09.03.2017

"Wenn Ihr Kind es besser weiß als Sie"

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"Angenommen, eine närrische Froschmutter würde ihren kleinen Kaulquappen im Teich sagen: 'Kommt heraus aus dem Wasser, atmet die frische Luft ein, vergnügt Euch im grünen Gras, dann werdet ihr alle zu starken, gesunden kleinen Fröschen heranwachsen. Kommt schon mit, Mutter weiß es am besten!' - Wenn dann die kleinen Kaulquappen versuchten zu gehorchen, würde es gewiss ihr Ende bedeuten.


Und doch ist dies die Art, in welcher so viele von uns versuchen, die Kinder zu erziehen. Wir sind darauf bedacht, sie zu intelligenten und nützlichen Bürgern zu machen, die einen guten Charakter haben sollen und die gute Manieren an den Tag legen sollen. Und so verwenden wir viel Zeit und Geduld darauf, sie zu korrigieren.


Dieses kleine Leben, das wir zu modellieren bemüht sind, braucht kein Drängen und Quetschen, kein Verbessern und Bemäkeln, um seine Intelligenz und seinen Charakter zu entwickeln. Die Schöpfung achtet auf die Kinder ebenso, wie sie dafür sorgt, dass die Kaulquappe zu einem Frosch wird, wenn die Zeit dazu da ist.


'Aber', höre ich Sie sagen, 'sollen wir die Kinder tun lassen, was sie wollen? Wie können sie wissen, was das Beste für sie ist, wenn sie keine Erfahrung haben? Und denken Sie, was für kleine Wilde sie würden, wenn wir sie nicht Manieren lehrten.'


Haben Sie jemals Ihren Kindern auch nur an einem Tag die Chance gegeben zu tun, was sie möchten, ohne dass Sie sich einmischten? Versuchen Sie es, und Sie werden erstaunt sein. Warten Sie und beobachten Sie, wie etwas ihr Interesse einfängt. Vielleicht sehen die Kinder Sie einen Schlüssel im Schloss drehen und wollen das auch tun. Oder sie wollen Ihnen fegen helfen. Oder sie möchten eben ein paar niedliche kleine Muster  mit Steinchen auf Ihren sauberen Flur legen. [...] Geben Sie ihnen den Schlüssel, suchen Sie ihnen einen kleinen Besen zum Fegen, lassen Sie sie das Muster auf den Flur legen und sehen, wie sie davon gefesselt werden.


Es ist oft nicht genug für Kinder, etwas ein- oder zweimal zu tun, sondern sie wollen die gleiche einfache Handlung wieder und wieder ausführen, bis sie einen inneren Drang gesättigt zu haben scheinen. Sie werden überrascht sein, wie sie vor Unfug bewahrt sind, wenn sie sich mit etwas beschäftigen dürfen, was sie wirklich interessiert. Aber wenn Sie ungeduldig eingreifen und irgendeine fesselnde Beschäftigung unterbrechen, zerstören Sie die Konzentration und Ausdauer Ihres Kindes. Und sehr wahrscheinlich wird sich das Kind mit bewusstem Unfug Luft verschaffen.


[...] Wir sind alle so eifrig mit unserem erwachsenen Froschwerk beschäftigt, dass wir vergessen, dass die kleinen Kaulquappen ihr eigenes Werk zu verrichten haben.

Aber wenn wir unsere ganze Haltung ändern und uns selbst sagen: 'Das Kleinkind weiß, was das beste für es ist. Lasst uns selbstverständlich darüber wachen, dass es keinen Schaden erleidet. Aber statt es unsere Wege zu lehren, lasst uns ihm Freiheit geben, sein eigenes kleines Leben nach seiner eigenen Weise zu leben.' Dann werden wir, wenn wir gut beobachten, vielleicht etwas über die Wege der Kindheit lernen."
  
Auszug aus dem Artikel: "When Your Child Knows Better Than You" von Dr. Maria Montessori 
an Eltern gerichtet,
aus der Zeitschrift: Daily Dispatch, 1932, 3. Februar

08.03.2017

Mit Kindern entspannt in der Küche - 6 einfache Tipps, wie es uns gelingt

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Bereits als ganz junges Kind liebte es Julia im Haushalt mitzuhelfen, am allerliebsten jedoch beim Kochen und Backen. Damals war ich noch recht unsicher, was ich einem Kleinkind, das gerade mal 14-17 Monate alt war, zutrauen könnte und machte mir Sorgen, dass es sich selbst verletzen könnte, dass ich dann mit dem Kochen kaum vorankommen würde oder dass ich danach die ganze Küche putzen müsste.

