, nähte ich ihr kleine Reissäckchen. Man braucht nicht wirklich viel dazu: Stoffe, Garn, Schere, ein Lineal, Stift, etwas Reis und eine Nähmaschine.


War übrigens das erste Mal, dass ich was genäht habe, schaut also bitte nicht auf die Nähqualität. Damit sie auch zielen kann, platzierten wir einen großen Korb auf dem Teppich. Wir haben keine Wurflinie markiert, da sie diese sowieso ignorieren würde. Dazu ist sie noch zu klein. Aber auch so hat das Werfen viel Spaß gemacht und kreativ war sie auch diesmal. :)




Die letzten 3 Tage waren in den eigenen Vier Wänden etwas mühsam. Vielleicht liegt es daran, dass sie viel mehr versteht, vielleicht auch nicht, ihre Laune schlägt aber oft von einem Moment in den anderen um. Auch mit ihrer Frustration kann sie noch nicht umgehen. Da habe ich mir etwas ausgedacht, womit ich sie (und auch mich) etwas aufheitern könnte.

Ich nahm aus den Küchenschränken und -schubläden alles heraus, was man auf irgendeine Weise als Musikinstrument verwenden könnte:
z.B.:

(Den Stofffetzen nahm ich einfach nur um zu zeigen, dass die Töne so stumpf klingen)
Wir haben alles auf den Boden hingelegt und unsere neuen Instrumente "eingestimmt". Dann haben wir es so richtig krachen lassen! Julia fing sogar an zu tanzen (naja, eher hüpfen) und endlich auch zu lachen! :D


Gestern habe ich ihr eine neue Puppe gekauft. Eine ganz weiche Stoffpuppe, mit tollen beweglichen Gliedmaßen und mit dunkler, afrikanischer Hautfarbe. Ich überlege sogar, der Puppe eine passende, afrikanische Tracht zu nähen (oder vielmehr von meiner Schwester nähen zu lassen). Sie umarmt die Puppe (einen Namen müssen wir ihr noch finden...irgendwelche Vorschläge?) und knuddelt sie, sie gibt ihr Spielsachen zum Spielen, steichelt ihr über die schwarzen Lockenhaare...


Mit (fast) allem. Eh klar. :) Aaaaaaaber: Sie fängt an kreativ zu werden, ich meine, sie denkt sich schon ihre eigenen Spiele aus. Wahnsinn!