01.07.2016

Montessori für zu Hause - ein praktischer Leitfaden (2)


"Das Beste was wir für unsere Kinder tun können, ist, ihnen eine wunderschöne Umgebung vorzubereiten, die besten Materialien zur Verfügung stellen und ihnen dann aus dem Weg gehen." - Susan Mayclin Stephenson

Um das Kinderzimmer zu Hause nach Montessori zu gestalten, braucht es weder viel Geld, noch besonders viel Platz, ja nicht einmal die berühmten Montessori-Materialien selbst. Von letzteren gibt es zwar einige wenige, die ich auch für zu Hause empfehlen kann, aber die meisten gehören in die Montessori-Einrichtungen und letzten Endes machen nicht diese das Kinderzimmer zu Hause "montessorisch". Allerdings lässt sich vieles anderes aus den Montessori-Häusern wunderbar auch im Kinderzimmer umsetzen. Daher lege ich eher Wert darauf, das Zimmer gemütlich und einladend aber auch simpel und übersichtlich zu gestalten. Es sollte meiner Tochter Selbstständigkeit ermöglichen, praktisch sein sowie ihren Interessen, ihrer Körpergröße und ihrem Alter angepasst sein.

Spielregal
Spielsachen und Materialien stehen in Körbchen, Tabletts und Holzschälchen sortiert auf einem offenen Regal. Diese Übersichtlichkeit hilft ihr enorm! Nicht nur, weil sie so mit nur einem Blick sehen kann, welche Auswahl ihr zur Verfügung steht, sondern weil dies einen Sinn für Wertschätzung schöner Dinge vermittelt und gleichzeitig einen Sinn für Ordnung weckt, so dass sie ihre Spielsachen nachher selbst einfach wieder wegräumen kann.


Als sie noch um einiges jünger und dementsprechend kleiner war, stand in ihrem Zimmer ein viel niedrigeres LAIVA Regal vom Möbelschweden, das für sie in der richtigen Höhe war und wo nicht allzu viele Spielsachen Platz hatten. Damals räumten wir meistens gemeinsam alles wieder weg oder manchmal auch nur ich alleine. Wenn ich dann merkte, dass das Wegräumen sogar mir zu lang und mühsam wurde, reduzierte ich ihre Spielsachen erheblich.

Als sie jedoch wuchs, wuchs auch ihr Spielregal mit ihr mit, so dass sie heute dieses hier in ihrem Zimmer stehen hat. Es gibt viele offene Regale, die sich wunderbar für solche Spielkörbchen eignen. Ich persönlich bevorzuge solche, auf denen mehrere Spielkörbchen nebeneinander Platz  haben, so dass die Körbchen mit den Händen gut ergreifbar sind und vor allem solche, die die passende Höhe haben, so dass Kinder wirklich zu allem, was darauf steht, freien Zugang haben. Auch was das Wegräumen betrifft, räume ich nur noch ganz selten hier auf, normalerweise macht sie das. 

In Sachen Spielsachen ist es mir besonders wichtig, ihr sorgsam Hergestelltes und Sinnvolles anzubieten,  das sie zur Aktivität und Kreativität anregt. Mehr dazu schrieb ich in diesem Beitrag.


Wenn Geschwister sich ein Zimmer teilen, denke ich, hängt vieles vom Alter der Kinder ab. Wenn eines der Kinder jünger als 18-20 Monate ist, würde ich ihm separat noch ein eigenes, niedrigeres Regal mit nur einigen wenigen Spielsachen anbieten. Wenn es im Zimmer auch so zu "eng" wird, das Spielregal des Jüngeren (und Spielsachen, die gemeinsam bespielt werden,) für den Anfang eventuell ins Wohnzimmer verlagern.


Aus der gleichen Serie, nur etwas niedriger, ist ihr Regal für Kunstmaterialien und ihren CD-Player, den ich noch vor Jahren beim Hofer (Aldi) ergattert habe und den sie wunderbar alleine bedienen kann. Ihre CDs stecken auf einer kleinen CD-Spindel gleich daneben.

