11.05.2016

Wenn Kinder selbstständig backen

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Nachdem sie so stolz war, den Einkauf mal alleine erledigen zu können, probierten wir vor einigen Tagen etwas ähnliches in der Küche aus: Backen nach Rezept. Alleine. Wir kochen gerne zusammen und sie hat schon zigmal gerieben, geschält und auch Eier verrührt, aber sie hat noch nie alleine nach einem Rezept gebacken. Aber sie fand die Idee lustig!


Ich suchte mir ein einfaches Apfel-Karotten-Muffin-Rezept aus dem Internet und stellte es ihr, -  da sie ja noch nicht alle Buchstaben kennt, - als eine Bildgeschichte zusammen. Die Kochutensilien und Zutaten bereitete ich ihr auf ihrem Tisch vor, mischte auch das Mehl, die Nüsse, den Zucker, das Öl und das Backpulver bereits zusammen und schaltete schon mal den Backofen ein.


Nachdem sie das Rezept auf das Genaueste studiert hatte, schnappte sie sich eine Karotte und startete los.


Egal ob Käse, Gemüse oder einen Apfel, sie liebt es zu reiben! Jedes Mal, wenn sie mich reiben sieht, ruft sie enthusiastisch "Ich mach das, Mama!" und holt gleich ihr eigenes Werkzeug aus der Schublade hervor. Obwohl ich dazu nie einen triftigen Grund hatte, verursachte mir das doch am Anfang ein mulmiges Gefühl, ihr beim Reiben zuzusehen. Was, wenn sie sich damit schneidet? Aber sie suchte direkt diese Herausforderung, sie wollte das auch können und ließ kaum eine Gelegenheit dazu aus. Ich wollte nicht, dass sie selbst auch dieses Gefühl hat und dass sie deswegen das Vertrauen in sich selbst verliert. Stattdessen zeigte ich ihr lieber, wie ich die Reibe benutze und erinnerte sie jedes Mal vorher daran, die Augen auf ihre Hände zu richten, während sie arbeitet. Sie besitzt diese Reibe nun seit über einem Jahr und geht damit wirklich sehr achtsam um.


Als sie bemerkte, dass der Boden mit Karotten übersät war, holte sie ihren Besen und fegte den Großteil davon auf. Dann blickte sie wieder kurz auf ihr Rezept.


Während sie den Apfel schälte, naschte sie zwischendurch geraspelte Karotten und Apfelschalen.


Sie wollte schon mit dem Reiben beginnen, als sie bemerkte, dass die Apfelschalen auf dem Schneidebrett im Weg sind. Also sammelte sie diese mit der Hand ein und entsorgte sie im Mistkübel.


Dann rieb sie den Apfel bis nur noch das Kernhaus übrig war.


Als nächstes waren die Eier an der Reihe. Sie öffnete diese, eines nach dem anderen und lies das Eiweiß "genüsslich" langsam hinunter rinnen. Sie ist immer wieder fasziniert von dieser Konsistenz, aber als sie mit dem Eieröffnen fertig war, ging sie sich trotzdem die Hände waschen.


Sie verquirlte das Ei mit den Karotten und dem Apfel ...


... und kippte die Ei-Mischung in die Mehlmischung um alles, wie im Rezept beschrieben, weiter zu einem Teig zu verrühren.


Sie bestrich die Förmchen mit Mohn-Öl und verteilte dann den Teig mit Hilfe von 2 Löffeln auf die Förmchen. Die einzige Aufgabe, die ich übernommen habe, war es, die Muffins in den vorgeheizten Backofen zu schieben.


Sie arbeitete fast 40 Minuten lang in der Küche. Ich hätte den Teig wahrscheinlich binnen 15 Minuten fertig gehabt, aber mir hätte diese Arbeit nie so viel Selbstwertgefühl gebracht und nie so viel Freude gemacht, wie ihr - und auch nie so stolz gemacht, wie sie.

Für den Fall, dass ihr Lust habt, die leckeren Muffins nachzubacken, braucht ihr für ca. 12 Stück: 2 Karotten, einen saftigen Apfel, 3 Eier, 1 Teelöffel Backpulver, 160 g Mehl, 80 g geriebene Walnüsse, 180 ml Nuss- oder Mohn-Öl, 100 g Zucker und eine Prise Salz. Auch Julia's Rezept könnt ihr gerne hier herunterladen.