Auch wenn es Tage gibt, wo ich doch lieber alleine in der Küche sein möchte, konnte ich all die Jahre erleben, dass mit ein paar Veränderungen in der Umgebung und mit einer gewissen inneren Haltung, auch Kochen und Backen mit (Klein)Kindern ganz entspannt sein kann und auch jede Menge Spaß machen kann.


Ein passender Arbeitsbereich für mehr Unabhängigkeit

Ganz am Anfang bauten wir ihr einen Küchenturm, doch wir waren damit nicht wirklich zufrieden. Einerseits, weil dieser Küchenturm ständig im Weg war, so dass wir nur mühevoll zu den Küchenschubladen heran kamen, wenn Julia gerade drinnen stand. Andererseits merkten wir, dass sie immer weniger achtsamer kletterte, immerhin war ja ein Schutzgelände dran, wozu also die Mühe, achtsam zu sein? Was mich aber am allermeisten störte war, dass einer von uns immer bei ihr sein musste, wenn sie hinaufkletterte. Wir wollten aber, dass sie wirklich selbstständig sein konnte, unabhängig davon, ob wir in der Küche waren oder nicht - und suchten lieber nach einer anderen Lösung.

Wir ließen es mit dem Küchenturm und richteten ihr einen eigenen Küchenbereich ein. Seitdem sie ihren eigenen Arbeitsbereich hat, ist das gemeinsame Kochen so viel entspannter geworden! Sie kann wirklich ganz unabhängig von uns arbeiten. In der alten Wohnug gab es für ihren eigenen Arbeitsbereich keinen Platz in der Küche, so dass wir ihr 2 kleine Tische direkt vor der offenen Küche hinstellten. Da sie aber seither gewachsen ist, besorgten wir ihr für die neue Wohnung einen etwas größeren HEMNES Beistelltisch mit praktischem Regalboden als Ablage. Jetzt, wo wir unseren Erdling Nr. 2 erwarten, bin ich besonders froh darüber, dass sie ihren eigenen Arbeitsbereich hat, denn 2 Kinder hätten niemals bequem beim Küchenpult arbeiten können - geschweige denn, wäre ich jemals dabei entspannt geblieben.


Mit echtem Werkzeug echte Arbeit verrichten

Es macht wirklich einen Unterschied, ob Kinder echtes Werkzeug zum Arbeiten haben - ob sie echte Arbeit verrichten dürfen. Schon in der Kleinkindgruppe konnte ich beobachten, wie achtsam junge Kinder mit echten Küchenutensilien umgehen konnten, wodurch sie auch viel konzentrierter arbeiteten. Als Julia noch so jung war, habe ich ihr natürlich kein scharfes Messer angeboten, denn dazu wären ihre ungeübte Hände noch nicht bereit gewesen. Aber es gibt auch andere praktische Küchenutensilien, die nützlich sind und auch die passende Größe für kleine Hände haben. Sei es eine kleine Gemüsebürste*, ein Nussknacker zum Schrauben*, eine kleine Teigrolle* oder ein Buttermesser*.


Es kommt auch auf die passende Arbeit an

Damals tat ich mir recht schwer damit, einzuschätzen, welche Arbeiten ein 15-17 Monate altes Kind denn in der Küche durchführen könnte. Ich beobachtete sie zwar und versuchte sie beim Kochen in ganz simple Aufgaben einzubinden, holte aber auch Anregungen aus ihrer damaligen Kleinkindgemeinschaft. Auch wenn ich mir heute wesentlich leichter tue, lasse ich mich auch von Julia's Kinderhaus gerne inspirieren. Gemeinsam mit anderen Montessori Pädagogen (0-3 und 3-6) habe ich für Euch einige dieser Ideen zusammengeschrieben und auch versucht, diese in Altersgruppen einzuordnen. Hier eine kleine Ideensammlung zum Ausdrucken, welche Aufgaben Kinder in der Küche verrichten können.


