04.05.2016

Montessori für zu Hause - ein praktischer Leitfaden (1)


Im Internet gibt es mittlerweile jede Menge Inspiration für Eltern zum Thema Montessori. Bilder von hübschen Spielregalen, spannende Materialien und unzählige Spielideen. Doch so schön die Materialien und spannend die Spielideen auch sind, sie allein machen Montessori für zu Hause noch nicht aus. Montessori ist ein Lebensstil. Es ist die Art, wie wir Kindern begegnen. Wie wir sie in ihren Fähigkeiten stärken und auf ihrem Weg achtsam begleiten. Doch das allerschönste an Montessori für zu Hause ist: es ist FÜR ALLE umsetzbar! 

Schon eine ganze Weile plane ich, eine Serie zu starten, eine Art Leitfaden um zu zeigen, worauf es uns als Eltern bei Montessori wirklich ankommt. Wer Lust hat, kann gerne auch in unserer Facebook-Gruppe aktiv mitmachen. Schritt für Schritt.


Die Vorbereitete Umgebung für zu Hause 

Etwas ganz ohne Hilfe selbstständig zu meistern, gibt Kindern ein unglaublich starkes Selbstwertgefühl. Es ist dieses ganz bestimmte Gefühl die kleinen Hürden des Alltages alleine bewältigen zu können. Das Gefühl wichtig und fähig zu sein. Daher war es uns wichtig unsere neue Wohnung so einzurichten, dass unsere Tochter möglichst ohne Hilfe zurecht kommen kann und haben die Räumlichkeiten ihren Bedürfnissen und ihrer Größe angepasst.

Die Küche
Da sie beim Kochen so gut wie immer mit dabei ist, war es für uns besonders wichtig, die Küche gleich nach unserem Umzug für sie "anzupassen". Es war wirklich keine große Sache, ihr einen Bereich einzurichten, wo sie jederzeit beim Kochen bequem mithelfen kann. Er besteht aus diesem kleinen Tisch mit Regalboden, einem Tritthocker der meistens direkt am Kühlschrank steht (damit sie sich dort bedienen kann) und aus zwei der unteren Schubladen.


In einer dieser Schubladen liegen für sie ein paar Teller, einige Schüssel sowie Becher, in der anderen Besteck, eine kleine Reibe und andere Kochutensilien parat. Ich habe versucht die Schubladen möglichst übersichtlich einzuräumen, damit wirklich alles (s)einen Platz hat und sie jederzeit leicht an ihre Sachen herankommen kann.


Ihre kleine, selbstgenähte Schürze sowie ihre Putzwerkzeuge bekamen ebenso einen fixen Platz. Es sind nicht viele Werkzeuge, die in ihrer Putzecke für sie bereit stehen, wirklich nur das, was sie im Alltag immer wieder braucht: ein kleiner Eimer, eine Schrubbürste, trockene Lappen sowie Besen, Handfeger und Schaufel. Für zu Hause reichen diese völlig aus.


Wir trennen Müll, daher habe ich ihr nach genauer Recherche passende Bilder auf die jeweiligen Mülleimer geklebt. So kann sie sich (aber auch ich mich) besser orientieren.


Der Vorraum
Was mir beim Einrichten ihres Bereiches im Vorraum wichtig war, dass dieser möglichst simpel aber praktisch ist. Er besteht aus einem kleinen Beistelltisch als Schuhablage, einem Korb für Halstücher und Hauben sowie Haken für Schuhlöffel, für Taschen und Jacken. Junge Kinder haben ja viel kürzere Arme und erreichen ihre eigenen Füße beim Sitzen nur mühsam, daher bekam sie einen Sessel  mit abgesägten Beinen, so kann sie ihre Schuhe viel bequemer an- und ausziehen.


Die Sanitärräume
Wir hatten eine Zeitlang das Problem, dass die Toilette wegen dem viel Papier, das drinnen landete, immer wieder verstopft war. Seitdem ihr dieser Korb mit nur einigen Papierstücken zur Verfügung steht, ist dieses Problem ohne viel Trara aus der Welt geschafft. Dazu müssen wir ihr diesen Korb nur regelmäßig nachfüllen.


Zum Baden liegen ihr ein Naturschwamm, ein Waschlappen, (den ich ihr für ihre Handgröße zurecht genäht habe) und ein Seifenspender mit 2 in 1 Waschgel bereit. Ihr Bademantel, der auch gleichzeitig ihr Badetuch ist, bekam einen Haken auf einer für sie erreichbaren Höhe an der Tür.

Früher, als sie den Wasserhahn beim Waschbecken nicht erreichen konnte, richteten wir ihr einen kleinen Waschtisch ein, den wir tagtäglich fürs Händewaschen und Zähneputzen verwendeten. Sie holte sich mit dem Krug jedes Mal Wasser und nach dem Händewaschen leerte sie die Schüssel selbst in der Badewanne aus. Heute ist der Wasserhahn natürlich kein Thema mehr und mit Hilfe von diesem kleinen Tritthocker kommt sie jederzeit an das Waschbecken heran.


Der passende Spiegel über unserem Waschbecken fehlt leider noch, also bemalte ich einen kleinen Beistelltisch weiß, verpasste ihm einen kleinen Hocker (ein Flohmarktfund) mit einem selbstgenähten Bezug, besorgte noch beim Interio ein unglaublich hübsches Papierkörbchen für 6 Euro und richtete Julia diesen Frisiertisch und eine Nasenputz-Station ein. Ganz nach ihrem Geschmack.