Arbeits- und Spielbereiche
Neben ihrem Regal mit den Kunstmaterialien steht ihr Schreibtisch wo sie bequem basteln und werken kann. Tisch und Stühle in passender Höhe sind mir besonders wichtig, damit sie eine gute Haltung entwickeln kann. Aus dem Grund hatte sie früher als Schreibtisch einen niedrigeren Couchtisch und einen Sessel mit abgesägten Beinen. Was sich jedoch bis heute nicht geändert hat, ist ihr Wunsch nach einer Tischdekoration. Diesmal: eine wunderschöne, rosarote Blüte des Kurkuma.


Neben dem Spielregal stehen ihr in einem großen Korb unterschiedliche Tischunterlagen und - da sie auch liebend gerne auf dem Boden arbeitet - zwei kleine, rutschfeste Teppiche griffbereit.


Ihre Arbeiten aus dem Kinderhaus, oder die, welche sie zu Hause zeichnet und bastelt und ihr lieb sind, sammelt sie in einer Türaufbewahrung mit vielen kleinen Fächern. 

Sie hat auch diesen kleinen Tisch in ihrem Zimmer stehen, den ich so wie auch ihren Frisiertisch, selbst weiß lasiert habe. Es ist ihr Naturtisch wo zurzeit ihre Lupe, ihr Fernglas, Gesammeltes aus der Natur und demnächst auch ihr Mikroskop seinen Platz finden wird.


Das Bett
Als Kleinkind hatte sie als Bett eine Matratze auf dem Boden liegen, wo sie problemlos hinein- und wieder hinauskrabbeln konnte und auch beim Schlafen viel Bewegungsfreiheit hatte. Als sie zirka 2,5 Jahre alt wurde, diente bei uns das Bodenbett aus und wir tauschten es auf ein einfaches Kinderbett um.



Kleiderschrank
In der alten Wohnung hatte sie ihre Klamotten in einem Einbauschrank, denn in ihrem kleinen Zimmer mit gerade mal 6 Quadratmedern gab es keinen Platz für so große Möbelstücke. Nun bekam sie ihren eigenen Kleiderschrank, endlich auch mit einer Kleiderstange. So ist es viel leichter für sie, sich etwas zum Anziehen auszusuchen oder ihr Gewand wieder zurück zu hängen. Kurze Hosen und T-Shirts kamen jeweils in Körbchen. Ich achte darauf, dass wirklich nur solche Klamotten im Schrank sind, die gerade zur Jahreszeit passen. Wie auch damals, klebte ich kleine Bilder auf die Körbchen und über die Stange, damit sie sich besser orientieren und Ordnung halten kann. Einige unserer Bilder für den Kleiderschrank könnt ihr gerne hier herunterladen.


Wenn ich das Kinderzimmer einrichte oder umgestalte, achte ich immer darauf, es aus der Augenhöhe meines Kindes zu betrachten. Ist das Zimmer auch aus dieser Höhe schön, so dass es sich hier wohlfühlen lässt? Ist es übersichtlich genug, so dass sich mein Kind zurecht finden kann? Ist das Zimmer auch praktisch, so dass es alles ohne Hilfe erreichen und nutzen kann? Mir war es wichtig, dass meine Tochter auch als Kleinkind die Türklinge, Schranktür und auch den Lichtschalter ohne meine Hilfe erreichen konnte, also stellte ich damals einen kleinen Tritthocker unter den Lichtschalter und band gut greifbare Schnüre an Schrank- und Zimmertüren. Heute sind diese natürlich nicht mehr notwendig und daher auch nicht mehr in ihrem Zimmer vorhanden.


Bücher
Ihre kleine Leseecke. Diesen hellen und gemütlichen Platz nutzt sie aber nicht nur um ihre Bücher anzuschauen, sondern auch um Musik zu hören und um Handarbeiten zu machen, wie Sticken oder Stricken, alles ebenso gleich greifbar auf ihrem Regal. Sie hat auch eine Leseecke im Wohnzimmer, wo ihre restlichen Bücher ebenso in einem Korb aufbewahrt sind. 