04.05.2016

Montessori für zu Hause - ein praktischer Leitfaden (1)

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Im Internet gibt es mittlerweile jede Menge Inspiration für Eltern zum Thema Montessori. Bilder von hübschen Spielregalen, spannende Materialien und unzählige Spielideen. Doch so schön die Materialien und spannend die Spielideen auch sind, sie allein machen Montessori für zu Hause noch nicht aus. Montessori ist ein Lebensstil. Es ist die Art, wie wir Kindern begegnen. Wie wir sie in ihren Fähigkeiten stärken und auf ihrem Weg achtsam begleiten. Doch das allerschönste an Montessori für zu Hause ist: es ist FÜR ALLE umsetzbar! 

Schon eine ganze Weile plane ich, eine Serie zu starten, eine Art Leitfaden um zu zeigen, worauf es uns als Eltern bei Montessori wirklich ankommt. Wer Lust hat, kann gerne auch in unserer Facebook-Gruppe aktiv mitmachen. Schritt für Schritt.


Die Vorbereitete Umgebung für zu Hause 

Etwas ganz ohne Hilfe selbstständig zu meistern, gibt Kindern ein unglaublich starkes Selbstwertgefühl. Es ist dieses ganz bestimmte Gefühl die kleinen Hürden des Alltages alleine bewältigen zu können. Das Gefühl wichtig und fähig zu sein. Daher war es uns wichtig unsere neue Wohnung so einzurichten, dass unsere Tochter möglichst ohne Hilfe zurecht kommen kann und haben die Räumlichkeiten ihren Bedürfnissen und ihrer Größe angepasst.

Die Küche
Da sie beim Kochen so gut wie immer mit dabei ist, war es für uns besonders wichtig, die Küche gleich nach unserem Umzug für sie "anzupassen". Es war wirklich keine große Sache, ihr einen Bereich einzurichten, wo sie jederzeit beim Kochen bequem mithelfen kann. Er besteht aus diesem kleinen Tisch mit Regalboden, einem Tritthocker der meistens direkt am Kühlschrank steht (damit sie sich dort bedienen kann) und aus zwei der unteren Schubladen.


In einer dieser Schubladen liegen für sie ein paar Teller, einige Schüssel sowie Becher, in der anderen Besteck, eine kleine Reibe und andere Kochutensilien parat. Ich habe versucht die Schubladen möglichst übersichtlich einzuräumen, damit wirklich alles (s)einen Platz hat und sie jederzeit leicht an ihre Sachen herankommen kann.


Ihre kleine, selbstgenähte Schürze sowie ihre Putzwerkzeuge bekamen ebenso einen fixen Platz. Es sind nicht viele Werkzeuge, die in ihrer Putzecke für sie bereit stehen, wirklich nur das, was sie im Alltag immer wieder braucht: ein kleiner Eimer, eine Schrubbürste, trockene Lappen sowie Besen, Handfeger und Schaufel. Für zu Hause reichen diese völlig aus.


Wir trennen Müll, daher habe ich ihr nach genauer Recherche passende Bilder auf die jeweiligen Mülleimer geklebt. So kann sie sich (aber auch ich mich) besser orientieren.


Der Vorraum
Was mir beim Einrichten ihres Bereiches im Vorraum wichtig war, dass dieser möglichst simpel aber praktisch ist. Er besteht aus einem kleinen Beistelltisch als Schuhablage, einem Korb für Halstücher und Hauben sowie Haken für Schuhlöffel, für Taschen und Jacken. Junge Kinder haben ja viel kürzere Arme und erreichen ihre eigenen Füße beim Sitzen nur mühsam, daher bekam sie einen Sessel  mit abgesägten Beinen, so kann sie ihre Schuhe viel bequemer an- und ausziehen.


Die Sanitärräume
Wir hatten eine Zeitlang das Problem, dass die Toilette wegen dem viel Papier, das drinnen landete, immer wieder verstopft war. Seitdem ihr dieser Korb mit nur einigen Papierstücken zur Verfügung steht, ist dieses Problem ohne viel Trara aus der Welt geschafft. Dazu müssen wir ihr diesen Korb nur regelmäßig nachfüllen.


Zum Baden liegen ihr ein Naturschwamm, ein Waschlappen, (den ich ihr für ihre Handgröße zurecht genäht habe) und ein Seifenspender mit 2 in 1 Waschgel bereit. Ihr Bademantel, der auch gleichzeitig ihr Badetuch ist, bekam einen Haken auf einer für sie erreichbaren Höhe an der Tür.

