2. Lebensjahr

Als meine Kleine 15 Monate alt wurde, haben wir ihr einen "Lernturm" gebastelt. Sie wollte immer auf unseren Arm, um zu sehen, was beim Kochen passiert und immer mehr auch selbst mitmachen. Doch so konnten wir beide nicht arbeiten. Wir kauften ihr einen Tritthocker, aber sie fiel davon drei mal herunter und das Möbelstück ist doch sehr hoch. Gemeinsam entspannt zu kochen war also (noch) nicht möglich. Wir recherchierten im Internet und sahen die Idee mit dem "Lernturm" auf mehreren Webseiten. Wir bauten ihn nach, weil wir wollten, dass Julia in der Küche das Geschehen besser beobachten und aktiv mithelfen konnte.
Für uns war dies eine ideale Lösung und seitdem kocht unsere Tochter sehr gerne mit uns mit. Manche Arbeiten betrachtet sie sogar als ihre eigenen Arbeiten, die ausschließlich sie verrichten darf. Sie schob den Turm oft zum Fenster um die Welt vor dem Haus zu beobachten oder zum Regal um den CD-Player
zu bedienen. Sehr oft schob sie ihn auch in der Küche zum Waschbecken oder zum Kühlschrank um sich selbst zu bedienen. Sie entdeckte allerdings auch, dass man auf dem Turm tolle akrobatische Übungen machen kann. Auf dem Markt gibt es viele ähnliche "Lerntürme", die aber das Klettern und Turnen nicht ermöglichen und somit viel mehr Sicherheit bieten. Unser Turm ist aber eine Eigenkreation ohne jegliche Garantie auf Sicherheit! Dies war uns beim Zusammenbauen bewusst.
Wir führten die Regel ein, das auf dem Lernturm nur gestanden werden darf. Dies war übrigens ein sehr weiser und nützlicher Rat von einer Montessori-Pädagogin aus der FB-Gruppe. Wir wiesen unsere Tochter immer wieder auf diese Regel hin und ließen sie auf dem Turm nie alleine im Raum.
Sie ist nun mittlerweile doppelt so alt wie damals und natürlich um einiges geschickter. Mir ist wichtig, dass sie ein Gespür für Grenzen und Eigenverantwortung bekommt, daher haben wir nun das Stützgelände abmontiert. Der "Lernturm" hat somit ausgedient. Spätestens jetzt bin ich richtig froh darüber, dass wir die Regel mit dem "nur stehen auf dem Turm" eingeführt und konsequent durchgezogen haben.
Da Julia schon vieles alleine machen kann und auch beim Aufräumen und Saubermachen in der Küche aktiv dabei ist, richte ich ihre Arbeit des öfteren auf ihrem weißen Tisch her. Es bedeutet für mich mehr Vorbereitung und nachher mehr Abwasch, aber sie hat dort deutlich mehr Platz zu arbeiten. So bietet sich ihr auch die Möglichkeit, sich bei ihrem Tun viel freier zu bewegen.
Wir haben den "Lernturm" nicht bereut, aber wir sind auch froh, dass wir sie ihn nur unter gewissen Bedingungen benutzen ließen. Denn neben Unabhängigkeit und Freude im Tun ist für uns Sicherheit genau so wichtig.

Das Leben ohne Windeln ist so viel einfacher. Seit gut 2 Monaten trägt Julia überhaupt keine mehr und dadurch fühlt sie sich (und auch wir uns) sehr befreit. Ich hatte immer Sorgen, es könnte eine schwierige und mühsame Zeit werden von den Windeln wegzukommen, aber wie so oft, hätte ich meiner Kleinen viel mehr vertrauen sollen.
Es begann damit, dass sie im Warteraum beim Zahnarzt zu mir kam und sagte, sie müsste mal und ich soll sie bitte auf die Toilette begleiten. "Da ist es!" dachte ich mir. "Das Zeichen!" und bat am nächsten Tag die Montessori-Pädagogin aus ihrer Kinderkrippe um ein Beratungsgespräch. Dieses Gespräch hat uns enorm viel geholfen, daher möchte ich ihre Tipps auch mit Euch teilen.
