20.07.2014

Der Einkauf mit einem 2,5 jährigen Kind

 
Einkaufen gehört zu unserem Alltag. Meistens gehen wir gemeinsam einkaufen, zu dritt oder zu zweit, denn für uns war es wichtig, dass Julia auch in diesem Teil unseres Alltags aktiv miteinbezogen wird. Einfach ist es allerdings nicht immer. Es gibt Tage, wo ich mitten im Supermarkt beruhigende Atemübungen durchführen muss um nicht "auszuzucken".

Es sind diese Momente, in denen sie sich den Einkaufswagen schnappt und davonläuft, kreischend und lachend in der Hoffnung, dass ich ihr hinterhereile und wir zwischen den Regalen Fangen spielen können. Oder diese, wo sie, egal was ich zu ihr sage, mit einem lauten "Neiiiiin!" antwortet. Es sei denn, es geht um ihren geliebten Kakao. Wenn man es gerade eilig hat oder mal nach 17.00 einkaufen gehen muss und das in einer Großstadt, dann bringen mich diese Momente ganz schön ins Schwitzen.


Und dennoch finde ich viele andere Gründe, warum ich trotz solcher Situationen das gemeinsame Einkaufen befürworte. Sie schaut gerne alles an, Obst und Gemüse werden gelegentlich sogar beschnuppert. Und ich lasse sie das auch in aller Ruhe machen. Sie will ja doch nur das, was sie sieht, auch mit den Händen und anderen Sinnen wahrnehmen, danach legt sie alles wieder zurück. Oft bekommt sie dadurch auch Gusto auf etwas bestimmtes und bittet mich, ein Stück davon zu kaufen. Heute war es zum Beispiel eine einzige Tomate.


Sie schaut sich alles an und fragt immer wieder, wie die Produkte heißen und wozu sie gut sind. Dabei merke ich immer wieder, wie interessiert sie eigentlich an Allem ist. An Allem, was sie umgibt.


Es mag vielleicht seltsam klingen, aber ich bin mir absolut sicher: sie liebt das Gefühl des Sich-Orientieren-Könnens. Jeder fühlt sich doch dabei (selbst)sicherer, wenn er weiß, wo er sich befindet und andere Sachen finden kann! Egal, ob in einer fremden Stadt, auf einem Flughafen oder einfach nur in einem Supermarkt. Mittlerweile kennt sie unseren Supermarkt um die Ecke in- und auswendig und wenn ich dann zu ihr sage, ich brauche noch Nudeln, dann weiß sie haargenau bei welchem Regal sie abbiegen muss.

Oft bitte ich sie sogar mir noch eine Butter oder eine Milch zu nehmen und in den kleinen Einkaufswagen zu legen. Alles Waren, die in ihrer Augenhöhe sind und die sie sehr gut kennt. Ich liebe diese Freude, die diese einfache Aufgabe auf ihr Gesicht zaubert. Bei der Milch erzählt sie dann oft von unserem Bauernhofurlaub, von den Kühen die gemolken wurden und von denen letztendlich diese Milch kommt.


Wenn sie die Gummibärchen sieht, versucht sie jedes Mal ihr Glück und fragt, ob sie welche haben darf. Das geht natürlich nicht immer. Ihre Frage beantworte ich dann mit einem ruhigen "Ich will heute keine Gummibärchen kaufen". Wenn sie etwas wirklich, wirklich, wirklich haben will, dann bitte ich sie, nur eine Ware auszusuchen was oft bedeutet, dass sie ihren kleinen Kakao zurücklegen muss. Erstaunlicherweiße klappte das bisher wirklich gut.

Bei der Kassa legen wir die Waren gemeinsam auf das Förderband und sie wartet erstaunlich geduldig, dass wir an die Reihe kommen. Vor 10 Monaten musste ich sie bei dieser Stelle auf den Arm nehmen damit sie nicht davonrennt. Aber heute kennt sie den Ablauf ziemlich gut. Nach dem Bezahlen wird der Einkauf gemeinsam weggeräumt, der Kakao oder die Gummibärchen sofort beschlagnahmt und verschlungen.


Den Einkaufswagen bedient sie mittlerweile absolut selbstständig und ich weiß, dass sie das ein ganzes Stück Arbeit gekostet hat. Sie lässt sich ihren Stolz aber nicht durch unsere Hilfe nehmen und will das bei jedem Einkauf selbst machen.

Wie gesagt, es gab schon mühsamere Einkaufsaktionen, aber danach wusste ich, ich hätte sie an dem Tag besser einschätzen sollen. Aber der gemeinsame Einkauf bereichert sie auch gewaltig, sie lernt neue Wörter, sie lernt sich zu orientieren, sich anzupassen und den Ablauf. Und ich hoffe, dass sie dadurch auch einen gesunden Bezug zum Geld bekommt. Das ist mir die Mühe wert. Und eines sind die Einkäufe seitdem ganz sicher nicht: sie sind kein bisschen langweilig.