Früher, als sie den Wasserhahn beim Waschbecken nicht erreichen konnte, richteten wir ihr einen kleinen Waschtisch ein, den wir tagtäglich fürs Händewaschen und Zähneputzen verwendeten. Sie holte sich mit dem Krug jedes Mal Wasser und nach dem Händewaschen leerte sie die Schüssel selbst in der Badewanne aus. Heute ist der Wasserhahn natürlich kein Thema mehr und mit Hilfe von diesem kleinen Tritthocker kommt sie jederzeit an das Waschbecken heran.


Der passende Spiegel über unserem Waschbecken fehlt leider noch, also bemalte ich einen kleinen Beistelltisch weiß, verpasste ihm einen kleinen Hocker (ein Flohmarktfund) mit einem selbstgenähten Bezug, besorgte noch beim Interio ein unglaublich hübsches Papierkörbchen für 6 Euro und richtete Julia diesen Frisiertisch und eine Nasenputz-Station ein. Ganz nach ihrem Geschmack.

Doch jedes Zuhause und jede Familie ist anders und hat unterschiedliche Ressourcen, daher wird auch die Umsetzung eine ganz individuelle sein. Mit etwas Kreativität lässt sich aber bereits mit wenigen Handgriffen die eigene Wohnung so einrichten, dass auch Kinder möglichst vieles selbstständig bewältigen und im Familienalltag aktiv mitmachen können.

P.S.: Im zweiten Teil meiner Serie zeige ich Euch dann das Kinderzimmer, samt Bett, Garderobe und Spielsachen.

26.03.2016

Ostereier, Schmetterlinge und Pinzen mit Hasenohren

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Wie bereits letztes Jahr, kommen bei uns natürlich gefärbte Ostereier auf dem Ostertisch. Ich liebe diese natürlichen Farben und dass jedes Ei eine ganz andere Nuance bekommt. Die Arbeit in der Küche dauert zwar etwas länger als mit den fertigen Farbmischungen, aber die Küche gemeinsam zu einem Farblabor umzuwandeln machte uns einen Riesen Spaß!


Für die gelben Eier nahmen wir Kurkuma, für die blauen Heidelbeeren, für die rot-rosa farbigen Rote Beete und Johannisbeer Saft. Wir färbten weiße und auch braune Eier um ganz unterschiedliche Farben zu bekommen. Hilfreiche Tipps für unsere naturgefärbten Eier fand ich hier und auch hier.


Origami ist bei uns zur Zeit voll im Trend, daher falteten wir auch bunte Körbchen und Schmetterlinge als Tischdekoration. Die Schmetterlinge sind wirklich nicht kompliziert, auch nicht für etwas geübtere Kinderhände und sind ein echter Hingucker!


Zuerst beide Diagonalen, dann zwei Mal in der Mitte falten. Danach die zwei gegenüberliegenden Seiten zusammenführen und die Form zu einem Dreieck zusammenklappen. Das Dreieck noch einmal in der Mitte zusammenklappen und die 4 Spitzen mit der Schere etwas abrunden. Danach das Dreieck wieder aufklappen und die beiden oberen Flügel zur Mittellinie falten. Die Spitze vom Dreieck mit dem Rechten Winkel nach oben falten (aber nicht flachdrücken) und die etwas überstehende Spitze noch einmal nach hinten falten. Schmetterling umdrehen und die beiden Flügel etwas zusammendrücken. Fertig.


Diesmal versuchten wir es auch mit selbstgemachten Osterpinzen und lehnten uns dabei an dieses Rezept. Die Zutaten bereitete ich vor, den Rest machte, mit ein wenig Anleitung dann sie. Sogar die niedlichen kleinen Häschen, deren Ohren sie mit einer Schere eingeschnitten hatte. Ich hoffe, ihr hattet auch eine entspannte Vorbereitungszeit? Wir wünschen Euch und euren lieben Familien ein wunderschönes Osterfest!

24.03.2016

Was wir mit Schleich Tieren alles machen (Teil 1)

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Es gibt wunderschöne Tierfiguren aus Holz die ich jedes Mal aufs neue bewundere, dennoch entscheiden wir uns beim Kauf immer wieder für die Schleich Tieren. Sie sind zwar aus Plastik, allerdings faszinierend detailtreu. Bis heute erforscht Julia die Figuren ganz genau auf ihre Details und entdeckt immer wieder etwas Neues. Unsere Sammlung ist in den letzten 3 Jahren recht groß geworden, so dass ich dachte, ich zeige Euch einige Ideen, was wir mit unseren Schleich Tieren alles machen.