Interesse und Bereitschaft
Wann die Kinder bereit sind, sollten sie entscheiden! Wann dieser Zeitpunkt kommt, ist aber von Kind zu Kind ganz unterschiedlich. Es gibt Kulturen, wo die Familien auch ohne Windeln klar kommen und das sogar von Anfang an, aber es gibt auch Kleinkinder, die sich mit dem Töpfchengehen etwas länger Zeit lassen. Was ich jedoch wichtig finde ist, das Zeichen für die Bereitschaft wahr und auch ernst zu nehmen und die Kleinen während ihrer Erfahrungssammlung respektvoll zu begleiten.
Die vorbereitete Umgebung
Damit Julia jederzeit, ganz selbstständig ihre Angelegenheit erledigen kann, richtete ich ihr (erneut) das Töpfchen mit einem Teppich als rutschfeste Unterlage, einen kleinen Eimer und einen Korb mit Toilettenpapier her. Sie hatte oft die Gelegenheit zu beobachten, wozu und wie das Toilettenpapier benutzt wird und deswegen freute sie sich total, als auch sie ihre eigene Papierrolle bekam. Sie rollte sie am Anfang öfters ab, aber nach ein paar Tagen hatte sie genug davon. Heute reißt sie das Papier geschickt ab und verwendet es, wie wir es ihr gezeigt haben.

Zeit lassen und vertrauen
Wie lang Kleinkinder benötigen, ihre Körperfunktionen besser zu spüren und zu kontrollieren, ist auch unterschiedlich. Doch wenn sie Interesse zeigen, sind sie motiviert und wollen dies lernen, dazu brauchen sie aber auch unsere Geduld, Gelassenheit und unser Vertrauen in ihre Fähigkeiten. Die Pädagogin aus der Kinderkrippe gab mir hierbei den Tipp, die Windeln komplett wegzulassen. Unbedingt auch nächtens! "Es verwirrt die Kleinen, wenn sie einmal Windeln anhaben und dann wiederum keine. Lieber am Anfang das Kind immer wieder daran erinnern, dass es nun keine Windeln anhat." In den ersten 2 Tagen ohne Windeln ging natürlich alles daneben und es störte sie auch. Aber genau das gab ihr letztendlich zu verstehen, dass da was passiert ist und so konnte sie es besser wahrnehmen.
Auch in der Nacht ohne Windeln
Die Nächte ohne Windeln waren am Anfang gar nicht so einfach. In den ersten 2-3 Wochen mussten wir sie nachts immer wieder im Schlaf umziehen. Wir kauften mehrere Nässeschutzunterlagen für ihr Floorbed und auch für unser Familienbett, wir wollten ihr eben trotz des nächtlichen Nässelns keine Windeln anziehen. Ich bekam auch den Rat, darauf zu achten, dass meine Kleine vor dem Schlafengehen nicht allzu viel Wasser oder Tee trinkt, denn dies führt garantiert zu nassen Bettlaken. Ihre Matratze blieb danach nachts tatsächlich trocken und mittlerweile wacht sie sogar auf und geht alleine aufs Töpfchen.
Die Klamotten und das Ausziehen
Wir besorgten ihr eine Menge bequeme Unterhöschen und T-Shirts, die Bodys mit ihren (in der Hitze des Gefechts) umständlichen Druckknöpfen haben somit ausgedient. Anfangs sagte sie immer wieder, dass die Unterhöschen ihre Windeln sind und es musste einige Male daneben gehen, bis sie darauf kam, dass diese eine andere Funktion haben, als die Windeln.
Damals, als ich meine 16 Monate alte Tochter regelmäßig zur Spielegruppe ihrer jetzigen Kinderkrippe brachte, gab mir die Montessori-Pädagogin den Rat, sie im Stehen zu wickeln. "So kann sie nicht nur beobachten was passiert, sondern auch aktiv mitmachen."
Ich muss ehrlich gestehen, damals konnte ich mir beim besten Willen nicht vorstellen, wie ich diese Aufgabe bewältigen sollte, aber ich gab mir viel Mühe. Nach einer Woche lief dann doch alles wie am Schnürchen, ich übte die Handgriffe und Julia dann das Aus- und Anziehen. Es funktionierte wirklich! Und dies kommt ihr natürlich jetzt beim Töpfchengehen zu Gute.
