16.02.2018

Experiment der Woche: ein Luftballon, ein Tuch und eine Hand voll Konfetti

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Kinder absorbieren auf natürliche Weise die Schönheit und die Logik von spannenden Phänomenen in der Natur. Sie beobachten das Licht, das sich auf dem Wasser spiegelt oder wie es sich in den Farben des Regenbogens bricht, beobachten, wie die Schwerkraft wirkt und lassen alles Mögliche von einer Steigung runterrollen. Es ist so einfach, sie für einfache Experimente zu begeistern, bei welchen sie erforschen können, wie die Welt funktioniert.

Da vor einigen Wochen eine Freundin von mir einen Refresher im Montessori Zentrum über Experimente im Kinderhaus hielt und mir darüber voller Enthusiasmus am Telefon erzählte, war ich selbst voller Motivation, Julia zuhause einige Versuche zu zeigen. Den Vortrag meiner Freundin konnte ich leider nicht besuchen, aber da ich mehrere Jahre Physik unterrichtete, habe ich meine Mappe durchgeblättert und ein paar Experimente herausgesucht, die mit wenigen Utensilien aus dem Haushalt ganz einfach durchgeführt werden können und die dennoch spannend sind - und die ich Euch als "Experiment der Woche" zeigen möchte.

So ein ganz simples aber spannendes Experiment ist zum Beispiel dieses hier, das wir neulich (am Rosenmontag) in der Küche ausprobiert haben. Dazu brauchten wir einige Papierschnipsel (Konfetti), einen Luftballon, einen Gummi um den Luftballon zu verknoten und einen Filz-Lappen (oder Wollhandschuhe, -socken).


Während sie vor 2-3 Jahren das Experiment eher nur beobachten und anschließend selbst ausprobieren hätte wollen, liebt sie es mit ihren 6 Jahren, Dinge zu hinterfragen, darüber nachzudenken, was wohl passieren könnte und über das, was sie erlebt, zu philosophieren. Daher machten wir unsere Versuche ähnlich, wie es auch die Wissenschaftler in ihrem Labor machen:
  1. Wir stellten fest, was wir vor uns sahen. ("Hier liegen einige Konfetti. Wir haben außerdem einen aufgeblasenen Luftballon und einen weichen Filz-Lappen.")
  2. Wir planten den Versuch. ("Ich frage mich, was passieren wird, wenn ich den Luftballon mit dem Filz-Lappen reibe und ihn anschließend über das Konfetti halte?")
  3. Wir stellten uns vor, was passieren wird. ("Ich denke, das Konfetti / der Luftballon wird...")
  4. Dann führte gleich sie selbst das Experiment durch.
  5. Wir beobachteten was passiert ist. ("Oh, das Konfetti wurde vom Luftballon wie von einem Magnet angezogen.")
  6. Und ich sagte ihr, wie das Phänomen heißt. ("Wir nennen das Elektrostatische Aufladung.")

Als sie jünger war, machte ich mit ihr auch einige einfache Experimente zuhause, zeigte diese dann von Anfang bis Ende ohne dabei viel zu reden und ließ sie dann das Experiment selbst ausprobieren. Jetzt, wo sie in dem Alter ist, achte ich darauf, ihrer Vorstellungskraft und für eigene Entdeckungen noch mehr Raum zu schaffen und überlasse es gleich Julia, den Versuch durchzuführen.


Ich finde, es ist wirklich nicht notwendig, ein Experte zu sein, um solche Versuche durchführen zu können und daher auch absolut okay, sich mal bei den Voraussagen zu irren. Manchmal stellt mir Julia Fragen, worauf ich auch keine Antwort weiß und wo ich mit ihr dann gemeinsam überlege, wie wir das Phänomen erklären könnten und dann gemeinsam nachlesen, wie das wirklich war. Ich finde es wichtig, ihr zu zeigen, dass ich auch nicht alles weiß, dass ich mich genau so irren kann und sie wiederum fühlt sich dadurch als mein Verbündeter und kann so auch mit ihren eigenen Irrtümern viel besser umgehen.