Aber wie sehr ich auch darauf achte, dass das Kinderzimmer schön, funktional und passend für ihr Alter und ihre Interessen ist, finde ich es genau so wichtig, dass sie den Raum auch nach ihrer eigenen Persönlichkeit und ihrem Geschmack gestalten kann. Immerhin ist es ihr Rückzugsort.

Kommentare:

  1. O so schön. Ich wünschte ich könnte so schön gestalten. Irgendwie habe ich da leider kein Händchen. Hat deine Tochter auch ein Regal mit Musikinstrumenten? Und ab welchem Alter hat sie angefangen in ihrem Zimmer zu Spielen? Nochmal, das ist wirklich wunder wunder schön geworden das Zimmer deiner kleinen. Traumhaft.

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  2. Danke für die hilfreichen Blogbeiträge:-) Könnte ich wissen, welches Bett das ist? danke im Voraus

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    1. Hallo Cinzia! Das Kinderbett ist ein 08/15 Kinderbett vom Möbelschweden. ;) LG, Anna

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  3. Ein toller Einblick, vielen Dank! Da wir kurz davor stehen unser erstes richtiges Spielzimmer einzurichten, ist dieser Artikel besonders hilfreich.

    Wunderbar!

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  4. Vielen Dank, das ist ein wirklich toller Artikel mit vielen guten Ideen. Die "Verlängerung" des Türknaufs finde ich ja besonders praktisch.

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  5. Hallo, danke für den super Blog! Wie macht ihr es denn mit dem Saubermachen des Zimmers? Macht sie das selber? Machst du Teile (zB Staub saugen oder Sachen wischen an die die nicht kommt)? Räumt sie selbst bereitwillig fürs Putzen auf, oder räumst du dann Sachen weg, die dir im Weg sind?

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  6. Hey, so ein supertolles, gemütliches und kind-/altersgerechtes Zimmer! Ich lese Deinen Blog total gerne, scrolle oft auch mal zu Deinen älteren Beiträgen zurück (je nach Alter meines Minis). Das mit der Bettmatratze klappt bei uns bisher nur halbgut. Er rollt öfter mal raus und findet mit seinen reichlich 9 Monaten noch nicht selber wieder zurück, sondern schreit oder schläft auf dem vor der Matratze liegenden Schaffell weiter... Aber wir probieren es weiter. Da er noch bei uns im Schlafzimmer schläft, sind wir immer gleich da, wenn's passiert. Wenn Du Zeit findest, kurz zu schreiben, ob das bei Euch auch so war (mit dem rausrollen) würde ich mich freuen! Denke momentan über einen Rausrollschutz nach. Liebe Grüße!

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    1. Ich verwende als Rausrollschutz immer eine zusammengerollte Bettdecke oder/und ein Stillkissen.

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  7. Zunächst herzlichen Dank für all die wunderbaren Vorlagen und die ganze Inspiration. Beim Betrachten der Bilder stellt sich mir aber folgende Frage: Hat deine Tochter kein typisches Spielzeug- Lego, Playmobil, Puppen und Co. Gar nicht unbedingt von dir, sondern Geschenke von Tanten, Freunden usw. Beziehungsweise wie gehst du mit Geschenken um, die dir nicht "passen"? Über eine Antwort, vielleicht auch von anderen Lesern wäre ich dankbar. Liebe Grüße Jutta

    5. Juli 2016 um 10:31

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  8. Liebe Eva,

    War bei uns genauso. Vorm Bett habe ich abends immer ein paar Decken hingelegt, damit sie weich landet��. Und direkt am Bett das unbenutzte Stillkissen, quasi als weiche Barriere (und weil ihr auch so eine Eingrenzung gefehlt hat). Klappt wunderbar bis heute, obwohl sie es nicht mehr braucht. Beste Grüße, Jessica