Körperzeichen wahrnehmen
Am Anfang fragte ich sie ziemlich oft, ob sie aufs Töpfchen müsse, auch wenn ich damit etwas lästig war, dies musste sein. Ich war mir nicht immer sicher, ob ihr bewusst war, dass sie nun keine Windeln mehr anhatte. Ich beobachtete sie und wenn sie (zB.) die Kniescheiben zu oft zusammenpresste oder die Knie oft hochhob, ahnte ich schon was kommen wird. Es ging immer wieder was daneben, vor allem, wenn wir unterwegs waren oder sie in ihr Tun sehr vertieft war. Aber auch sie lernte mit der Zeit - vielleicht genau durch diese Erfahrungen - ihren eigenen Körper besser zu beobachten und zu kontrollieren.
Niemals ungeduldig oder verärgert sein, wenn was daneben geht
und schon gar nicht schimpfen oder loben. Es sollte doch kein Trauma auslösen, wenns mal daneben geht, andererseits ist es doch das natürlichste der Welt, seinen Körper kennenzulernen und zu kontrollieren.
Manchmal geht noch was daneben, wenn sie es zu spät signalisiert, dass sie müsste und es nicht mehr halten kann, daher haben wir auch immer noch Wechselgewand dabei. Doch manchmal, wenn wir zum Beispiel im Supermarkt sind, hat sie ihren Körper so gut unter Kontrolle, dass sie sogar die lange Schlange bei der Kassa abwarten kann. Es ist eben ein Lernprozess, der seine Zeit braucht und viel Gelassenheit.

Damals, vor gut einem Jahr, hätte ich mir den Alltag ohne unseren Buggy nicht vorstellen können. Ich trug meine Kleine gerne und oft im Manduca und auch in unserem Tragetuch, aber bei den Einkäufen war der Buggy einfach viel praktischer.
Doch eines Tages, als sie zu gehen anfing, fing sie auch an, den Buggy abzulehnen und weigerte sich schließlich gänzlich hineinzusteigen. Ich versuchte das Ding auch leer mitzuschieben, aber der Buggy wurde so zum absoluten Hindernis. Es blieb mir nicht viel anderes übrig, als sie zu tragen oder eben spazieren zu lassen, wenn es die Zeit zuließ. Ich trug sie im Tuch, wenn ich einen Termin einhalten musste, morgens in der U-Bahn (wo viele Menschen zur Arbeit eilten) und ich trug sie, wenn sie schon erschöpft war. Das Tragetuch schien für sie ein guter Kompromiss zu sein, aber sie bevorzugte das Gehen und genoß jeden einzelnen Schritt, den sie machen konnte. Die Zeit schien dann jedoch stehen zu bleiben, wir brauchten für eine 5 Minuten-Strecke mindestens eine halbe Stunde.
Ich gebe zu, der Anfang war nicht immer einfach aber diese Buggylosigkeit war und ist eine absolute Bereicherung für uns beide:
Sie konnte ihre neue Errungenschaft, das Gehen üben und genoss die Bewegung sichtlich. Sie übt auch heute noch gerne das Hüpfen vom Gehsteig, das Runterlaufen von kleinen Hügeln, genießt das Beschleunigen beim Laufen und findet das Rückwärtsgehen besonders lustig. So wurden ihre Bewegungen Monat für Monat geschickter.
Sie kann jederzeit stehen bleiben, wenn sie etwas genauer beobachten will, wie zB. Bauarbeiter oder Ameisen bei ihrer Arbeit oder Tauben die nach Futter suchen und kleine Regenwürmer, die nach einem Regen vor der Wasserflut aus dem Boden fliehen. Sie kann die Welt in ihrem eigenen Tempo entdecken und tatsächlich: ihr entgeht nur selten etwas.
Sie kann nach Lust und Laune alles mögliche sammeln, wie Tannenzapfen, Stöcke und Kieselsteine, die sie dann durch Gitterzäune steckt. Und Kleinkinder stecken bekanntlich unglaublich gerne irgendwo etwas rein um dabei ihre Feinmotorik und Logik zu fördern.
