Bevor Julia auf die Welt kam und auch in ihren ersten 7 Lebensmonaten war ich der Meinung, alle Ecken müssen mit einem Eckschutz gesichert, alle Teppiche rutschsicher gemacht werden, sofort muss Emaille- und Melamingeschirr für die Kleine besorgt werden, ebenso Plastiklöffel, auf jedem Schrank ein Sicherheitsschloss montiert werden. Sie soll ihren Hochstuhl nicht verschieben können, ihre Möbel sollen so schwer sein, dass sie ja nicht hinfallen.

Also, ich schockiere Euch jetzt.
Wahrscheinlich denkt ihr sogar, ich sei unverantwortlich, verrückt und eine Rabenmutter, aber abgesehen von ein paar Schrankschlössern (genau gesagt von 2en: Biomüll und Reinigungszeug) und Steckdosensicherungen sowie einen Gitterzaun vor der Treppe (allerdings nicht montiert!), habe ich von all dem nichts im Gebrauch. Keine Ecksicherungen, keinen Rutschstopp unter dem Teppich, das Melamingeschirr ist auf gutes Keramik und Glas, der Plastiklöffel in einen normalen Silberlöffel ausgetauscht worden. Auch die Möbel (alle in ihrer Größe, also nicht die hohen Schränke) sind leicht beweglich, sodass sie sie schieben und heben kann. Und ja, sie können auch umfallen.

Wie bitte?
Das Geschirr kann ja zerbrechen, die Ecken können wehtun, der Teppich könnte gefährlich sein, und die Stühle und andere Möbelstücke quietschen und machen brr und drr wenn man sie herumschiebt und können immer wieder umkippen. Samt Kind!


Das stimmt. Aber betrachten wir es mal so: In einem Haus, in dem das Kind nie achtsam sein muss wenn alles in seiner Umgebung gesichert und unzerbrechlich ist, fällt es um viele notwendige Erfahrungen um und in seinem Leben würde immer etwas fehlen. Wenn wir zerbrechliche Gegenstände vom Kind fernhalten, wie soll es dann den Umgang damit lernen? Diese Gedanke von Montessori fefällt mir ausgesprochen gut.

Das Geschirr zerbricht, und so merkt meine Maus, dass es Dinge gibt, die schneller kaputt gehen, als andere. Auf diese muss man eben besser aufpassen. Die scharfe Kanten tun weh - so merkt meine Kleine, dass sie achtsamer sein muss und ihre Bewegungen geordneter. Der Teppich rutscht weg - so merkt meine Kleine, dass sie dort eben keinen guten Halt hat. Die kleinen Möbelstücke machen brr un drr, wenn sie sie schiebt - so merkt sie, dass sie ihre Bewegungen noch besser in Acht nehmen muss.

Montessori meinte mit einer "vorbereiteten Umgebung" nicht, dass das Kind in Watte gehüllt werden soll. Im Gegenteil: Der kleine Mensch braucht eine Umgebung, wo er (unter unserer Beobachtung) alles alleine machen kann und somit die eigenen Erfahrungen sammeln kann.

So lange der Schnee noch liegt, müssen wir ja ihn genießen: Also haben wir den Schlitten geschliffen und beladen :)


Die Grand Dame hat ihre Sänfte sichtlich genossen....
Selbstständig die Jacke anziehen, zuknöpfen, ganz alleine die Hände waschen und abtrocknen, Zähneputzen, sich kämmen, einen Becher alleine tragen, ohne ihn fallen zu lassen oder den Inhalt zu verschütten, all diese alltäglichen Bewegungen verlangen nach der Beherrschung gewisser feinmotorischen Fähigkeiten. Montessori meint, den richtigen Zeitpunkt, wann die Kinder diese Bewegungen üben wollen (sie nennt sie "sensible Phasen"), erkennt man durch genaue Beobachtung.