Den Arbeitsbereich vorbereiten und zeigen, wie es geht

Bevor sie mit einer Arbeit anfängt, wie etwa Karotten zu schälen oder etwas zu schneiden, überlege ich mir ganz genau, was ich ihr dazu alles vorbereiten soll. Wie viele Schüsseln wird sie benötigen? Braucht sie ein Schneidebrett? Wohin kommen die Schalen und wohin die geschälten/aufgeschnittenen Gemüsestücke? Wie kann das Gemüse sicher liegen bleiben, ohne beim Schneiden wegzurollen? Hat sie auch ausreichend Kraft diese Gemüse-/Obstsorten durchzuschneiden? Ist das Werkzeug wirklich passend für sie und für ihre Arbeit? Es ist nicht wirklich viel Aufwand, ihr den Arbeitsbereich passend vorzubereiten, bewirkt jedoch eine Menge! Sie kann nicht nur viel selbstständiger und konzentrierter arbeiten, es entsteht dabei auch viel weniger Chaos. Hier ein älterer Beitrag über einige vorbereitete Arbeitsbereiche.


Wie bei der Vorbereitung überlege ich mir schon im vorhinein, wie ich ihr den Umgang mit einem neuen Werkzeug zeigen kann, wie es für sie am sinnvollsten und am sichersten ist, dieses zu benutzen. Ich probiere es auch selbst aus und mache mir Gedanken darüber, worauf es genau ankommt, damit eine Arbeit mit geringer Verletzungsgefahr umgesetzt werden kann.

Je jünger sie war, umso mehr achtete ich auf meine Bewegungen. Ich zeigte ihr alles ganz langsam und hielt mit meinen Bewegungen auch immer wieder inne, damit sie mir folgen konnte. Wenn sie dann die Arbeit weitermachte, versuchte ich mich zurückzuhalten und sie einfach probieren zu lassen. Nichts nimmt von einer Tätigkeit mehr die Freude, als wenn sich jemand ständig einmischt und einem sagt, was er alles falsch macht.


Wie mit einem guten Freund...

Manchmal hole ich mir einen kleinen Schemel und setze mich an ihren Küchentisch um mit ihr gemeinsam zu arbeiten. So kann sie mich und auch ich ihre Bewegungen besser beobachten. Aber auch sie schiebt gerne ihren kleinen Tritthocker zu mir zum Herd oder zum Küchenpult und übernimmt das Würzen oder das Rühren und ich genieße dieses gemeinsame Tun sehr und dabei zuzuschauen, wie viel Freude sie an all dem hat.


Nnatürlich landet so viel mehr Mehl auf dem Boden, als wenn ich alleine backen würde. Auch die Pizza wird nicht gleichmäßig belegt und weder Kekse, noch Kuchen oder Gebäck werden perfekt geformt, dennoch sind für uns diese Momente, die wir gemeinsam in der Küche erleben, Beziehungsmomente, bei denen wir viel gemeinsam lachen, einander viel erzählen und unsere Gedanken und Gefühle miteinander teilen. So, als würde ich mit einem guten Freund gemeinsam das Essen zubereiten.

Und wenn es mal nicht gemeinam geht, ist es auch okay!

Nichts desto Trotz gibt es auch Tage, wo wir keine Zeit haben, gemeinsam zu kochen oder ich sie nicht in alles, was ich mache, miteinbeziehen kann. Manchmal übernimmt sie eben nur das Tischdecken, manchmal schaut sie nur zu während ich schnell was zubereite und wir unterhalten uns einfach dabei oder sie holt mir Sachen aus dem Kühlschrank. Und es gibt auch Tage, wo sie selber keine Lust hat, in der Küche mit zu helfen.

Viel lieber plane ich diese gemeinsamen Zeiten in der Küche, wenn ich weiß, ich werde es ebenso genießen können, wie sie es tut. Denn eines habe ich von ihr bereits gelernt: wie wesentlich es ist, mit meiner ganzen Aufmerksamkeit bei jemanden zu sein und die gemeinsamen Momente einfach nur zu genießen.


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27.02.2017

Praktische Kleiderschränke im Kinderzimmer nach Montessori

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Ich liebe solche Kleiderschrank-Ideen im Kinderzimmer. Sie schaffen Übersicht im Kleiderkasten, haben die passende Höhe für Kinder und ermöglichen somit bereits den allerjüngsten beim An- und Ausziehen mehr Selbstständigkeit. Ab dem Moment, wo Julia gehen und Schranktüren öffnen konnte, richteten wir ihr auch einen passenden Kleiderschrank ein. In ihrem damaligen Mini-Zimmer war kein Platz für einen Schrank, so bekamen ihre Klamotten die 3 untersten Regale in einem der  Einbauschränke in unserem Zimmer. Nach unserem Umzug besorgten wir ihr dann endlich einen SUNDVIK Kleiderschrank vom Möbelschweden, wo sie ihre Kleider und Westen ganz praktisch aufhängen konnte.