05.02.2018

Selbstvertrauen beginnt mit "Selbst"

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Als Julia noch sehr jung war, besuchte ich mit ihr eine Montessori Spielgruppe, in welcher die Kinder jedes mal, nachdem sie den Raum und die Materialien ausgiebig erkunden konnten, eine kleine Jause bekamen. Ein niedriger Tisch war für sie ganz liebevoll angerichtet, an dem bereits Krabbelbabys auf kleinen Stühlen saßen. Sie konnten selbstständig etwas auf ihren Teller nehmen und essen und es war jedes mal so beeindruckend für mich zu sehen, wie sehr sie diese Freiheit genossen haben. Erst seitdem ist mir auch wirklich bewusst, was eine Vorbereitete Umgebung für ein so junges Kind bedeutet.

Daher habe ich Jakob gleich neben der Küche auch seinen eigenen kleinen Essplatz eingerichtet. Die Hauptmahlzeiten essen wir natürlich gemeinsam am Familientisch, aber seine kleine Nachmittagsjause biete ich ihm hier an.


Sein Essbereich besteht eigentlich aus zwei Würfelhockern in unterschiedlichen Größen, die ich (wie bereits so vieles andere auch) in Leens Manine Montessori Shop gefunden habe. Die Hocker sind ungemein praktisch, weil sie jeweils zwei Sitzhöhen haben und sie Jakob so noch lange verwenden kann. Solange er aber zum Sitzen noch den kleineren Würfelhocker benutzt, dient der größere Sessel als sein Tisch.


Den Tisch habe ich so platziert, dass dieser nicht wegrutscht wenn Jakob sich samt Sessel wegschiebt. Allerdings störte es mich, dass er dann eine leere Wand vor sich hat, daher suchte ich ihm ein Bild mit einem passenden Motiv. Dieses Aquarellbild mit den Äpfeln von Markus Kolp fand ich besonders schön und interessant, auch, weil ihn der Künstler mit dem Mund gemalt hat. Das sagt für Jakob noch nicht viel, aber Julia und ich waren davon unglaublich fasziniert.

Neben seinem Tisch habe ich auch einen kleinen Hocker hingestellt, weil ihm Julia bei der Jause gerne Gesellschaft leistet und wenn wir nur zu zweit zuhause sind, auch ich mich zu ihm hinsetzen kann.


Hier zu sitzen, ganz ohne Schutzbügel, dabei den Boden unter seinen Füßen zu spüren und seinen ganzen Körper viel bewusster wahrzunehmen ist so viel anders, als im Hochstuhl. Dadurch, dass er sich frei entscheiden kann, wann er genug hat und er sich dann vom Tisch wegschieben und vom Sessel "runterklettern" kann, gewinnt er eine Menge Erfahrungen, besonders darüber, wozu er in der Lage ist. Ich bin zwar immer bei ihm, versuche aber so wenig einzugreifen wie es nur geht um ihn dieses Gefühl, etwas alleine zu bewältigen und sich dadurch stärker zu fühlen, ja nicht zu nehmen. Weil Selbstvertrauen eben mit "Selbst" beginnt.


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31.01.2018

Jakobs allererstes "Puzzle" - und eine Sonderedition

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Da Jakob bereits sitzen kann und so beide Hände frei hat, aber auch, weil er begonnen hat zu erforschen, wie Gegenstände zusammenpassen, besorgte ich ihm dieses Ei - sein allererstes "Puzzle". So ein hölzernes Ei mit Behälter erinnert nicht gerade an ein "typisches" Babyspielzeug, aber dieses Material kann weit mehr, als es auf den ersten Blick erscheint.


Ein hölzernes Ei in einen Eierbecher zu stecken ist für ein junges Kind ab ca. 8 Monaten, das gerade erforscht, wie Gegenstände ineinanderpassen, nicht nur spannend, sondern auch eine angemessene Herausforderung für seine Hände. Jakob greift die Gegenstände vorwiegend noch mit dem Faustgriff. Da das Ei eine längliche Form hat, kann er dieses gut mit der Faust anpacken und in den Becher stecken.


Genial ist dieses Ei aber auch, weil es nicht weit rollen kann. Denn wenn es wegrollt, rollt es wegen seiner Form meist in einem großen Bogen zurück. Für Kinder, die zwar sitzen aber noch nicht krabbeln können, bleibt das Material so weiterhin interessant.