Sie wurde mit dem Straßenverkehr vertraut und weiß, wo sie lieber nicht hingehen und wo sie stehen bleiben soll. Auch in der U-Bahn und in der Straßenbahn setzt sie sich hin und beobachtet ihre Umgebung oder, sollte kein Platz frei sein, hält sie sich geschickt an, da sie bereits erfahren konnte, dass der Zug bei der Fahrt unter ihren Füßen ziemlich arg wackelt.
Die Einkäufe wurden mit der Zeit immer entspannter. Wenn sie zu erschöpft war nahm ich einen großen Einkaufswagen im Supermarkt, wo ich sie hineingesetzt habe, um unnötige Konflikte zu vermeiden. Sonst nahm und nimmt sie einen kleinen Kindereinkaufswagen. Ich lasse sie beim Einkauf aktiv teilhaben und bin jedes Mal verwundert, wie einfach es sein kann, wenn man selbst ruhig und geduldig bleibt. Ich halte das Sackerl, sie steckt die Äpfel hinein und schleppt das Obst zur Waage. Ich gebe ihr das Joghurt in die Hand und sie stellt es ins Wagerl. Ich bestelle die Wurst bei der Theke und sie darf sie kosten. Sie bedient sich auch schon selbst, da sie sich im Supermarkt absolut auskennt. Manchmal landet ein kleiner Kakao im Einkaufswagerl, ein anderes mal eine Packung Butter (sie liebt Butter). Bei der Kassa räumen wir alles gemeinsam auf das Förderband und sie darf ihren Kakao selbst bezahlen. Es gab Tage, wo es nicht immer so harmonisch klappte und ich ins Schwitzen kam, aber ich wusste dann, ich habe sie an diesem Tag falsch eingeschätzt. Vielleicht hatte sie wenig Lust oder war schon zu müde und ich hätte lieber einen großen Wagen nehmen sollen.
Und heute, wo ich sie nicht mehr trage, nehmen wir ein Laufrad mit, wenn wir es eilig haben oder eine längere Strecke in Kauf nehmen müssen.
Auch mir hat es viel gebracht, diese Buggylosigkeit, auch wenn ich mir dies damals, vor einem Jahr niemals hätte vorstellen können. Ich lernte ihr Tempo zu berücksichtigen und mich ihr anzupassen und wurde mit der Zeit um einiges geduldiger und gelassener.
Ich hatte viel mehr Gelegenheiten sie genauer zu beobachten und lernte die Welt mit ihren Augen zu sehen.
Da sie ständig nach allem fragt, musste ich mir ein paar Tier- und Pflanzenführer zulegen (auch um gefährliche Tiere und giftige Pflanzen zu vermeiden) und lernte so einiges dazu.
Ich lernte ihr mehr zuzutrauen und sie an meinem Alltag auch außerhalb unserer eigenen vier Wände aktiv teilhaben zu lassen.
Ich weiß nicht, wie ich getan hätte, wenn ich Zwillinge oder wenn ich bereits noch ein kleines Baby hätte. Das wäre sicherlich nicht ganz so einfach gewesen, keine Ahnung. Aber ich bin unendlich froh, dass ich ihren Wunsch damals respektiert habe und dadurch diese Erfahrung machen konnte.

"Schau, ein Stern!" rief sie heute voller Begeisterung beim Frühstückzubereiten. Ihr entgeht nur selten ein Detail, sollte es noch so klein und unbedeutend für mich wirken.

Sie sucht sich permanent echte, produktive Arbeit. Mit oder ohne uns. Erstaunlich, wozu ein zweijähriges Kleinkind alles fähig ist.

Alles was andere machen und was für sie nicht ganz alltäglich erscheint, macht sie richtig neugierug. "Was hat der Mann da?"- wollte sie wissen und schaute ihm noch lange nach.

Ganz besonders ist sie von größeren Kindern fasziniert...

... und von kaputten Gegenständen. Das Dinge kaputt gehen und manchmal wieder repariert werden können beschäftigt sie schon seit Monaten.

So viele Farben und so interessante Strukturen. Überall.

Sie erforscht zur Zeit mit Vorliebe ihre körperlichen Grenzen, ihren Gleichgewichtsinn und auch ihre Stärke. Was ist möglich und was zu Risikovoll? Und wozu können Sachen sonst noch verwendet werden?