Für uns funktioniert der Kinder-Kleiderschrank mit der Kleiderstange wunderbar und wir würden es nicht mehr missen wollen! Die Kleiderstange macht den Schrankinhalt viel übersichtlicher und auch Julia fällt es so leichter bei ihren Klamotten Ordnung zu halten. Damit sie aber die Kleiderstange wirklich problemlos erreichen kann, sägten wir die Beine des Schrankes erheblich kürzer.


Wie jedes Jahr, beginne ich vor dem Frühlingsbeginn (und vor dem Wintereinbruch) ihren Schrank auszusortieren, so dass sie entweder Klamotten für die warme oder eben nur für die kalte Jahreszeit vorfinden kann. Ich mag dieses System, denn es schafft viel Raum in ihrem Kleiderschrank und macht unseren Alltag viel reibungsloser wenn sie sich selbst Klamotten zum Anziehen aussucht oder ihre Klamotten wieder wegräumen will. Bereits als Kleinkind haben wir sie beim alltäglichen Wäschewegräumen so oft wie möglich miteingebunden und auch beim Anziehen selbst hatten wir oft die Gelegenheit zu Bbesprechen, zu welchem Wetter oder Anlass welche Klamotten passen.


Es hat wirklich alles seinen Platz. Kleider und Westen hängen auf praktischen Kleiderhaken, Röcke, Leggings, Hosen und ihre Pyjamas sowie ihre Badeanzüge liegen sortiert in Körbchen bereit. Letztere zwei sind im oberen Regal, da sie diese nicht so oft braucht. Wenn sie sich jedoch einen neuen Pyjama oder einen ihrer Badeanzüge holen möchte, nimmt sie sich als Hilfe den Tritthocker aus dem Badezimmer nebenan.


In der Schublade sind Unterwäsche und auch ihre T-Shirts in praktischen Stoffkörben sortiert. Ich legte auch eine kleine Seife in die Schublade, wie es auch einst meine Mama immer machte. So bekommt die Wäsche immer einen zarten, lang anhaltenden Duft.

Damit sie nicht jeden Korb ständig herausziehen muss, um zu sehen, was drinnen ist und auch alles wieder alleine wegräumen kann, kleben bis heute kleine Bilder über den jeweiligen Kleidungsstücken auf den Körbchen und auf der Kleiderstange - und es funktioniert prima! (Hier unsere Bilder zum Herunterladen.) Genauso gut können aber die Klamotten nach Jahreszeiten oder Wetterbedingunegn sortiert werden, (wie wir dies früher aus Platzmangel gemacht haben) und dabei kleine Fotos über das Wetter anbringen.

11.02.2017

Auf ihrem Regal (fast 5 Jahre alt)

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Es braucht wirklich keines der originalen Montessori-Materialien um das Spielregal im Kinderzimmer nach Montessori zu gestalten. Einige sorgfältig ausgewählte Spielsachen, die schön, schlicht und sinnvoll sind und den Interessen der Kinder entsprechen, sind völlig ausreichend. Beim Kauf von Spielsachen bin ich allerdings sehr kritisch und bevor ich ihr was neues kaufe, stelle ich mir jedes mal folgende Fragen:
  • Ist das wirklich sinnvoll? 
  • Kann sie dadurch etwas neues über ihre Welt oder über sich selbst erfahren? 
  • Ermöglicht es Kreativität? 
  • Ermöglicht es zu forschen, zu denken und zu hantieren? 
  • Wirklich mit beiden Händen aktiv zu arbeiten? 
  • Bietet es eine angemessene Herausforderung? 
  • Kann sie damit auch alleine arbeiten? Ohne Hilfe?
  • Kann sie die Arbeit damit wiederholen, so oft sie will? 


Schon lange her, dass ich gezeigt habe, welche Spielsachen Julia auf ihrem Regal stehen hat, dabei sind einige dieser Sachen bereits seit gut einem Jahr hier, aber es sind auch einige Spielsachen dabei, die sie erst seit ein paar Monaten besitzt:

1.// Ein Korb mit Spielzeugautos und Verkehrszeichen*, dazu ein kleiner Autoteppich vom Möbelschweden, der eingerollt in ihrem Teppichkorb für sie bereit steht. Sie bekam dieses Set und den Teppich bereits letzten Sommer, spielt aber bis heute gerne und oft damit. Sie stellt viele Fragen zu diesen Schildern und wir reden darüber, was diese bedeuten, was die Autos dabei machen müssen und sie spielt auch gerne Szenen nach, die sie bereits gesehen und erlebt hat.