Das Ei ist eigentlich ein Teil von einem Set, zu dem auch eine Kugel und ein Kubus gehören. Die Kugel ist schwieriger mit der Faust festzuhalten, daher biete ich diese Jakob erst dann an, wenn seine Hände bereits nach größeren Herausforderungen suchen. Der Würfel ist am schwierigsten, denn da müssen die Kanten genau zu den Kanten des Behälters passen.

Die Pädagogin aus Julias Kinderhaus, die die AMI Ausbildung für 0-3 absolviert hat, gab mir den Tipp, nach einem Kubus zu suchen, der nicht gänzlich in seinem Behälter versinkt. Damit ihn Jakob gut greifen und herausheben kann. Ich fand aber nirgendwo so einen Kubus, nur recht teure oder solche, die Jakob umkippen müsste, um wieder an den Würfel zu kommen. Aber die lange Suche hat sich dann doch ausgezahlt denn bei der Firma Prüfl wurde ich endlich fündig. Allerdings nicht im Online-Shop, sondern durch meine Anfrage. Der Inhaber von Prüfl machte mir auch den Vorschlag, das Set auf meinem Blog anzubieten. Quasi als eine Sonderedition.

Wenn ihr also gerne so ein Set von Herrn Lehner-Jettmar, dem Inhaber von Prüfl erwerben möchtet, könnt ihr es HIER bestellen. Das Set samt dem kleinen Tablett kostet 29 Euro, ohne das Tablett 22 Euro. Bitte schreibt bei der Bestellung als Betreff entweder "Eltern vom Mars 22" oder "Eltern vom Mars 29", je nach dem, ob ihr das Set mit oder ohne Tablett bestellen möchtet. Da es wirklich eine Sonderedition ist, ist das Set mit diesem Kubus nicht im Online Shop von Prüfl vorhanden. Wenn ihr aber auf den Würfel verzichten wollt, könnt ihr das Ei und die Kugel im Shop hier kaufen.


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26.01.2018

Auf Jakobs Regal (8 Monate alt)

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Seitdem sich Jakob alleine aufsetzen kann, geschieht alles in Windeseile. Er zieht sich an sämtlichen Möbelstücken hoch, beginnt zu krabbeln und wenn er Gegenstände ergattert hat, versucht er herauszufinden, wie diese zueinander passen. Daher war es an der Zeit, sein Regal neu zu gestalten.

Und so sieht Jakobs Regal zurzeit aus. Er räumt es am Tag mindestens 3 mal ab und ich nachher mindestens 3 mal  alles wieder zurück. Genau so, wie es vorher war, weil ich weiß, wie wichtig für ihn Ordnung ist.


1. // Ein Korb mit einer Würfelrassel, zwei Holz-Greiflinge und der Greifling mit Traubenkernen gefüllt, den ich für ihn genäht habe. Den Kugelgreifling* hat er zu Weihnachten bekommen, den Greifling mit dem Fisch* und die Würfelrassel nimmt er nach wie vor gerne in die Hände, daher ließ ich diese auf seinem Regal. 

2. // Ein Korb mit einigen Haushaltsgegenständen, wie eine hölzerne Wäscheklammer, ein metallener Eierbecher, ein kleiner Kochlöffel und eine Pilzbürste. Ich zeigte ihm, wie er diese Gegenstände aus dem Korb rausnehmen und alles wieder einräumen kann. Rein, raus, rein, raus - genauso spannend wie die Materialien selbst. Worauf ich allerdings achte, ist, dass nur wenige Dinge in dem Korb sind, nicht mehr als 3-4 Stück, damit Jakob mit dem Korbinhalt nicht überfordert wird.


3. // Ein hölzernes Ei mit Behälter. Ein wunderbares Material, auch wenn es auf den ersten Blick etwas ungewöhnlich wirkt. Es ist Jakobs erstes "Puzzle" das ich in einem der nächsten Beiträge ausführlicher zeigen werde. Zurzeit steht nur das Ei samt Behälter auf seinem Regal, aber im Set befinden sich noch eine Kugel und ein Würfel, die ich ihm erst dann anbieten werde, wenn seine Hände nach mehr Herausforderung suchen.

