07.09.2017

Kindern Aufgaben geben, an denen sie wachsen können


Ende dieser Woche fahren wir in unseren ersten Urlaub zu viert. Julia ist natürlich schon sehr aufgeregt und erzählt allen, dass sie ans Meer fährt. Bis dahin heißt es allerdings, Wäsche sortieren und Koffer packen. Als ich Julia vorschlug, ihren Reisekoffer diesmal selbst zu packen, sagte sie ohne zu zögern und strahlend "Ja!".


Ich erstellte ihr eine Liste mit kleinen Abbildungen von Klamotten und Gegenständen für den Urlaub und schlug ihr vor, diese Liste erstmal durchzugehen. Sie überlegte und beschloss alles anzumalen, was sie von diesen Sachen brauchen wird, was sie anziehen soll, wenn es mal regnet, wir in ein Restaurant gehen oder in die Stadt fahren zum Bummeln. Was sie nicht wichtig fand, strich sie einfach durch.


Sie fing an nachzuzählen, wie viel sie von den bunt angemalten Sachen jeweils brauchen wird und nahm dazu als Hilfe ihre Finger. Sie zählte 4 Röcke, 2 Paar Socken und 6 Badeanzüge. Um auf Nummer sicher zu gehen, zählte sie noch einmal nach, ob sie wirklich so viele hatte.


Ich lies auch ein wenig Platz für weitere Ideen, die ihr vielleicht einfielen und die sie gerne noch hinzuzeichnen oder hinzuschreiben möchte. Sie zeichnete tatsächlich noch eine Jacke mit Kapuze hin und auch einige Spielsachen und Buntstifte. Zu den Sachen, die sie durchgestrichen hatte, schrieb sie eine Null, die restlichen Zahlen notierte sie mit einem Malzeichen. Sie schrieb die Zahlen, außer de 4, spiegelverkehrt auf, aber ich sagte kein Wort. Ich wollte sie weder bei der Arbeit stören, noch ihr die Freude daran nehmen. Sie wird noch oft genug die Zahlen sehen und schreiben können und irgendwann den Dreh heraushaben.


Sie betrachtete noch einmal ihre fertige Liste und verschwand dann damit in ihrem Zimmer. Wenige Minuten später kam sie wieder mit einigen Klamotten in der Hand und stapelte diese auf der Couch. Dann schaute sie wieder auf ihre Liste und verschwand erneut.


Klamotten, die sie vom Kleiderhaken nahm, waren natürlich noch nicht zusammengefaltet, also machte sie diese auf dem Fußboden breit und faltete. Ich wollte sie dabei nicht stören und ihr auch nicht das Gefühl geben, als traute ich ihr diese Aufgabe nicht zu, also ging ich in die Küche um zu "kochen" und beobachtete sie aus der Entfernung.


Sie ging nicht der Reihe nach, kam dennoch gut zurecht. Sie überlegte, welche T-Shirts und Kleider sie wirklich mitnehmen wollte und hielt sich dabei an die Mengenangaben auf ihrer Liste.



Dann nahm sie die Stapel und stopfte diese, so wie sie waren, in ihren kleinen Koffer. Einige Socken steckte sie in die Vordertasche, andere, die dort keinen Platz hatten, sowie den IPod, den ich ihr ausgeborgt habe, steckte sie in die Seitentaschen.


Sie hatte viel Mühe, alles, was auf der Couch gestapelt lag, in ihrer Reisetasche unter zu bringen. Überall wo noch ein wenig Platz war, verteilte sie ihre Sachen, bis wirklich alles in der Tasche verschwand. Und als sie endlich fertig war, sagte sie freudig "Fertig!" und hob den recht schweren Koffer in die Höhe, damit ich ihn aus der Küche gut sehen konnte und mich mit ihr freute. Aber vielleicht hob sie diesen auch, um es noch deutlicher zu spüren, welche große Aufgabe sie gemeistert hatte.

Für mich bedeutet Montessori genau das. Sie zur Selbstständigkeit zu verhelfen und ihr so oft wie möglich Entscheidungen zu überlassen. Ihr Aufgaben zutrauen, bei welchen sie Verantwortung für sich, für andere und für ihre Umgebung tragen kann - an denen sie wachsen kann. Egal, was der Alltag bietet.

Kommentare:

  1. Sehr schöne Idee, die ich stibitzen werde :) ABER: Ich seh mich schon - heimlich? - einen "Parallelkoffer" packen mit doch noch einer Strumpfhose mehr, einem dicken Pullover auf Reserve etc. Wie machst Du das - nimmst Du dann wirklich nur das mit, was sie einpackt? Ich würde doch aber den ganzen Stolz des Minis auf das Geleistete zerstören, wenn ich ihn durch den zweiten Koffer "übergehe"? Oder drüber reden, was noch rein sollte? HELP :) und liebe Grüße, E.

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    1. Hallo Eva! Ja, ich verstehe Deine Bedenken. Aber ich glaube, es ist eine nette Gäste, an jemanden zu denken. Und das können Kinder auch spüren und erleben dürfen, hängt wirklich davon ab, wie es vermittelt wird. Also ich werde meiner Tochter bestimmt sagen, dass ich den Wetterbericht gelesen habe und da es auch regnen wird, habe ich für mich und auch für sie noch einige warme Socken eingepackt. Und hey, ich habe ihren Lieblingspyjama frisch gewaschen, vielleicht mag sie den auch noch einpacken? ��
      Viel Spaß beim Einpacken und liebe Grüße, Anna

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  2. Spitze gemacht:)!! (...ihr beide...)

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  3. Tolle Idee! Leider funktioniert bei mir der Link zur schönen Vorlage nicht? Liebe Grüße, H.

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    1. Danke Dir für den Hinweis! Der Link zum Herunterladen müsste jetzt wieder funktionieren. ;)

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    2. Drive hat ein Problem. Leider. Sende mir doch einfach eine Nachricht auf elternvommars(at)gmail.com oder auf FB, dann kann ich Dir die Liste gerne zuschicken.
      Alles Liebe,
      Anna

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  4. Das ist so toll! Und wer sechs Badeanzüge dabei hat, ist ja am Meer eigentlich immer richtig angezogen :-)
    Liebe Grüße von Lena

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  5. Hallo, leider kann man die Liste zwar herunterladen – dann aber nicht öffnen. Geht das allen so? Oder geht es nur bei mir nicht? Hab es mit zwei verschiedenen Programmen versucht, Acrobat und Mac Vorschau – keine Chance...

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    1. Hallo Heidi-Barbara! Drive scheint ein Problem zu haben. Macht nichts, schicke mir einfach eine Nachricht via E-Mail (elternvommars(at)gmail.com) oder auf FB, dann sende ich dir die Liste gerne zu! :)
      Alles Liebe,
      Anna

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  6. Hallo liebe Anna, vielen Dank für deinen Beitrag! Der ist toll geworden. Hat die Tasche Deine Schwester genäht? Die ist so schön. :)

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  7. Ich habe eine behinderte Tochter, sie ist 18 und ich habe auch das selbe System gewählt. Sie ist unheimlich stolz es alleine zu schaffen. Und ich freu mich mit, dass sie wieder einen Schritt geschafft hat.

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