14.11.2017

"Tue weniger, beobachte mehr, doch am meisten: genieße!"


Während Jakob auf dem Teppich vor seinem Spielregal lag, saß ich in seiner Nähe auf dem Boden, schaute ihm einfach nur zu und dachte über dieses Magda Gerber Zitat nach. Wie viel in diesem kurzen Satz drinnen steckt. Und wie schwer ich mir dabei früher tat, diesen Satz zu verstehen.

Als Julia noch ein Baby war, hatte ich immer diesen Impuls, ihr sofort zur Hilfe zu eilen, wenn sie bei etwas nicht weiterkam und ihr etwas in die Hand zu drücken um sie zu beschäftigen. Auch sämtliche Spielsachen, die davon gerollt sind, gab ich ihr sofort zurück. Ich dachte, ich tue ihr damit was Gutes und dass sie noch bei so vielem meine Hilfe braucht. Ich habe zu viel getan und ihr weniger zugetraut - und dadurch eine Menge verpasst.


Ich habe verpasst zu sehen, wie spannend für ein Baby seine eigenen Hände sein können und mit welcher Konzentration es diese erforscht. Wie viel es sich bewegt, sich wendet, was nicht nur viel Arbeit für ihn ist, sondern auch wesentlich, denn dadurch erfährt es unglaublich viel über seinen eigenen Körper.


Mir war nicht bewusst, dass ich mein Kind nicht beschäftigen brauche, ihm lediglich nur eine passende Umgebung mit einigen wenigen spannenden Materialien vorzubereiten habe, die es mit seinen Händen, mit seinen Sinnen und mit seinem Körper erforschen kann.


Weil ich zu viel tat und weniger zuschaute, konnte ich damals nicht sehen, was der Unterschied ist, wenn es selbst nach seinen Spielsachen greifen kann. Dass es so nicht nur selbst entscheiden kann, was es erforschen möchte, sondern dies auch in seinem eigenen Tempo.


Ich verpasste vor allem zu sehen, dass es gar nicht so oft meine Hilfe braucht, wie ich es angenommen habe. Dass es zwar auch mal frustriert ist, damit dennoch sehr oft alleine klar kommt und für seine Probleme selbst eine Lösung findet. Sei es eine Hand, die unter seinem Bauch fest klemmt, ein Spielzeug was es zu ergreifen versucht oder eine Bewegung, die es gerade dann entdeckt. Wenn ich ihm nicht sofort zur Hilfe eile sondern weiter beobachte, auch wenn ich ihm nur mit einer Handbewegung helfen könnte und dann doch lieber abwarte, gebe ich ihm die Möglichkeit, manche Hürden selbst zu meistern und so Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten zu gewinnen. Und daran wächst es unglaublich viel.


Ich sah damals auch nicht, wie spannend für ein Baby so ein rollender Gegenstand sein kann. Dieses Staunen in seinen Augen zu sehen, wenn es entdeckt, dass manches davon ... aber nicht wieder zurück rollt. Und welch ein Ansporn es ist, diesen Gegenstand wieder selbst zu erobern zu versuchen. Ich habe schlichtweg verpasst, die Welt durch seine Augen zu sehen.

Aber heute verstehe ich dieses Zitat und schaue Jakob oft einfach nur zu während er die Welt entdeckt. Und ich sehe so viel mehr als damals. Wie er mit seinen Augen meinen Blick sucht um sich zu vergewissern, dass ich bei ihm bin. Dass er bereits jetzt eine Persönlichkeit ist und sich zwar kurz über sein Misslingen ärgert, sich von seinem Ärger aber kein bisschen aufhalten lässt. Ich sehe seine Interessen, seine Bemühungen und Errungenschaften - aber was ich ganz besonders dabei lerne, ist, über seine Entwicklung zu staunen.

Kommentare:

  1. Genießen!!:) oh ja! Genieße es! So ein entzückendes Herzbinkerl! Ein Traum!! ...und die Zeit fliegt nur so dahin!...
    Habt es schön !:)

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    1. Herrlich��Ich habe deine Seite vor ca. einem Jahr entdeckt...und ich liebe es darin zu lesen! Danke für deine Einblicke in die Welt von Montessori. Bei uns kommt im Februar ein kleiner Enkelbub "freu" und ich möchte bewusst mit ihm die Zeit verbringen. Habt eine schöne besinnliche Adventszeit! LG.Elisabeth

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  2. Sooooo toll :)
    Vieeelen Dank für deinen Blog!!!

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