4. // Er liebt Bälle und alles was rollt und krabbelt hinter diesen begeistert hinterher. In seinem Ball-Korb befinden sich: ein Pikler-Ball (Flechtball), ein gehäkelter Ball, ein Gummiball mit Noppen*, eine Klingelkugel* die rollt und ein selbstgemachter Filzball. Auch die ineinandergreifenden Scheiben stehen auf seinem Regal, weil diese ebenso rollen, dazu sogar recht spektakulär.


5. // Diese wunderschöne Holzbox mit Ablage und Kugel habe ich bei Manine Montessori entdeckt und gleich bestellt. Sie ist so schön und dennoch schlicht. Und gerade diese Schlichtheit ermöglicht es Jakob, sich auf das Wesentliche zu fokussieren, nämlich darauf, dass Dinge, die er plötzlich nicht mehr sehen kann, dennoch da sind und wieder sichtbar werden können. Ein wunderbares Material, das Jakob gerade jetzt, wo er zu "fremdeln" beginnt, wichtige Entdeckungen ermöglicht. Ich liebe die Genialität dieser Materialien!


6. // Ein Korb mit einigen wenigen Musikinstrumenten wie etwa eine Kürbisrassel (Kalebasse), ein Murmelklapper (Tonblock)* und ein Bambello, ein simples Musikinstrument aus Bambus, das ein herzhaftes "Tok-Tok" Geräusch macht und das ich auf dem Weihnachtsmarkt entdeckt habe.


Zwar nicht auf seinem Regal, aber bei seinem Spiegel steht ein kleiner Korb mit rollenden Spielsachen drinnen. Seitdem er krabbelt, sind diese Zylinder erst richtig spannend geworden. Den Rasselturm habe ich von hier, den Zylinder mit der Schelle und den großen Zylinder mit den bunten Kugeln habe ich, wie so vieles andere auch, von Manine Montessori.

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16.01.2018

Montessori oder Baby-Led Weaning?

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Ich weiß noch, damals bei Julia war ich recht unsicher, wann und wie ich ihr zum ersten mal Beikost geben sollte. Ich machte mir zu viele Gedanken darüber, ob sie schon bereit war, oder ob wir noch warten müssten. Was, wenn sie davon nicht satt wird? Im Nachhinein denke ich, dass ich zu sehr mit meinen vorgefassten Meinungen beschäftigt war, anstatt auf meine Tochter zu achten. Dabei ist dieser Prozess des Abstillens ein so großer Schritt im Leben eines Babys. Daher beobachte ich Jakob nun ganz genau und lasse mich von ihm leiten. Ich ließ ihn entscheiden, wann er für die Beikost bereit war und lasse es auch ihm über, wie lange dieser Abstillprozess dauern wird.

"Eltern machen sich oft Sorgen, dass sie mit dem Einführen der Beikost (und somit mit dem Abstillen) zu früh oder zu spät beginnen. Im Idealfall wird das Kind nicht 'abgestillt', sondern ihm wird Unterstützung angeboten, damit es so im richtigen Zeitpunkt sich selbst 'abgewöhnt'. Wir bieten an und dann beobachten wir aufmerksam, um das Interesse und die Fähigkeit des Kindes zu erkennen. So werden das Tempo und der Zeitpunkt des Abstillens vom Kind selbst individuell bestimmt.

Wir versuchen nicht das Baby an einen Erwachsenen- oder gesellschaftlichen Zeitplan anzupassen, oder an irgendwelchen vorgefassten Meinungen darüber, wann ein Kind 'lernen' sollte, sich selbst zu ernähren oder mit dem Stillen aufzuhören. Die Fähigkeit selbstständig essen zu können, wird das Kind zu passender Zeit sich selbst aneignen und sich auch selbst entscheiden, wenn es nicht mehr gestillt werden will." - Susan Mayclin Stephenson (AMI Trainer), How I Weaned Myself 