2.// Die Cuboro ist seit gut 2,5 Jahren Julias Lieblingskugelbahn. Den Korbinhalt stockten wir jedes Jahr mit einem Ergänzungspacket auf, diesmal gab es zu Weihnachten die Cugolino Hit*.


3.// Ein wunderschönes Baum-Puzzle aus Holz mit europäisch beheimateten Vogelarten. Das Puzzle ist handgefertigt und Qualitätsarbeit, so dass sich die Teile lückenlos zusammenlegen lassen. Die Namen der Vögel waren im Paket dabei, sogar in mehreren Sprachen, so dass sich daraus auch tolle Sprachkarten anfertigen lassen. Das Puzzle findet ihr, neben vielen anderen tollen Puzzles, im Shop von Manine Montessori.


4.// Auf den Rücken rollen wie ein Bär, watscheln wie eine Ente oder seitwärts krabbeln wie eine Krabbe, das Nachmachen der Tiere macht mit diesen Karten* richtig viel Spaß! Außerdem ist dabei für jede Menge Bewegung gesorgt.

5.// Ich finde klassisches Lego für Kinder großartig! Es ermöglicht Kreativität, führt zu Konzentration und macht schlicht und einfach Spaß! Auch ich hatte als Kind Lego und auch hier wird der Korb mehrmals in der Woche herausgeholt. Damit aber die kleinen Teile nicht überall herumliegen, bot ich Julia von Anfang an einen kleinen Teppich als Arbeitsbrereich* dazu an, sowie eine kleine Holzschale, wo sie ganz kleine Teile, die sie später dann braucht, beiseitelegen kann.

6.// Sie wird in wenigen Tagen 5 Jahre alt und ich spüre schon seit mehreren Monaten, dass für sie soziales Lernen, mit anderen etwas gemeinsam machen, sich an Regeln zu halten, enorm wichtig und auch stark bewusst ist. Daher halten wir auch immer mehr Ausschau nach solchen Gesellschaftspielen für die ganze Familie. Bei diesem Bärenspiel* mag ich, dass es keine Gewinner oder Verlierer gibt, sondern die Aufgabe nur gemeinsam gemeistert werden kann.


7.// Seit einem guten halbenJahr hat sie großes Interesse an Knochen und dem Skelett. Wir besuchen hin und wieder das Naturhistorische Museum um alle möglichen Arten und Größen von Knochen zu bewundern, zusätzlich bekam sie auch dieses Skelett-Puzzle aus Schaumstoff. Das Skelett ist um einiges größer als sie, daher macht es ihr jedes mal einen Riesenspaß sich auf die fertig zusammengesteckten "Schaumknochen" zu legen um zu schauen, welcher ihrer Knochen wo zu finden ist.


8.// Als Ergänzung zum Skelett-Puzzle besorgte ich ihr auch einige Röntgenkarten. Die Karten zeigen Fotos von Tieren und Menschen, wenn man diese Fotos aber gegen das Licht hält, sieht man die Unterschiede und Gemeinsamkeiten ihres Skeletts. Spannend!

9.// Ein Korb mit afrikanischen Musikinstrumenten: eine handgefertigte Djembe* sowie ein Regenmacher*. Bei der Djembe habe ich ihr gezeigt, wie sie diese anschlagen kann und mit welchem Teil ihrer Hände welche unterschiedlichen Töne erzeugt werden können.


10.// Ein großes Weltkarten-Puzzle über Tiere und wo sie leben. Das Puzzle besteht aus recht großen Teilen, so dass auch viel Bewegung ins Spiel kommt wenn sie die Karte auslegt. Ich habe lange nach diesem Puzzle gesucht, denn die meisten haben entweder zu viele Tiere oben, oder auch Elemente, die mich sehr gestört haben. Da ich aber dieses Puzzle in keinem Shop gefunden habe, kaufte ich ein gebrauchtes auf einem Flohmarkt. (Ein ähnliches findet ihr allerdings hier*.)

11.// Vom Christkind bekam sie diese wunderschönen Mosaiksteine von Grimm's*, da sie so gerne baut und Mandalas legt. Ich liebe diese Farben!


12.// Ein großes Holztablett, eine große Packung Kinetic Sand* und ein Körbchen mit einigen geometrischen Füllkörpern*. Von letzteren bestellte ich ein recht großes Set, reduzierte es aber für sie auf nur einige der Körper. Der Sand ist fantastisch! Er lässt sich wunderbar mit diesen Hohlkörpern formen und dennoch muss Julia vorsichtig sein, damit diese nicht gleich auseinander fallen, wenn sie sie berührt.