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  9. Huhu Jessica, vielen Dank! Ja, Decken haben wir auch davor und das Stillkissen liegt jetzt auch da :) Allerdings ist der Mini heute das erste Mal drübergeklettert und hat sich dann an unserem Bett hochgezogen. Naja, ist halt ein kleiner Schlawiner. Besser mit dem Kissen als ohne, und aktives Klettern ist ja auch kein rausfallen. Ist halt die Kehrseite von der fehlenden Begrenzung. Ich steh immer noch dahinter und will mir Gitterstäbe vor seinen Augen und einen eingesperrten Mini einfach nicht vorstellen. LG

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  10. Hallo Anna, wo habt ihr denn den hübschen Pferdestall gekauft?
    Viele Grüße, Hanna

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  11. Hallo Eva,

    Stimmt, habe ich glatt vergessen zu erwähnen,aber unsere Kleine klettert auch drüber,natürlich jeden Morgen, aber wie du schon sagst, sie macht es aktiv von sich aus und fällt nicht einfach mehr so raus. Sie ist viel zufriedener so. Das klappt sehr gut seit sie 13 Monate ist. Obwohl es manchmal Situationen gibt, da wünscht man sich glatt, sie könnte nicht einfach so aus ihrem Bett raus...�� Gitterstäbe, finde ich irgendwie gruselig��

    LG

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  12. Du hast wirklich toll erklärt warum du das Zimmer so schön und praktisch gleichermaßen eingerichtet hast. Danke dafür. Den Beitrag habe ich gleich meiner Tochter geschickt zur Inspiration.

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  13. Ein sehr schöner Einblick ins Kinderzimmer. Schöne Ideen. Da werden wir uns bestimmt was abgucken.
    LG Evelyn

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  14. Hi! Wo habt ihr denn die Tischunterlagen her? Ich habe bis jetzt keine geeigneten gefunden. Danke :-)

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  15. Hallo. Die Zimmer sehen so aufgeräumt aus. Ein Lesekorb ist für die Anfangszeit ganz praktisch. An die Bücherregale kommen die kleinen nicht dran. Grüße.

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  16. Ich bin über Googel auf deinen Blog und deine Facebook-Seite gestoßen und bin echt begeistert! Wir erwarten gerade unser erstes Kind und möchten es etwas “anders“ erziehen. Was du schreibst, klingt sooooo toll! Hast du einen Tipp, wie wir sanft in das Thema einsteigen können? Vielleicht eine Buchempfehlung?

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  17. Ich bin über Googel auf deinen Blog und deine Facebook-Seite gestoßen und bin echt begeistert! Wir erwarten gerade unser erstes Kind und möchten es etwas “anders“ erziehen. Was du schreibst, klingt sooooo toll! Hast du einen Tipp, wie wir sanft in das Thema einsteigen können? Vielleicht eine Buchempfehlung?

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  18. Ich bin total begeistert von diesem Leitfaden! Unser Kinderzimmer war immer etwas chaotisch und ich habe mich gewundert, dass die meisten unserer Spielsachen unbenutzt herumlagen. Jetzt habe ich das Zimmer nach Eurem Leitfaden gestaltet und siehe da: Meine Tochter knüpft jetzt begeistert mit dem Knüpfstern, spielt mit den Schleichtieren und bastelt wie wild. :-) Vielen Dank fürs Teilen!

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  19. Die Einrichtung sieht wirklich super aus. Sieht auch alles so aufgeräumt und sortiert aus. Das ist bei uns leider noch nicht möglich. Unser Zwerg holt sofort wenn es zu ordentlich aussieht alles aus den Schränken raus :)

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  20. Ich bin auch zufällig hier gelandet und bin total begeistert. Ich wollte früher sogar die Montessoriausbildung machen, weil ich die Ansätze einfach toll finde. Umso besser ist dein Blog, weil du zeigst, wie man das im Alltag umsetzen kann. Und deine Ideen sind genial! Ich habe auch die Beweglichen Buchstaben zuhause und einen Wurm, den man mit Knöpfen, Bändern und Druckknöpfen zusammenbaut. Mögen noch viele weitere Dinge folgen!

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