Er war noch nicht ganz 6 Monate alt, als ich merkte, wie neugierig er uns auf die Lippen starrte während wir kauten. Er konnte noch nicht ohne Hilfe sitzen, darum hielt ich ihn während der Mahlzeiten in meinem Schoß wo er uns beim Essen gut beobachten konnte. Da ich es im Hinterkopf hatte, dass um den 5-6. Monat herum eine Sensible Phase fürs natürliche Abstillen beginnt, und weil Jakob offensichtlich Interesse zeigte, bot ich ihm beim Mittagessen saftige Birnenspalten an. Es war wirklich nur ein Angebot, daher hielt ich die Obstspalte ganz vorsichtig vor seinem Mund und wartete ob er überhaupt reagiert. Er öffnete den Mund um die Birne zu kosten und obwohl ihm der Geschmack noch sehr fremd war, seine Neugier war größer.

Je vertrauter er mit dieser neuen Erfahrung wurde und je geschickter er gleichzeitig mit seinen Händen war, umso mehr Gefallen hatte er daran, die Obstspalten selbst zu halten und sie sich in den Mund zu stecken. Bis ich dann irgendwann merkte, dass das Obststück auch tatsächlich weniger wurde.


Seitdem biete ich ihm, mit nur wenigen Ausnahmen, alles mögliche zum Kosten an. Gegarte Gemüse-Sticks, Gurkenstangen, Birnen-, Mango-, Avocado- und Bananenspalten, aber auch gekochten Fisch, Nudeln und Butterbrot. Mir geht es nicht darum, ihn mit Beikost satt zu kriegen, sondern seinen Hunger nach neuen Sinneserfahrungen zu stillen. Denn auch wenn er nicht alles isst, er kostet und erforscht gerne seinen Tellerinhalt.

Er bekommt aber auch Apfelmus und Joghurt und wenn es gerade auf unserem Menüplan steht, auch Kartoffelpüree - und dazu auch ein Besteck, so wie alle anderen am Tisch auch. Den Löffel halte ich ihm hin und entweder macht er den Mund auf und nähert sich dem Löffel, oder er schnappt danach und steckt ihn sich selbst in den Mund. So wird er nicht wirklich von uns gefüttert, sondern entscheidet selbst, was in seinen Mund kommt und was nicht.

"Das Kind sollte immer spüren, dass es die Kontrolle über seinen Mund hat und dort nichts ohne sein Verständnis eindringen kann. Wir sollten nie auch nur die geringste Form von Gewalt dabei anwenden, da es sonst passieren kann, dass das Kind negative Assoziationen mit der Nahrungsaufnahme verbindet, die doch eigentlich stets etwas Schönes in unserem Leben sein sollte." - Dr. Silvana Quattrocchi Montanaro, Das Kind verstehen


Ich liebe dieses gemeinsame Essen am Familientisch. Hier teilen wir nicht nur das Essen miteinander, sondern auch unsere Gedanken und Gefühle. Als Jakob alleine sitzen konnte, bekam er daher gleich einen Hochstuhl, der direkt an den Tisch heran geschoben werden kann und wo er später selbst raufklettern wird können. Allerdings ist es mir auch wichtig, Jakob beim Essen viel Selbstständigkeit zu ermöglichen. Und für mich bedeutet das nicht nur, sich das Essen selbst in den Mund zu stecken.


Für mich bedeutet es auch, dass er diese neue Erfahrung auf seiner Höhe erleben kann. Dass er während des Essens den Boden unter seinen Füßen spürt und nicht nur selbst entscheiden kann, wann er genug hat, sondern sich dann auch selbst vom Tisch wegschieben und vom Sessel runterklettern kann. Daher hat er gleich neben der Küche einen kleinen Essbereich passend für seine Größe und wirklich nur für sich. Sein Essplatz besteht eigentlich aus zwei Würfelhocker die ich im Manine Montessori-Shop entdeckt habe. Wenn ich ihm tagsüber ein Glas Wasser oder am Nachmittag ein wenig Obst anbiete, sitzt er hier auf seinem kleinen Sessel bei seinem kleinen Tisch und genießt diese Freiheit.


