11.02.2017

Auf ihrem Regal (fast 5 Jahre alt)

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Es braucht wirklich keines der originalen Montessori-Materialien um das Spielregal im Kinderzimmer nach Montessori zu gestalten. Einige sorgfältig ausgewählte Spielsachen, die schön, schlicht und sinnvoll sind und den Interessen der Kinder entsprechen, sind völlig ausreichend. Beim Kauf von Spielsachen bin ich allerdings sehr kritisch und bevor ich ihr was neues kaufe, stelle ich mir jedes mal folgende Fragen:
  • Ist das wirklich sinnvoll? 
  • Kann sie dadurch etwas neues über ihre Welt oder über sich selbst erfahren? 
  • Ermöglicht es Kreativität? 
  • Ermöglicht es zu forschen, zu denken und zu hantieren? 
  • Wirklich mit beiden Händen aktiv zu arbeiten? 
  • Bietet es eine angemessene Herausforderung? 
  • Kann sie damit auch alleine arbeiten? Ohne Hilfe?
  • Kann sie die Arbeit damit wiederholen, so oft sie will? 


Schon lange her, dass ich gezeigt habe, welche Spielsachen Julia auf ihrem Regal stehen hat, dabei sind einige dieser Sachen bereits seit gut einem Jahr hier, aber es sind auch einige Spielsachen dabei, die sie erst seit ein paar Monaten besitzt:

1.// Ein Korb mit Spielzeugautos und Verkehrszeichen*, dazu ein kleiner Autoteppich vom Möbelschweden, der eingerollt in ihrem Teppichkorb für sie bereit steht. Sie bekam dieses Set und den Teppich bereits letzten Sommer, spielt aber bis heute gerne und oft damit. Sie stellt viele Fragen zu diesen Schildern und wir reden darüber, was diese bedeuten, was die Autos dabei machen müssen und sie spielt auch gerne Szenen nach, die sie bereits gesehen und erlebt hat.

2.// Die Cuboro ist seit gut 2,5 Jahren Julias Lieblingskugelbahn. Den Korbinhalt stockten wir jedes Jahr mit einem Ergänzungspacket auf, diesmal gab es zu Weihnachten die Cugolino Hit*.


3.// Ein wunderschönes Baum-Puzzle aus Holz mit europäisch beheimateten Vogelarten. Das Puzzle ist handgefertigt und Qualitätsarbeit, so dass sich die Teile lückenlos zusammenlegen lassen. Die Namen der Vögel waren im Paket dabei, sogar in mehreren Sprachen, so dass sich daraus auch tolle Sprachkarten anfertigen lassen. Das Puzzle findet ihr, neben vielen anderen tollen Puzzles, im Shop von Manine Montessori.


4.// Auf den Rücken rollen wie ein Bär, watscheln wie eine Ente oder seitwärts krabbeln wie eine Krabbe, das Nachmachen der Tiere macht mit diesen Karten* richtig viel Spaß! Außerdem ist dabei für jede Menge Bewegung gesorgt.

5.// Ich finde klassisches Lego für Kinder großartig! Es ermöglicht Kreativität, führt zu Konzentration und macht schlicht und einfach Spaß! Auch ich hatte als Kind Lego und auch hier wird der Korb mehrmals in der Woche herausgeholt. Damit aber die kleinen Teile nicht überall herumliegen, bot ich Julia von Anfang an einen kleinen Teppich als Arbeitsbrereich* dazu an, sowie eine kleine Holzschale, wo sie ganz kleine Teile, die sie später dann braucht, beiseitelegen kann.

6.// Sie wird in wenigen Tagen 5 Jahre alt und ich spüre schon seit mehreren Monaten, dass für sie soziales Lernen, mit anderen etwas gemeinsam machen, sich an Regeln zu halten, enorm wichtig und auch stark bewusst ist. Daher halten wir auch immer mehr Ausschau nach solchen Gesellschaftspielen für die ganze Familie. Bei diesem Bärenspiel* mag ich, dass es keine Gewinner oder Verlierer gibt, sondern die Aufgabe nur gemeinsam gemeistert werden kann.