Heute habe ich bemerkt, wie Julchen ihren kleinen Korb aufmacht, etwas hineintut, die Schachtel wieder zumacht und das ganze zigmal wiederholt. Sogar mit ihrer Jausenbox: aufmachen, Brot raus, Box wieder zu. Sie übt die Bewegung und trainiert ihre Feinmotorik. Was tun also, wenn die Matroschka ganz alleine ist, ohne ihre immer kleiner werdende Verwandschaft?


Na gut,  mit den wunderschönen russischen Souvenierpuppen kann man diese Schachteln nicht unbedingt vergleichen, aber zum Üben von Aufmachen, Hineinstecken und wieder Zumachen ist es ja doch perfekt geeignet. Abgesehen davon im Handumdrehen hergestellt, aus nur zwei Schuhschachteln und einer kleineren, die hineinpasst. 

Man sieht, aus einfachen Schuhschachteln oder Pappkartons kann man super tolle Übungsmaterialien und Spielsachen herstellen. Eine weitere tolle Idee, was man so aus einer Pappkiste im Handumdrehen machen kann, findet ihr auf Sinaa's Blog, genau hier.

Noch welche Ideen?


Maria Montessori spricht von einer nachhaltigen Erziehung zur Verantwortung für die „Eine Welt“ und für die nachfolgenden Generationen.
Eigentlich einleuchtend: Wenn das Globale nicht wahrgenommen wird, fehlt auch die Verantwortung sowie die Solidarität für andere Kulturen. Mir ist es sehr wichtig, meiner Maus schon von Anfang an fremde Kulturen zugänglich zu machen, damit sie ein Verständnis für diese entwickeln kann. 

Umso mehr freue ich mich, diese schöne Matroschka-Puppe bei den Schwiegereltern gefunden zu haben. Die Matroschka ist aber nicht in Russland geboren, wie viele denken würden. Sie wurde erst in Japan angefertigt und trug den Namen Fukurokuju (wie bitte?). Erst Ende des 19. Jahrhunderts hat sie den Weg nach Russland gefunden. 

Leider habe ich nur diese eine, ohne ihre "verschachtelte Familie". Momentan reicht das allerdings völlig aus. Auch so kann man mit ihr viel Spaß haben: Das Auseinandernehmen und wieder Zusammenstecken ist eine echte Herausforderung für meine Kleine. Sie übt immer wieder die zwei Hälften zusammenzustecken, mal steckt sie die Matroschka in ein Körbchen, mal schleppt sie die eine Hälfte durch die Gegend. Sie untersucht die handbemalten Blumen auf dem "Rock" der Puppe oder rollt sie auf dem Parkett und beobachtet, wie sie zum Stillstand kommt. 


Wenn keine Gefahr für die ganz kleinen Puppen mehr besteht, verschlungen zu werden, werde ich Julia eine richtige Garnitur besorgen. Die Matroschka ist ja doch ein wirklich schönes Spielzeug, oder?
Gestern habe ich endlich den Film anschauen können, den ich schon vor ein paar Wochen aufgenommen habe. Vielleicht kennt Ihr den Film bereits? Er heißt: Babys von Thomas Balmès.

Der Film ist "ein sprachlos-subtiler Kommentar zum Stand unserer Globalisierung". Vier Babys aus vier völlig unterschiedlichen Kulturen werden im ersten Lebensjahr auf ihren Weg von der Geburt bis zu ihren ersten selbstständigen Schritten begleitet. Die Darsteller sind: Mari aus Japan, Bayar aus der Mongolei, Hattie aus San Francisco und Ponijao aus Namibia in Afrika. Hier der offizielle Trailer zum Film.


Obwohl mich die süßen Babys oft zum Lachen gebracht haben, war ich nach dem Film einfach nur paff. Wie viele Tage ich mich bereits mit Fragen über das Stillen, Wickeln, Pflegen oder Füttern meiner Tochter gequält habe, und da sehe ich Mütter, für die diese Sachen gar kein Thema sind. 