"Eine gute Bindung ist die beste Voraussetzung für eine gute Trennung"- Dr. Silvana Quattrocchi Montanaro

Er isst seit 2 Monaten feste Nahrung und ich kann wirklich behaupten, dass er es genießt, dennoch stille ich ihn nach wie vor nach Bedarf. Einerseits, weil ich Beikost wirklich als Bei-Kost verstehe aber auch, weil Stillen so viel mehr ist, als seinen Magen zu füllen. Es stillt auch sein Bedürfnis nach Nähe, nach Geborgenheit und Liebe.

Erst als Julia bereits 9 Monate alt war, las ich zum ersten mal über Baby-Led Weaning und Montessori und ich war mir nicht ganz sicher, was der Unterschied zwischen den beiden ist und wie ich Julia beim Abstillen begleiten möchte. Doch je mehr ich Montessori verstehe, umso mehr denke ich, dass BLW und Montessori mehr gemeinsam haben, als ich früher dachte. Daher mache ich mir keine Gedanken mehr darüber, ob es Montessori ist oder BLW, wie ich Jakob beim Abstillprozess begleite. Für mich gibt es kein "entweder oder", sondern nur einen achtsamen, respektvollen und selbstbestimmten Weg.

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09.01.2018

Julias kleine Nähecke

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Julia ist schon recht selbstsicher an der Nähmaschine, so dass meine alte Singer endgültig bei ihr im Zimmer eingezogen ist. Das gute Stück bekam auch ein nettes Plätzchen auf einem Beistelltisch vom Möbelschweden. Ich dachte, ich müsste ihr eine kleinere Nähmaschine besorgen, aber auf Rat meiner Freundin und meiner Schwester, ließ ich es bleiben. Und ich merke selbst, dass sie an dieser größeren Maschine wunderbar zurechtkommt. Die Nähmaschine hat nur wenige Funktionen, dafür aber genügend Platz um den Stoff unter der Nadel gut führen zu können.


Um ihre kleine Nähecke gemütlicher zu machen, hängte ich über den Tisch ein fröhliches Bild von Carl Olof Larsson (ein schwedischer Künstler), worauf zwei nähende Mädchen zu sehen sind. Unter dem Bild hängt Julias Schere auf einem kleinen Haken, da sie die Schere ja oft benutzt und damit diese immer griffbereit ist.


Der kleine Beistelltisch hat auch ein praktisches Fach, wo auch der Korb mit den verschiedenen Stoffen wunderbar Platz hat. Es sind ungefähr ein Dutzend wunderschöne Stoffe drinnen und alle unterschiedlich gemustert und unterschiedlich groß, aus denen sie nach Lust und Laune etwas kreieren kann.


Da sich die Stecknadeln zum Fixieren des Stoffes als wirklich unpraktisch erwiesen haben, besorgte ich ihr kleine Stoffklammern*. Die sind leicht zu bedienen und stechen auch nicht so unangenehm während der Arbeit. In ihrem kleinen Nähkasten* findet sie zusätzlich noch Garn, Nadeln fürs Handnähen, Knöpfe, einen kleinen Fingerhut, einen Trickmarker* sowie ein Maßband und eine kleinere Schere.


Vor dem Nähen muss der Stoff oft aufgebügelt werden, daher darf auch das kleine Reisebügeleisen und das Bügelbrett aus ihrer Ausrüstung nicht fehlen. Das Bügelbrett von Möbelschweden ist auf ihrem Tisch schnell aufgeklappt, allerdings hat es keine Ablage für das heiße Bügeleisen, daher besorgte ich Julia eine hitzebeständige Unterlage aus Silikon*.


Um die Nähmaschine erst einmal besser kennenzulernen, übte Julia am Anfang nur auf Filz da dieser nicht rutscht und auch nicht zerknittert. Sie tat sich etwas schwer, die Nahtzugabe einigermaßen einzuhalten, darum klebte ich ihr als Orientierungshilfe ein Stück Washi-Tape auf die Stichplatte. So klappt es mit der Stoffführung viel besser und Julia hat auch mehr Erfolgserlebnisse beim Nähen.

Beim Stoffzuschneiden muss ich sie zwar immer wieder an die Nahtzugabe erinnern, aber sie arbeitet größtenteils alleine und näht voller Begeisterung kleine Polster für ihre Holzfiguren, Lavendelsäckchen für den Kleinerschrank oder einfache Kleidungsstücke für ihre Puppe. Ihre Nähausstattung ist nicht allzu groß, dafür ist ihre Nähecke richtig gemütlich und sie findet hier alles Wesentliche, womit sie ihre kreativen Ideen verwirklichen kann.