7.// Seit einem guten halbenJahr hat sie großes Interesse an Knochen und dem Skelett. Wir besuchen hin und wieder das Naturhistorische Museum um alle möglichen Arten und Größen von Knochen zu bewundern, zusätzlich bekam sie auch dieses Skelett-Puzzle aus Schaumstoff. Das Skelett ist um einiges größer als sie, daher macht es ihr jedes mal einen Riesenspaß sich auf die fertig zusammengesteckten "Schaumknochen" zu legen um zu schauen, welcher ihrer Knochen wo zu finden ist.


8.// Als Ergänzung zum Skelett-Puzzle besorgte ich ihr auch einige Röntgenkarten. Die Karten zeigen Fotos von Tieren und Menschen, wenn man diese Fotos aber gegen das Licht hält, sieht man die Unterschiede und Gemeinsamkeiten ihres Skeletts. Spannend!

9.// Ein Korb mit afrikanischen Musikinstrumenten: eine handgefertigte Djembe* sowie ein Regenmacher*. Bei der Djembe habe ich ihr gezeigt, wie sie diese anschlagen kann und mit welchem Teil ihrer Hände welche unterschiedlichen Töne erzeugt werden können.


10.// Ein großes Weltkarten-Puzzle über Tiere und wo sie leben. Das Puzzle besteht aus recht großen Teilen, so dass auch viel Bewegung ins Spiel kommt wenn sie die Karte auslegt. Ich habe lange nach diesem Puzzle gesucht, denn die meisten haben entweder zu viele Tiere oben, oder auch Elemente, die mich sehr gestört haben. Da ich aber dieses Puzzle in keinem Shop gefunden habe, kaufte ich ein gebrauchtes auf einem Flohmarkt. (Ein ähnliches findet ihr allerdings hier*.)

11.// Vom Christkind bekam sie diese wunderschönen Mosaiksteine von Grimm's*, da sie so gerne baut und Mandalas legt. Ich liebe diese Farben!


12.// Ein großes Holztablett, eine große Packung Kinetic Sand* und ein Körbchen mit einigen geometrischen Füllkörpern*. Von letzteren bestellte ich ein recht großes Set, reduzierte es aber für sie auf nur einige der Körper. Der Sand ist fantastisch! Er lässt sich wunderbar mit diesen Hohlkörpern formen und dennoch muss Julia vorsichtig sein, damit diese nicht gleich auseinander fallen, wenn sie sie berührt.


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08.02.2017

Wie viel (selbstgemachte) Materialien braucht es für Montessori zu Hause?

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Als Montessori-Pädagogin liebe und schätze ich die Montessori-Materialien! Und ebenso liebe ich selbstgemachte Materialien und tolle Ideen für zu Hause, die schlicht und sinnvoll sind und es Kindern ermöglichen, eigene Entdeckungen zu machen. Ich habe schon viele tolle Ideen im Internet gesehen und auch ich selbst mache gerne solche Materialien für meine Tochter, dennoch denke ich, dass in Wirklichkeit nicht diese Materialien Montessori zu Hause ausmachen.


Ich kenne einige Familien, die viele Materialien für zu Hause basteln, den Kindern aber nur in wenigen Bereichen Selbstständigkeit ermöglichen und auch mit der Philosophie nicht ganz einverstanden sind. Und ich kenne Familien, (unter anderem auch von Montessori-Pädagogen), wo Kinder in ganz vielen Bereichen im Alltag  selbstständig sind und auch mit dieser ganz bestimmten Grundhaltung begleitet werden, jedoch kaum selbstgemachte Materialien zu Hause haben. Ich weiß, dass manche Eltern verzweifelt sind, weil ihre Kinder keine Montessori-Einrichtung besuchen können oder weil sie weder die Zeit noch die Ressourcen haben, all die schönen Materialien aus dem Internet nachzubasteln. Aber das Wesentliche, was Montessori zu Hause wirklich ausmacht, sind nicht diese Materialien.