Denn in Namibia oder in der Einöde der Mongolei gibt es weder Stillkissen, weder Windeln, noch Schnuller. Dass die Babys, die dort auf die Welt kommen sowieso gestillt werden, muss ich gar nicht erst betonen. Der kleine Ponijao aus Namibia hat ganz andere Spielsachen, als wir sie kennen. Er spielt mit Steinen, mit dem Sand, mit alten Knochen, mit den Haaren oder den Halsketten seiner Mutter oder mit anderen Kindern. Und er lernt sich irrsinnig schnell anzupassen. Bayar aus der Mongolei, der unter ähnlichen nomadischen Verhältnissen aufwächst, wie Ponijao, wird gleich nach seiner Geburt, in raue Decken fest eingepuckt, samt Bruder, Papa und Mama auf der Rückbank eines krachenden Motorrads in die Pampa der Mongolei zu einer Jurta nachhause gebracht. Wie diese Mütter ganz ohne Windeln zurechtkommen, ist für mich ein Rätsel und sie haben meine volle Bewunderung.

Ähnlich wie die Mädchen aus San Francisco und aus Japan, leben auch wir in einer hoch industrialisierten Welt. Supermarkt, Handy, Laptop, Fernseher und noch vieles mehr sind für uns schon normal. Da ich auch nichts anderes kenne, könnte ich mir auch nicht vorstellen, in der Einöde oder in einem Busch zu leben. Aber mache ich mir nicht eindeutig zu viele Gedanken darüber, ob mein Kind alles hat? Mache ich mir nicht zu viele Gedanken über das Zufüttern und Stillen? Mache ich mir nicht unnötige Sorgen darüber, ob es sich verkühlt?

Jedem, der sich mit ähnlichen oder denselben Fragen quält, wie ich, ist dieser Film eine Befreiung. Ihr müsst ihn unbedingt mal gesehen haben!

P.S.: Ja, ich habe das Cover meines Blogs etwas geändert. Das alte war zu "süß", das vorherige zu rosa. Wollte was ganz schlichtes, hoffentlich ist es mir gelungen.
Montessori betont es immer wieder in ihren Werken, wie wichtig sie die Bewegungsfreiheit findet. Denn Kinder lernen durch ihr eigenes Tun, ganz besonders die noch ganz kleinen Kinder, aber auch größere, ja sogar die Erwachsenen. Man sollte Kindern also so viel Bewegungsfreiheit erlauben, wie nur möglich. Dazu müssen wir ihnen natürlich eine sichere, kinderfreundliche Umgebung schaffen, in der sie dann den Alltag erforschen können, so Montessori.

Nun, meine Kleine krabbelt den ganzen Tag. Unglaublich, wie viel Energie solche kleinen Menschen haben können. (Nicht so wie ich.)
Sie krabbelt überall hin, wurde ein Ort einmal genau untersucht, wird ein neuer aufgesucht oder die Treppe erklommen.  So ganz unsportlich bin ich ja nicht, aber neben ihr komme ich ganz schön aus der Puste.


Sie hat sichtlich ganz großen Spaß an der Bewegung. Auch am Krabbeln selbt. Manchmal "singt" sie dabei und hat ein breites Lächeln im Gesicht, oder sie krabbelt einfach ohne bestimmtem Ziel (zumindest macht es den Eindruck) los.
Krabbeln, krabbeln, krabbeln! Dann natürlich überall rüber- und auf alles raufklettern, sich an allen Möbeln hochziehen, alles Bewegliches bewegen, ziehen, schieben, heben, schmeißen...
...oder auseinandernehmen um es genau zu untersuchen.

Unsere Sicherheitsvorkehrungen:
  • abgedeckte Steckdosen
  • Absperrgitter an der Treppe montiert (nur mit uns darf sie die Treppe hochklettern)
  • gesicherter Kabelsalat
  • entfernte Zimmerpflanzen
  • kindersicher versperrbare Schubladen und Schränke (wie z.B. Biomüll)
  • immer zugesperrte Türen (wie z.B. die vom Abstellraum)
Natürlich erkundet sie alles unter unserer Aufsicht, trotz Sicherheitsvorkehrungen. Dass sie hinfällt oder sich etwas wehtut ist weniger meiner Sorge, denn ja, wenn sie sich nicht geschickt festhält, kann sie aus dem Gleichgewicht geraten und hinfallen. Diese Erfahrung nehme ich ihr nicht weg, wie soll sie sonst lernen, sich geschickter anzuhalten oder den Gleichgewichtssinn zu schärfen?
Trotzdem könnte die Wohnung noch kleine Teile beherbergen bei denen Erstickungsgefahr besteht. Noch nimmt sie ja alles in dem Mund was für sie interessant aussieht.