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07.01.2018

6 Kalenderideen für das Montessori-Kinderzimmer (und 3 davon zum Herunterladen)

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Um ihren 4. Geburtstag herum begann Julia, uns jede Menge Fragen über die Zeit zu stellen. Wie lang ist eine Woche? Was kommt nach Sonntag? Wie lange dauert es bis Oma und Opa wieder zu Besuch kommen und wie lange bis zu ihrem nächsten Geburtstag?

Ich habe ihr nichts großartiges angeboten, viel mehr ging ich auf ihre Fragen ein und wir philosophierten gemeinsam und zählten die Tage, aus denen dann Wochen und schließlich Monate wurden. Auch im Alltag versuchte ich mit ihr die Zeit bewusster zu erleben. Wenn wir zum Beispiel das Haus verlassen mussten, so sagte ich ihr nicht einfach nur, dass wir bald gehen müssen, sondern dass wir in 5 Minuten starten und hielt mich auch daran. Wir sprachen auch oft über Geburtstage, wer in welcher Jahreszeit seinen feiert, über Feste und zählten auch die Nächte, die Julia bis zum nächsten Ereignis schlafen muss.

Zeit ist allerdings etwas sehr abstraktes und war für Julia nicht so leicht nachvollziehbar, daher wollte ich ihr auch einen einfachen Kalender basteln, wo wir die Tage und Wochen auch wirklich abzählen konnten. Schon damals fand ich im Internet viele schöne Kalender-Ideen, die schlicht und übersichtlich sind und wo Kinder die Wochen und Monate selbst erstellen und dabei eine Menge entdecken können.

1. // Dieser Holzkalender ist besonders schön doch was mir am besten gefällt, ist, dass Kinder ihn von Monat zu Monat selbst neu auslegen können.

2. // So simpel kann ein selbstgemachter Kalender aussehen. Ich denke, je schlichter er ist, umso nachvollziehbarer bleibt er für junge Kinder. Ich mag Kylies Kalender aber auch, weil ihn Kinder auch ohne Hilfe ablesen und auch beim Auslegen der Tage nur wenig Unterstützung benötigen.


So ein Kalender ist zudem auch einfach zu erstellen, daher habe ich Euch einen zum Herunterladen angefertigt, den ihr nur noch auf A3 großem Papier ausdrucken, laminieren und ausschneiden braucht. Damit die Kärtchen zwar haften aber auch wieder getauscht werden können, habe ich kleine Klettpunkte* verwendet.

3. // So ein Monatskalender zum Auslegen lässt sich aber auch ganz einfach aus Filz herstellen.

4. // Diesen Holz-Kalender finde ich persönlich am schönsten und hätte ich genügend Zeit, würde ich ihn am liebsten selbst für Julia zusägen.

5. // In der Montessori-Schule wurde so eine Jahreskette kreisförmig auf eine Pinnwand gesteckt und die Geburtstage der Kinder auf kleine Kärtchen notiert und zu den passenden Perlen dazugeordnet. Ich finde, auch zuhause kann so eine Kette das Kinderzimmer verschönern, wo die Geburtstage der Familienmitglieder anhand von Bildern darauf markiert werden können. Was ich an diesem "Kalender" besonders mag, ist die auffallende Perle für den Schalttag, die neugierig macht.

6. // Letztendlich gestaltete ich Julia dann doch lieber einen Linear-Kalender, ähnlich wie diesen hier.


Ich wollte ihr einen Kalender gestalten, der ihr einen Überblick über ein ganzes Jahr verschafft und wo sie auch das Vergehen der Zeit optisch sehen kann. Sie liebt ihren Kalender, daher habe ich ihr auch für dieses Jahr einen erstellt, diesmal jedoch so, dass Julia den Kalnder mithilfe eines Doppelklebebandes selbst gestalten kann.