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08.02.2017

Wie viel (selbstgemachte) Materialien braucht es für Montessori zu Hause?

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Als Montessori-Pädagogin liebe und schätze ich die Montessori-Materialien! Und ebenso liebe ich selbstgemachte Materialien und tolle Ideen für zu Hause, die schlicht und sinnvoll sind und es Kindern ermöglichen, eigene Entdeckungen zu machen. Ich habe schon viele tolle Ideen im Internet gesehen und auch ich selbst mache gerne solche Materialien für meine Tochter, dennoch denke ich, dass in Wirklichkeit nicht diese Materialien Montessori zu Hause ausmachen.


Ich kenne einige Familien, die viele Materialien für zu Hause basteln, den Kindern aber nur in wenigen Bereichen Selbstständigkeit ermöglichen und auch mit der Philosophie nicht ganz einverstanden sind. Und ich kenne Familien, (unter anderem auch von Montessori-Pädagogen), wo Kinder in ganz vielen Bereichen im Alltag  selbstständig sind und auch mit dieser ganz bestimmten Grundhaltung begleitet werden, jedoch kaum selbstgemachte Materialien zu Hause haben. Ich weiß, dass manche Eltern verzweifelt sind, weil ihre Kinder keine Montessori-Einrichtung besuchen können oder weil sie weder die Zeit noch die Ressourcen haben, all die schönen Materialien aus dem Internet nachzubasteln. Aber das Wesentliche, was Montessori zu Hause wirklich ausmacht, sind nicht diese Materialien.


Mit einer Vorbereiteten Umgebung die es Kindern erlaubt, ihre Unabhängigkeit Stück für Stück zu erobern, ist bereits eine Menge getan! Auch mit einigen wenigen, sorgfältig ausgesuchten Spielsachen, die den Interessen der Kinder entsprechen, die schön, schlicht und sinnvoll sind, kann man ein Kinderzimmer wunderbar nach Montessori gestalten. Wenn Kinder am Alltag teilhaben dürfen, echte Aufgaben von Anfang bis zum Ende selbstständig verrichten dürfen und ihre Hände sinnvoll gebrauchen, ist dies viel wesentlicher, als selbstgemachte Materialien. Montessori findet man aber auch im Garten oder im Wald, wo Kinder die Lebewesen und die Natur beobachten, erleben und bewundern können. Oder aber auch in Büchern, beim Wäsche zusammenlegen, beim Tischdecken... Montessori steckt überall!


Es bedeutet, den Kindern zu zeigen, wie schön doch unsere Welt ist und ihnen nur "einen Lichtstrahl geben und dann weitergehen" (Maria Montessori) und sie einfach staunen und entdecken lassen. Es bedeutet, sie nicht ständig zu korrigieren und sich auch nicht in ihre (innere) Arbeit einzumischen und ebensowenig ihnen ständig was beibringen zu wollen, sondern ihnen zu vertrauen. Darauf, dass sie einem inneren, natürlichen Bauplan folgen, dass sie geborene "Macher" sind, die von Anfang an lernen wollen - aber immer nur das, wozu SIE bereit sind.


Es ist die Bereitschaft, Kinder zu verstehen, sie ernst zu nehmen und achtsam auf ihrem Weg zu begLEITEN. Es bedeutet, in allem, was wir tun, den Kindern Vorbilder zu sein und ihnen so auch das Rüstzeug zu geben, anderen Menschen respektvoll und friedlich zu begegnen aber auch, ihre Konflikte und ihr Bangen gewaltfrei zu lösen. Auch wenn ich selbst gerne solche Materialien herstelle, bin ich zu Hause keine Pädagogin, sondern Mama. Diejenige, die ihren Kindern zeigt, was eine Beziehung im wesentlichen ausmacht und was es bedeutet, einander zu vertrauen... die, die sie bedingungslos liebt, ermutigt aber auch loslässt. Und all das braucht keine selbstgemachten Materialien.

"Wenn wir erkennen, das Montessori ein Verb ist, eine Handlung und keine Sache, gestatten wir uns selbst [...] zu wachsen. Wenn wir erkennen, dass Montessori nicht benannt, etikettiert oder identifiziert werden, sondern nur gelebt werden kann, sprechen wir den Zauberspruch." 
- Catherine McTamaney: Das Tao von Montessori