Mit einer Vorbereiteten Umgebung die es Kindern erlaubt, ihre Unabhängigkeit Stück für Stück zu erobern, ist bereits eine Menge getan! Auch mit einigen wenigen, sorgfältig ausgesuchten Spielsachen, die den Interessen der Kinder entsprechen, die schön, schlicht und sinnvoll sind, kann man ein Kinderzimmer wunderbar nach Montessori gestalten. Wenn Kinder am Alltag teilhaben dürfen, echte Aufgaben von Anfang bis zum Ende selbstständig verrichten dürfen und ihre Hände sinnvoll gebrauchen, ist dies viel wesentlicher, als selbstgemachte Materialien. Montessori findet man aber auch im Garten oder im Wald, wo Kinder die Lebewesen und die Natur beobachten, erleben und bewundern können. Oder aber auch in Büchern, beim Wäsche zusammenlegen, beim Tischdecken... Montessori steckt überall!


Es bedeutet, den Kindern zu zeigen, wie schön doch unsere Welt ist und ihnen nur "einen Lichtstrahl geben und dann weitergehen" (Maria Montessori) und sie einfach staunen und entdecken lassen. Es bedeutet, sie nicht ständig zu korrigieren und sich auch nicht in ihre (innere) Arbeit einzumischen und ebensowenig ihnen ständig was beibringen zu wollen, sondern ihnen zu vertrauen. Darauf, dass sie einem inneren, natürlichen Bauplan folgen, dass sie geborene "Macher" sind, die von Anfang an lernen wollen - aber immer nur das, wozu SIE bereit sind.


Es ist die Bereitschaft, Kinder zu verstehen, sie ernst zu nehmen und achtsam auf ihrem Weg zu begLEITEN. Es bedeutet, in allem, was wir tun, den Kindern Vorbilder zu sein und ihnen so auch das Rüstzeug zu geben, anderen Menschen respektvoll und friedlich zu begegnen aber auch, ihre Konflikte und ihr Bangen gewaltfrei zu lösen. Auch wenn ich selbst gerne solche Materialien herstelle, bin ich zu Hause keine Pädagogin, sondern Mama. Diejenige, die ihren Kindern zeigt, was eine Beziehung im wesentlichen ausmacht und was es bedeutet, einander zu vertrauen... die, die sie bedingungslos liebt, ermutigt aber auch loslässt. Und all das braucht keine selbstgemachten Materialien.

"Wenn wir erkennen, das Montessori ein Verb ist, eine Handlung und keine Sache, gestatten wir uns selbst [...] zu wachsen. Wenn wir erkennen, dass Montessori nicht benannt, etikettiert oder identifiziert werden, sondern nur gelebt werden kann, sprechen wir den Zauberspruch." 
- Catherine McTamaney: Das Tao von Montessori

05.02.2017

Julias Kunstregal

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Ihr allerliebster Platz in ihrem Zimmer ist das Regal, wo ihre Bastel- und Kunstmaterialien stehen. Es vergeht praktisch kein Tag, wo sie nicht an etwas basteln oder etwas kreieren würde. Ihr Regal ist nicht besonders groß, dennoch bietet es genügend Platz für ihre Materialien, so, dass es für sie trotzdem übersichtlich bleibt.


Einige dieser Materialien sind bereits seit langem da und werden nur gelegentlich aufgestockt. So zum Beispiel ein Körbchen voller Washi Tapes*, einige bunte Mosaiksteine, Filz- sowie Stempelstifte, Plastilin-Knete*, Wassermalfarben und natürlich auch Bastelklebstoff, zu dem ich ihr zusätzlich eine kleine Schale zum Portionieren und eine Spachtel zum Auftragen bereitgestellt habe. Auch ihr Holz-Spirograph steht schon seit langer Zeit auf diesem Regal, mit welchem sie wunderschöne Kreismuster zeichnen kann, sowie eine Box mit Filzwolle, dazu eine Schale mit einer kleinen Seife zum Nassfilzen.