Meine kleine Abenteurerin...
Schon seit geraumer Zeit beschäftigt mich ein Thema: Stoffwindeln. 
Nachdem ich dieses Video (ARTE, 52'13'') gesehen habe, bin ich endgültig überzeugt: Ich muss wechseln! Nach 11 Monaten stinkendem Windeleimer und umweltbelastenden Einwegwindeln reicht es mir, ich möchte auf die Stoffwindeln wechseln.

Ein wenig nachgerechnet habe ich auch:

1. Anschaffung 

(Preisquellen: Pampers bei Bipa, BumGenius One -Size Pocket Windel bei Amazon.de)

2. Wasser und Strom:

Also, da könnte ich richtig viel Geld einsparen. Bleibt aber die Frage, ob ich mit den Stoffwindeln nicht enorm viel Strom und Wasser zahlen muss? Da dann, sehen wir mal:

Wenn ich die Windeln alle 3 Tage wasche, sind das im Jahr ca. 121 Waschgänge. Bei unserer Waschmaschine beträgt der  Stromverbrauch/Waschgang (bei 60°C) 0,8 kWh. In Wien kostet 1 kWh Strom zurzeit 8,34c (= € 0,0834). 121 x 0,8 x 8,34 sind 807,312 Cent. Also würde ich im Jahr nur  € 8,10 Strom für die Windelwäsche zahlen.

Pro Waschgang braucht die Waschmaschine ca. 40 Liter Wasser. Der Preis in Wien pro Kubikmeter ist € 1,73. Dann rechnen wir mal: (40 x 121 x 1,73) / 1000 = 8,3732, gerundet auf die Zehntelstelle: € 8,40 Wasser/Jahr.

Oho! Überzeugt!

BumGenius wird gleich ausgetestet. Soeben bestellt!
Eines meiner Lieblingsbücher ist Kinder fördern nach Montessori von Tim Seldin. 

Das Buch ist einfach zu lesen und wegen der schönen Fotos verweilen die Augen gerne auf den Seiten. Es zeigt wie man Montessori im Alltag von der Geburt an anwenden kann. Auch Zuhause in den eigenen vier Wänden, aber auch in der Natur, in der Gesellschaft oder in der Schule. 


Warum es mir so gefällt?

Weil der Text aktuell, einfach, sympathisch geschrieben und logisch erklärt ist. Weil die Bilder schön und vielsagend sind und nicht zuletzt: wirklich tolle Tipps verraten.

Viele denken, die Montessori-Pädagogik sei sehr alternativ. Dabei geht es nur darum, den Kindern wahre Werte zu zeigen. So lernen sie die Natur, das Leben und die Ökosysteme zu schätzen, haben Spaß am Lernen und Freude beim Mithelfen im Haushalt. Sie lernen Selbstständigkeit, auf ihre eigenen Sachen und auf die der anderen aufzupassen, sie lernen, wie man höflich und hilfsbereit ist. Durch diese Pädagogik werden sie starke, selbstbewusste und freie Menschen. Klingt doch gut, oder?

Was wir als Eltern tun können, um aus unseren Kinder solche Persönlichkeiten zu formen, genau das zeigt dieses Buch. Ohne seitenlange trockene Theorien, ohne "chinesische" Zeichen (es sei denn, ihr liest die chinesische Ausgabe). Auch für die verständlich, die das erste Mal über Montessori-Pädagogik lesen.

Es ist seinen Preis auf jeden Fall wert!