Die Namen der Monate hat sie dann gleich aufgeklebt, die Streifen mit den Tagen und die leeren Streifen, um Geburtstage und andere Ereignisse zu notieren, aber auch das Klebeband und eine kleine Schere habe ich ihr in einer hübschen Schachtel unter dem Kalender vorbereitet.


Da mich mittlerweile mehrere Nachrichten erreicht haben, ob es auch für 2018 einen Kalender auf dem Blog geben wird: Hier könnt ihr Julias Kalender herunterladen, der aber nicht nur für dieses Jahr, sondern für jedes Jahr passend zugeschnitten werden kann. Aber ihr könnt auch gerne unseren fertig beschrifteten Kalender für das Jahr 2018 mitnehmen.

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30.12.2017

5 Sachen, die ich für mein Kind tun kann ... in seinem 8. Lebensmonat

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In den letzten 2-3 Wochen sind unsere Nächte viel zu kurz. Jakob meldet sich dann im 2 Stunden-Takt und erklärt oft bereits um 05:00 Uhr die Nacht für beendet. Tagsüber beobachte ich gleichzeitig, wie viele neue Fähigkeiten er an sich entdeckt:

Zum Beispiel, dass er eine Stimme hat und deshalb plappert er den ganzen Tag herzig vor sich hin. Daher singe ich ihm auch wieder öfters Lieder vor oder erzähle ihm, was um uns herum passiert, so, dass er dabei meine Lippen ganz genau beobachten kann.


Er arbeitet eine Menge mit seinen Beinen und immer mehr zieht er seine Knie unter den Bauch während er sich mit den Händen in die Höhe stemmt. Vor ein paar Tagen schaffte er es sogar, sich durch einen kräftigen Schwung aufzusetzen. Damit er sich besser spürt und mehr Bewegungsfreiheit hat, lasse ich ihn oft nur in einer Windel oder zumindest ohne Hose und Socken auf dem Boden.


Weil er so gerne die Füße erforscht und riesige Tritte in die Höhe macht, habe ich ihm einen Stoffball aufgehängt, so dass er diesen mit nackten Füßen kicken kann. Ähnlich wie bei der Schelle und Ring am Band, habe ich zusätzlich ein Gummiband angenäht, damit das ganze etwas nachgibt, wenn Jakab daran rüttelt.


Den Tipp mit dem Ball zum Kicken bekam ich von einer guten Freundin, die gerade ein Montessori-Diplom für 0-3 absolviert und vor wenigen Tagen zum 2. Mal Mama geworden ist. Ich liebe auch ihren Blog Das Große im Kleinen wo sie über ihren Montessori- und Pikler-Alltag schreibt. Der Tipp war ein Volltreffer, Jakob hat so viel Freude mit dem aufgehängten Ball.


Er liebt alles was rollt und rund ist. Nicht nur mit beiden Händen gleichzeitig zu halten, sondern auch diese beim Rollen zu beobachten und versuchen das Weggerollte zurückzuergattern. Daher habe ich seinen Korbball mit einer Holzkugel und einem runden Greifling ergänzt und auch die ineinandergreifenden Scheiben daneben hingestellt. Ich bat meine Schwester hierfür einen winzigen Seilkorb zu nähen, so rollen die Scheiben nicht gleich davon, wenn Jakob sie vom Regal nehmen möchte.


Da er bereits beide Hände gleichzeitig und immer geschickter einsetzt, biete ich ihm zu den Mahlzeiten ein kleines Trinkglas an, aus dem er übt, alleine zu trinken. Ich gieße wirklich nur ganz wenig Wasser in sein Glas, so dass er zwar nass werden kann, aber keine Überschwemmung entsteht. Allerdings kann er das Glas noch nicht so hoch heben, damit auch wirklich Wasser in seinen Mund läuft.


Ich versuche ihm allerdings nur so viel zu helfen, dass er dennoch das Gefühl hat, selbstständig zu trinken. Er isst auch seit Wochen mit uns beim Esstisch mit, darüber schreibe ich aber noch demnächst etwas ausführlicher.

Die Nächte sind nicht gerade erholsam, anderereits weiß ich, es ist kein Rückschritt sondern ein Fortschritt und ich versuche, zwar mit Augenringen unter den Augen, seine neuen Fähigkeiten mit ihm mitzufeiern.