Ihre Aquarell-Bunststifte befinden sich ganz oben auf ihrem Regal in kleinen Gläschen nach Farben sortiert. Daneben stehen in Gläsern Wikki-Sticks, bunte Holzperlen sowie Bügelperlen mit einer Pinzette und Schablonen.


Da sie gerne mit dem Knüpfstern* arbeitet, sich aber immer schwer tat, die Wolle passend zurechtzuschneiden, besorgte ich ihr eine kleine Box mit einem Loch im Deckel. So kann sie alle 7 Fäden gleichzeitig herausziehen und auch in der gleichen Länge zuschneiden.


Von Mal zu Mal zeige ihr auch etwas neues, allerdings achte ich darauf, dass ich ihr nur die Handhabung der Werkzeuge und die Technik zeige und keine fertige Arbeiten. Immerhin zeige ich ihr all dies, damit sie ihre eigenen Ideen umsetzen und kreativ werden kann und sich nicht an fertige Werke von anderen hält.


Zu Weihnachten bekam sie diesen Rundwebrahmen mit Löchern. Es gibt auch einen Rundwebrahmen mit Kerben, aber ich fand, dass es für sie durch die doppelten Fäden zu unübersichtlich werden würde. Bei diesem Rundwebrahmen mit Löchern sind die Faden jeweils einzeln und daher durchschaubarer beim Weben.


Dazu steht ihr auch ein Korb mit kleineren bunten Wollknäueln bereit, sowie ein kleines Tablett mit Nadelkissen, Wollnadeln, einer kleinen Schere und einem Nadeleinfädler.


Nassfilzen ist ihr zwar für sie nichts neues, aber dennoch macht es ihr jedes Mal einen Riesenspaß. Damit die ganzen Filzknäueln nicht kaputt gehen, bereiten wir schon vorher die Filzmenge vor. Dann seift sie in ein wenig lauwarmen Wasser beide Hände ordentlich ein und rollt zwischen beiden Händen Schicht für Schicht den Filzball. Wichtig ist nur, dass wirklich viel Schaum auf den Händen ist, denn gerade die Seife filzt die kleinen Haare zusammen. Wir benutzen hierfür Schafmilchseife, weil diese hautschonend und rückfettend ist.



Als sie fertig war, wollte sie unbedingt wissen, wie es in dem Filzbällchen innen ausschaut, so schnitt sie diesen einmal quer durch. Sie war ganz begeistert von den vielen Schichten und Farben und auch ich fand das richtig spannend.


Letztes Wochenende machten wir Druckbilder mit Linolschnitt. Das Werkzeug ist wirklich scharf, sodass es mir sehr wichtig war, ihr zu zeigen, wie sie sicher damit arbeiten kann. Am besten immer weg vom Körper schneiden. Die Erfahrung blieb ihr dennoch nicht erspart und sie musste beim Schneiden der Schildkröte mit einem Pflaster versorgt werden, dennoch machte sie weiter und schnitt das zweite Bild ganz alleine aus.


Doch einer ihre allerliebsten Arbeiten ist pricken. Die Pricknadeln und die Filzunterlage habe ich von Labbé, ebenso die Bilder zum Kamon pricken. Ich zeigte ihr einige Handsticharten und sie machte diese Laternen fertig. Ich finde, sie sind ein echter Hingucker geworden. Eine Anleitung und weitere Handsticharten gibt es übrigens auf dieser tollen Seite.

Auch ihre Geburtstagseinladungen prickte und stickte sie selbst. Als Schablone verwendete sie die Herzform aus ihrem Bügelperlen-Set. Ich zeigte ihr lediglich nur, wie Steppstiche gehen, den Rest machte sie ganz  alleine. Besonders stolz ist sie auf ihr spiralförmiges Herz (blau).


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29.01.2017

Bevor ich ihr zu Hilfe eile... warte ich!

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Wenn mich jemand fragen würde, was mich an Kindern am Allermeisten fasziniert, würde meine Antwort lauten: dass sie so unglaublich fähig sind! Egal ob 5 Monate, 1 oder 3 oder gar 8 Jahre alt, sie können schon so vieles alleine meistern! - Vorausgesetzt, sie dürfen.