Schleich Tieren Karten zuordnen
Was Julia bereits mit 17 Monaten auf ihrem Regal hatte, war ein Zuordnungsspiel mit einigen wenigen Schleich Figuren und den dazu gehörigen Karten. Sie liebte nicht nur das Zuordnen, sondern auch neue Wörter dabei zu lernen und entdeckte jeden Tag was neues an den Figuren. Hier einige unserer Karten zum Herunterladen.


Schleich Figuren mit Tierbilderbüchern
Manchmal lege ich ihr aber ganz einfach einen Korb mit 1-2 Schleich Figuren neben einem Buch über das Tier auf ihr Regal. Mal Schildkröten, mal Bären oder Elefanten. So kann sie die im Buch beschriebenen Eigenschaften und Unterschiede an den Figuren auch gleich genau untersuchen.


Schleich Tiere im Geheimnisvollen Beutel
Auch ihr geheimnisvoller Beutel füllt sich oft mit Schleich Figuren. Diesmal waren Vögel aus aller Welt im Beutel, die sie durch Ertasten erriet. Sie liebt diesen Beutel bis heute noch! Meistens redet sie laut dabei während sie einen Beutelinhalt ertastet: "Ich habe etwas mit ganz langen Beinen und einem langen, spitzen Schnabel. Ein....Storch!"


Das Anlaut-Spiel mit Schleich Tieren
Vorgestern ordnete sie ihre Figuren je nach deren Namen zu den passenden Buchstaben. Damit sie alleine arbeiten konnte, legte ich ihr 5 Buchstaben mit 5 Schleichfiguren in einem Korb bereit, aber sie war recht schnell fertig, so dass sie weitere Buchstaben und Figuren dazu nahm. Ich liebe es zu beobachten, wenn Kinder ganz genau wissen, was sie brauchen und sich selbst eine passende Herausforderung suchen.


Schleich Tiere Kontinenten zuordnen
Letzte Woche bereitete ich ihr einige Karten über Kontinente und dort beheimatete Tiere vor. Ich habe die Karten absichtlich schwarz-weiß gelassen, damit sie die Kontinente selbst ausmalen konnte. Ich finde, Ausmalen ist eine wunderbare Arbeit, nicht nur für die Hand. So konnte sie noch einmal wichtige Details wie Seen, Inseln oder bestimmte Formen entdecken.


Anhand der Karten ordnete sie dann die Tiere, die in einem Korb vorbereitet waren, den passenden Kontinenten zu. Es war wirklich eine sehr große Arbeit. Mit Anmalen der Karten und dann Zuordnen der Tiere arbeitete sie knapp über eine ganze Stunde. Auch unsere Kontinenten-Karten könnt ihr gerne mitnehmen.

06.03.2016

In den letzten Wochen

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In den letzten Wochen verbrachten wir die Nachmittage und Abende nach der Arbeit mit Kisten packen, schleppen und mit Möbel aus- und wieder zusammenbauen. Aber nun ist es vollbracht. Wir sind endlich in unserem neuen Heim angekommen und wir lieben es! Uns fehlen noch einige Möbelstücke und auch für Julia müssen wir die Wohnung noch besser anpassen, aber wir fühlen uns hier jetzt schon richtig wohl.


Ihr Lieblingsmaterial vom Regal: der Bausatz von JOVO. Er ist genial! Mit einfachen Grundformen wie Dreiecke, Vierecke oder Fünfecke, lassen sich frei nach Kreativität die verschiedensten Figuren und Formen erschaffen. Sie baut Würfel, Pyramiden oder experimentiert einfach mit den Flächen, was sich alles mit ihnen auslegen lässt.


Seit einigen Wochen sind wir auch im "Wikki-Fieber". Die Bastelstäbchen bekam sie zu ihrem Geburtstag und weil ich ahnte, dass sie eine große Freude damit haben wird, bestellte ich ihr gleich eine große Packung.


Hinter der Idee von Wikki Stix steckt eine unglaublich einfache aber fantastische Erfindung. Die bunten Stäbchen bestehen aus Garn umhüllt mit einer Wachsmischung. Mit Fingerspitzendruck haften sie, hinterlassen jedoch keine Spuren. Man kann sie mit der Schere zuschneiden und sie sind mehrfach verwendbar. Wir bauten alles, was uns einfiel. Geometrische Figuren und Körper, Tiere, Blumen und die unterschiedlichsten Gegenstände. Sie legte sogar ihren Namen mit den bunten Stäbchen heraus.