Der Spiegel ist unglaublich spannend für Babys und kleine Kinder. Nicht nur um den eigenen Körper, die Körperteile und die eigenen Bewegungen besser zu beobachten, sondern auch um die räumliche Wahrnehmung zu verfeinern. Im Kinderzimmer steht auf dem Boden an die Wand gelehnt dieser herkömmliche Spiegel und wird großzügig für Beobachtungen und Experimente benutzt. Besonders bemerkenswert finde ich, dass sie mich immer wieder darum bittet, den Spiegel für sie auf den Boden zu legen, damit sie die Spiegelung von "oben" betrachten kann.
Diesmal experimentierte sie mit Holzbausteinen. Die Konstruktionen machten den Eindruck, als würden sie im Raum schweben.
Aus eins wurde zwei und aus zweien wurden gleich vier.
Es wurde sichtbar, was für das Auge eigentlich verborgen sein sollte.
Es entstanden spannende Farbenmuster, scheinbar schwebende Gebäude und riesige Türme...
Aber zum Experimentieren gehört auch, die Extremfälle zu testen.
Ich danke Euch vielmals für die ehrlichen und schönen Kommentare! In den letzten Wochen bin ich kaum zum Bloggen gekommen, einerseits, weil die Montessori-Diplomausbildung angefangen hat, und weil die restliche Zeit dem Job und vor allem meiner Familie zustehen. Zu den Kommentaren zum letzten Beitrag: Mit diesem Blog möchte ich Euch die Montessori-Pädagogik näher bringen und so zeigen, wie wichtig es ist, Kinder zu verstehen. Hier möchte ich also nicht darüber schreiben, wie schwer mir der Alltag manchmal fällt, (auch wenn das, wie bei jedem anderen Menschen an manchen Tagen, der Fall ist), sondern über das KIND schreiben.
Aber nun zurück zum Titel.
Ab sofort geht es hier im Blog auch mit den Spielideen weiter, wobei ich mir die Freiheit nahm, eine simple 'Idee der Woche' daraus zu machen. Immerhin gibt es ja nicht nur tolle Spiele, sondern auch viele wunderbare andere Ideen.
Aber nun zurück zum Titel.
Ab sofort geht es hier im Blog auch mit den Spielideen weiter, wobei ich mir die Freiheit nahm, eine simple 'Idee der Woche' daraus zu machen. Immerhin gibt es ja nicht nur tolle Spiele, sondern auch viele wunderbare andere Ideen.
Die Idee diesmal: Sortieren. Wir sortieren ja alles mögliche im Alltag: Besteck, Kleidungsstücke, Teller und Becher, CDs und auch Bücher. Sortieren schafft Ordnung und Ordnung, ob innerlich oder äußerlich, ist ein Grundbedürfnis jedes Menschens. Sortieren gehört zum Alltag und somit auch zu den Übungen des praktischen Lebens nach Montessori.
Vorbereitung:
Ein Tablett in passender Größe (damit die Nüsse nicht allzu weit rollen können), 2-3-4 kleinere Schälchen und eine größere Schale mit gemischten Nüssen (oder Bohnen usw.).
Sie nahm die Nüsse einzelnd aus der großen Schale heraus und sortierte sie in den kleineren. Diese Sortierübung begann damit, dass sie nur die Cashewnüsse aus der großen Schale herausfischen wollte, als ich ihr aber die 3 kleineren Schälchen angeboten habe, fand sie recht viel Spaß daran, alle ähnlichen Nüsse in die selbe Schale zu legen. Zum Schluss kippte sie den Inhalt der kleinen Schälchen wieder in die Große und begann von vorne.
Sortieren kann man aber auch Besteck oder Haarspangen um die Feinmotorik und Sinneswahrnehmung zu schulen und ebenso kann man den Kleinen eine Zange oder eine größere Pinzette anbieten. Für noch größere Kinder sogar eine Augenbinde, mit der sie die kleinen Gegenstände nach Fingespitzengefühl sortieren können.
Vorbereitung:
Ein Tablett in passender Größe (damit die Nüsse nicht allzu weit rollen können), 2-3-4 kleinere Schälchen und eine größere Schale mit gemischten Nüssen (oder Bohnen usw.).