Denn wenn ich meiner Tochter sofort alles in die Hände gedrückt hätte wonach sie zu greifen versuchte, wenn ich unter dem Klettergerüst ständig besorgt darauf gewartet hätte, wann sie fällt, wenn ich ihr schon vorweg ein Misslingen prophezeit hätte und sie vor allem zu beschützen versuchte, hätte ich nie wirklich gesehen, wozu sie fähig ist - und wie sehr sie danach strebt, ihren Alltag alleine zu meistern.


Ja, auch Julia ärgert sich manchmal, wenn ihr etwas nicht auf Anhieb gelingt. Auch ihr schwappt die Milch beim Gießen aus der Tüte, zerbrechen manchmal Teller oder Gläser auf dem Boden, kommen  immer neue blaue Flecken auf die Knie, kleine Schnittwunden an die Finger. Und auch ich wollte schon so manches Mal ohne zu überlegen hineilen um alles mit einer Handbewegung zu richten, ihr zu helfen und sie vor dem Frust schonen. Aber hätte ich ihr dann wirklich geholfen? Was, wenn ich ihr damit eher das Gefühl vermittelt hätte, dass ich das besser kann als sie?


Also lernte ich, lieber zuerst abzuwarten. Auf den richtigen Moment zu warten um ihr meine Hilfe anzubieten und zuerst einfach nur zu beobachten. Vielleicht findet sie ja einen Lösungsweg, vielleicht ist ihr Ziel ja auch etwas völlig anderes, als was ich denke und ich würde mich nur unnötig einmischen. Oder wenn sie mich um Hilfe bittet, will sie vielleicht nur ganz wenig Hilfe. Gerade mal so viel, dass sie den Rest weiter alleine versuchen kann.


Und vielleicht will sie ja gar keine Hilfe. Denn es ist so ein unglaublich schönes Gefühl etwas alleine bewältigen zu können, etwas ganz alleine zu meistern. Es macht jeden stolz und stark und gibt so viel Selbstvertrauen und das wollte ich ihr um keinen Preis nehmen! Also warte ich lieber noch ein wenig, beobachte sie und lasse mich immer wieder in Erstaunen versetzen, wie unglaublich fähig Kinder doch sind - wenn man ihnen vertraut und sie lässt!

28.01.2017

Über Kinderscheren und einige Ideen zum Schneiden

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Bereits ganz junge Kinder sind fasziniert von Scheren und ich denke, wenn sie schon selbstständig bei einem kleinen Tisch sitzen können, spricht nichts dagegen, ihnen eine passende Schere anzubieten. Der Umgang mit der Schere ist allerdings eine echte Herausforderung für so kleine Hände. Die Bewegung der Finger um die Scherenblätter auf und zu zu machen braucht Übung, Zeit, einen vertrauensvollen Erwachsenen an der Seite aber auch ein geeignetes Werkzeug:

  • Für ganz junge Kinder (unter 3 Jahren) würde ich eher Scheren empfehlen, die ungefähr 10 cm lang sind und an der Spitze abgerundet. Auch die Griffe sollten klein genug sein, so dass die winzigen Finger die Schere bequem halten können: Bild 1. (mit 9 cm Länge), Bild 2. und Bild 3. (mit 10 cm Länge), Bild 4. (mit 10,2 cm Länge) sowie Bild 5. (mit 10,8 cm Länge).
  • Für Kinder im Kindergartenalter gibt es größere Scheren, die aber an der Spitze ebenso abgerundet sind. Solche Scheren sind zum Beispiel: Bild 6. (mit 12,5 cm Länge), Bild 7. (mit 13 cm Länge und die auch Julia seit über 2 Jahren benutzt), dann Bild 8. (ebenso 13 cm lang) sowie die Kinderschere vom Möbelschweden (mit einer Länge von 11,5 cm)
  • Obwohl Julia vorwiegend ihre rechte Hand bevorzugt, benutzt sie auch ab und zu ihre linke Hand und ich mische mich in keinster Weise ein. Jetzt wo sie anfängt zu schreiben, ist ihre Rechtshändigkeit immer klarer, dennoch kaufte ich ihr nicht explizit eine Rechtshänderschere. Ich suchte lieber nach einer Kinderschere, die mit beiden Händen gut funktioniert. Auch vermied ich solche Scheren, die 4 Griffe haben, wo auch ich meine Finger während des Schneidens hineinstecken könnte. Ich wollte, dass sie von Anfang an ein eigenes Gespür für die Schere bekommt und wirklich selbstständig arbeiten konnte. Auch vermied ich selbstöffnende Scheren, die eher einer Zange ähneln, denn bei diesen geht genau diese Bewegung beim Öffnen verloren, die sie eigentlich so motiviert üben wollte.