Kommentare:

  1. Wir gehen ja immer gemeinsam einkaufen und für Lotte gehört es mittlerweile ganz selbstverständlich zu ihrem Alltag dazu.

    Gerade Läden, die besonders kinderfreundlich eingerichtet sind machen Einkaufen zu einem echten Erlebnis und mittlerweile sind wir mit fast allen Verkäufern beim Du ;-)

    LG
    Saskia

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  2. ich kann dir nur Recht geben. Ich war mit meiner 2-jährigen auch das erste mal einkaufen. Bei DM, da gibt es diese Kindereinkaufswagen. Es ist so entspannend. Blöd finde ich nur dass manche Leute dann meinen es besser wissen zu müssen und mich als "mutig" bezeichnen wenn ich sage, ich lasse mein Kind "laufen". Die meisten finden es süß wenn sie mit dem Ding unterwegs ist und auch an der Kasse, aber es gibt leider auch genug Menschen die nicht über den Tellerrand gucken wollen. Sie sind dann der Auffassung, Kinder gehören an die Hand, dürfen nix sagen, nix anfassen und müssen immer still hinter einem her laufen, am Rockzippfel hängen wenn man sie schon nicht an der Hand hat. Eine ältere Dame versperrte meiner damals 2 jährigen Tochter den Weg nach Draußen als sie wenige Schritte vor mir den Laden verlassen wollte(wir waren fertig mit bezahlen und einpacken und ich war mit dem Buggy, den ich gerne als Bollerwagen benutzte, nicht weit weg. Ja, draußen ist eine viel befahrende Straße. Ich kenne mein Kind und traue ihr zu sich selbst zu vertrauen und sich selbst einzuschätzen. Ich laufe ja nicht das Erste mal mit ihr da "frei" herum.

    Lg

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    1. Hallo Cat,

      du hast Recht, du kennst dein Kind. Nur, die ältere Dame kennt sie nicht. Und es gibt genug Kinder, die einfach raus auf die Straße laufen würden und nicht an der Straße stehen bleiben würden. Ich wäre ehrlich gesagt froh, wenn jemand so aufmerksam ist, dass er das Kind anhält, bevor es rausrennt. Vielleicht hat sie ja einfach nicht gesehen, dass du direkt dahinter kommst? Es gibt genug Leute, denen das schnurzpiepegal ist...

      Zum Einkaufen gehe ich auch total gerne mit meinem Kleinen. Er liebt es Sachen in den Einkaufswagen zu legen. Beim Bezahlen etc. sind wir allerdings noch nicht angekommen. Früher gab es doch mal diese Kindereinkaufswagen mit Fähnchen, warum gibt es die eigentlich nicht mehr? Dann müsste man sich nicht immer bücken, wenn es mit dem Wagen schieben noch nicht so richtig klappt...

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  3. Liebe Anna,
    vielen Dank für Deinen Erfahrungsbericht. Ich finde es immer wieder inspirierend zu lesen, wie Du Julia in den Alltag einbeziehst und oft gibt es mir selbst den Ansporn, meine Trägheit zu überwinden und meine Tochter aktiv einzubeziehen.
    Ich ertappe mich dabei, dass ich schnell Ausreden erfinde um mich nicht mit den mühsamen Seiten des Erkundens auseinander setzen zu müssen, wie den Einkaufskorb voller Dinge, die ich nicht kaufen möchte oder einer Wand, die mit Malstiften verziert wurde.
    Wie schaffst Du es, die Gelassenheit zu bewahren, wenn Julia erkundet? Oder wenn sie mit Wachsmalstiften Deine Bücher verziert? Reicht es bei Dir aus, Dich daran zu erinnern, dass es zum Kleinkind-Sein dazu gehört? Hast Du weitere praktische Tipps (Atemübungen u.ä.)? Einen Beitrag dazu fände ich sehr hilfreich.

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  4. Das kenne ich! Pauline (22 Mon) war von Anfang an beim Einkaufen mit dabei und freut sich immer sehr darauf. Am liebsten fährt sie zu unserem Bioladen. Kein Wunder, denn da kaufe ich auch am liebsten ein. Sie hat dort schon ihre Routine (Gemüseabteilung - Möhre mopsen - Holzhocker vor den Eiern wegschleppen - bei der Milch dann Pause auf dem Hocker - Hocker ordentlich zurückstellen - Käse kosten, Möhre auf's Band legen und ab in die Spielecke).
    Alle Mitarbeiter freuen sich über sie.
    Bisher kann ich die Anzahl stressiger Einkäufe an einer Hand abzählen und da war ich meist vorher schon angespannt ;-)
    Liebe Grüße
    Julia mit Pauline

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  5. Ähmm, Urlaub auf dem Bauernhof wäre fein, das hätte ich auch gerne mal. Kannst du uns da einen Bauernhof empfehlen?

    Danke, LG!

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