Sie nahm die Nüsse einzelnd aus der großen Schale heraus und sortierte sie in den kleineren. Diese Sortierübung begann damit, dass sie nur die Cashewnüsse aus der großen Schale herausfischen wollte, als ich ihr aber die 3 kleineren Schälchen angeboten habe, fand sie recht viel Spaß daran, alle ähnlichen Nüsse in die selbe Schale zu legen. Zum Schluss kippte sie den Inhalt der kleinen Schälchen wieder in die Große und begann von vorne.
Sortieren kann man aber auch Besteck oder Haarspangen um die Feinmotorik und Sinneswahrnehmung zu schulen und ebenso kann man den Kleinen eine Zange oder eine größere Pinzette anbieten. Für noch größere Kinder sogar eine Augenbinde, mit der sie die kleinen Gegenstände nach Fingespitzengefühl sortieren können.
Egal was ich Zuhause mache, Haushalt erledigen oder auf der Couch lesen, sie will dabei sein. Sie will einfach nur dort sein wo wir sind und mitmachen. Am allerliebsten genau das, was auch wir gerade machen und am besten gleich mit demselben Gegenstand.
Und genau das ist ihr Job. Für ein Kleinkind ist nichts wichtiger, als ihre unmittelbare Umwelt zu beobachten und kennenzulernen. Es möchte ein Teil seiner Kultur werden, sich die Sprache aneignen, verstehen wozu die Sachen im Alltag gut sind. Sie wollen die Welt, in der sie leben entdecken und alles was sie tagtäglich erleben in sich aufzusaugen. "Was ist ein Buch? Wozu ist es da und wie wird es benutzt? Was macht die Waschmaschine und wie schaltet man sie ein? Was genau machen meine Eltern in der Küche? Im Bad? Wie streiche ich Butter auf das Brot? Wie drehe ich diesen Deckel auf?"... Kein Spielzeug kann ein Kind in dem Alter so fesseln, wie das alltägliche Handeln der Menschen um sich herum und die Gegenstände, die sie dazu benutzen.
Und genau das ist ihr Job. Für ein Kleinkind ist nichts wichtiger, als ihre unmittelbare Umwelt zu beobachten und kennenzulernen. Es möchte ein Teil seiner Kultur werden, sich die Sprache aneignen, verstehen wozu die Sachen im Alltag gut sind. Sie wollen die Welt, in der sie leben entdecken und alles was sie tagtäglich erleben in sich aufzusaugen. "Was ist ein Buch? Wozu ist es da und wie wird es benutzt? Was macht die Waschmaschine und wie schaltet man sie ein? Was genau machen meine Eltern in der Küche? Im Bad? Wie streiche ich Butter auf das Brot? Wie drehe ich diesen Deckel auf?"... Kein Spielzeug kann ein Kind in dem Alter so fesseln, wie das alltägliche Handeln der Menschen um sich herum und die Gegenstände, die sie dazu benutzen.
Es ist ein Bedürfnis des menschlichen Geistes, die Welt, in der er geboren ist, zu verstehen. Es wundert mich also keineswegs, dass meine Tochter immer meine Nähe sucht, gerne über meine Schulter schaut wenn ich was mache oder es sogar auch machen will und lieber die Gegenstände bevorzugt, die auch im Alltag Gebrauch finden. Sie will ihre unmittelbare Umgebung entdecken und einfach nur dazugehören. Unaufhaltsam.
Eigentlich dachte ich früher nie darüber nach wenn ich mir die Nase putzte, wie großartig das doch ist, dass ich das ganz ohne Hilfe kann. Nun, als Mama mache ich das. Denn was wäre, wenn ich das nicht könnte, mir meine eigene Nase putzen? Wie würde es mir dabei gehen? Wenn ich mein T-Shirt nicht alleine anziehen oder meine Schuhe nicht ohne Hilfe ausziehen könnte? Und wie geht es unseren Kindern dabei, wenn sie etwas könnten ... es jedoch nicht tun können?