Doch jedes Zuhause und jede Familie ist anders und hat unterschiedliche Ressourcen, daher wird auch die Umsetzung eine ganz individuelle sein. Mit etwas Kreativität lässt sich aber bereits mit wenigen Handgriffen die eigene Wohnung so einrichten, dass auch Kinder möglichst vieles selbstständig bewältigen und im Familienalltag aktiv mitmachen können.

P.S.: Im zweiten Teil meiner Serie zeige ich Euch dann das Kinderzimmer, samt Bett, Garderobe und Spielsachen.

Kommentare:

  1. Ich liebe diese Einrichtungen bei Euch zuhause. Ich würde die auch gerne nachgestalten, aber mit einem 2. kleinen Kind zuhause sind all die tollen Dinge auf deinen Bildern leider nicht möglich. Die Kleine würde alles ausräumen, umkippen, kaputt machen. Das tut mir leid für die Große aber mit einem Kidn alleine scheint mir das einfacher umzusetzen.

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    1. Mein großes Kind ist genauso alt wie Julia und hat bereits ein kleines 2jähriges geschwisterchen. Daher kann ich aus eigener Erfahrung sagen: es ist möglich, wenn man es will!

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    2. Ich denke, je älter das Geschwisterchen wird, desto einfacher wird es. Es macht einen Unterschied, ob man neben dem großen Kind noch ein 1,5-Jähriges oder ein 2,5-Jähriges hat! Nicht abzustreiten ist aber, dass es mit mehreren Kindern generell schwieriger ist, die Montessori-Umgebung in Ordnung zu halten. Trotzdem lohnt es sich dran zu bleiben, wie ich finde - denn spätestens wenn sie größer werden profitieren alle davon.

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    3. Ach ja, und DANKE, Anna, für den schönen Beitrag!

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  2. Liebe Anna,
    dieser Leitfaden gefällt mir sehr. Wir ziehen ja auch bald um, werden zwar dann nicht so viel Platz wie ihr haben, aber mehr als jetzt und dann endlich die Möglichkeit, Emil einen kleinen Werkstatt-Bereich herzurichten. Wie du unten schreibst, sind ja alle verschieden und bei ihm steht schon seit langer Zeit das Bauen im Vordergrund. Aber "echt", nicht nur mit Bausteinen. Dazu haben wir glücklicherweise eine wunderschöne, alte Kurbelbohrmaschine bei der Caritas gefunden und es wird bereits eifrig gebohrt und geschraubt. Mit eigener Werkbank ist dann auch der Einsatz eines Schraubstockes möglich, sodass er mich nicht immer bitten muss, zu halten. Und sägen kann er dann auch. DA freuen wir uns schon alle drauf!
    Liebe Grüße, Sophia

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  3. Sehr schöne Anregungen. Wo bekommt man denn die tolle Klotreppe??

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    1. Ikea ;) ist ein Tritthocker. Trogen heißt der glaube ich.

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  4. Vielen Dank für diese großartigen Ideen, die zeigen, wie Montessori in der Praxis aussehen kann!
    Da wir bald umziehen, werde ich diese Ideen mit einbeziehen, wenn wir unsere neue Wohnung einrichten.

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  5. Liebe Anna,
    Ich möchte gerne die gleiche Schürze nähen.
    Haben Sie ein Schnittmuster zu teilen?
    Danke vielmal,
    Hélène

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    1. Oh ja bitte. Ich brauche auch noch eine Schürze für meinen Engel. Und in seiner Größe gibt es nichts zu kaufen.

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  6. Hallo! Hier findet man immer so tolle Ideen! Darf ich fragen woher ihr die Schilder für die Mülltrennung habt?

    Danke
    Cornelia

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  7. Das vorportionierte Klopapier ist genial! Alexandra

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  8. Liebe Anna,
    vielen Dank für deine stets durchdachten und inspirierenden Beiträge! Auch dieser ist wieder sehr gelungen und ich freue mich schon auf den zweiten Teil. :-)
    Ich freue mich immer sehr, wenn ich sehe, dass ein neuer Artikel online ist.
    Und zum guten Schluss noch ein großes Lob für deine bezaubernden Bilder immer!
    Danke, Jessica

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  9. Auch von mir ein riesen Danke Schön für diesen schönen und inspirierenden Beitrag

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  10. Hallo, tolle Ideen!
    Vielleicht mal ueber ikea nachdenken. Die tricksen so das sie fast keine steuern zahlen. Legal aber unfair fuer unser sozialsystem.
    Lg miriam

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  11. Hallo! Wo gibt es denn diese tollen bunten Porzellan Schüsseln und Teller? Die hätte ich auch gerne! :-) liebe Grüße!

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  12. Hallo!
    In dem bestreben, immer wieder etwas mehr Montessori in unser Leben zu lassen, schaue ich immer wieder gerne hier vorbei! Vieles klappt bei uns leider noch nicht so! Zur eigentlichen Frage: das Flurregal, soll ja vom Ikea sein, aber ich finde es leider nicht :( Hätte das so gerne als Waschtisch!Ist der Name davon bekannt?

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