Auch die Wohnung von meiner Mama mussten wir in den letzten Wochen leer räumen. Dabei fand ich ein Buch über das Licht und nahm es für Julia mit nach Hause. In dem Buch ist auch ein kleines Experiment beschrieben, wobei Kräutersamen gesät werden, die eine Stelle jedoch mit einem Topf abgedeckt wird, so dass kein Licht durchdringen kann. Die Pflanzen, die ohne Sonnenlicht wachsen, verkümmern, die jedoch die vielen Sonnenstrahlen hatten, gedeihen grün und üppig. Julia bat mich, ihr zu helfen, diesen Versuch auch selbst durchzuführen.


Wir kauften also Kresse- und Schnittlauchsamen, sowie kleine Töpfe, passende Kräutererde und suchten aus den Kisten ihre Gartenwerkzeuge heraus. Wir säten beiden Samensorten in beide Töpfe und deckten den einen Topf lichtdicht ab. Ab jetzt heißt es, warten.


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11.02.2016

Kindern mehr zutrauen

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"Heute machst Du den Einkauf." sagte ich am Samstagvormittag zu ihr heiter. "Alleine!" und drückte ihr eine Einkaufstasche und einen Einkaufzettel, bestehend aus einigen Bildern, in die Hand. Sie studierte den Zettel mit den Fotos und lächelte. "Wirklich ich?" freute sie sich. "Ja, Du. Ich werde hinter Dir gehen und bei der Kassa bezahlen, aber den Einkauf kannst heute Du machen, wenn Du willst." - " Jaaa!"


Nachdem sie sich einen kleinen Einkaufswagen geholt hatte, ging sie zum Obstregal und suchte sich, wie auf ihrem Zettel stand, 3 Äpfel von einer Sorte aus. Zuesrt legte sie das Obst in ihren Wagen, dann holte sie sich auch noch ein Säckchen und pakte die Äpfel hinein.


Als sie das Säckchen Äpfel gut im Wagen verstaut hatte, hielte sie Ausschau nach Bananen, worauf sie auch ein wenig mit einer älteren Dame plauderte.


Ich versuchte, den Einkaufzettel so zu gestalten, dass sie alles, was sie besorgen sollte, auch erreichen konnte und weil in diesem Lebensmittelgeschäft das Obst und Gemüse auch bei der Kassa abgewogen wird.  Somit wäre es kein Problem gewesen, hätte sie dies hier nicht getan. Aber sie ging zur Waage, bat jedoch nicht mich um Hilfe um die Zahlen zu drücken, sondern die ältere Dame von vorhin.



Sie ging die Einkaufsliste der Reihe nach durch und suchte genau nach der Milchpackung, die auf ihrem Zettel abgebildet war.


Dann schob sie ihren kleinen Wagen hüpfend weiter zur Semmeltheke und schnappte sich die Zange. Sie nahm allerdings keine Tüte und merkte dies erst, als sie bereits eine Semmel in der Zange hatte. Ich stand nicht weit weg, aber sie schaute nicht nach hinten und auch ich hielt den Abstand und schwieg. Ich vertraute ihr und wollte, dass sie das auch weiß. Denn wenn sie weiß, dass ich ihr solche Aufgaben zutraue, dann glaubt sie auch an sich selbst und sieht, wozu sie fähig ist. Sie grübelte einige Sekunden, dann aber legte sie die Semmel einfach so in den Einkaufswagen und holte sich eine Papiertüte.


Ich ging ihr einfach stillschweigend hinterher und genoss es, sie dabei zu beobachten, wie sie den Einkauf erledigte. Manchmal verweilte sie vor den Regalen, begutachtete die Waren, manchmal blieb sie mitten im Flur stehen um anderen Kindern zuzuschauen.



Sie machte noch eine Runde zwischen den Regalen, bis sie auch die Nudeln, ein kleines Glas Honig und eine Packung Käse in ihrem Einkaufswagen hatte.


Dann ging sie zur Kassa und stellte sich in die Warteschlange und obwohl wir noch gar nicht an der Reihe waren, begrüßte sie die nette Kassiererin, die sie seit Jahren kennt, mit einem fröhlichen "Hallo!".


Es war eine wunderbare Erfahrung. Für sie und auch für mich. Auch wenn sie deswegen nicht gleich jeden Einkauf alleine erledigen wird, hatte sie an diesem Tag eine Aufgabe gemeistert, an der sie ein großes Stück wachsen konnte. Eine Aufgabe, bei der sie zu unserem Familienalltag beitragen durfte und die ihr das Gefühl gab, wichtig und fähig zu sein. Und sie trug die Tasche unglaublich stolz nach Hause.