Zum Glück wollen früher oder später alle Kinder ihre Unabhängigkeit erringen. Aber auch wenn sie etwas noch nicht machen wollen, beobachten sie unsere Bewegungen aus den Augenwinkeln. Es ist also nicht egal, wie wir etwas machen. Viele für mich bereits automatisierte Bewegungen studiere ich an mir selbst sehr genau. Auch wenn es für manche amüsant wirkt, aber ja, ich beobachte mich ganz bewusst dabei, wie ich meine Socken anziehe, was ich dazu machen muss, um meine Schuhe auszuziehen und welche Hand was genau macht, wenn ich ein T-Shirt über meinen Kopf ziehe. Einerseits, weil sie mich dabei beobachtet, andererseits komme ich so
leichter drauf, wie ich ihr die Bewegung bei Bedarf am einfachsten
zeigen kann.
Doch solch alltägliche Aufgaben, wie das sich an- und ausziehen, erlernt man nicht von einem Tag auf den anderen. Es braucht viel Zeit, viel Übung und viel Geduld unsererseits. Und es bedarf auch viel Vorbereitung. Als sie anfing zu krabbeln, richteten wir ihre Wickelecke im Badezimmer auf dem Boden ein. Es war nicht nur sicherer, es war so auch um einiges einfacher. Als sie dann stehen und nicht viel später auch gehen konnte, fingen wir auf Rat einer Montessori-Pädagogin an, sie beim Stehen zu wickeln. Es hört sich nach viel Arbeit und Stress an, ist es aber nicht. So oft wie möglich beim Stehen zu wickeln ermöglicht den Kleinen beim An- und Ausziehen involviert zu sein. Sie können zusehen wie wir sie anziehen, abgesehen davon wissen wir doch, vieles macht die Gewohnheit aus.
Sich um die eigene Person zu sorgen ist eine unglaublich große Sache bei einem Kleinkind. Manche mögen diese Unabhängigkeit vielleicht viel früher erobern wollen als andere, dennoch sollen sie jederzeit die Möglichckeit haben, dies zu tun wenn sie soweit sind. Eine vorbereitete Umgebung kann überdies auch einladend wirken es auszuprobieren und dann auf den Geschmack zu kommen. Auch wenn dann etwas nicht mehr benötigt wird, wie bei uns der Waschtisch aus dem Badezimmer, findet sich immer eine neue Idee: wir machten aus dem Wasch- einen Frisiertisch.
Manchmal kommt sie aus der Kinderkrippe so nach Hause, dass sie die Strumpfhose oder Socke verkehrt herum an hat. Sie wird weder von den Kinderbetreuerinnen noch von uns korrigiert, denn es ist absolut unnötig. Sie selbst hat das Gefühl, dass da was nicht ganz passt, entweder gleich beim Anziehen oder halt dann später. Es ist wichtig, dass sie diese Erfahrungen selbst machen können. Denn aus diesen Erfahrungen lernen sie fürs Leben.
Und manchmal trauen sich die Kleinen einfach selbst was nicht zu. Bei uns ist dies so mit dem Treppen steigen, nachdem sie ein paar mal ausgerutscht und sich mies angehaut hat. Sie steigt zwar die Stufen alleine runter, hält sich aber am Gelände ganz fest und nimmt die Stufen sehr vorsichtig. Sie braucht unsere Ermutigung und Vertrauen in ihr Können ohne ihr selbst die Aufgabe abzunehmen.
Diese alltägliche Aufgaben, wie sich das Gesicht zu waschen, den Schal um den Hals wickeln zu können oder sich die Hände mit einer Salbe einzuschmieren sind keineswegs Kleinigkeiten. Dies sind ganz große Eroberungen die zur Unabhängigkeit und so zu Freiheit führen.
Natürlich sind Montessori-Materialien ästhetisch und qualitativ, aber auch sehr teuer. Doch heißt das nicht, dass Kinder auf die Übungen und auf das Entdecken gänzlich verzichten müssen, man kann Montessori auch aus dem machen, was man zu Hause eben anfindet.
Meine Kleine bekam bereits vor einem Jahr dieses Angel-Magnet-Spiel. Damals konnte sie damit noch nichts anfangen, jetzt mag sie es aber sehr gerne. Magnete sind sowieso spannend für Kinder, also warum nicht adaptieren und statt der Pappfische, kleine Gegenstände aus unterschiedlichen Materialien zum Angeln anbieten? Mal sehen, welche vom Magnet überhaupt angezogen werden.