Erste Schneideübungen

Für ihre allerersten Scheideübungen bot ich Julia damals dünne Papierstreifen an. Zuerst ohne Markierungen und mit einer Breite von 1 cm, die sie nur mit einer Scherenbewegung durchschneiden konnte, denn mir war nicht nur wichtig, ihren Interessen nachzugehen, sondern auch, dass sie dabei ein Erfolgserlebnis hatte. Die Schere legte ich ihr auf dem Tablett in die Mitte, so konnte sie jedes Mal selbst entscheiden, mit welcher Hand sie die Schere benutzen wollte.


Als sie schon etwas geübter war, stellte ich ihr Papierstreifen mit Markierungen bereit. Ich liebte es, ihr beim Schneiden zuzuschauen und die Konzentration zu beobachten, genau entlang der Markierungen  zu schneiden. Die Papierstreifen sind nicht zu lang, so dass die kleinen Hände diese gut halten können und auch die Breite ist dem Schwierigkeitsgrad angepasst. Die Papierstreifen mit waagerechten und schrägen Markierung sind die einfacheren Übungen, die Streifen mit den Bögen sind schon schwieriger, da dabei das Papier mitgedreht werden muss. So auch beim Zick-Zack-Muster und den größeren Wellen, die sogar schon mehrere Schneidebewegungen zum Abschnipseln benötigen.

Diese wunderbaren, selbstgemachten Vorlagen habe ich von Angelika, einer sehr guten Freundin und Montessori-Pädagogin (6-12 und 0-3) bekommen und sie war auch damit einverstanden, dass ich Euch diese Vorlagen zur Verfügung stelle. Hier könnt ihr die Vorlagen für die ersten Schneideübungen herunterladen.


Als Julia mit der Schere bereits geschickter umgehen konnte, bereitete ich ihr einige ausgedruckte Früchte vor, die sie nach belieben ausschneiden und anschließend auf ein Papier kleben konnte. Hier unsere Vorlage zum Herunterladen.

Ideen für geübtere Kinderhände


Eine wunderbare Arbeit für kleine Hände, die nach mehr Herausforderung suchen, ist diese Schlangen-Spirale. Sie pauste die Spirale auf Seidenpapier ab, schnitt sie aus und gemeinsam steckten wir diese mithilfe einer Pinnadel auf einen runden Bastelstab. Über dem Heizkörper haltend fing die Schlange an sich zu drehen, was Julia ungemein faszinierte. Hier unsere Vorlage zum Mitnehmen.


Solche Scherenschnitte machte sie unzählige und mit immer raffinierteren Mustern. Dazu bereitete ich ihr bunte Notizzettel vor und zeigte ihr auch, wie sie diese auf unterschiedlichste Arten falten konnte um dann beim Schneiden spannende Muster zu erhalten.


Heute, mit fast 5 Jahren, schneidet sie immer noch unglaublich gerne und auch sehr genau. Sie zeichnet bereits selbst ihre Vorlagen und benutzt dazu Bausteine als Schablonen oder ihr Lineal. Neulich zeichnete sie einige Seerosen mithilfe ihrer Mosaiksteine die sie anschließend ausschnitt und die Blüten einzelnd faltete um diese dann auf Wasser wieder aufblühen zu lassen. Falls ihr keine solche oder ähnliche Schablonen habt, könnt ihr gerne unsere Vorlage hier herunterladen.