Sie liebt diese Karten aus meinem Portemonnaie, auf welchen man in diversen Geschäften beim Einkauf Punkte sammeln oder Rabatte bekommen kann. Sie versteckt sie immer in kleine Schlitze, zwischen Regalen und Büchern oder in kleinen Taschen. Im Abstellraum fand ich eine kleine Schachtel und schnitt eine extrem dünne Spalte mit dem Stanley-Messer in eine Seite. Sie steckte nicht nur die Karten voller Elan rein, auch die Schachtel zu öffnen um wieder an die Karten heranzukommen bereitete ihr viel Freude.

Solche Boxen kann man auch für Münzen machen. Dazu eignen sich auch Sparschweine gut, wobei ich bemerkte, je kleiner und Dünner etwas ist, umso größer die Herausforderung für die winzigen Hände diese irgendwo hineinzustecken. In dem Deckel einer leeren und ausgewaschenen Tablettendose schnitt ich eine, genau für ein 5 Centstück passende Öffnung, da diese die größte Münze in der Schale war. Auch der Schraubdeckel, um wieder an die Münzen heranzukommen, ist eine tolle Übungsmöglichkeit für die gar nicht so einfache Handbewegung.
Unsere selbstgemachte Sensorikbox für noch kleinere Hände findet ihr hier.
Auch Sinnesmaterialien kann man mit einfachen Mitteln herstellen. Sie werden zwar nicht ganz so toll funktionieren, wie die Originale, aber doch können sie den Kleinen ganz schön viel bieten. Auch unsere Geräuschedosen sind "homemade" und klingen je nach Füllmaterial ganz unterschiedlich. Leider geht allerdings die Lautstärke bei diesen Salbendosen verloren, nicht so bei der Holzversion.
Ebenso kann man auch Geruchsdosen selbst basteln.
Man findet im Haushalt auch leere Nasentropfenfläschchen deren Pipetten sich, gut ausgespült, wunderbar für feine Arbeit eignen. Dazu zwei kleine identische Schalen und Wasser mit ein wenig Lebensmittelfarbe um genauer sehen zu können, was da passiert, wenn man die Pipette nach oben zieht.
Aus leeren Küchenrollen oder aus Kartonpapier sowie Papierkleber und kleinen Bällchen lässt sich auch im Handumdrehen eine spannende Kugelbahn an die Wand zaubern.
Auch einfache Puzzlespiele lassen sich aus Filzstift und Kartonpapier anfertigen, man braucht dazu nur noch ein paar Gegenstände aus Bad, Küche oder Wohnzimmer.
In der Küche und im Abstellraum fand ich diese Behälter mit diversen Verschlüssen: Zum Stecken, zum Schrauben, zum Aufklappen und zum Fädeln. Zu jedem Verschluss müssen die kleinen Finger ganz andere Bewegungen tätigen um diese auf und zu zu bekommen. Die Dosen und Gläser habe ich auf ein Tablett gestellt, die Deckel in einen Korb daneben. Ich habe ihr gar nicht gezeigt, welche Deckel wie funktionieren. Die Devise heißt hier: selbst entdecken durch Probieren und dann üben.
Aus leeren Küchenrollen oder aus Kartonpapier sowie Papierkleber und kleinen Bällchen lässt sich auch im Handumdrehen eine spannende Kugelbahn an die Wand zaubern.
Auch einfache Puzzlespiele lassen sich aus Filzstift und Kartonpapier anfertigen, man braucht dazu nur noch ein paar Gegenstände aus Bad, Küche oder Wohnzimmer.
In der Küche und im Abstellraum fand ich diese Behälter mit diversen Verschlüssen: Zum Stecken, zum Schrauben, zum Aufklappen und zum Fädeln. Zu jedem Verschluss müssen die kleinen Finger ganz andere Bewegungen tätigen um diese auf und zu zu bekommen. Die Dosen und Gläser habe ich auf ein Tablett gestellt, die Deckel in einen Korb daneben. Ich habe ihr gar nicht gezeigt, welche Deckel wie funktionieren. Die Devise heißt hier: selbst entdecken durch Probieren und dann üben.
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